E-Book, Deutsch, Band 395, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
Rosenau Alpengold 395
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-4383-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mein Herz darf nicht noch einmal brechen
E-Book, Deutsch, Band 395, 64 Seiten
Reihe: Alpengold
ISBN: 978-3-7517-4383-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Die Liebe trifft den jungen Bergbauern Magnus Haider wie ein Blitz, als er die Rechberger-Alina vor der Poststelle in Koglreith entdeckt. Zwei Jahre war sie auf der Wirtschaftsschule in Salzburg, und beinahe hätte er sie gar nicht wiedererkannt. Damals war sie fast noch ein Kind, doch jetzt ist sie zu einer bildschönen Frau erblüht.
Am liebsten würde Magnus sie sofort heiraten, doch das Dirndl möchte erst noch ein wenig seine Freiheit genießen, ehe es die Pflichten einer Bäuerin übernimmt. Entsetzt sieht Magnus, dass Alina darunter vor allem das Flirten mit anderen Burschen versteht.
Da verbreitet sich eines Tages ein Gerücht wie ein Lauffeuer im Dorf: Alina erwartet ein Kind, und der Vater soll der reichste Bauer im Tal sein!
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Mein Herz darf nicht noch einmal brechen
Eine falsche Entscheidung stürzt Alina ins Unglück
Von Michaela Rosenau
Die Liebe trifft den jungen Bergbauern Magnus Haider wie ein Blitz, als er die Rechberger-Alina vor der Poststelle in Koglreith entdeckt. Zwei Jahre war sie auf der Wirtschaftsschule in Salzburg, und beinahe hätte er sie gar nicht wiedererkannt. Damals war sie fast noch ein Kind, doch jetzt ist sie zu einer bildschönen Frau erblüht.
Am liebsten würde Magnus sie sofort heiraten, doch das Dirndl möchte erst noch ein wenig seine Freiheit genießen, ehe es die Pflichten einer Bäuerin übernimmt. Entsetzt sieht Magnus, dass Alina darunter vor allem das Flirten mit anderen Burschen versteht.
Da verbreitet sich eines Tages ein Gerücht wie ein Lauffeuer im Dorf: Alina erwartet ein Kind, und der Vater soll der reichste Bauer im Tal sein!
»Grüß dich, Magnus!«, hörte der hochgewachsene Bursche eine helle Madlstimme rufen, als er sich vor der Poststelle des Bergdorfs Koglreith auf den Traktor schwingen wollte.
Er blickte sich um und sah ein hübsches Madl mit weizenblondem Haar daherkommen.
»Alina!«, staunte er. »Jetzt hätte ich dich fast net mehr erkannt. Wir haben uns so schon lange net mehr gesehen!«
»Zwei Jahre, Magnus.« Sie lächelte ihn freundlich an. »Du wirst ja wissen, dass mich der Vater auf die Wirtschaftsschule nach Salzburg geschickt hat.«
»Und jetzt bist du endlich fertig damit?« Er betrachtete das Madl mit sichtlichem Wohlgefallen.
»Ja, Gott sei Dank! Ich bin froh, dass ich wieder daheim bin.«
»Und ganz erwachsen bist du inzwischen geworden, Alina! Ein ganz dünnes Dirndl warst du früher, und jetzt ...« Er stockte und suchte nach dem passenden Wort.
»Und jetzt?«, fragte sie errötend.
»Jetzt bist du sicher das schönste Madl im Dorf, sakra«, stellte er anerkennend fest.
»Dass du dich nur net täuschst, Magnus!«, erwiderte Alina ein wenig verlegen. »Fährst du jetzt zum Haiderhof hinauf? Nimmst du mich mit bis zum Jägermarterl?«
»Freilich. Komm, steig auf!«, rief er. Und als er sah, dass sie mit dem Korb in der Hand nicht leicht hinaufkommen würde, packte er sie fest um die Mitte und hob sie mit einem Schwung auf den Sitz.
»Danke!« Sie lachte.
