E-Book, Deutsch, 136 Seiten
Rimser Frei von Tinnitus
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-3096-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tinnitus Selbstheilung mit dem Mindfulness Based Tinnitus Reduction Training (MBTR)
E-Book, Deutsch, 136 Seiten
ISBN: 978-3-7578-3096-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Markus Rimser und ist der Gründer der modernsten Tinnitus-Selbsttherapie für zuhause und meditation-heilt.com - deiner Online-Achtsamkeitsschule. Du kennst ihn vielleicht schon aus dem TV oder Magazinen. Zudem ist er Inhaber des Vipassana Retreat- und Meditationszentrums in St. Pölten. Er war Schüler des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh und ist einer der wenigen Meditationslehrer im deutschsprachigen Raum, die moderne Vipassana Meditation auf Basis der vollständigen Satipatthana Sutta lehren. Als promoviertem Wirtschafts- und Geisteswissenschaftler ist ihm die Alltags- und Wirtschaftstauglichkeit buddhistischer Lehren besonders wichtig, weshalb auch immer wieder Vorstände und Führungskräfte bekannter ATX und DAX-Unternehmen an seinen Meditations-Retreats teilnehmen. Auch sein Tinnitus-Selbsttherapie-Onlinekurs ist auf die Ansprüche und Herausforderungen des modernen Menschen angepasst. Sein Wirken bleibt in der praktischen Ausübung und befreiungs-pragmatischen Essenz jedoch auch hier mit der buddhistischen Tradition eng verbunden.
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Chronischer Tinnitus ist . Das ist die zentrale Botschaft der Neurowissenschaften und nicht nur Tinnitus an sich ist , sondern auch seine Begleiterscheinungen, also Schlafstörungen, Verspannungen im Nacken, Hals- und Kieferbereich, aber auch Verdauungsprobleme, ein permanent hoher Stresspegel bis hin zur sozialen Isolation und die durch Tinnitus meist beginnende Depression.
Die Neurowissenschaften behaupten dieses „Verlernen“ aber nicht nur, sondern sie haben auch eine Erklärung dafür und diese lautet Neuroplastizität. Unser Gehirn ist neuroplastisch, das bedeutet, es kann sich jederzeit an alle Situationen anpassen, es kann sich modulieren. Man kann auch sagen, dass es lernfähig ist. Doch genau diese Lernfähigkeit des Gehirns – oder besser gesagt der Hörfilter – ist beim chronischen Tinnitus abhandengekommen. Unsere Hörfilter sind nicht mehr in der Lage, harmlose Ohrgeräusche auszufiltern, stattdessen richtet das Gehirn seine Aufmerksamkeit genau eben auf diese.
Um zu verstehen, wie wir unser Gehirn, und vor allem diese Hörfilter wieder zurück trainieren können, sodass die redundanten Ohrgeräusche wieder ausgefiltert werden, müssen wir wissen, was bei Tinnitus im Gehirn genau passiert. Und das zeige ich dir anhand der bildgebenden Verfahren der Neurowissenschaften. Legt man nämlich chronische Tinnitus-Patienten in einen Kernspin-Tomographen, sieht man sehr deutlich, welche Gehirnareale bei chronischem Tinnitus aktiv sind.
Da Hirnscans meist etwas unübersichtlich und schwer zu „lesen“ sind, zeige ich dir hier eine grafische Vereinfachung.
Quelle: Rimser (2022) modifiziert nach de Ridder et al. (2011)
Im unteren Bereich siehst du die Perspektive auf das Großhirn, auf den Cortex von außen und im oberen Bereich einen Längs-Querschnitt, damit du auch die tieferen Hirnstrukturen sehen kannst. Die Frage, die sich nun stellt: welche Gehirnareale sind bei chronischem Tinnitus aktiv?
Ich kann es gleich vorwegnehmen, es ist nicht Gehirnareal, das bei chronischem Tinnitus aktiv ist, sondern ist eine wahre Kettenreaktion, die durch das Gehirn läuft, beginnend mit einer Erregung im auditorischen Cortex. Dort findet eine Hörwahrnehmung, also eine Erregung im auditorischen Cortex statt. Noch bleibt diese Wahrnehmung im unbewussten Bereich, bis sich das Aufmerksamkeitszentrum dazu schaltet und quasi das Geräusch, das vorher unbewusst war, in den bewussten Bereich zieht. Bis jetzt noch kein großes Problem, würde sich nicht jetzt das Salienz-Netzwerk dazu schalten. Dieses Salienz-Netzwerk hat die Aufgabe, einkommende Reize mit einer Bewertung zu versehen. Ich nenne es auch gern das Social Media Zentrum im Gehirn, weil hier nämlich und vergeben werden.
Und wenn dein Salienz-Netzwerk eine Information, das Ohrgeräusch zum Beispiel, nun negativ bewertet, , dann wird sofort das Stresszentrum aktiviert, weil das Stresszentrum denkt, dass es eine Bedrohung des Organismus durch diese Information, dieses Ohrgeräusch gibt.
Wird das Stresszentrum jetzt aktiv, dann wird ein neurochemischer Cocktail produziert, der binnen Millisekunden den gesamten Körper durchflutet und dazu führt, dass das Nervensystem in den Modus geschalten wird, kurz: der Stressmodus unseres Organismus wird hochgefahren.
