Ross | Die Farben deines Herzens | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Ross Die Farben deines Herzens

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1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7325-4999-3
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7325-4999-3
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die 14-jährige Katrina merkt sofort, dass der Neue an der Schule anders ist. Der Indianerjunge aus dem Reservat hat etwas Geheimnisvolles an sich, und sie fühlt sich gleich zu ihm hingezogen. Aber Adam hat zwei Gesichter. Mal ist er total nett und zuvorkommend, doch im nächsten Moment wirkt er abweisend und kühl. Als dann wie aus dem Nichts immer wieder ein Coyote auftaucht, der es gerade auf die Leute abgesehen hat, die ihr und Adam das Leben schwermachen, schöpft Katrina einen unglaublichen Verdacht ...

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1


Das Beste an der Senior High waren die Croissants, weich und fluffig und besonders lecker, wenn man sie mit Erdnussbutter und Marmelade bestrich. Dumm war lediglich, dass es die Dinger nur freitags gab. Jeden Montag mussten wir uns mit trockenen Bagels und Cornflakes begnügen. Unser einziger Trost war der Kakao aus dem Automaten. Den konnte man zwar nur mit viel Milch genießen, und zu süß war er auch, aber es gab Schlimmeres. Und so ein kleiner Energiestoß vor dem Unterricht konnte nicht schaden.

Anne und ich saßen an einem Ecktisch in der Cafeteria. In der Junior High hatte es überhaupt kein Frühstück gegeben, da war man vom Schulbus direkt in die Unterrichtsräume gestürmt und hatte es gleich mit Mathe oder Physik zu tun bekommen. In der West Valley Senior High gehörte das Frühstück zu den täglichen Ritualen.

Meine beste Freundin Anne und ich waren Freshmen, soll heißen, wir gehörten zur jüngsten Jahrgangsstufe der Schule. Das waren die, auf denen ständig herumgetrampelt wurde, vor allem von den anderen Schülern. Die älteren Mädels lachten über uns, weil wir noch rot wurden, wenn ein Junge in unserer Nähe auftauchte. Und um bei den Cheerleaders mitzumachen, hatten wir zu viel »Babyspeck«. Ein Junge, der sich mit einer von uns zu einem Date verabredet hätte, wäre bei seinen Freunden unten durch gewesen, und bei den Abschlussbällen durften wir erst recht nicht dabei sein, es sei denn, man wurde eingeladen, und das kam nur alle hundert Jahre mal vor.

Mit Jungs hatte ich wenig im Sinn. Sie kamen mir alle so albern vor, selbst die älteren an der Senior High. Anne war da schon weiter. Mit ihren dunklen Locken und den blauen Augen kam sie bei vielen Jungs an, auch wenn die meisten einen Rückzieher machten, sobald sie ihr Alter erfuhren. Wir waren ja erst vierzehn und rangierten bei den meisten noch unter »junges Gemüse«.

Annes Smartphone summte. Als sie die Nachricht las, wurde sie rot.

»Davy?«, fragte ich. »Sag bloß!«

»Er will mit mir ins Kino gehen.«

»Superhelden bewundern?«

Sie schüttelte den Kopf. »In den Film über die russische Prinzessin, die sich in den Zarensohn verliebt. Nicht gerade sein Ding, sagt er, aber okay, wenn ich mir nächstes Mal mit ihm das Geballere auf einem fremden Planeten ansehe.«

»Davy will mit dir in einen Liebesfilm gehen?«

»Cool, was?« Sie blickte sich um, als hätte sie Angst, dass uns jemand belauschte, aber die meisten kümmerten sich nur um sich selbst oder grüßten uns flüchtig. »Ich weiß, Davy kommt ein wenig langweilig rüber. Aber das täuscht, Katrina. Das sind nur seine Klamotten. Seine Eltern haben wenig Kohle, und er steht sowieso nicht auf den modischen Kram.« Sie lächelte. »Er ist irgendwie süß, findest du nicht?«

»Ich kenn ihn doch gar nicht.« Davy ging auf eine andere Highschool.

