Porter | Du verstehst mich einfach nicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Porter Du verstehst mich einfach nicht

Der Survival-Guide für Teenage Girls
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-4185-9
Verlag: Lübbe Life
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Survival-Guide für Teenage Girls

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-7517-4185-9
Verlag: Lübbe Life
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Du hast heute so viele Möglichkeiten wie sie Frauen nie zuvor hatten, doch diese Freiheit bringt enorme Herausforderungen mit sich. Du musst so viel entscheiden und stehst ständig unter Druck, du sollst dich beweisen und zeigen, was du kannst. Gleichzeitig musst du für dich herausfinden, was du eigentlich willst und was dir guttut.
Die Psychologin Tara Porter hilft dir dabei, dich besser kennenzulernen, damit du emotional kompetent und selbstbewusst erwachsen wirst. Sie erklärt, woher Ängste kommen und wie man mit ihnen umgehen kann, wie dich deine Familie prägt und warum Freundschaften so wichtig sind. Hier bekommst du das Werkzeug, um dich und deine Gefühlswelt besser zu verstehen.



Dr. Tara Porter arbeitet bereits über dreißig Jahre mit jungen Menschen. Seit ihrer Qualifikation als klinische Psychologin 1997 hat sie hauptsächlich für den NHS, den britischen Nationalen Gesundheitsdienst, mit Mädchen und Jugendlichen im Norden Londons gearbeitet, einer Region mit extremer sozioökonomischer, ethnischer und religiöser Vielfalt. Sie bildet auch Lehrer über mentale Gesundheit weiter und schreibt regelmäßig für das Times Educational Supplement. Sie unterrichtet am University College London und hat eine eigene Praxis.
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Wenn Bindung ein komplexer Tanz zwischen Eltern und Kind ist, dann heißt Familienleben, dass dieser Tanz in einem Nachtclub stattfindet. Deine Eltern führen den Club, sie wählen die Musik aus, die Getränke, das Klientel, die Inneneinrichtung. Als Baby halten sie dich beim Tanzen auf dem Arm und reichen dich hin und her. Wenn du etwas größer bist, hältst du ihre Hände fest, während du ein paar Kleinkindschritte machst und dabei hin- und herschwingst. Oder du nimmst ihre Hände und stellst dich auf ihre Füße, während sie sie vorsichtig bewegen. Weiter geht’s: Als Nächstes tanzt du Hand in Hand mit deinen Geschwistern, passt dich ihrem Stil an, achtest darauf, dass du nicht zu oft mit ihnen zusammenstößt oder ihnen auf die Füße trittst – vielleicht tust du manchmal aber auch genau das, um sie zu ärgern. Manchmal tanzt ihr alle zusammen als Familie; und manchmal kommst es dir vor, als ob du zu einer anderen Melodie tanzt. Manchmal kommen andere Leute vorbei und tanzen mit euch, manche von ihnen bleiben, manche gehen. Und gerade, wenn der Abend sich dem Ende neigt, wird vielleicht einer von euch müde oder verletzt sich und muss wieder getragen werden, zu einer langsamen Musik, die Arme um den Hals der Eltern geschlungen.

Und dann wirst du zur Teenagerin und merkst, die Möbel und Tapeten in dem Club sind schon etwas in die Jahre gekommen, die Art, wie deine Eltern tanzen, ist ein bisschen peinlich, und die Musik, die sie spielen, tja, die ist irgendwo vor zwanzig Jahren hängen geblieben. Eigentlich willst du dort überhaupt nicht tanzen. Du beginnst dich zu fragen, ob das nicht alles ganz schön erbärmlich ist. Du machst dir Sorgen, dass deine Freund*innen all das sehen könnten. Und an manchen Tagen, OMG, HASST du es, wie furchtbar alles ist. Deine Freund*innen gehen in diesen neuen Club, der gerade eröffnet hat, wo es wirklich coole Musik und super Cocktails gibt. Und da willst du auch hin.

Wenn eure Bindung sicher ist, sind deine Eltern wahrscheinlich etwas traurig, wenn du gehst, und du bist vermutlich etwas traurig, sie zurückzulassen (früher dachtest du immer, sie wären so cool). Also brichst du einen Streit vom Zaun, um dich besser zu fühlen und damit du ihnen die Schuld an deinem Weggehen geben kannst, und stürmst aus dem Haus. Am Anfang vermissen sie dich, aber nach und nach entdecken sie neue Tänze, ohne dich. Irgendwann, später, kommen sie in deinen Club und tanzen mit dir, und dir wird klar, dass du tatsächlich ein paar ihrer alten Lieder in deinem Repertoire hast. Und wenn du zurückkommst, fällt dir auf, dass sie die Einrichtung modernisiert und eine neue Cocktailkarte haben, die deiner ein bisschen ähnelt.

