Rüfenacht | Reussgold | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 309 Seiten

Reihe: Ermittler Stephan Bernauer

Rüfenacht Reussgold

Kriminalroman
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8392-7680-8
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 3, 309 Seiten

Reihe: Ermittler Stephan Bernauer

ISBN: 978-3-8392-7680-8
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Nach einem gemütlichen Fest in der Schrebergartensiedlung verschwindet einer der Hobbygärtner spurlos. Kantonspolizist Bernauer und sein Team machen sich auf die Suche. Schnell gerät ein skrupelloser Baumagnat ins Visier der Ermittler. Weiß er etwas? Und was haben die Kelten, die vor über 2.000 Jahren in der Region gelebt haben, mit dem Fall zu tun? Als der Vermisste tot aufgefunden wird und auch noch Bernauers Tochter verschwindet, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit.

Martin Rüfenacht ist in Zufikon bei Bremgarten im Freiamt aufgewachsen. Der Jurist lebt mit seiner Frau und den drei Kindern im schönen Reusstal. Seine Bücher zeichnen sich durch Spannung und eine gute Portion Schalk aus. Er kennt die Schauplätze und Geschichten der Region seit seiner Kindheit, was seinen Krimis Lokalkolorit und Authentizität verleiht. »Reussgold« ist nach »Reussschlinge« und »Reussstrudel« sein dritter Kriminalroman um den Kantonspolizisten Stephan Bernauer und sein Team.
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Kapitel 2


Sie folgten der Archäologin und bogen hinter einem Baucontainer, von dem Bernauer vermutete, dass er als Materialschuppen diente, in einen schmalen Waldpfad ein. Der Boden war mit Tannennadeln bedeckt und gab bei jedem Schritt ganz leicht nach. Fast geräuschlos bewegten sie sich vorwärts. Bernauer und Sophie sputeten sich, um den Anschluss an Frau Küng nicht zu verlieren. Der Baumbestand wurde dichter, und sie mussten sich unter tief hängenden Nadelzweigen hindurchbücken. Dafür war es hier angenehm kühl. Nach ein paar Dutzend Metern machte der Weg eine scharfe Linkskurve. Die Archäologin verschwand aus ihrem Blickfeld. Bernauer und seine Tochter sahen sich an und beeilten sich. Sie hasteten um die Ecke und blieben abrupt stehen. Beinahe wäre Sophie mit ihrem Vater zusammengestoßen. Sie standen an einem Abgrund. Bernauer musste einen kleinen Schritt nach hinten machen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und in die Grube zu stürzen. Frau Küng winkte ihnen von unten zu.

»Kommen Sie herunter!« Sie zeigte dabei auf eine Stelle links unterhalb von Bernauer. Erst jetzt bemerkte er die grob gezimmerte Holztreppe, die hinunterführte. Er machte sich vorsichtig auf den Weg und bedeutete Sophie, ihm zu folgen.

»Willkommen auf unserer Ausgrabungsstätte.«

Bernauer staunte nicht schlecht und sah, dass es Sophie ebenso ging. In der großzügigen Grube war ungefähr ein Dutzend Personen damit beschäftigt, den Boden mit feinen Werkzeugen und Pinseln zu bearbeiten. Zwischendurch nahm jemand ein Klemmbrett vom Boden hoch und notierte etwas darauf. Fast die ganze Fläche der Vertiefung war mit einem Gittergeflecht aus Schnüren in gleichmäßige Quadrate aufgeteilt. Die Fäden waren an im Boden verankerten Metallnägeln befestigt und schwebten etwa zehn Zentimeter über der Erde. In einer Ecke der Grube war eine Plastikplane auf Kopfhöhe gespannt. Offensichtlich diente sie als Dach für die Koffer und Gerätschaften, die sich darunter befanden. Auch in der Mitte der Fläche war ein Zelt aus Blachen aufgestellt. Dieses diente aber dem Schutz der bereits freigelegten Fläche, wie Bernauer vermutete.

»Hammer!«, kommentierte Sophie.

