Ross | Die Nacht der Wölfe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 415 Seiten

Reihe: Die große Alaska-Saga

Ross Die Nacht der Wölfe

Roman. Die große Alaska-Saga 3 | Der Überlebenskampf einer jungen Frau in den White Mountains
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-597-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman. Die große Alaska-Saga 3 | Der Überlebenskampf einer jungen Frau in den White Mountains

E-Book, Deutsch, Band 3, 415 Seiten

Reihe: Die große Alaska-Saga

ISBN: 978-3-98952-597-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Liebe führt sie in die abenteuerlichen Weiten Nordamerikas Die White Mountains, Ende des 19. Jahrhunderts: Als Clarissas Mann Alex von einer Reise in die wilde Bergwelt nicht zurückkehrt, droht ihr gesamtes Glück zu zerbrechen. Alex wird für Tod erklärt, doch Clarissa ist fest überzeugt, dass er als erfahrener Fallensteller in der Wildnis überleben kann wie niemand sonst. Doch dann hört sie Gerüchte, dass sich in der Gegend jener Mann aufhält, der noch immer nach Rache an ihr zürnt: Frank Whittler, der reiche Unternehmersohn, dem Clarissa die Stirn geboten hat. Kann das Zufall sein? Entschlossen macht sich Clarissa auf die Suche nach ihrem geliebten Mann. Dafür muss sie bis an den Rand der Arktis reisen - und immer wieder begegnet sie dabei einem Geisterwolf. Doch ist er ihr Schutztier oder ein Unglücksbote? Diese große Nordamerika-Saga in sechs Bänden, die unabhängig lesbar sind, erschien vorab bereits als »Clarissa«-Reihe und wird ebenso Fans von Anne Jacobs wie auch der »Yellowstone«-Serie begeistern!

Christopher Ross gilt als Meister des romantischen Abenteuerromans. Es ist das Pseudonym des Autors Thomas Jeier, der in Frankfurt am Main aufwuchs, heute in München und »on the road« in den USA und Kanada lebt. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet, mit den bevorzugten Schauplätzen Kanada und Alaska. Seine über 2100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Der Autor im Internet: jeier.de/christopher-ross facebook.com/thomas.jeier Bei dotbooks erscheint Christophers Ross' GROSSE ALASKA-SAGA mit sechs Bänden. Unter Thomas Jeier veröffentlichte er bei dotbooks zahlreiche weitere Romane.
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Kapitel 1


Clarissa trat ans Fenster ihrer Blockhütte und blickte besorgt in den wirbelnden Schnee hinaus. Alex war seit dem frühen Morgen unterwegs und hätte längst zurück sein müssen. Jetzt war es kurz vor Mitternacht, und weder auf der verschneiten Wagenstraße noch auf dem Fluss konnte sie irgendeine Bewegung erkennen.

»Wenn Barnette mir einen guten Preis für die Felle macht, reicht es vielleicht für eine Bärenfalle«, hatte er beim Frühstück überlegt. »Mit dem Grizzly, der sich seit einigen Tagen hier herumtreibt, ist nicht gut Kirschen essen. Der hat mit Winterschlaf wenig im Sinn und könnte uns gefährlich werden.«

Wie jedes Mal, wenn ihr Mann zu dem Handelsposten am Chena River fuhr, hatte er ihr versprochen, eine Tafel der leckeren Schokolade mitzubringen, die der Händler neuerdings aus den Vereinigten Staaten importierte und viel zu teuer verkaufte. Der Gedanke an die süße Köstlichkeit zauberte ein flüchtiges Lächeln auf ihr Gesicht, das aber gleich wieder verschwand.

Normalerweise kehrte Alex am frühen Abend zurück, wenn er allein nach Fairbanks fuhr. So hieß die kleine Stadt, die sich seit den Goldfunden um den Handelsposten gebildet hatte. Mehr als ein paar Gläser Bier, und wenn es hochkam mal einen Whiskey, trank er nie. Seitdem sie geheiratet hatten, war er drei- oder viermal betrunken gewesen, nicht öfter, obwohl er wirklich schwere Zeiten durchgemacht hatte und sie ihm nicht einmal böse gewesen wäre. Sie erschauderte immer noch, wenn sie daran dachte, wie englische Seeleute ihn vor drei Jahren auf ihr Schiff verschleppt und bis ins ferne China entführt hatten. Wie ein Sklave hatte er geschuftet, an Bord des Dampfschiffes auf hoher See und später in einem Warenlager in Shanghai, bevor es ihm gelungen war, auf ein amerikanisches Schiff zu fliehen und zu ihr zurückzukehren.