Das passiert, wenn alles gut läuft. Es gibt jedoch verschiedene Wege, wie das Ganze schiefgehen kann. Vielleicht haben dich deine Eltern nicht beim Tanzen in ihren Armen gewiegt, als du ein Baby warst, sondern dich fallen oder auf der Tanzfläche allein gelassen, wo du dich verletzt hast. Und als du älter wurdest, war es ihnen ziemlich egal, ob du da warst oder nicht; wenn du weggingst, wollten sie nicht mal wissen, wohin.

Vielleicht hattest du es auch auf die entgegengesetzte Weise schwer: Vielleicht haben sie dich zu sehr umsorgt. Vielleicht haben sie dich beim Tanzen nie abgesetzt, dich nie ermuntert, deine ersten eigenständigen Tanzschritte zu gehen. Vielleicht haben sie dich nie allein tanzen, dich nie deinen Rhythmus oder Stil finden lassen, weil sie zu viel Angst hatten, dass auf der Tanzfläche Scherben liegen könnten, dass die anderen Kinder zu grob sein oder andere Gefahren lauern könnten. Oder sie kamen und nahmen dich wieder hoch, wenn du anfingst, allein oder mit jemand anderem zu tanzen, und sagten dir, das sei nicht sicher für dich. Und als du endlich deinen eigenen Nachtclub hattest, wollten sie, dass er genauso aussieht wie ihrer, und regten sich darüber auf oder kritisierten, dass er es nicht war.

Edie war ein heiß geliebtes Einzelkind, ihre Eltern hatten sie verhältnismäßig spät mithilfe künstlicher Befruchtung bekommen. Sie kam zu mir, damit ich ihre Essstörung behandelte. Edie war sechzehn, wirkte aber deutlich älter. Ich erfuhr, dass sie immer ein vernünftiges Kind gewesen war und dass es besonders flache Hierarchien in der Familie gab, die drei waren ein Team. Als sie jünger gewesen war, hatte sie zahlreiche Hobbys gehabt, und ihre Eltern waren mit den Eltern der anderen Kinder befreundet gewesen, die denselben Freizeitaktivitäten nachgingen; die Wochenenden wurden oft von Edies Terminen bestimmt. Während der Grundschulzeit war ihr Vater der Leiter ihrer Schule gewesen, und ihre Mutter kam oft als Betreuerin mit auf Klassenreisen. Jedes kleine Ereignis in Edies Leben – sei es ein Vokabeltest oder ein Sportwettkampf – wurde sorgfältig in den Familienalltag eingeplant. Wenn es Unstimmigkeiten gab, wurden sie vollständig und respektvoll geklärt.

Als Edie ein paar Jahre zuvor begonnen hatte, sich für Tierschutz zu interessieren, fingen auch ihre Eltern an, sich dafür zu interessieren. Als sie sich mit nachhaltiger Ernährung beschäftigte und Vegetarierin wurde, unterstützten ihre Eltern sie und wurden ebenfalls Vegetarier. Dann fing sie an, sich zu fragen, wo das Essen herkam, und wurde allmählich Veganerin. Zu dem Zeitpunkt, als sie zu mir kam, aß sie Obst und Gemüse und einige Hülsenfrüchte, aber kein Fett und keine Kohlenhydrate. Sie war besorgniserregend unterernährt.

Das Pendel der Pubertät

Die entwicklungspsychologischen Aufgaben der Pubertät sind, wie gesagt, Selbst-Werdung und Ablösung: erwachsen zu werden und deine Familie zu verlassen, nicht nur physisch, sondern auch im metaphorischen Sinn. Am Ende der Jugend, wenn du eine Erwachsene bist, bist du eine eigenständige Person und triffst deine eigenen Entscheidungen. Manche davon werden anders ausfallen als die Entscheidungen, die deine Familie treffen würde; manche werden genau die gleichen sein.

Wie ein Pendel, das von seinem Ruhepunkt fortschwingt, tendieren junge Menschen während der Pubertät dazu, sich davon, wie ihre Familien Dinge handhaben, zu entfernen, wie um die Unterschiede zwischen ihnen und ihrer Familie zu demonstrieren. Doch als Erwachsene neigen sie dazu, zu einem Punkt zurückzuschwingen, der dichter an der Lebensweise ihrer Eltern liegt.

