E-Book, Deutsch, Band 15, 130 Seiten
Reihe: Nächte in Northbridge
Pade Ein bisschen Glück und sehr viel Liebe
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7418-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 15, 130 Seiten
Reihe: Nächte in Northbridge
ISBN: 978-3-7337-7418-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Weihnachten steht vor der Tür. Was auf Shannons Wunschzettel nicht steht, ist ein Mann! Aber das Fest in der Kleinstadt, wo sie ihre Familie besucht, beschert ihr überraschend Traummann Dag McKendrick. Wo sie doch längst ein neues Leben in Hollywood geplant hat ...
Victoria Pade ist Autorin zahlreicher zeitgenössischer Romane aber auch historische und Krimi-Geschichten entflossen ihrer Feder. Dabei lief ihre Karriere zunächst gar nicht so gut an. Als sie das College verließ und ihre erste Tochter bekam, machte sie auch die ersten schriftstellerischen Gehversuche, doch es sollte sieben Jahre dauern, bis ihr historischer Debütroman veröffentlicht wurde. Um die Trennung von ihrem Mann zu verarbeiten und aktuelle Themen aufzugreifen, wechselte sie schließlich zu modernen Geschichten, die im Hier und Jetzt spielen. Victoria lebt zusammen mit ihren Eltern und ihrer jüngsten Tochter, die Psychologie studiert, in Colorado. Ihre älteste Tochter studiert in Michigan Medizin.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
„Ho, ho, ho! Ihr könnt aber schon gut eislaufen!“
Shannon Duffy lächelte über das, was sie hörte und sah, als sie aus ihrem Wagen stieg.
Nach einer langen und anstrengenden Fahrt war sie endlich in der Kleinstadt Northbridge im Bundesstaat Montana angekommen. Als sie direkt am Hauptplatz der Stadt einen freien Parkplatz entdeckte, fuhr sie sofort in die Lücke, damit sie aussteigen und sich strecken konnte.
Ganz in der Nähe befand sich eine offene Eisfläche, auf der eine Gruppe von Kindergartenkindern vom Weihnachtsmann persönlich Unterricht im Eislaufen bekam. Oder zumindest von jemandem, der als Weihnachtsmann verkleidet war und die Kinder mit fröhlichen Ho-ho-hos aufmunterte.
In einer guten Woche war schon Weihnachten, und Shannon war alles andere als traurig, dass sich das Jahr dem Ende näherte. Es war kein leichtes für sie gewesen.
Sie seufzte bei dem Gedanken an all die Schwierigkeiten des Jahres …
Doch als sie die kalte, frische Kleinstadtluft einatmete und die lachenden Kinder auf dem Eis sah, freute sie sich, dass sie hergefahren war. Sie fühlte sich schon etwas weniger einsam und allein als noch vor einer Minute. Es war beinahe, als würde die Kleinstadt sie willkommen heißen, die ihre vor Kurzem verstorbene Großmutter so geliebt hatte.
Shannon hatte in diesem Jahr drei Verluste erlitten. Vier sogar, wenn sie Wes mitzählte.
Anfang Januar war ihr Vater gestorben, drei Monate danach ihre Mutter. Der Tod ihrer Adoptiveltern kam nicht überraschend: Beide waren viele Jahre lang krank gewesen. Doch als im August auch noch ihre Großmutter an einem ebenso plötzlichen wie unerwarteten Herzinfarkt starb, war es ein Schock für Shannon gewesen. Innerhalb weniger Monate hatte sie ihre gesamte Familie verloren.
Und dann war auch noch ihre Beziehung zu Wes Rumson gescheitert …
Für ihre Reise nach Northbridge gab es zwei Gründe. Shannon war zu einer Hochzeit eingeladen worden und wollte die Feiertage mit den Menschen verbringen, die vielleicht ihre neue Familie werden würden.
Vor zwei Monaten hatte sich ein Mann namens Chase Mackey bei ihr gemeldet und ihr aus heiterem Himmel eröffnet, dass er ihr Bruder war. Und nicht nur das: Sie war eines von insgesamt fünf Kindern – drei Brüder, zwei Schwestern –, die nach dem Tod ihrer Eltern bei einem Autounfall teilweise getrennt und zur Adoption freigegeben worden waren. Damals war sie achtzehn Monate alt gewesen.
