E-Book, Deutsch, Band 2, 250 Seiten
Reihe: New Lendt
Sand New Lendt Hamburg
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6951-2206-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Urban Fantasy trifft auf historische Fantasy
E-Book, Deutsch, Band 2, 250 Seiten
Reihe: New Lendt
ISBN: 978-3-6951-2206-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Caro Sand lebt in Schleswig-Holstein und bewegt sich schreibend am liebsten im Genre Fantasy und Urban Fantasy. Sie verknüpft Parallelwelten über verschiedene Pforten mit unserer Realität. In ihrer Freizeit geht sie gerne auf Wikinger-, Mittelalter- und Steampunk-Märkte. Als Waldpädagogin liebt sie es, die Teilnehmer ihrer Veranstaltungen in die Rolle heimischer Waldtiere schlüpfen zu lassen, und stößt auch dabei Tore in Parallelwelten, z. B. zu Fabelwesen, auf. Am Herzen liegt ihr der Erhalt der plattdeutschen Sprache und so erscheinen ihre Kinderbücher mehrsprachig Website: caro-sand.de
Autoren/Hrsg.
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LIV
»Was hat er gesagt?«, fragte Liv ungeduldig, als Adrian am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain zu ihr trat, und steckte ihr Handy, mit dem sie sich die Zeit vertrieben hatte, in die Hosentasche. Sie versuchte, in seinem Gesicht zu lesen. »Oh weh, du siehst bedrückt aus.« Sorge machte sich in ihr breit, während sie ihm zum Antworten Raum ließ. Schweigend setzte er sich auf den Brunnenrand. Sie ließ ihn nicht aus den Augen und setzte sich zu ihm.
»Es hat nicht funktioniert, oder? Er lässt dich nicht weg«, sagte sie enttäuscht.
Adrian, der wie an dem Tag, als er ihr das erste Mal auf dem Ku’damm aufgefallen war, in ein einfaches naturweißes, auf der Brust geschnürtes Leinenhemd und in eine Leinenhose in Erdtönen gekleidet war, seufzte und kramte in seiner ledernen Tasche herum, die er stets mit sich führte. Liv wusste, dass sich darin der Extraktor und ein paar kleinere magische Waffen, wie er es nannte, befanden. Gespannt hatte sie ihm gelauscht, als er ihr von einem Hinterhalt im Berlin des Jahres 1630 erzählt hatte, dem er nur unter Einsatz einer dieser magischen Kugeln entgangen war. Nach seiner Beschreibung würde sie diese Waffe am ehesten mit einem Feuerwerkskörper vergleichen. Aber anstelle eine dieser Kugeln förderte er stattdessen ein Schriftstück hervor und hielt es ihr hin. Liv beäugte es kritisch und nahm es zögerlich entgegen.
»Was ist das?«
Wieder seufzte er. »Das ist unser Problem.«
Liv faltete den Zettel auseinander und studierte die kryptischen Zeichen, die sich in Reihen angeordnet darauf befanden.
»Was sind das für Zeichen und wie soll dieser Text meinem Vater helfen, wieder gesund zu werden?«
»Ich habe keine Ahnung, weder was sie bedeuten noch wie man sie entschlüsseln kann. Das ist alles, was mein Herr als Hinweis über das Zeitreich in Hamburg von seinem Vetter bekommen hat und es ist unsere einzige Spur zu dem Alchemisten, der hoffentlich das rückgängig machen kann, was ich deinem Vater angetan habe.« Adrian senkte den Blick und wirkte betroffen.
»Ach, Adrian. Das hast du doch nicht mit Absicht getan und nenn diesen durchgeknallten Typen bitte nicht deinen Herrn.« Er wollte etwas erwidern, als sie schnell sagte: »Ich weiß, ich weiß. Du hast ihm einen Eid geschworen. Aber wir haben darüber gesprochen, was er dir dadurch angetan hat.« Mit Schaudern dachte Liv daran zurück, als er ihr erzählt hatte, wie Raubritter eben dieses Herrn, Roland von Eichenthurm, Adrians Vater kaltblütig getötet hatten. Adrian war damals noch ein Kind gewesen, als sie ihn und seine Mutter Gretha verschleppt hatten. Seit dieser Zeit zwang von Eichenthurm Adrian zur Treue und erpresste ihn damit, bei Nichtgehorsam Gretha zu töten, und dies bereits seit – Liv rechnete im Kopf nach – gut sechshundertfünfzig Jahren. Ihr wurde schwindelig ob des unvorstellbar langen Zeitraums. Und doch saß ihr ein junger Mann im nahezu gleichen Alter gegenüber und ließ ihre Gefühle Achterbahn fahren. Als Hüter einer Zeitkuppel, unter der das Berlin des 14. Jahrhunderts konserviert und geschützt lag, alterte Adrian nur, wenn er den geschützten Raum verließ, um Seelenextrakt zum Erhalt der Kuppel zu sammeln. Hätte sie das mittelalterliche Berlin nicht selbst betreten und die Apparatur zur Erschaffung der Zeitkuppel nicht mit eigenen Augen gesehen, sie hätte ihm seine Geschichte bestimmt nicht geglaubt.
Sie sah, dass er sich nicht wohl fühlte, und ärgerte sich, dass sie ihn mit ihrer Reaktion überfahren und verletzt hatte. Bewusst sanfter fuhr sie fort: »Nennen wir ihn doch einfach …« Liv dachte angestrengt nach. Worte wie Blaffke, Fatzke und Pinkel tauchten auf. Sie schnaubte und grübelte weiter.
»«, schlug Adrian vor.