»So ein Madl wie dich hebt man gern!« Er kletterte von der anderen Seite hinauf, und bald tuckerte der Traktor bergan.
»Du musst mir einmal erzählen, wie es dir in Salzburg gefallen hat«, rief er ihr zu. »Muss ja doch recht interessant gewesen sein, gell?«
»Geschadet wird es mir sicher net haben!«, schrie sie zurück. Im kleinen Gang, mit dem sich der Traktor den steilen Weg hinaufarbeitete, machte der Motor einen mächtigen Lärm.
Magnus sah sie von der Seite an, wie sie da mit ihrem Korb auf dem Behelfssitz über der Radabdeckung hockte. Alina hielt vergnügt ihr Gesicht in den Sommerwind, auf ihrem hellen Haar glänzte die Sonne. Sie ist aber wirklich die Schönste von allen, dachte er freudig.
Oberhalb von Koglreith standen auf dem Südhang verstreut einige Bergbauernhöfe. Der Haider- und der Rechbergerhof waren Nachbarn, auch wenn sie eine halbe Wegstunde voneinander entfernt lagen. Zwischen ihnen lag das Jägermarterl.
Hier hielt Magnus den Traktor an und half Alina hinunter.
»Vergelt's Gott!«, sagte sie fröhlich. »Was bin ich schuldig?«
»Ein Wiedersehen.« Er lächelte. »Und wann, Alina?«
»Der Zufall wird's schon geben, Magnus, warten wir's ab.«
»Lieber net, darauf möchte ich mich net verlassen, es könnt allzu lang dauern. Gehst du zum Tanz mit mir am Samstagabend?«
»Von mir aus, aber ich muss erst die Mutter fragen!«
»Die wird schon nix dagegen haben«, meinte Magnus optimistisch. »Treffen wir uns da beim Jägermarterl, oder soll ich dich abholen daheim?«
»Hergehen kann ich schon allein, wenn wir uns um halb acht treffen. Da ist es noch Tag. Nur nachher, wenn es finster ist, musst du mich halt heimbringen, Magnus!«
»Das mache ich gern, Alina. Also dann, servus!« Er schwang sich wieder auf den Traktor und ließ ihn den jetzt flacher werdenden Fahrweg zum Haiderhof hinübertuckern.
***
Der Haiderhof war nicht einer der größten Besitzungen der Gegend, aber er nährte seine Leute. Jodok Haider konnte hoffen, dass später auch sein ältester Sohn Magnus hier auskömmlich leben und der Hof noch viele Generationen im Besitz seiner Nachfahren bleiben würde.
Nur um eins sorgte sich Jodok, und er beschloss, es nach dem Abendbrot mit dem Magnus zu besprechen.
»Komm, hocken wir uns noch ein bisserl draußen auf die Bank und rauchen eine zusammen«, schlug er in seiner ruhigen Art vor.
Die beiden Männer setzten sich auf die alte Holzbank am Stamm des Bergahornbaums und stopften ihre Pfeifen. In der Stille des Feierabends war nur das Mundharmonikaspiel vom achtzehnjährigen Franzl zu hören, der sich im Oberstock auf sein Bett geworfen hatte und wie fast täglich hingebungsvoll übte.
»Er wird doch net ein Musikant werden«, meinte der Vater lächelnd und wies mit dem Pfeifenstiel nach oben.
»Der Franzl wird vielleicht ein Zimmermann, wenn er einmal von daheim weggeht«, sagte Magnus überzeugt. »Wir Haidermänner arbeiten alle gern mit Holz. Wenn ich kein Bauer wär, möcht ich auch nix anderes machen.«
Jodok Haider blickte nachdenklich ins Tal hinunter, wo von den Bachwiesen die Schleier des Abendnebels zum Berg heraufkrochen.