Shannon hatte gewusst, dass sie adoptiert war. Wovon sie vor Chase Mackeys Anruf jedoch keine Ahnung gehabt hatte, war, dass sie irgendwo auf der Welt Geschwister hatte.
Und wie sich im Gespräch mit Chase herausstellte, lebte einer ihrer Brüder noch nicht einmal allzu weit entfernt von ihr, denn Chase rief sie aus Northbridge an, der Stadt, in der ihre Großmutter gelebt hatte und wo sich die Farm befand, die Shannon nach dem Tod der alten Dame geerbt hatte.
Diese Farm war der zweite Grund, weshalb sie nach Northbridge gekommen war. Da sie keinerlei Verwendung für eine solche Immobilie hatte, würde sie heute die Dokumente für den Verkauf von Haus und Grundstück unterzeichnen.
„Hoppla, Tim! Hast du dir wehgetan?“
Einer der kleinen Eisläufer war hingefallen, und die Frage, die Shannon gehört hatte, kam vom Weihnachtsmann. Der war erstaunlich sportlich zu dem Jungen gerast und hatte mit elegantem Schwung vor ihm abgebremst. Der lange rote Mantel und das Kissen, das wohl daruntersteckte, hatten ihn dabei nicht im Geringsten behindert.
Der kleine Tim erwies sich als echter Held, der die Zähne zusammenbiss und gegen die aufsteigenden Tränen kämpfte. Er ließ sich vom Weihnachtsmann hochhelfen und fuhr mit ihm wieder zurück zur Gruppe.
Shannon war begeistert, wie souverän die beiden die Situation gemeistert hatten.
Nicht dass sie das irgendetwas anging. Es erinnerte sie nur an ihren Beruf als Kindergärtnerin, den sie manchmal etwas vermisste.
Sie arbeitete schon seit ihrem Collegeabschluss in einem Kindergarten, und sie liebte ihren Job. Doch der Tod ihrer Großmutter hatte ihr einen solchen Tiefschlag versetzt, dass sie eine Auszeit gebraucht und sich ein halbes Jahr freigenommen hatte.
Ob sie im neuen Jahr wieder in ihren Kindergarten zurückkehren würde, wusste sie noch nicht. Vielleicht würde sie auch das Angebot einer alten Freundin annehmen und nach Beverly Hills ziehen …
Doch all das stand in den Sternen, und während der kommenden Tage wollte sie sich nur mit ihrem neuen Bruder und ihrem kleinen Neffen beschäftigen und alles daransetzen, ihr erstes Weihnachtsfest nach den vielen Schicksalsschlägen so gut wie möglich hinter sich zu bringen.
Sie zog ihr Handy aus der Jackentasche. Kurz vor Northbridge gab es ein Funkloch, und Shannon hoffte, dass sie während ihres Aufenthalts nicht von der Außenwelt abgeschnitten sein würde.
Doch ihre Befürchtung erwies sich als unbegründet. Wenige Minuten später hatte sie wieder ein Netz. Und eine Nachricht auf der Mailbox …
Es war die Sekretärin von Wes, die sie bat, sich zu melden, sobald sie gut angekommen war.
Shannon wusste Wes’ Fürsorglichkeit zu schätzen. Er hatte sich auch nach ihren Plänen für die Feiertage erkundigt, weil er nicht wollte, dass sie das Fest allein verbrachte.
Doch schon der Umstand, dass es einmal mehr Wes’ Sekretärin war, die sie anrief, und nicht Wes persönlich, bestärkte sie in ihrer Entscheidung, den Heiratsantrag des Mannes abzulehnen, mit dem sie in den vergangenen drei Jahren zusammen gewesen war.
Wes Rumson. Der politische Hoffnungsträger der mächtigen Familie Rumson, die nur aus Staatsanwälten, Senatoren, Kongressabgeordneten und Bürgermeistern zu bestehen schien. Und wenn Wes’ Wahlkampagne erfolgreich verlief, würde bald auch noch ein Gouverneur aus ihren Reihen kommen.
