Buch, Deutsch, 230 Seiten, GB, Format (B × H): 154 mm x 216 mm
Kommissarin Waldmann ermittelt auf Paros
Buch, Deutsch, 230 Seiten, GB, Format (B × H): 154 mm x 216 mm
ISBN: 978-3-942223-76-8
Verlag: Größenwahn Verlag
Die griechische Insel Paros ist ein beschaulicher Platz um Urlaub zu machen und so trifft sich jedes Jahr aufs Neue eine eingeschworene Gemeinschaft, die bestens vertraut ist mit der Insel, ihren Einwohnern und Eigenheiten. Doch dieses Jahr beginnt der Sommer mit einem Selbstmord. In dem beschaulichen Inselstädtchen Naoussa wird der allseits und besonders bei den Frauen beliebte Kellner des Café Aliportas erhängt gefunden. Als noch Katharina Waldmann, die deutsch-griechische Chefin der Mordkommission Athen zur Amtshilfe auf die Insel gerufen wird, ist jedem klar, dass ein Mord geklärt werden soll. Spekulationen und Gerüchte machen die Runde, falsche Fährten werden gelegt, alte Rechnungen beglichen, und ein paar Touristen entdecken ihr kriminalistisches Gespür und machen Katharina Konkurrenz. Paros verbirgt plötzlich für alle Beteiligten viele Geheimnisse.
Peter Pachel reiste 1981 zum ersten Mal nach Griechenland, auf Naoussa/Paros fand er Freunde und Familienanschluss, dort hat er über die Jahre viele Menschen aus aller Welt kennengelernt, die ähnlich wie er alle dem idyllischen Ort erlegen sind – 'Infected by the Paroan Virus' nenne sie das Verlangen, immer wieder auf diese ägäische Insel zu kommen. Sein Debütroman ist eine Hommage an Paros und an die ägäische Küche mit den verführerischen Köstlichkeiten, Kochrezepte, die er jedes Jahr mit nach Deutschland bringt.
Zielgruppe
Griechenland-Urlauber, die das Ägäis und besonders die Kykladen Insel PAROS lieben. Krimi, Roman und Landeskunde im eins.
Autoren/Hrsg.
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Stephan lag bereits wach in seinem Bett, als gegen 03:00 Uhr morgens der Wecker schrillte, und er brauchte nicht lange, um aufzustehen. Es hatte die ganze Nacht geregnet, und die Sehnsucht nach Sonne war riesengroß. Aber davon sollte er ja genug bekommen in den nächsten drei Wochen, da war er sich ziemlich sicher, er wurde bei all seinen Griechenlandreisen noch nie enttäuscht. Er hatte unruhig geschlafen, und die Vorfreude auf Urlaub, hatte ihn immer wieder wach werden lassen. Daran hatte sich in all den Jahren nichts geändert, so wie sich auch nichts an den Unannehmlichkeiten der Anreise auf seine geliebte Insel geändert hatte. Es war schon mühsam, nach Paros zu gelangen, der kleinen griechischen Insel inmitten der südlichen Kykladen, der er schon so lange verfallen war. Aber irgendwie gehörte diese lange Anreise auch dazu, das trennte schon die Spreu vom Weizen, was die Besucher betraf. Denn längst nicht jeder war bereit, diese Mühen auf sich zu nehmen. Dabei war es doch gerade das, was er an diesem Land so liebte, und das ihn seit dreißig Jahren immer wiederkehren ließ. Griechenland bedeutet für ihn, drei Wochen den deutschen Perfektionismus vergessen, alle Fünfe mal gerade sein zu lassen, sich der Muße des griechischen Alltags hinzugeben und sich von dem goldenen Licht der Ägäis verwöhnen zu lassen. Langeweile war dabei auch nach so langer Zeit nie aufgekommen, dazu kannte er einfach viel zu viele Leute, Griechen und die kleine Touristen-Familie, die sich jedes Jahr aufs Neue aus aller Herren Länder dort einfand und für einige Wochen eine eingeschworenen Gemeinschaft bildete.
Gut gelaunt packte er die letzten Sachen zusammen und schaltete seine Nespresso Maschine ein, um sich noch schnell einen Kaffee zu machen und etwas in Schwung zu kommen. Während er Wasser in den Vorratsbehälter goss, dachte er schon mit Freude an einen richtig guten griechischen 'Kafé Metrio' oder einen 'Frappé', den man in Griechenland zu jeder Tages- und Nachtzeit genießt.