Passiert dieses Hochfahren des Stressmodus aufgrund des störenden Ohrgeräuschs häufiger, kommt es im Hippocampus zu einer Gedächtnisbildung. Im Grunde ist das ein sehr intelligenter Mechanismus, weil das Gehirns nämlich scannt, ob eine Bedrohung häufiger passiert. Und wenn dies der Fall ist, versucht es bei rechtzeitigem Erkennen des Stressors bereits im Vorfeld, die Bedrohungssituation zu verhindern. Deshalb speichert es alle Informationen rund um das Ohrgeräusch, z.B.:
- .
Vor allem aber speichert das Gehirn auch die ursprünglich abgefeuerte Reaktion auf das bedrohliche Ohrgeräusch (den Modus), damit es künftig viel schneller und vor allem konsequent reagieren kann.
Wenn jetzt dein Hippocampus eine Gedächtnisnotiz vom Tinnitus hat, dann erkennst du das wahre Problem des Tinnitus, nämlich nicht das Ohrgeräusch an sich, sondern dass dein Gehirn den Tinnitus als Stressor erkannt hat und dazu ein vollkommen automatisiertes Stressmuster abgespeichert hat:
Welche fatalen Wirkungen dieser Prozess nun hat, zeige ich dir jetzt anhand der nächsten Grafik. Du hörst ein Ohrgeräusch, das den auditorischen Cortex erregt. Bis hierhin ist noch alles eitel Wonne, doch plötzlich richtet sich die Aufmerksamkeit völlig fokussiert auf das Ohrgeräusch, es folgt eine negative Einstufung durch das Salienz-Netzwerk, das Stresssystem wird angeworfen und in weiterer Folge folgt eine Gedächtnisspeicherung, eine chronische Stressmusterbildung. Also aus dem eigentlichen Problem, dem Ohrgeräusch; wurde ein chronische Stressmuster, also ein zum ohnehin schon nervenden Ohrgeräusch, zusätzliches Problem. Dieses chronische Stressmuster hat aber einen Bumerang-Effekt.
Quelle: Rimser (2022), Seite17
Es wirkt nämlich rückwirkend auch auf alle anderen Gehirnareale. Es merkt nämlich auch die Amygdala, also dein Stresszentrum, dass da nicht nur der Tinnitus ist, gegen den man kämpfen muss, sondern auch der Stress, der dadurch entstanden ist, wird bedrohlich wahrgenommen und so beginnt das Stresszentrum gegen sich selbst aktiv zu werden.
Das führt dazu, dass das Salienz-Netzwerk erkennt, dass neben dem Tinnitus nun auch ein zweites negatives bedrohliches Szenario abläuft, nämlich die Folgewirkung des Tinnitus in Form von Stress, und das führt dazu, dass die Aufmerksamkeitslenkung sagt, okay - ich muss also nicht nur den Tinnitus kontrollieren, sondern auch das, wie ich damit umgehe, also die dadurch ausgelöste Stress-Antwort.
Und das führt dazu, dass das allgemeine Erregungspotenzial im Gehirn steigt, die Wahrnehmung wird noch sensibler und der Tinnitus dadurch leider lauter. Das ist das große Problem beim Tinnitus:
Und als wäre das noch nicht genug, hat auch das eine Konsequenz: unser Organismus, unser Nervensystem ist niemals auf einen Pol angelegt, also niemals auf Anspannung angelegt, sondern immer auf den Wechsel von - und spannung.
Wenn sich ein neurologisches Stressmuster, also Anspannung in deinem Gehirn chronifiziert, dann entstehen zwangsläufig weitere Stress Symptome in deinem Körper, die sogenannten Tinnitus Komorbiditäten - und diese machen deinen Tinnitus dann so richtig schlimm. Es entstehen
und all diese Nebenerkrankungen bringen ein Phänomen mit sich: auch sie machen den Tinnitus noch lauter!
Was wir jetzt im Kernspintomographen sehen ist, dass nicht nur der auditorische Cortex überreagiert, sondern nach einer bestimmten Zeit auch das somatosensorische Cortex (dieser liegt etwas oberhalb des auditorischen Cortex und ist jene Instanz, die für unser Wohlbefinden verantwortlich ist), also genau jener Bereich, der dich dann durchgängig kränklich fühlen lässt.
Doch: wie kommen wir aus diesem neuronalen Teufelskreis, der den Tinnitus immer lauter werden lässt, wieder heraus? Die Gehirnforschung hat sich natürlich auch diese Frage gestellt.
Das ist eigentlich logisch und relativ leicht zu erklären. Man müsste nur in dieser Kettenreaktion ein Kettenglied herausnehmen, dann würde die gesamte Kettenreaktion gestoppt werden. Fragt sich nur, wo das am einfachsten möglich ist.
Quelle: Rimser (2022), Seite 29
Bei der Erregung im auditorischen Cortex lässt sich nichts machen, denn wenn das Ohrgeräusch bereits da ist, dann haben wir keine Chance, keinen Einfluss mehr. Aber in den vier Bereichen darunter finden wir perfekte Ansatzmöglichkeiten, wo die Tinnitus Heilung beginnen kann.
Zum Beispiel indem wir unsere Aufmerksamkeit lenken lernen. Beim chronischen Tinnitus ist es so, dass die Aufmerksamkeit völlig automatisch und meist unwillkürlich auf das Ohrgeräusch gezogen wird. Wenn du es jedoch trotzdem schaffst, deine Aufmerksamkeit vom Tinnitus wegzuziehen und wieder auf etwas Heilsames zu richten, dann beginnt der Heilungsprozess: der Tinnitus wird leiser und...