Das unbeschreibliche Glücksgefühl, das sie empfunden hatte, als sie nach über einem Jahr wieder in seine Arme sinken durfte, würde sie niemals vergessen. Ein Gottesgeschenk hatte sie seine Rückkehr genannt, die Antwort auf ihre verzweifelten Gebete. Ihre Freundin Dolly in Dawson City war weniger überschwänglich gewesen: »Ach was, ich wusste immer, dass er zurückkommt. So grausam, dass er uns beiden den Mann nimmt, kann Gott nicht sein.«

Dollys Mann war von einem Verbrecher in der Goldgräberstadt Skaguay beraubt und ermordet worden, gleich nach ihrer Ankunft in Alaska.

Clarissa ging zum Ofen und warf zwei Holzscheite ins Feuer. Im flackernden Schein der Öllampe auf dem Tisch schenkte sie heißen Tee in ihren Becher und rührte zwei Teelöffel Zucker hinein. Sie mochte ihn gern süß, vor allem, wenn sie nervös war. Mit dem Becher in der Hand kehrte sie ans Fenster zurück. Das Schneetreiben war inzwischen so stark, dass sie kaum noch etwas sah, selbst der vereiste Nebenfluss des Chena River war nicht mehr zu erkennen. Die wirbelnden Flocken brachten sie zum Blinzeln, und als sie zurücktrat, um besser sehen zu können, erkannte sie nur den Schein der Lampe und ihr Spiegelbild im vereisten Fenster. Das blasse Gesicht mit den dunklen Augen und den leicht hervorstehenden Wangenknochen erinnerte an eine Indianerin, ihre dunklen Haare hatte sie zu einem unordentlichen Knoten gebunden. Sie trug einen dunklen Rock und eine Strickjacke über ihrer Bluse und wie immer, wenn sie im Haus war, die bestickten Mokassins, die sie einer alten Indianerin abgekauft hatte.

Alex sprach wenig über seine Zeit bei den Engländern und in China. Mehr als »Das war kein Zuckerschlecken!« oder »Ich weiß schon, warum ich kein Seemann geworden bin!« war ihm nicht zu entlocken. Wie hart der unfreiwillige Aufenthalt an Bord des Schiffes und die Arbeit in dem Lagerhaus wirklich gewesen sein musste, glaubte sie lediglich an den Narben auf seinem Rücken zu erkennen. »Ach, das war nichts«, wiegelte er ab. Sie vermutete, dass ihn seine Entführer ausgepeitscht hatten. Es hieß, dass die Kapitäne der englischen Handelsschiffe ihre Seeleute wie afrikanische Sklaven behandelten.

Von draußen drang das Heulen der zurückgebliebenen Huskys herein. Billy, ihr ehemaliger Leithund, Buffalo und die sanfte Cloud, beide schon zu alt für das Gespann, und Emmett, der junge sibirische Husky, den sie einem Indianer aus den White Mountains abgekauft hatte. Der ehemalige Häuptling hatte einen Narren an ihr gefressen und die Hoffnung geäußert, die weiße Frau würde seinen Emmett zum Leithund ausbilden und das Alaska Frontier Race mit ihm gewinnen, ein legendäres Hundeschlittenrennen mit hohen Geldpreisen.

Clarissa hatte seinen Wunsch als Scherz aufgefasst und ihm die Hälfte des Preisgeldes versprochen, inzwischen aber längst erkannt, dass Emmett tatsächlich sehr begabt war und sich außergewöhnlich intelligent benahm. Alex und sie hatten ihn bereits mehrmals als Leithund eingesetzt und waren äußerst zufrieden mit ihm. Smoky wurde langsam zu alt für die harte Arbeit.

Ein Wolf antwortete den Huskys. Sein Heulen klang so schaurig und nahe, dass Clarissa erschrak und einen Augenblick innehielt. Wölfe wagten sich nur selten so nah an die menschlichen Siedlungen heran. Nur wenn sie in ihrem Revier keine Beute mehr fanden, wurden sie mutiger. Das Wolfsrudel, das nördlich des Flusses jagte, hatte selbst Alex nur selten zu Gesicht bekommen.

Als das Heulen verstummte, trank Clarissa erleichtert von ihrem Tee. Der Zucker beruhigte sie, aber noch viel lieber hätte sie von der Schokolade gekostet, die Alex ihr versprochen hatte. Wo blieb er nur? War ihm etwas passiert? War was mit den Hunden? Hatte sich einer der Huskys verletzt? Vor einem halben Jahr, als Chilco sich die Pfoten am rauen Flusseis aufgeschnitten hatte, war er schon mal so spät gekommen und hatte sich tausend Mal entschuldigt, weil er wusste, wie sehr sie sich um ihn sorgte. Ach was, sagte sie sich, du benimmst dich schon wie eine nervöse Städterin. Du weißt doch selbst, auf welche Hindernisse man in der Wildnis treffen kann. Er wird schon seine Gründe für seine späte Rückkehr haben.