»Aber du wirst doch Bauer, Magnus«, sagte er bedächtig. »Und ich sag dir ehrlich, dass ich dir den Hof auch so bald wie möglich übergeben möcht. So wie der Großvater will ich's net machen. Wenn es nach dem gegangen wär, hätt ich den Hof erst mit fünfzig Jahren übernommen. Aber auch meine vierzig von damals waren eher zu spät. Ich hab ja praktisch erst da heiraten dürfen. Und so ist es gekommen, dass ihr zwei, du und der Franzl, so einen alten Vater habt. Großvater müsst ich längst sein mit meinen fünfundsechzig Jahren.«
Das war eine ungewöhnlich lange Rede für den sonst wortkargen Jodok Haider. Er atmete angestrengt und tief und warf einen Seitenblick auf den Sohn, um zu sehen, was der jetzt für ein Gesicht machte.
»Aber Vater!« Magnus nahm ihn liebevoll um die hageren Schultern. »Der Franzl und ich möchten wirklich keinen anderen Vater haben als dich!«
Der Alte schluckte gerührt. Solche Gefühlsbezeugungen waren sonst nicht üblich zwischen ihnen. Aber es tat gut, so ein liebes Wort zu hören. Und dass der Magnus es ehrlich meinte und nicht etwa bloß schmeichelte, daran zweifelte Jodok Haider keinen Augenblick.
»Magnus, hör mich an«, sagte er etwas heiser. »Damit ich dir bald den Hof übergeben kann, musst du dich beizeiten nach einer tüchtigen Bäuerin umschauen. Du bist dreiundzwanzig und ein ernsthafter Bursche. Besser ist es, in deinem Alter zu heiraten als erst mit vierzig wie die Mutter und ich. Wenn du irgendwo ein Madl weißt, das du gernhaben kannst und das zu uns passt, dann pack zu!«
Sakra, seit heute weiß ich eine, schoss es Magnus durch den Kopf. Doch darüber zu reden, dazu war es noch zu früh.
»Damit du beruhigt bist, kann ich mich ja umschauen, Vater«, sagte er stattdessen. »Nur bitte ich dich, mach dir wegen der Hofübergabe noch keine Sorgen. Wir leben ja gut miteinander in der Familie, der Franzl und ich sind zufrieden mit unserer Arbeit, und du bist Gott sei Dank gesund!«
»Vorsorgen ist besser, als nachher dumm dreinschauen«, murmelte der Bauer. »Vergisst halt net, Magnus, was wir zwei jetzt geredet haben, gell?«
»Ich werd's net vergessen, Vater«, versprach der Bursche.
***
Auf den Samstagstanz beim Lindenwirt freute sich Magnus so sehr, dass er es kaum mehr erwarten konnte. Immerfort musste er an Alina und ihr helles Haar denken, in dem die Sonne geglänzt hatte.
Endlich war es so weit! Magnus atmete auf. Noch vor dem Abendbrot wusch er sich von Kopf bis Fuß den Schweiß und Staub von der Heuarbeit herunter, rasierte sich sorgfältig, zog frische Wäsche und sein bestes Hemd an und setzte sich bereits ausgehfertig an den Tisch.
»Hast du es heute so eilig, zum Lindenwirt zu kommen?«, neckte ihn Franzl, der sich nach der Stallarbeit nur Gesicht und Hände gewaschen hatte.
»Wer dumm fragt, bekommt leicht eine dumme Antwort«, meinte Magnus nicht unfreundlich.
Die Haiderbäuerin streifte die Gesichter ihrer beiden Söhne mit einem Blick und lächelte. Vielleicht hatten sich die beiden schon deshalb immer so gut vertragen, weil der Magnus immerhin fünf Jahre älter war und dem Kleineren nie etwas krummgenommen hatte.
Überhaupt war die Mutter sehr stolz auf ihre zwei Buben. In ihrem Wesen waren sie recht verschieden, der Magnus ernsthaft und manchmal ein bisschen hölzern wie sein Vater, der Franzl hingegen immer lustig und sicher viel leichtlebiger. Doch bei der Arbeit war auch der Jüngere...




