E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Scherer Glückskinder
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-593-41168-2
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Warum manche lebenslang Chancen suchen - und andere sie täglich nutzen
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-593-41168-2
Verlag: Campus Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hermann Scherer weiß: Es geht immer was. Deshalb gibt er sich nie mit dem Status quo zufrieden, stattdessen jagt und sammelt er Chancen. Damit ist er vermutlich das Paradebeispiel eines Glückskinds, das es weit gebracht hat. Scherer ist Businessexperte, gefragter Redner mit über 2.000 Vorträgen vor rund 400.000 Menschen, Autor von 30 Bücher in 12 Sprachen und war Lehrbeauftragter an mehreren europäischen Hochschulen. Er 'zählt zu den Besten seines Faches' (Süddeutsche Zeitung).
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhalt;6
2;SUCHMODUS - Warum kaum jemand den Expresslift im Empire State Building benutzt;8
2.1;Sind wir nicht alle ein bisschen alpha?;11
2.2;Spielerischer Alpha-Amor;13
2.3;Der beste Deal;16
2.4;Chance oder nicht?;19
2.5;Gehofft, geplant und abgehakt;23
2.6;Das geht doch nicht!;27
3;ZWECKOPTIMISMUS - Warum die Menschen nicht loslassen;33
3.1;Wer loslässt, hat zwei Hände frei;36
3.2;Ballast;40
3.3;Sunk Costs;46
3.4;Sunk Life;48
3.5;Kleindenken, großreden, schönrechnen;52
4;FIRST LIFE - Warum das Leben keine Generalprobe ist;58
4.1;Das Leben im Wartesaal;59
4.2;Third Life;63
4.3;Dekorateure;66
4.4;Umständehalber;68
4.5;First Class;73
4.6;Die nächste Stufe;75
4.7;Tote Pferde;77
5;TRUGSCHLUSS - Warum die Sonderangebote des Lebens zu billig sind;80
5.1;Das Versprechen;82
5.2;Ich hätte mal gern ein Problem!;84
5.3;Das System der ewigen Anfänger;88
5.4;Das Ende der Täuschung;92
5.5;Wo es lang geht? Überall!;95
6;UNTERLASSER - Warum im Wartezimmer der Perfektion die Kassenpatienten der Veränderung sitzen;98
6.1;Der beste Plan, der nie erfüllt wurde;99
6.2;Wann ist es endlich gut genug?;103
6.3;Grottenschlecht – aber schon da!;108
6.4;Erfolgreiche Fehlschläge;112
6.5;Perfekt pragmatisch, pragmatisch perfekt;115
7;VERGEIGT - Warum wir unglücklich sterben;120
7.1;Über dem Schnitt;121
7.2;Stell dir vor, du wärst tot;124
7.3;Wie die Zeit vergeht!;127
7.4;Das Leben verhofft;130
7.5;Zufrieden unglücklich – unzufrieden glücklich;133
8;ZUTEILUNGSSTAU - Wie viele Chancen jeder im Leben bekommt;137
8.1;Nischenbrüter;138
8.2;Frechheit!;144
8.3;Big Picture;146
8.4;Lebenszeitspende;149
8.5;Wie soll das denn gehen?;152
8.6;»Geben`se mir zehn Euro, dann ist gut!«;155
8.7;Komm mit mir ins Abenteuerland;159
9;DURCHBRÜCHE - Warum Verwirrung unser bester Zustand ist;161
9.1;Der Chancenblick;163
9.2;Drei-Wege-Katalysatoren;166
9.3;Das tut man nicht!;170
9.4;Die Welt steht plötzlich Kopf;173
9.5;Ein eiskalter Blick, ein scharfer Schnitt;174
10;FILTER - Was Wald, Bäume und Lichtungen mit Komplexitätskompetenz zu tun haben;177
10.1;Im Anfang war das Wort;180
10.2;Und er sah, dass es gut war;185
10.3;Es werde Licht!;190
11;DURCHBLICK - Wie Glückskinder am Anfang das Ende denken;194
11.1;Bestimmung oder Angst?;202
11.2;Heilende Bilder;207
12;CQ - Wie Chancenintelligenz Glückskinder zu Entscheidungen führt;212
12.1;Die Marshmallow-Intelligenz;213