»Ich sehe, Ihre Tochter ist voller Begeisterung für unsere Arbeit.« Schmunzelnd wandte sich Judith Küng Bernauer zu. »Aber ja, zugegebenermaßen dürfen wir stolz sein auf diese Grabung. Wir konnten schon das eine oder andere interessante Fragment entdecken. Natürlich müssen wir die Stücke im Labor noch eingehend untersuchen. Aber ich wage jetzt schon zu behaupten, dass uns dieses Gebiet hier einen tieferen Einblick in das Leben unserer Vorfahren erlaubt.«

Sophie zog an der Hand ihres Vaters, wie sie es bereits als kleines Mädchen getan hatte, wenn sie zum Beispiel auf ein Karussell wollte. »Papa, schau dir das an! Darf ich näher hin?«

Bernauer schaute fragend zu Frau Küng. Diese nickte verständnisvoll, und Bernauer ließ Sophie gewähren. »Aber halte genügend Abstand!«

Er war nicht sicher, ob sie seine Ermahnung noch mitbekam. Schon stand sie hinter einer jungen Frau, die kniend mit einem feinen Pinsel den Boden bearbeitete und nun überrascht, aber freundlich zu ihr aufsah. Bernauer beobachtete Sophie gerührt.

»Ihre Tochter scheint sich wirklich für Archäologie zu interessieren«, stellte Judith Küng fest. »Hoffentlich kann sie diesen Elan beibehalten. Es ist ja noch ein langer Weg für sie, bis sie auch an Ausgrabungen teilnehmen kann.«

»Bieten Sie keine Praktika an?«

»Für Jugendliche in Sophies Alter leider nicht mehr.«

»Ich verstehe«, sagte Bernauer, »Sie wollen ja nicht auch noch Kinderbetreuerin spielen während der Arbeit.«

»Das ist es nicht hauptsächlich«, gab Frau Küng zu bedenken, »vielmehr der Schutz der ausgegrabenen Zeitzeugen. Sehr schnell ist ein entscheidender Hinweis, ein wichtiges Puzzleteil durch unsachgemäßen Umgang zerstört. Daher verlangt unsere Arbeit äußerste Konzentration und enormen Sachverstand. Leider mussten wir in der Vergangenheit feststellen, dass dies vielen jungen Leuten abgeht. Wir mussten in der Folge leider auf weitere Stages verzichten.«

Bernauer nickte langsam.

Frau Küng fuhr fort: »Ich finde es schade. Mir persönlich war es immer ein Anliegen, die Begeisterung für die Historie zu wecken.« Und mit etwas Wehmut fügte sie hinzu: »Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.«

Bernauer sah sie mit einer Mischung aus Überraschung und Bewunderung lange an.

Sie schmunzelte unvermittelt: »Stammt nicht von mir, finde ich aber treffend für unseren Beruf.«

Nun schmunzelte Bernauer. Die Frau war ihm sympathisch. Er betrachtete das emsige Treiben der Archäologen mit aufrichtigem Interesse. Dann wandte er sich wieder an Frau Küng: »Und was haben Sie bereits ausgegraben?«

Sie freute sich ganz offensichtlich über das Interesse des Polizisten und schenkte ihm ein Lächeln. Ohne weitere Worte ging sie zum Zelt in der Mitte des Platzes und machte sich an einer massiv aussehenden Metallkiste zu schaffen. Nur mit großer Kraftanstrengung gelang es ihr, die Verschlüsse an dem militärgrauen Ungetüm aufzuwuchten und den schweren Deckel mit der linken Hand hochzustemmen. Dann warf sie einen kurzen, suchenden Blick ins Innere, nickte zufrieden und winkte Bernauer mit der freien Hand zu sich heran. Dieser folgte ihrer Aufforderung und gesellte sich neben sie. Sie trat einen Schritt zur Seite und ließ ihn in die Box schauen. Darin sah es aus wie in einem überdimensionierten Setzkasten. Zwischen den Abtrennungen aus Acrylglas waren verschiedenfarbige Tonscherben säuberlich aufgereiht und beschriftet. Einige waren schwarz verkohlt, andere bräunlich-rot eingefärbt. Ein Splitter hatte feine Eingravierungen. Auf den ersten Blick sah die Auslage für Bernauer trotzdem nicht sehr spannend aus, er hatte sich mehr erhofft. Er wollte sich schon an Frau Küng wenden, als sein Blick auf ein fein gearbeitetes Schmuckstück fiel. Das Stück war sehr filigran. Drei kugelförmige Verdickungen mit schönen Mustern zierten es.