Wes war der Mann, der ihr das spannende Leben bieten konnte, das sie sich immer gewünscht hatte. Wenn sie den Antrag, den er ihr vor laufender Kamera gemacht hatte, angenommen hätte.
Aber das hatte sie nicht. Egal, wie die Öffentlichkeit ihre Antwort wahrgenommen hatte, Shannon hatte Nein gesagt.
Doch mit Ausnahme einiger weniger Insider wusste das niemand. Die Aufnahmen waren nicht gesendet worden.
Und sie hatte jetzt wirklich keine Lust auf eine Unterhaltung mit Wes’ Sekretärin. Deshalb schickte sie ihr nur eine SMS, in der sie schrieb, dass sie gut in Northbridge angekommen sei, und ihr fröhliche Weihnachten wünschte.
Offenbar reichte schon die Nähe des alten Mannes im roten Mantel aus, um Shannon in eine weihnachtliche Stimmung zu versetzen …
Während sie ihr Handy zurück in die Tasche ihres dunkelblauen Wollmantels steckte und dabei das Geschehen auf der Eisfläche beobachtete, fiel ihr auf, dass dieser Weihnachtsmann eigentlich gar nicht so alt wirkte. Hinter dem falschen Bart und unter der roten Zipfelmütze steckte ein viel jüngerer Mann als erwartet, der sich auf seinen Schlittschuhen ausgesprochen leichtfüßig und schnell bewegte.
Nein, alt war dieser Mann nicht. Er war fit und jung und sportlich und …
Shannon hatte keine Ahnung, warum sie hier stand und ihn anstarrte. Besonders, weil es höchste Zeit war, dass sie sich auf den Weg machte.
Ein letzter tiefer Atemzug, ein weiterer Blick auf den festlich dekorierten Hauptplatz, die kleinen Eisläufer und den flotten Weihnachtsmann, und dann stieg Shannon zurück in ihren Wagen.
Weil sie gleich ihren Bruder wiedersehen würde, den sie erst kürzlich kennengelernt hatte, klappte sie die Sonnenblende herunter und kontrollierte ihr Gesicht im Spiegel.
Sie hatte ihre langen, walnussbraunen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Was sie von dem neuen Mascara hielt, mit dem sie ihre blaugrünen Augen akzentuiert hatte, musste sie erst noch herausfinden, aber zumindest war nach der langen Fahrt alles noch intakt. Auch an dem Hauch von Rouge auf ihren Wangen gab es nichts auszusetzen. Ihr Lippenstift hingegen benötigte dringend eine Auffrischung.
Abgesehen davon war sie schön genug, um sich bei Chase Mackey und seiner zukünftigen Frau Hadley sehen zu lassen.
Shannon las sich noch einmal die Wegbeschreibung durch, die Chase ihr gegeben hatte: Auf der South Street links abbiegen. Danach die vierte Querstraße rechts.
Sie hatte sich schon zweimal mit Chase getroffen, doch beide Male war er zu ihr nach Billings gekommen. Genau, wie auch ihre Großmutter immer sie besucht hatte – und nie umgekehrt. Dies war Shannons erster Besuch in Northbridge seit ihrem zwölften Lebensjahr.
Chase hatte erzählt, dass er und sein Geschäftspartner Logan McKendrick gemeinsam eine alte Farm gekauft hatten, die sie für ihre Zwecke umgebaut und hergerichtet hatten. Logan lebte im Farmhaus. Daneben gab es eine Werkstatt und einen Verkaufsraum für die Möbeltischlerei, die Chase und Logan gemeinsam betrieben.
Chase und Hadley lebten in einer geräumigen Wohnung über der Werkstatt. Über der Garage befand sich außerdem ein weiteres kleines Apartment, das Shannon während der Feiertage bewohnen würde.
Sie war also nicht nur bei Chase und Hadley zu Gast, sondern irgendwie auch bei Logan und seiner Familie.
Aber am meisten freute sie sich auf ihren Neffen Cody.
Cody war der fünfzehn Monate alte Sohn der ältesten Schwester von Shannon und Chase. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er von Chase und Hadley erzogen, und er war auch der Grund dafür, dass die Familiengeschichte offengelegt wurde, die Shannon und Chase zusammengeführt hatte.
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