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E-Book

E-Book, Deutsch, 203 Seiten

Peters GNOMUS

oder Der König, der nicht lachte
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95765-927-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

oder Der König, der nicht lachte

E-Book, Deutsch, 203 Seiten

ISBN: 978-3-95765-927-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gnomus ist ein rothaariger Zwerg und dient am Hofe König Barbarussas. Dem König ist das Lachen vergangen, als seine drei Töchter verschwanden und sein Königreich mit einem Fluch belegt wurde. Gnomus soll ihm sein Lachen zurückbringen. Das gelingt ihm allerdings nicht, und so hat sein Gegenspieler, der finstere Rusputin, leichtes Spiel und sorgt dafür, dass Gnomus in Ungnade fällt. Dem geplanten Anschlag auf sein Leben entkommt er zwar, findet sich jedoch in einem Haus auf Krähenfüßen wieder, in dem mindestens eine Hexe wohnt. Wird der kleine Kerl verzaubert? Kann er entkommen? Und wird der König sein Lachen finden?  Machen Sie sich in diesem Märchen für Erwachsene auf einige deftige Szenen gefasst. Denn sowohl am Hofe als auch in der Hütte geht es mitunter heiß zu. Empfohlen zur Lektüre für Menschen ab 18 vollendeten Lebensjahren. Mit einem Titelbild von Gerd Scherm.

F. A. Peters wurde 1973 in Berlin geboren, studierte Physik mit Promotion und arbeitete zudem als freischaffender Musikproduzent. Seine Begeisterung für das literarische Schreiben entdeckte er 2012. Seitdem veröffentlicht er Geschichten aus dem Bereich der Fantastik, des Dramas und des Humorvoll-Kuriosen, und schreibt Fachartikel für Literaturzeitschriften (Federwelt). Sein literarisches Motto ist: 'Geschichten zeigen uns, wer wir sind.'
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Die blaue Wildkatze


»Nur für eine Nacht, Gnomus«, flüsterte Rusputin, der mit seinen Krähenaugen durch die Gitterstäbe der Zellentür starrte. »Morgen lassen wir dich wieder frei.«

»Ja ja, frei!«, entgegnete Gnomus scharf. »Das erzähl einem anderen!«

»Ich stehe immer zu meinem Wort. Morgen bist du ein freier Mann. Und bevor ich es vergesse: Zieh das hier an! Purpur steht dir nicht.« Rusputin drückte ein klingelndes Stoffbündel durch das Gitter. Gnomus’ Narrenkostüm. »Deine Narrenschuhe stehen vor der Tür.«

Das Gesicht des königlichen Beraters – oder besser Einflüsterers – verschwand.

Gnomus trat gegen die eisenbeschlagene Tür. Er war allein und wurde wieder zu Honobulbus – zumindest ein Teil von ihm.

Ein freier Mann …, überlegte er. Pah! Wahrscheinlich werden sie mich zurück in die Menagerie stecken, zu den Affen und Papageien! Scheiß Tier- und Zwergenknast! Er musste an den Schimpansen Cocoitus denken und schmunzelte: Cocoitus und Lecksal, der Papagei. Wenigstens könnte er sich in der Menagerie nachts wieder durch die lose Fensterscheibe hinausschleichen, den Fröschen am Teich zuhören und ein wenig singen. Er wäre dann immer noch ein Gefangener; seine Situation hätte sich nicht verbessert. Wer wusste, wie sie ihn jetzt behandelten, nachdem er dem ganzen Hofstaat seinen Arsch entgegengestreckt hat? Ihm dämmerte, dass er einen Fehler begangen hatte. Einen schweren Fehler!

Und wenn Rusputin doch die Wahrheit sagte? Wenn sie ihn wirklich freiließen? Diese Möglichkeit bestand immerhin. Ja … Wozu brauchten sie ihn denn noch? Der König konnte nie mehr lachen; so viel stand mal fest. Aber wussten das auch die Höflinge? Sie hatten ihre letzte Hoffnung auf ihn gesetzt – und er hatte kläglich versagt, ihnen den Arsch gezeigt! Er könnte sich ohrfeigen!