In diesem Prozess des sich Fortschwingens vollziehen sich wichtige Veränderungen – nicht nur bei dir, sondern auch in Bezug auf die Gesellschaft. Jede Generation von Jugendlichen versucht, die Grenzen ein Stück zu verschieben. Ich schaue mit Bewunderung auf das Engagement eurer Generation für den Klimaschutz und für Black Lives Matter. Meine Generation hat darauf bestanden, dass wir nicht durch unseren Heiratsstatus definiert werden – wir wollten unseren Nachnamen nach der Heirat behalten. Eure Generation treibt diese Entwicklung weiter voran, ihr wollt gender-neutrale Pronomen oder euch selbst für eines entscheiden.

Manchmal schwingt euch das Pendel während der Pubertät jedoch zu weit von euren Eltern fort, und ihr vergesst, dass eure Eltern sich ja eigentlich mit bestimmten Dingen auskennen, dass sie für Dinge bezahlen und dass sie ihr eigenes Gleichgewicht haben, das respektiert werden muss. Das kann die Teenagerjahre zu einer stürmischen Zeit machen.

Familien sind komplexe Systeme

In diesem Buch versuche ich, die Gemeinsamkeiten, Ähnlichkeiten und die wiederkehrenden Muster zu beschreiben, die ich bei jungen Menschen bemerke. Das ist nicht so leicht, weil ihr gleichzeitig alle einzigartig seid. Und wenn wir die Familienverhältnisse mit einbeziehen, wird es unendlich schwieriger, diese Gemeinsamkeiten aufzuspüren, denn mehr Menschen bedeuten auch eine größere Zahl an potenziellen Mustern. Und dann sind Ähnlichkeiten schwerer zu entdecken. Je mehr Mitglieder deine Familie hat, desto mehr Beziehungen hast du, und das Level an Komplexität wächst schnell ins Exponentielle, das Ganze wird zu einem vielschichtigen Geflecht.

Wir Psycholog*innen vergleichen Familien gern mit anderen Systemen wie zum Beispiel einem Flugzeugmotor. Er besteht aus so vielen beweglichen und miteinander verbundenen Teilen. Wie können wir das nachvollziehen? Wie bekommen wir das Wesentliche zu fassen?

Deine Eltern können verheiratet, Single, geschieden oder wieder verheiratet sein; sie können homosexuell oder hetero sein, tot, krank oder Gesundheitsfreaks. Sie können nachgiebig oder gleichgültig sein, übermäßig besorgt oder unterdurchschnittlich engagiert, streng oder locker. Sie können freundlich oder fies sein, großzügig oder egoistisch, liebevoll oder kalt.

Womöglich hast du keine Geschwister – oder sehr viele, vielleicht bist du Teil eines komplexen Geflechts aus Halb- und Stiefgeschwistern, bist vielleicht die Älteste, die Jüngste oder das Sandwichkind. Du kannst mit deinen Schwestern oder Brüdern vieles gemeinsam haben oder gar nichts, ihr könnt euch gut verstehen oder euch hassen oder zwischen beidem hin- und herpendeln. Vielleicht ist der Altersunterschied groß, vielleicht klein, vielleicht gibt es keinen. Jeder dieser Faktoren und eine Million weiterer haben einen Einfluss auf deine Psyche, und durch unzählige Wechselwirkungen entsteht ein völlig einzigartiges Familiensystem, das ständig in Bewegung ist.

Hinzu kommt, dass deine Familie nicht im luftleeren Raum existiert. Es gibt nicht nur unzählige Wechselwirkungen zwischen dir und deiner Familie sowie innerhalb eurer Familie, sondern auch zwischen deiner Familie und dem Rest der Gesellschaft, in der ihr lebt, arbeitet, spielt. Du und deine Familie werdet von den Entscheidungen der Gesellschaft, in der ihr lebt, und von ihrer Kultur...


Dr. Tara Porter arbeitet bereits über dreißig Jahre mit jungen Menschen. Seit ihrer Qualifikation als klinische Psychologin 1997 hat sie hauptsächlich für den NHS, den britischen Nationalen Gesundheitsdienst, mit Mädchen und Jugendlichen im Norden Londons gearbeitet, einer Region mit extremer sozioökonomischer, ethnischer und religiöser Vielfalt. Sie bildet auch Lehrer über mentale Gesundheit weiter und schreibt regelmäßig für das Times Educational Supplement. Sie unterrichtet am University College London und hat eine eigene Praxis.



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