Selbst wenn er einen befreundeten Fallensteller getroffen hatte und mit ihm versumpft war – was machte das schon?

Sie trank noch einen Schluck und stellte den Becher auf den Tisch. Obwohl das Feuer im Ofen kräftig brannte, legte sie zwei Holzscheite nach und erfreute sich an der Wärme und dem vertrauten Prasseln. Sie fühlte sich wohl in ihrem neuen Zuhause. Andere Frauen, vor allem die gesitteten Ladys aus Vancouver, wären beim Anblick der einfachen Blockhütte sicher erschrocken, doch für sie gab es nichts Schöneres, als inmitten der Wildnis einen geschützten Platz zu haben, an dem sie mit Alex allein sein konnte. Die Hütte war nicht besonders groß. Auf dem Bett lag eine bunte Patchworkdecke, die sie im letzten Winter angefertigt hatte, und ein wuchtiger Schrank, den Alex wie die meisten anderen Möbel selbst gezimmert hatte, trennte den Schlafraum vom Wohnraum, der gleichzeitig als Küche diente. Es gab einen Tisch mit vier Stühlen, einen Küchenschrank, in dem auch die Vorräte untergebracht waren, eine Kommode und einen großen Eisenherd, der mit dem Raddampfer über den Yukon River gekommen war. Sie hatten ein halbes Vermögen für das Monstrum bezahlt. In der Mitte des Raumes ragte ein alter Kanonenofen empor, daneben lag etwas Brennholz. In einigen Kisten vor der Rückwand waren Werkzeuge, Geschirre, Lederriemen und anderer Krimskrams untergebracht, in Eimern und Behältern lagerten Wasser und Hundefutter. Das Stroh in der Ecke war für Smoky reserviert, ihren Leithund, der als einziger Husky ins Haus durfte, aber meist draußen bei den anderen schlief.

Sie holte ein altes Buffalo-Bill-Heft aus der Kommode und setzte sich an den Tisch. Im Schein der Öllampe versuchte sie zu lesen. Sie mochte die haarsträubenden Abenteuer des legendären Westmanns und freute sich jedes Mal, wenn er mit bloßen Händen auf einen Grizzly losging oder im Alleingang einen ganzen Indianerstamm besiegte. Natürlich hatte der echte Buffalo Bill diese Abenteuer nie erlebt, angeblich zog er mit einem Wildwestzirkus durch die Lande, aber Clarissa mochte seine Geschichten, weil sie darin in eine vollkommen andere Welt abtauchen konnte. Dass es ihr diesmal nicht gelang und sie das Heft schon nach wenigen Minuten missmutig zur Seite legte, lag an ihrer Unruhe. Obwohl Alex auch mal einige Tage wegblieb, wenn er seine Fallen abfuhr und kontrollierte oder mit dem Hundeschlitten nach neuen Trails suchte, war sie diesmal seltsam besorgt, als würde sich mit seinem Wegbleiben ein neuer dramatischer Einschnitt in ihrem gemeinsamen Leben ankündigen. Woher diese Ahnung kam, vermochte sie nicht zu sagen. »Du machst dich noch verrückt«, flüsterte sie.

Dabei schien der Mann, der während der vergangenen Jahre versucht hatte, ihnen das Leben zur Hölle zu machen und es beinahe geschafft hätte, sie ins Gefängnis zu bringen, ganz andere Sorgen zu haben. Wie einige andere »hohe Tiere« der Canadian Pacific Railway waren auch die Whittlers in einen Bestechungsskandal verwickelt und mussten hohe Geldstrafen bezahlen. Ihre Posten bei der Eisenbahn hatten sie verloren. Wenn die Gerüchte stimmten, lebten sie inzwischen in einem Vorort von Vancouver und hielten sich mühsam mit ihrem Ersparten über Wasser. Kein Vergleich zu dem ausschweifenden Leben, das sie geführt hatten, als Clarissa bei ihnen angestellt gewesen war. Über Frank Whittler, den arroganten Sohn der Familie, der versucht hatte, sie zu vergewaltigen, und sie jahrelang verleumdet und erbarmungslos gejagt hatte, weil er nicht bei ihr gelandet war, ging sogar das Gerücht, dass er sich mit zwielichtigen Elementen aus der Unterwelt zusammengetan hatte.

Draußen heulten wieder die Huskys. Clarissa nahm an, dass sie ebenso wie sie Alex und vor allem die anderen Huskys vermissten. Sie...



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