Honobulbus malte sich aus, wie er am nächsten Tag als freier Mann das Schloss verließ: Das Tor in der hohen, von Efeu umrankten Mauer durchschritt, am Fluss und an den Pappeln vorbei, immer weiter … auf die hohen Berge zu, über die er vor vier Sommern in dieses unholde Reich gekommen war. Ob sie mir die Violine wiederjeben? Die brauchen sie doch nicht mehr. Musik und Tanz sind eh verboten. Ja, er könnte wieder ganz er selbst sein! Und er müsste nicht mehr in dieser feinen Sprache sprechen, die sie ihm andressiert hatten – wie einem Papagei, der irgendwann lernte, »Lora will Namm, Namm!« zu krächzen, weil er wusste, dass man ihm dann sein Leckerli gab. Wer biss schon in die Hand, die einen fütterte? Nein! Wie dumm war er gewesen! Wie dumm, den Menschen zu vertrauen! Niemandem konnte man vertrauen. Niemandem!

Honobulbus sah sich in der Zelle um: ein hoch liegendes Fenster, eine Holzpritsche, direkt an der steinernen Wand. Eine verbeulte Metallschüssel. Es zog kalt herunter. Am Fenstergitter bewegte sich etwas. Eine weiße Feder, die von einem Lüftchen in diese oder jene Richtung gedrückt wurde.

Er setzte sich auf die Pritsche. Das Holz gab knarrend nach. Und wenn sie mich hier drinnen lassen? Für lange Zeit? Für immer …

An der Wand waren Zeichen eingeritzt. Gaunerzinken … Ein Kreis, durch den ein Pfeil ging: Hier abhauen …, dachte Honobulbus. Sehr witzig!

Wieso hatte er sich nur auf diese Aufgabe eingelassen? Den König wieder zum Lachen bringen! Was steckte überhaupt dahinter? Warum war der König so traurig? Irgendwann hatte er es aufgegeben zu fragen. Die Leute wurden ja immer gleich so schmallippig. »Wir wissen nichts!«, sagten sie dann, oder: »Uns darfst du nicht fragen!« Heuchler! Weshalb musste er immer zum Nebelberg gehen, sich in Abstand zur Krötenbrücke halten und die Raben und Krähen beobachten, die den Berg umkreisten? Vor allem nach drei weißen Räbinnen Ausschau halten? Dem König berichten? Was sollte das alles? Warum stellte er sich erst jetzt diese Fragen, wo es zu spät war?

Der Stallbursche Georg hatte ihm von geraunten Gesprächen erzählt, die er belauscht und nur bruchstückhaft verstanden hatte: »Die Hexe auf dem Nebelberg …«, »Die gläserne Wundervioline der Hexe …«, »Verleiht unendlich viel Macht …«, »Der Fluch der Hexe …«

Eine Weile hatte er an diese schaurigen Geschichten fast geglaubt und konnte sich der Krötenbrücke nicht auf zwanzig Schritte nähern. Ach was! Sie hatten ihn nur ängstlich gemacht mit ihrem Wahn! Waren eigentlich alle Menschen meschugge? Menschen!

Was passierte wohl, wenn er jetzt ein kleines Liedchen anstimmte? Hmm? Kämen sie und stächen ihm die Augen aus? Er musste an seinen alten Kumpan Luca denken. Gut, dem schnitten sie die Zunge raus.

Die Spielleute … Vor seinem inneren Auge tauchten sie auf, seine alten Zwergengefährten: Blasius, Helenya, Swain, Arbellius, Kuloi … die »Klein, aber Ohos!«-Truppe. Artistik, Wahrsagerei und Musik. Eine irre Mischung! »Schnullipulliii! Jetzt geht's los hier!«, hatten sie immer gerufen. Was hatten sie alles gemeinsam durchgestanden! Den Inquisitor Cochon … Die Flucht aus dem Gefängnis … Den Wettbewerb beim Comte in Antibes … Das Labyrinth mit dem Wundertier … Die gefährliche und aufregende Reise zum Hofe Barbarussas. Schon so lange her. Alles vorbei. Wo damals Blasius und die anderen wohl abgeblieben waren?