Liv lachte. »Wie kommst du denn darauf?«
»Wenn er wütend ist, bleckt er die Zähne und beißt seine Kiefer so fest aufeinander, dass ich Sorge habe, dass er sich die Zähne ausbeißt. Dann wünsche ich mir ein Beißholz zur Hand, um es ihm zwischen die Zahnreihen zu schieben. Einen Hund entspannt das.«
»Okay.« Liv kicherte. »Nennen wir ihn ab jetzt .«
Erleichtert sah sie, dass Adrian in ihr Lachen einstimmte. »Hast du irgendwelche weiteren Infos von bekommen?« Sie musste wieder grinsen. »Gibt es vielleicht ein weiteres Dokument mit einer Erklärung der Symbole oder einem Hinweis, wie man diesen Code knacken kann?«
Er schüttelte den Kopf.
»Sieht irgendwie nach Ortsangaben oder einer Wegbeschreibung aus«, mutmaßte Liv. »Viele dieser Symbole haben so einen, ich nenn es mal Stempel. Schau dieser erste: Es sieht für mich so aus, als wäre links mit der senkrechten Linie der Start und mit der horizontalen Linie die Richtung angegeben. Nur, wo ist dieser Startpunkt, in welche Richtung muss man gehen und wo landet man, wenn man den durchgestrichenen Kreis erreicht hat?« Sie sah Adrian fragend an.
»Ich vermute, dass wir irgendwo in Hamburg starten müssen.«
»Weißt du, wie riesig die Stadt ist? Wo sollen wir da anfangen?«
Adrian zuckte hilflos mit den Schultern. »Ich war noch nie dort.«
»Warte, ich hab eine Idee«, sagte Liv. »Wann genau ist Gurgotte nach Hamburg gegangen?«
»Lass mich überlegen. Ich war siebzehn Jahre alt, als wir nach Berlin gezogen sind. Gurgotte ging nach Hamburg, da war ich vierundzwanzig. Also muss es das Jahr 1375 gewesen sein. Warum fragst du?«
»Ich denke, es macht Sinn, dass wir herausfinden, wie Hamburg 1375 ausgesehen hat. Ob es Überlieferungen zu seltsamen Vorkommnissen gibt oder ob es etwas von architektonischer Bedeutung gab, ein besonderes Gebäude zum Beispiel, das Johannes IV. von Eichenthurm sich als Herrschaftssitz ausgewählt haben könnte. Was weißt du über ihn? Hast du ihn mal kennengelernt?«
»Kennengelernt nicht, aber zu einem der großen Feste, die«, er stockte und grinste breit, » ausgerichtet hat, war auch Johannes von Eichenthurm geladen gewesen. Da habe ich ihn aber nur aus der Ferne bei der An- und Abreise gesehen. Siegfried hat mir geraten, möglichst großen Abstand zu ihm zu halten. Moment, wie hat er ihn nochmal genannt? Ja, das waren seine Worte.«
»Puh. Das klingt nicht gut. Das scheint wohl in der Familie zu liegen.«
»Siegfried hat noch gesagt, dass dagegen ein Lämmlein wäre. Ich habe mich an seinen Rat gehalten und bin ihm aus dem Weg gegangen. Siegfrieds Einschätzungen haben immer Hand und Fuß.«
»Ich denke, da hast du gut dran getan. Diese Information könnte uns in die Karten spielen. Johannes von Eichenthurm wird sich für seinen Wohnsitz folglich kein einfaches Kaufmannshäuschen ausgesucht haben, sondern eher etwas Exklusives, Hochherrschaftliches würde ich schätzen.«
Adrian nickte.
Sie zog ihr Handy aus der Gesäßtasche ihrer Jeans und tippte los. Neugierig schaute er ihr dabei über die Schulter. »So ein Ding habe ich auch einmal in den Händen gehabt.«
Liv blickte auf. »Jetzt bin ich neugierig. Was hast du damit gemacht?«
»Die Maschine ist im Park neben einem schlafenden Mann im Gras gelegen. Ich habe sie vorsichtig aufgehoben und in sicherer Entfernung erkundet. Zuerst habe ich das Gerät geschüttelt und mir dann ans Ohr gehalten, wie es all die anderen Menschen tun.«
Ein Lächeln stahl sich auf Livs Gesicht. Für sie war ein Handy das Normalste auf der Welt, aber für jemanden, der dem Mittelalter entstammte, musste es absolut spooky sein.
»Doch nichts ist passiert«, fuhr er fort. »Dann habe ich seitlich im Rahmen kleine Knöpfe entdeckt und sie der Reihe nach gedrückt. Der Apparat hat plötzlich vibriert und die Vorderseite leuchtete auf. Ein Muster aus weißen Punkten ist erschienen und ich habe versucht, auch auf diese zu drücken. ist wie von Zauberhand in strahlend weißer Schrift erschienen. Dann habe ich auf das Feld getippt und den Apparat erschrocken von mir geworfen, als aus dem Gerät eine Stimme zu hören war. Sie hat so etwas wie gesagt.«
Liv schmunzelte. Adrians Gesichtsausdruck spiegelte offen seine Empfindungen wider. Sie las darin eine Mischung aus Unverständnis und Abscheu. Trotzdem beobachtete er neugierig jeden Handgriff, den Liv auf ihrem Smartphone verrichtete.
»Willst du mal?« Sie hielt ihm das Handy entgegen. Er schüttelte den Kopf. »Nein, lass mich einfach zuschauen. Und wenn du langsamer damit arbeitest, kann ich begreifen, wie der Apparat funktioniert.«
»Okay. Geht klar.« Liv positionierte das Handy so zwischen ihnen, dass Adrian den erscheinenden Text ebenfalls lesen konnte. »Was wären wir nur ohne dieses Spielzeug?«, sagte Liv mit einem Seufzer und bemerkte, dass Adrian zu...