Frau Küng war Bernauers Staunen nicht entgangen. »Ein wunderschöner Armreif, finden Sie nicht? Auf so etwas stößt man sehr selten. Ich bin gespannt, was die gründliche Reinigung noch zum Vorschein bringt. Aber ich kann jetzt schon sagen, dass dies sicherlich ein Museumsstück werden wird. Wäre doch schade, wenn es irgendwo in einer Kellerschublade verstauben würde. Bei früheren Ausgrabungen hatte man ebenfalls Schmuck gefunden, seit längerer Zeit aber lediglich Tonscherben und dergleichen. Na ja, die Dinge liegen auch schon mehr als 2.000 Jahre in der Erde. Da kann man nicht erwarten, dass Tongefäße noch intakt sind.«

Bernauer musterte den Armreif nachdenklich. »Und was erhoffen Sie sich noch zu finden?«

Sie schaute ihn fragend an.

»Ich meine nur, wo dieser Armreif ist, könnte ja noch mehr verborgen sein«, beeilte er sich zu sagen.

Wieder lächelte Frau Küng. »Das ist nicht so einfach, Herr Bernauer. Wir suchen nicht nach einem bestimmten Gegenstand. Natürlich wäre es schön, wenn wir noch mehr so gut erhaltene Stücke finden würden. Aber die Realität ist eine andere, leider. Von den bisherigen Grabungen wissen wir, dass hier in Unterlunkhofen hauptsächlich Brandbestattungen stattgefunden haben. Bis auf wenige Ausnahmen, wo wir es mit Körperbestattungen zu tun hatten. Bei der aktuellen Ausgrabung geht es zunächst einmal darum, die Erdschichten zu analysieren, um das Alter des Grabfeldes zu bestimmen. Aber natürlich wäre es sehr schön, zum Beispiel einen Torques zu finden.«

»Einen Torques?«

Sie lächelte verständnisvoll, aber nicht überheblich. »Ein Torques ist ein Halsreif, den die Kelten trugen. Meist waren die Reifen aus Gold gefertigt und Männern der Oberschicht oder Kriegern vorbehalten. Man hat sie an diversen Orten gefunden, bisher aber noch nicht im Freiamt.« Sie zuckte mit den Schultern.

»Und wie sind Sie darauf gekommen, gerade hier zu graben?«, hakte Bernauer nach.

»Nun, es wurde schon lange vermutet, dass in der Umgebung der bisher entdeckten Gräber noch weitere liegen könnten. Allerdings muss es sich um ältere handeln, weil die Grabhügel nicht mehr so ausgeprägt vorhanden sind. Oder die Gesteinsschichten sind weicher, die Gräber liegen tiefer.«

Wieder nickte Bernauer. Er schaute sich um. Dabei fiel ihm ein Gefährt von der Größe eines Rasenmähers auf, das halb zugedeckt in einer Ecke stand. »Und was ist das da?«, fragte er frei heraus.

Frau Küng folgte seinem Blick. »Ach, das ist unser GPR.«

Als sie feststellte, dass Bernauer sie immer noch fragend ansah, fügte sie rasch hinzu: »Unser Bodenradar. Wir ziehen es über den Boden und können so Strukturen im Erdinnern erkennen – vereinfacht gesagt.«

Bernauer zeigte sich beeindruckt. »So wie ein Metalldetektor«, sagte er, ohne genau zu wissen, wie ein solcher aussah.

»So ähnlich«, meinte sie. »Allerdings lassen sich damit nicht nur metallische Gegenstände finden, sondern auch organisches Material oder Gestein. Außerdem liefert uns das Gerät eine Karte des untersuchten Untergrunds auf seinem Bildschirm. So können wir mit etwas Übung sogar sagen, was uns ungefähr erwartet, wenn wir dort graben. Den Jackpot haben wir allerdings immer noch nicht gefunden, leider.«

Bernauer sah sie überrascht an, was ihr nicht entging.

»Die Nekropole Unterlunkhofen ist zweifelsohne eine der bedeutendsten Grabstätten aus der jüngeren Eisenzeit«, fuhr sie fort. »Oder anders gesagt, es ist ein großer und sehr alter Friedhof. Er gibt...


Rüfenacht, Martin
Martin Rüfenacht ist in Zufikon bei Bremgarten im Freiamt aufgewachsen. Der Jurist lebt mit seiner Frau und den drei Kindern im schönen Reusstal. Seine Bücher zeichnen sich durch Spannung und eine gute Portion Schalk aus. Er kennt die Schauplätze und Geschichten der Region seit seiner Kindheit, was seinen Krimis Lokalkolorit und Authentizität verleiht. »Reussgold« ist nach »Reussschlinge« und »Reussstrudel« sein dritter Kriminalroman um den Kantonspolizisten Stephan Bernauer und sein Team.



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