E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Peters Dangerous Games
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7453-0982-9
Verlag: riva Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Das Spielebuch mit abenteuerlichen Mutproben, mysteriösen Ritualen und düsteren Horrorspielen
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-7453-0982-9
Verlag: riva Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Es scheint wie eine harmlose Mutprobe: das Beschwören einer Formel vor dem Spiegel, das Verrücken von Gläsern oder eine Fahrt allein im Aufzug. Doch plötzlich wird daraus etwas Gefährliches - unerwartete Mitspieler könnten in Erscheinung treten und dir einen Blick in unbekannte Welten gewähren. In diesem Buch sind die gruseligsten Spiele aus aller Welt versammelt, von uralten Überlieferungen bis hin zu modernen, auf Urban Legends basierenden Wagnissen. Doch Vorsicht - wenn du mit dem Feuer spielst, solltest du keine Angst haben, dich zu verbrennen.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
Partyspiele
Eine Party mag doch jeder, oder? Man ist von den Leuten umgeben, die man am liebsten mag, man entspannt sich, erfreut sich an der Gesellschaft. Vielleicht spielt ihr bei solchen Gelegenheiten auch ein paar Spiele – Pantomime, Stille Post oder Beruferaten.
Solche Partyspiele sind die folgenden nicht.
Den Namen haben sie nur deswegen bekommen, weil immer mehrere Mitspieler dafür nötig sind – meist mindestens fünf Personen. Für manche ist eine bestimmte Zahl erforderlich, andere sind flexibler. Aber egal, wie viele es sind, die alte Regel, dass man in einer Gruppe am sichersten ist, gilt hier nicht – nicht bei Spielen, die so gefährlich sind wie diese.
Sicherheit gibt es bei diesen Spielen nicht – egal, wie viele andere arme Seelen ihr zum Mitspielen überredet habt.
LEICHT WIE EINE FEDER, STEIF WIE EIN BRETT
Gefahrenstufe:
Niedrig.
Besonderes Risiko:
Absturz; Feuer.
Die Aufgabe:
Ihr lasst Freunde schweben.
Der Lohn:
Ihr besiegt die Schwerkraft.
Bei »Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett« geht es um Levitation – die Kunst, etwas oder jemanden in der Luft schweben zu lassen. Der früheste Hinweis auf dieses Spiel ist weit älter, als man denken könnte: Der Schatzmeister der britischen Marine (später Parlamentsmitglied) Samuel Pepys erwähnt es in seinem skandalumwitterten Tagebuch aus dem 17. Jahrhundert. Unter dem Datum des 31. Juli 1665 berichtet er eine Geschichte, die er von einem Freund gehört hatte, einem Mr. Brisband. Dieser erzählte, er habe Kinder in Frankreich bei diesem Spiel beobachtet. Mit nur jeweils einem Finger hätten vier junge Mädchen einen Jungen in die Luft gehoben, bis über ihre Köpfe. Dabei hätten sie gesungen: »Voici un corps mort, raide comme un bâton, froid comme le marbre, léger comme un esprit, lève-toi au nom de Jésus-Christ!« – »Hier ist ein toter Leib, steif wie ein Stock, kalt wie Marmor, leicht wie ein Geist, erhebe dich im Namen Jesu Christi!«
Das Spiel, wie es heute gespielt wird, unterscheidet sich kaum von dem, das Pepys beschreibt – manche sehen einfach nur angewandte Physik, aber es ist doch etwas Gespenstisches daran, das uns anzieht. Was, wenn …
… Ja, was wenn?
DIE REGELN:
1. Als Erstes versammeln sich die Spieler. Am besten funktioniert es mit einer Gruppe von fünf oder sechs Leuten, aber es können auch mehr sein. Auch der Spielort sollte jetzt bestimmt werden: Ihr braucht einen stillen, dunklen Raum mit viel freier Fußbodenfläche. Ausrüstung ist nicht erforderlich, obwohl ein paar Decken oder Kissen nicht schaden können, auch einige kleine Lichtquellen – Taschenlampen, Laternen, Kerzen mit Streichhölzern oder Feuerzeug dazu.
2. Bereitet den Spielort vor: Zieht die Vorhänge zu oder deckt mit anderen Mitteln das Fenster ab, sodass kein Licht von draußen hereinkommt. Rückt Möbelstücke beiseite, damit eine freie Fläche entsteht. Dimmt die Beleuchtung – oder wenn ihr euch für Kerzen oder andere kleine Lichtquellen entschieden habt, zündet sie an und schaltet das übrige Licht ganz aus. Falls Kissen oder Decken dabei sind, breitet sie auf dem Boden aus.
3. Einer von euch wird als derjenige ausgesucht, der gleich schweben soll. Dieser Spieler legt sich jetzt auf dem Fußboden auf den Rücken (auf Decken und Kissen, sofern vorhanden), schließt die Augen und verschränkt die Arme vor der Brust. Die Person, die gleich schweben soll, sollte so entspannt wie möglich sein, sich aber nicht bewegen, nicht die Augen öffnen und nicht sprechen, bis das Spiel vorüber ist.