»Er will mich mal von der Schule abholen, dann stell ich ihn dir vor. Solange du ihn mir nicht ausspannst.« Sie grinste. »Er ist wirklich nett. Zehnmal netter als der Angeber, der gerade zur Tür reinkommt.« Sie deutete quer durch den Raum auf einen älteren Jungen und seine Freundin, die gemeinsam in die Cafeteria spazierten.

Mit ihrem Auftauchen verstummte auch das leiseste Gemurmel. Die Blicke aller Anwesenden richteten sich auf die beiden, als hätten soeben der König und seine Gemahlin den Raum betreten. Und so war es ja auch. Selbst in unserem Jahrgang hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass Jennifer Nolan beim Abschlussball des letzten Semesters zur Homecoming Queen gewählt worden war und mit Jason McGarrett im Scheinwerferlicht gestanden hatte.

»Heilige Makrele!«, flüsterte ich. »Die beiden haben mir noch zu meinem Glück gefehlt!« Der Mädchenschwarm unserer Schule, ein All-American Boy, der mit seiner athletischen Figur und der gebräunten Haut eher nach Kalifornien oder Hawaii gepasst hätte, und die attraktive Cheerleaderin, blonde Naturlocken, Beine bis zum Hals und sündhaft teure Klamotten. »Kein Wunder, dass ihr die Jungs zu Füßen liegen. So werden wir nie aussehen.«

»Sie hat reiche Eltern. Mit Geld lässt sich einiges machen.«

»Wir könnten eine ganze Woche beim Friseur sitzen und würden niemals so aussehen«, widersprach ich. »Diese It-Girls sind eine ganz besondere Rasse. Hübsch und gestylt bis zum Gehtnichtmehr, aber dafür oft dumm wie Stroh. Wie geschaffen für muskelbepackte Dummköpfe wie diesen Jason.«

»Bist du etwa eifersüchtig?«

»Auf Jennifer? Nicht die Bohne!« So ganz ehrlich klang es nicht.

»Jason hat schon was«, sagte Anne.

»Solange er den Mund hält«, konterte ich. »Einen knackigen Hintern hat er ja, aber was will ich mit einem Typen, der den ganzen Tag von Football und schnellen Autos spricht und mir an die Wäsche will? Nee, soll Jennifer doch glücklich mit ihm werden. Ich will Jason bestimmt nicht.«

»Aber du würdest ihn auch nicht davonjagen.«

»Hab ich schon«, erwiderte ich ernst. »Ich hab’s dir nicht erzählt, aber letzte Woche hat er mich blöd angemacht. Ich wäre gar nicht so übel für eine Freshman-Tussi. Dabei wollte ich gar nichts von ihm. Bin gestolpert und hab mich an seiner Jacke festgehalten. Weiter nichts.«

»Ziemlich plumpe Anmache. Hast du deshalb nichts gesagt?«

»Es war reiner Zufall, ich schwör’s. Sonst hätte ich mich eben an einem anderen festgehalten. Immer noch besser, als auf die Nase fliegen und sich zum Gespött der Leute machen. Woher sollte ich denn ahnen, dass Jason so ein großes Ding daraus macht?«

»Und wenn er dich mag?« Anne meinte es tatsächlich ernst. »Wenn Jungs so was sagen, meinen sie oft was ganz anderes. Hab ich in einem Film gesehen. Da schimpft und nörgelt dieser Typ fast den ganzen Film lang an einer hübschen Kollegin rum, um am Ende mit ihr … na, du weißt schon.«

»Das ist ja auch noch nicht alles«, sagte ich. »Du hättest mal hören sollen, wie der über Indianer spricht, sogar vor Schülern aus dem Reservat. Als wollte er sich unbedingt mit ihnen anlegen. Für so ein rassistisches Geschwätz könnten sie ihn glatt von der Schule werfen.« Wie so oft, wenn es um Indianer ging, hatte ich mich in Rage geredet. »Wir sind doch nicht beim Ku-Klux-Klan.«

