E-Book, Deutsch, Band 2, 200 Seiten
Reihe: Red Scapular Saga
Reuel Night Drive
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-2279-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
A Woman, Love and Vampires
E-Book, Deutsch, Band 2, 200 Seiten
Reihe: Red Scapular Saga
ISBN: 978-3-8192-2279-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der nicht gebürtige Aachener ist Verfasser des großen Fantasy-Epos zu den Westfal-Chaoten sowie dem Halbling und Inspektor Reginald Vonderlus. Mit dieser Geschichte erzählt er eine andere Perspektive zur Saga um die Kölner High Society mit Vampiren. Dabei bediente er sich an Fantasyelementen und verknüpfte sie mit dem Genre Romance.
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1DAY SHIFT
Der Regen tröpfelte gemächlich auf die Frontscheibe ihres Autos nieder, der Scheibenwischer bewegte sich in langsamster Einstellung hin und her. Starren Blickes aus dem Fenster ließ sich Meysem keinesfalls davon irritieren. Allmählich brach der Abend an, obwohl es den ganzen Tag über so grau und trist gewesen war.
Was für ein Montag?, dachte sie bei sich und schloss für einen Moment müde ihre Augen. Eigentlich war das einer dieser Tage, wo man sich am liebsten ins Bett verkroch und Musik hörte oder bei einem leckeren Tee ein gutes Buch las. Doch Meysem musste arbeiten. In ihrem Fall bedeutete das Taxifahren.
Plötzlich hupte ein anderer Autofahrer hinter ihr und sie schreckte auf. Längst war die Ampel auf grün umgesprungen. Sofort fuhr sie an und musste wenige Meter weiter doch wieder stehenbleiben. Hat sich ja gelohnt, so zu stressen, schoss es ihr in den Sinn. Nun stand sie allerdings mit ihrem Taxi inmitten der Kreuzung. Hoffentlich kam sie noch rechtzeitig hier weg, wenn die andere Seite grün bekam. Ansonsten würde ihre Limousine den Weg versperren.
Im Radio trällerte Bruno Mars seinen Song Treasure fröhlich dahin, schaffte es aber leider nicht Meysem damit aufzuheitern. Sie strich sich eine lockige Strähne ihres dunkelbraunen Haares aus dem Gesichtsfeld.
Es ging weiter. Wenigstens schaffte sie es von der Kreuzung herunter und somit aus der Gefahrenzone hinaus, der Frustgrund für andere AutofaherInnen zu sein. Aber nun stand sie wieder wartend an der übernächsten roten Ampel. Es tröpfelte heiter weiter. Der Feierabendverkehr. In ein paar Minuten hätte sie eigentlich Dienstschluss. Sie rechnete damit, locker zehn Minuten später in der Halle der Taxizentrale einzutreffen. Dann müsste sie sich wohl wieder von ihrem Chef anhören, dass er die Überstunden nicht bezahle. Bla, bla, bla, dachte sie entnervt.
Nun folgten die Nachrichten im Radio. Es war 17:00 Uhr. Was für ein Montag. Obwohl sie nicht viele Fahrgäste auf ihrer Rückbank hatte oder eben vielleicht genau deswegen, waren ihre Erlebnisse mit dreien von ihnen irgendwie prägend im Gedächtnis geblieben.
Zuerst war da diese ältere, weißhaarige Dame aus Nippes, die direkt von ihr dachte, sie spreche kein Deutsch. Nachdem dieses Missverständnis von Meysem aus der Welt geschafft wurde, indem sie mit ihrem Nachnamen Meising bewies, dass sie Deutsche war, fand zwischen ihnen so etwas, wie eine Unterhaltung statt.
»Wie alt sind Sie eigentlich?«, fragte die betagte Frau darauf neugierig und sah sie milde lächelnd über ihre Lesebrille an.
»Ich bin 29 Jahre alt« erwiderte Meysem, ohne zu ahnen, was folgte und konzentrierte sich auf den Verkehr am Ring.
»Ach Kindchen«, lachte sie erhaben auf. »In deinem Alter war ich schon zehn Jahre verheiratet und hatte drei Kinder. Nicht nur, dass ich dadurch keine Zeit hatte, arbeiten zu gehen, mein Mann verdiente so gut, dass ich das auch erst gar nicht musste. Sagen Sie«, beugte sich sie sich halb vor, »haben Sie etwa keinen Mann?«
Meysem zuckte innerlich zusammen. Was ging die fremde Frau das an?, dachte sie und blickte über den Rückspiegel zu ihr hinüber. »Ich studiere noch. An Familie denke ich momentan nicht«, antwortete sie trocken und bewahrte dabei Fassung.
»Aber Sie sind doch so hübsch. Da liegen Ihnen die Männer doch sicherlich zahlreich zu Füßen. Warum also so umständlich?«, gluckste Granny.
Ja, sicher. Diese ganzen selbstverliebten, unselbstständigen und unauthentischen Talahons, die nicht einmal in der Lage sind eine Waschmaschine anzustellen?, schoss es ihr zynisch durch den Sinn. Da Mey aber kein Fass aufmachen wollte, hielt sie sich mit jeglicher Aussage auch hierbei zurück.
»Ist einfach noch nichts für mich«, entgegnete sie daher kurzum.
Die Granny blickte nun stumpf aus dem Fenster und äußerte dann Dinge wie, früher habe es so etwas nicht gegeben und überhaupt mussten und durften junge Frauen keine Taxis fahren. Das sei einfach nicht richtig. Zudem wirkte die alte Frau sehr unruhig, was sich irgendwie ungewollt auf Meysem übertrug. How unpleaseant.