Ein Blick in den Spiegel zeigte seine momentane Verfassung: Er sah blass und abgespannt aus und brauchte dringend Erholung. Der Job fraß ihn zunehmend auf, und es war keine Besserung in Sicht. Mit seinen 50 Jahren wurde er zwar häufig jünger eingeschätzt und sah auch immer noch recht sportlich aus, aber der äußere Schein trog. Die sich immer schneller drehende Welt und der zunehmende Druck im Betrieb hatten ihm sichtlich zugesetzt. Er war immer dünnhäutiger und verletzlicher geworden und spürte, dass ihm das zunehmende Alter zu schaffen mach-te. Stephan hatte immer gedacht, ab 50 könnte er weniger arbeiten, aber genau das Gegenteil war der Fall. Seitdem der Betrieb zu einem globalen Unternehmen umgebaut wurde, gab es keine Regeln mehr. Immer mehr wurde er zum Spielball irgendwelcher Aktionspläne, auf die er kaum noch Einfluss hatte. Gerne erinnerte er sich noch an die Zeit, als er für ein gesundes Familienunternehmen tätig war, aber in den Zeiten einer globalisierten Welt, hätte dieser wohl kaum eine Überlebenschance gehabt.
Das alles war auf Paros bislang noch nicht angekommen. Dort lief das gesamt Leben noch in ruhigeren, überschaubaren Bahnen, auch wenn erste Zeichen der Krise nicht zu übersehen waren. Entspannung pur, das war sein Plan, ohne zu diesem Zeitpunkt auch nur ein leiseste Ahnung davon zu haben, was ihn auf Paros erwarten würde.
Mit einer Tasse kräftigen Ristretto schaltete er ein letztes Mal sein Notebook ein, um seine E-Mails zu checken. Er hoffte, dass sich Alexandros, der Sohn seiner griechischen Vermieter, mittlerweile gemeldet hatte, um ihm mitzuteilen, dass er ihn in Parikia, der quirligen Inselhauptstadt, abholen würde. Doch vergebens, in seinem Posteingang war keine Info von ihm. Was ihn auch gewundert hätte, bestimmt hatte er es wieder einmal vergessen, schließlich war es ja schon wieder eine ganze Weile her, das er seine Ankunftszeit durchgegeben hatte. Es wurde langsam Zeit, die deutsche Gründlichkeit abzulegen und sich auf die griechische Gelassenheit einzustimmen, dachte er. Doch er wusste, dass es wie jedes Jahr ein paar Tage dauern würde, bis ihm das gelang. Über sich selbst schmunzelnd, wollte er gerade sein Notebook wieder runter fahren, als ihm eine Nachricht von Hannah ins Auge fiel:
'Hallo Stephan, ich bin in einer furchtbaren Verfassung, es ist was Schreckliches passiert! Bitte melde dich sofort, wenn du angekommen bist. Gute Reise, Hannah.'
Stephan stutzte einen Moment, griff hinter sich an die Stuhllehne, und stolperte fast, als er sich hinsetzen wollte. Diese Mail traf ihn vollkommen unvorbereitet in seiner fröhlichen Aufbruchsstimmung. Er begriff nicht, was Hannah damit meinte? Warum hatte sie nicht mehr dazu geschrieben? Mehrfach las er den kurz gehaltenen Text, in der Hoffnung, doch noch etwas heraus zu interpretieren. Ob sie vielleicht einen Unfall hatte, kam ihm spontan in den Sinn. Das passierte auf den sandigen und oft nassen Küstenstraßen immer wieder, besonders wenn Touristen mit überhöhter Geschwindigkeit über die Insel rasten. Oder man hatte ihr einen ihrer Klunker gestohlen, die sie abends so gerne zur Schau trug? Unmut machte sich in ihm breit, er wollte doch seinen Urlaub nicht direkt mit irgendwelchen Horrormeldungen beginnen. Er schüttelte seinen Kopf, so als wolle er das gerade Gelesene abschütteln, sich nicht weiter damit belasten. Doch es fiel ihm schwer, denn obwohl er wusste, dass Hannah leicht zu Übertreibungen neigte, besonders wenn sie ein Glas Wein zu viel hatte, musste hier schon etwas Ernsthaftes vorgefallen sein. Automatisch griff er zu seinem Handy, er wollte telefonieren, wollte jetzt wissen, was passiert war, und erst während er Hannahs Nummer suchte, fiel ihm ein, wie spät es war. Kurz vor vier zeigte seine Uhr, und sein Taxi musste jeden Moment kommen, jetzt war keine gute Zeit zum Telefonieren. Die Vorfreude auf den ersten gemeinsamen Abend im Familiennest trübte sich ein. Was würde ihn wohl im Aliportas erwarten? Dieser magischen Lokalität in der Nähe des Busbahnhofs von Naoussa, dem idyllischen Ort im Norden der Insel Paros. Das Cafe hatte sich seit vielen Jahren zum ständigen Treffpunkt der ›Familie‹ entwickelt und würde auch in diesem Jahr wieder zum Dreh- und Angelpunkt der nächsten drei Wochen werden.