Ein zweiter Spieler wird zum Spielführer bestimmt. Er gibt die Anweisungen für die folgenden Aktionen. Die übrigen Spieler sind die, die zusammen mit dem Spielführer die Person am Boden zum Schweben bringen sollen. Sie nehmen in einem gleichmäßigen Abstand voneinander rings um die Person am Boden Platz. Wenn (einschließlich Führer) fünf Spieler zur Verfügung stehen, positioniert ihr je zwei an den Schultern und zwei an den Knien der zu hebenden Person. Bei mehr als fünf Spielern verteilt ihr euch so gleichmäßig wie möglich, mit dem Führer am Kopf der zu hebenden Person.
4. Jetzt stecken alle, die rings um die Person am Boden sitzen, die Zeige- und Mittelfinger beider Hände unter deren Körper. Auf das Stichwort des Ansagers versuchen sie, ihren Mitspieler allein mit diesen Fingern hochzuheben.
Dieser Versuch wird misslingen. Erwartet nichts anderes. Dieser erste Versuch misslingt immer.
Trotzdem sollten alle die Finger weiter unter die Person am Boden gesteckt lassen. Diese Person sollte sich weder bewegen noch sprechen.
Jetzt wird es ernst.
5. An dieser Stelle sollte der Spielführer einen leisen Sprechgesang anstimmen: »Sie sieht krank aus«, intoniert er und wiederholt diesen Satz ganz langsam, gleichmäßig immer wieder. Die anderen Umsitzenden stimmen ein, sprechen die Worte mit dem Spielführer im Chor: »Sie sieht krank aus. Sie sieht krank aus. Sie sieht krank aus.«
Wenn der Spielführer den Eindruck hat, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, verändert er den Gesang leicht: »Es geht ihr schlechter.« Wieder stimmen die anderen Umsitzenden in den Gesang ein. Sie müssen sich ganz auf diesen Gesang konzentrieren; wenn der Spielführer den Wortlaut ändert, singen auch sie den neuen Text: »Es geht ihr schlechter. Es geht ihr schlechter. Es geht ihr schlechter.«
Dann ändert sich der Wortlaut wieder, diesmal zu: »Sie stirbt.« Wieder hören die Umsitzenden aufmerksam zu und greifen die Worte auf: »Sie stirbt. Sie stirbt. Sie stirbt.«
Noch einmal ändert sich der Wortlaut. Jetzt heißt es einfach und endgültig: »Sie ist tot.« Wieder ändern die Umsitzenden ihre Worte, wenn der Spielführer sie ändert: »Sie ist tot. Sie ist tot. Sie ist tot.«
6. Jetzt schweigen Spielführer und Umsitzende. Dann stimmt der Spielführer einen neuen Gesang an: »Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett.« Auch hier stimmen die Umsitzenden wieder mit ein, wiederholen leise und gleichmäßig: »Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett. Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett. Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett.«
Der Spielführer und alle Umsitzenden singen, und dann sollte der Spielführer das Zeichen geben, dass der Augenblick gekommen ist, den am Boden Liegenden in die Höhe zu heben.
Singt beim Anheben gleichmäßig weiter.
Verliert beim Anheben nicht die Konzentration.
Singt und hebt. Denkt dabei an nichts anderes.
Singt. Und hebt.
Dann wird sich die Person, die am Boden liegt, in die Höhe heben.
7. Der Spielführer sollte ein Zeichen geben, wenn der Augenblick gekommen ist, den Levitierten wieder zurück auf den Boden sinken zu lassen. Singt während all der Zeit weiter, immer wieder: »Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett.« Macht langsame, gleichmäßige Bewegungen. Legt den Levitierten wieder auf dem Fußboden ab.
Wenn der Levitierte wieder sicher abgelegt ist, sollten Spielführer und Mitglieder verstummen. Auf ein Zeichen des Spielführers ziehen alle Mitspieler die Finger unter dem Levitierten zurück. Löscht die Kerzen, öffnet die Vorhänge, schaltet das Licht ein.
Der Levitierte darf jetzt wieder seine Augen öffnen.
Der Levitierte darf sich nun wieder regen.
Der Levitierte darf nun wieder sprechen.
Aber es mag sein, dass der Levitierte für immer von diesem Erlebnis gezeichnet bleibt.
WEITERE INFORMATIONEN:
Das Spiel lässt sich zu jeder Tageszeit spielen, aber am Abend oder in der Nacht sind die Erfolgschancen größer. Deshalb ist empfohlen, dass ihr wartet, bis es vollkommen dunkel geworden ist, und erst dann beginnt.
Beim Singen passt ihr das Pronomen an die zu levitierende Person an, also »er«, »sie«, »sie« (mehrere) usw.
Es gibt auch eine Variante des Spiels, bei der in Schritt 5 statt des Gesangs eine Geschichte erzählt wird. In diesem Fall muss der Spielführer sprechen, als hielte er eine Grabrede auf die Person am Boden. So ausführlich wie möglich muss beschrieben werden, wie der Betreffende »gestorben« ist. Am Ende der Geschichte wird auch hier »Leicht wie eine Feder, steif wie ein Brett« gesungen. Von da an geht es weiter wie in Schritt 6 beschrieben bis zum Ende des Spiels.
Behaltet die Personen, die ihr levitieren lasst, in den Tagen nach dem Spiel gut im Auge. Wenn sie anders sind als früher …
Sie sind nach diesem Erlebnis vielleicht nicht mehr die, für die ihr sie haltet.