»Diese Geheimbündler hätten noch was ganz anderes mit den Indianern gemacht. Aber hier in South Dakota haben die keine Chance. Und über das Gelaber von Jason würde ich mir keinen Kopf machen, der will doch nur seiner Jennifer imponieren.« Wir standen auf und stellten unsere schmutzigen Becher in die Ablage. »Du bist eben empfindlicher als alle anderen, wenn es um Indianer geht. Bevor ich nach South Dakota kam, wusste ich auch nicht, wie schlecht es ihnen in den Reservaten geht. Wer fährt schon freiwillig nach Pine Ridge? Deine Eltern vielleicht. Seid ihr nicht das ganze Wochenende im Reservat unten gewesen?«

Ich schob mich an einigen Schülern vorbei. Der Unterricht begann in wenigen Minuten, und auf einmal hatten es alle eilig. »Ja. Mit einem befreundeten Professor aus Florida. Der wollte sich vor Ort informieren und war entsetzt, wie schlecht es den Leuten im Reservat geht. Pine Ridge ist so ziemlich das armseligste Stück Land, das man in South Dakota finden kann.«

Ich war wieder mal bei meinem Lieblingsthema angekommen und hätte wahrscheinlich noch eine Weile weitergeredet, wäre in diesem Augenblick nicht etwas Seltsames passiert. Das Licht ging aus. Aufgeregtes Gemurmel setzte ein. Irgendwo lachten einige Mädels. Nicht weiter schlimm, dachte ich. Immerhin war es draußen schon einigermaßen hell, und die Straßenlampe vor dem Fenster war vom Stromausfall nicht betroffen. Wenn es denn einer war.

In der Schule fiel öfter mal der Strom aus, aber meist sprang er schon nach wenigen Sekunden wieder an. So auch dieses Mal. Doch in das Knacken, das beim Einschalten erklang, mischte sich ein seltsames Fauchen, und über die Wand hinter dem Tresen huschte der Schatten eines Hundes. Oder war es ein Wolf? Ein Coyote? So genau ließ sich das in der Eile nicht feststellen. Wahrscheinlich bildete ich mir den fauchenden Vierbeiner sowieso nur ein. Hunde waren an unserer Schule streng verboten, von Wölfen und Coyoten ganz zu schweigen. Es sei denn, der Hund des Hausmeisters hatte sich verirrt.

Das Licht flammte auf, und wir drängten weiter in den Flur.

»Hast du den Hund gesehen?«, fragte ich vorsichtig.

»Welchen Hund?«

»Ich dachte, ich …« Ich sah Annes ungläubigen Blick und wechselte rasch das Thema. »Wahrscheinlich nur Einbildung. Liegt sicher an dem Krach in der Cafeteria. Du hast Mathe, oder? Sehen wir uns heute Mittag zum Essen?«

Meine Freundin wirkte bedrückt. »Wenn ich dann noch lebe. Mrs. Stark lässt uns heute einen Test schreiben. Sie will sehen, ob wir schlau genug für die Fortgeschrittenen sind. Das wird bestimmt haarig. Vielleicht hätte ich doch den einfacheren Kurs nehmen sollen.«

»Mit uns Normalsterblichen?« Ich schüttelte lachend den Kopf. »Nix da. Du bist ein Mathegenie und wirst sicher mal Buchhalterin oder so was. Du brauchst die Herausforderung. Und den Test schaffst du mit links, ganz sicher.«

»Meinst du wirklich?«

»Logisch. Bis heute Mittag!«

An der großen Treppe trennten sich unsere Wege. Mrs. Stark unterrichtete im ersten Stock. Ich hatte mich für Sozialkunde eingeschrieben, weil dort viel diskutiert wurde und ich vorhatte, später wie mein Vater an der Uni zu unterrichten. Falls ich einigermaßen durch die Highschool kam und anschließend das College schaffte … Meine Mutter arbeitete ebenfalls an der Uni, war aber in der Verwaltung tätig, weil sie...



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