Honobulbus legte sich auf die Holzpritsche und blickte zum Fenster hoch, dessen Gitter im Mondlicht glitzerte. Die Feder rührte sich nicht mehr …

Die Gedanken huschten ihm nur so im Kopf herum. Dachte er an dieses, hatte er jenes schon wieder vergessen. Hallanda und Jollobos … seine Eltern. Er sah die Wegelagerer vor sich. Die durchgeschnittenen Kehlen seiner Eltern, ihre durchwühlten Taschen. Nur die Noten hatten sie dagelassen. Lieblos darauf herumgetrampelt, alles voll Dreck!

Er dachte an die Wildkatze. Angliana … seine treue Gefährtin. Immer wieder mal tauchte sie auf. Hatte sich an ihn geschmiegt. Er fühlte jetzt fast ihr langes, weiches Fell an seinen Fingerspitzen und den erdigen Geruch, den sie verströmte. Seine Angliana! Wann hatte er sie zuletzt gesehen? Vor der Schlossmauer, damals, als sie auf den Einlass warteten … Ja, das Tier musste instinktiv gespürt haben, dass etwas in der Luft lag. Unheil!

Honobulbus Gedanken spülten Erinnerungen vom Rand seines Bewusstseins heran, flossen dahin zurück, ins Nirgendwo. Die Welle überschlug sich, begrub Gedanken unter sich. Die nächste Welle strömte heran, mit neuen, noch seltsameren Gedanken …

Was war das? Ein blaues Leuchten … hinten an der Wand. Und es näherte sich! Die Bewegungen des Lichtflecks wirkten geschmeidig. Über dem Fleck erschien ein zweiter; darunter schälten sich zwei senkrechte Streifen aus der Dunkelheit. Das Etwas schlich direkt auf ihn zu.

»Hab keine Angst, Honobulbus!«, ertönte die Stimme einer Frau. »Ich bin es nur: Angliana.«

»A-Angliana? Unmöglich!«

Die Gestalt einer Katze – einer blau leuchtenden Katze.

»W-Wie bist du überhaupt hier rinnjekommen?«, fragte Honobulbus. »Und seit wann leuchtest du?«

»Wie bist du hier hereingekommen?«, entgegnete die Katze Angliana.

Honobulbus lachte auf. »Und seit wann kannst du sprechen?!«

Angliana sprang auf die Pritsche und setzte sich an das Fußende. Ihre grün leuchtenden Augen fixierten ihn. Sie balancierte auf seinen Beinen entlang und legte sich auf seinen Bauch. Es fühlte sich gut an. Warm und weich. Angliana schnurrte – und leuchtete immer noch blau.

»Bitte streichel mich!«, sagte sie. »Ich brauche das jetzt!«

»Was machst du denn hier?«

Behutsam ließ er seine Hände durch ihr Fell gleiten. Es fühlte sich eigentlich an wie immer. Ihr erdiger Geruch …

»Ja, so! So ist es schön«, schnurrte sie. »Noch etwas mehr hinter dem linken Ohr! Ja, genau dort!«

»Wo warst du denn die janze Zeit?«

»Du kennst mich doch: Heute hier, morgen dort, niemals ganz an einem Ort.«

Honobulbus schmunzelte. »Dichtest du jetzt?«

»Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen, Honobulbus Lemoncello.«

»Eine Jeschichte? Ick will aber schlafen!«

Angliana starrte ihn mit funkelnden Augen an. »Tust du das nicht schon? Schlafen?«

Und so begann die blaue Wildkatze, zu erzählen:

Es war einmal ein König, der errichtete sein Schloss auf dem Land einer bösen Hexe. Die Ältesten hatten ihn stets vor der Nähe des Nebelberges gewarnt, dem Heim des unholden Waldweibes, doch wollte der König nicht auf sie hören.

Er ließ das prächtigste Schloss aller Königreiche erbauen. Ein riesiger Wald lag in der Nähe, und man konnte so viel Holz roden, wie man nur wollte. Holzfäller aus dem ganzen Land wurden angeheuert, und alles lief prächtig – bis es zu den ersten seltsamen Vorfällen kam.

Zunächst verhüllte dichter Nebel den Wald. Der Nebel war so dicht, dass man kaum atmen, geschweige denn arbeiten konnte. Dann kam es zu...



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