Nach der Oma dann stieg ein schätzungsweise gleichaltriger, viel weltoffenerer Mann ein, der Meysem zu ihrem Mut und Engagement lobte, es gut fand, dass die heutigen Frauen so selbstständig seien, sich für Familie Zeit ließen und ihre Arbeit anerkannte. Er strahlte eine solche Gelassenheit aus und hatte eine sehr angenehme Stimme, sodass das Gefühl der Unruhe bei ihr schnell wieder verflog.
Beide gaben ihr hinterher ein recht gutes Trinkgeld. Von der Omi wahrschienlich mehr aus Mitleid, als aus Wertschätzung, vermutete sie. Doch das war nicht wichtig. Für Mey zählte, dass sie an Geld kam.
Zuletzt aber war ihr besonders dieses junge, blonde Mädchen im Gedächtnis geblieben. Es erzählte von ihren Nachbarn und begann das Gespräch gleich mit einer seltsamen Frage.
»Hast du Nachts schon einmal eine riesige Fledermaus gesehen?«
Meysem dachte zuerst, sie spreche von einem Film oder einer Zeichentrickserie, doch allmählich kam sie darauf, dass es das Mädchen durchaus ernst mit ihrer Frage gemeint hatte.
»Ich konnte letztens nicht schlafen und schaute mir deshalb etwas den Sternenhimmel an. Da habe ich sie gesehen. Sie landete bei meinen Nachbarn irgendwo im Garten, glaube ich.«
»Wie alt bist du eigentlich?«, hörte sich Meysem sagen und erschrak, als sie erkannte, wie sie dabei genau wie das Ömchen von zuvor klang. Shame on me!, dachte sie folglich.
»Ich bin schon neun«, sagte das Mädchen stolz.
»Eine blühende Fantasie hast du«, wollte Meysem freundlich anerkennen. Doch das Mädchen lynchte sie prompt mit einem Blick, der Blitz und Donner verhieß.
»Ich hab mir das nicht ausgedacht«, schien es erbost darüber und schmollte. »Meine Mama hat das auch gesagt. Aber ich habe sie wirklich gesehen.«
Meysem biss sich auf die Unterlippe. Langsam wurde das Mädchen wieder ruhiger und nach einer Weile setzte sie ihre Erzählung fort. »Meine Nachbarn sind irgendwie komisch«, sagte es daraufhin. »Tagsüber sieht man die gar nicht oder nur sehr selten. Abends brennt dann immer Licht im Haus. Aber die haben dann meist ihre komischen Jalousinen unten.«
»Wahrscheinlich arbeiten sie in der Nachtschicht im Krankenhaus«, suchte Mey nach einer logischen Erklärung dafür. Lag doch auf der Hand. Aber das Mädchen schüttelte vehement mit dem Kopf.
»Die haben nicht mal einen Pool in ihrem großen Garten und mein Papa meinte letztens, dass die bisher noch nie gegrillt haben.«
Meysem zuckte mit den Achseln. »Vielleicht sind sie Vegetarier oder Veganer.«
»Ich bin Vegetarierin und Gemüse kann man auch auf den Grill werfen«, klang es besserwisserisch. »Aber die sind auf keinen Fall welche. Weißt du? Meine Freundin und ich sind letztens über ihren Hof gefahren, da entdeckten wir ganz viele von diesen fiesen Schmeißfliegen an ihrer Mülltonne. Als ich den Deckel anhob hat es soo ekelhaft gestunken, wir hätten fast gekotzt«, lachte sie hämisch auf, als habe sie soeben etwas gesagt, dass sie sonst nicht aussprechen durfte. »So hat es mal gerochen, nachdem wir eine Grillparty hatten und der gelbe Sack voll mit den Fleischverpackungen war und seit einer Woche in unserer Garage dahin gammelte. Deshalb bin ich mir sicher, dass die Fleisch essen.«
Tja, dachte Mey. Was soll mir das jetzt sagen?
»Nein, ich habe wirklich eine riesige Fledermaus gesehen«, wiederholte ihr junger Fahrgast abermals und wirkte plötzlich entschlossen. »Janine und ich werden dem nachgehen. Denn wir sind nämlich Detektive wie bei den drei Ausrufezeichen«, schien sie ihrem gegenüber zu schwören.
»Stark!«, sagte Mey und sah sie mit großen Augen über den Spiegel begeistert an. »Das wollte ich mit meinen Freunden früher auch immer sein.«
»Du kennst die drei Fragezeichen?, schien das Mädchen verwundert darüber und verzog das hübsche Gesicht zu einer schrägen Grimasse, als sei das doch weit hergeholt.
»Doch klar. Die gab es auch in meiner Kindheit schon«, erläuterte Mey kurz und lächelte erheitert.
»Aber du bist doch alt«, klang es von hinten verwundert.
Da entglitt Mey doch glatt das Gesicht. Ja, herzallerliebst waren ihre Fahrgäste des Tages gewesen.
Endlich erreichte sie die Einfahrt der Taxizentrale. Der Regen hatte mittlerweile aufgehört. Dann würde sie wenigstens nicht nass werden, wenn sie gleich zu Fuß nach Hause ging. Kurz anhalten. Mit einem Schulterblick den Geh- und Radweg checken und nichts wie hinein. Es war zwölf Minuten nach fünf als sie ihre 2005er Mercedes E-Klasse, die sie sich mit einem Kollegen teilte, in der Halle parkte und ausstieg. Sogleich hörte sie, wie sich von hinten die Bürotüre ihres Chefs mit dem typischen Knarzen öffnete.
»Meysem!«, klang er entnervt. »Du bist zu spät. Überstunden bezahle ich nicht. Jetzt sieh zu, dass du nach Hause...