12.2;Weltvertrauen oder Selbstvertrauen?;215
12.3;Was sicher ist;219
12.4;Herzensangelegenheiten;224
13;WIN-WIN-WIN - Eine Anleitung zum sozialen Individualismus;228
13.1;Größe;229
13.2;Rette dich selbst!;231
13.3;Den zweiten Schritt vor dem ersten gehen;234
14;Register;237
SUCHMODUS - Warum kaum jemand den Expresslift im Empire State Building benutzt Ich halte mich für ziemlich erfolglos. Das soll gar keine Koketterie sein; natürlich weiß ich, dass ich gemessen an allgemeinen Maßstäben durchaus erfolgreich bin, und damit meine ich nicht nur das Materielle, sondern auch Aspekte wie: wunderschöne Dinge erleben, zu den aufregendsten Orten der Welt reisen, spannende Menschen kennen lernen, mit wunderschönen Frauen zusammen gewesen sein. Eine dieser wunderschönen Frauen in meinem Leben hat einmal zu mir gesagt: 'Mein Gott, Hermann, jetzt sei halt endlich zufrieden!' Und als sie dann in mein unzufriedenes Gesicht geschaut hat, versuchte sie mir zu erklären, wie das geht, das Zufriedensein: 'Schau, vergleich dich doch mal mit den Menschen um uns herum. Für die meisten von denen bist du in vielerlei Hinsicht bereits dort, wo sie erst noch hinwollen. Kannst du das nicht sehen? Kannst du dann nicht zufrieden sein mit dir und deinem Leben?' Nein. Kann ich nicht. Ich sehe das nicht, was die meisten Menschen wollen, sondern schaue nur auf die paar wenigen, die dort sind, wo ich noch hin will. Ich suche Chancen, um das zu schaffen, denn ich will so schnell und so weit wie möglich weg vom Status quo. Und das macht mich zu einem unausstehlichen Menschen. Ich weiß das. Ich kann mich ja oft selbst nicht leiden. Eine Sache, die ich mir selbst fast nicht verzeihen kann, ist, wie dumm ich manchmal bin. Dann habe ich Sorgen und verschwende meine Kreativität, um mir die schlimmsten Szenarien auszumalen, die mich ereilen könnten, anstatt meine Kreativität einzusetzen, um nützlichere Dinge zu kreieren als schlechte Gefühle. Eine Hauptsorge, die mich dann umtreibt, ist, ich geb's zu: es nicht zu schaffen. Ich habe dann auch Angst, dass ich mein Leben bislang vergeigt habe und dass ich mich in meinen Selbsttäuschungsmechanismen bequem eingerichtet habe und der Tod täglich näher kommt, während ich nicht weiß, wie weit er noch entfernt ist. Ich hadere dann bitterlich mit den Problemen, mit denen ich mich herumschlage, anstatt sie als das zu erkennen, was sie sind: Chancen in Verkleidung. In diesen Momenten weiß ich auch nicht mehr, was ich von Herzen gerne will, ich zweifle, ob meine Entscheidungen falsch gewesen sind, dabei weiß ich doch, dass es eigentlich gar kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur echte Chancen oder scheinbare Chancen. Nur kann ich dann den Unterschied zwischen den beiden Kategorien nicht mehr erkennen, weil meine Visionen verschwommen sind und ich das Zielbild meines Lebenspuzzles nicht mehr sehen kann. Skeptisch bin ich dann auch noch! Ich begegne den Menschen mit meinem Zweifeln, und damit lernen diese Menschen mehr über mich als ich von ihnen. Sie spüren mein unausgesprochenes Nein zu ihnen, das einzig und allein die Funktion hat, mir selbst zu ersparen, mich zu verändern, dazuzulernen, mich aufzuraffen, etwas Neues zu erkennen. Skeptisch bin ich dann auch mir selbst gegenüber, denn ich misstraue mir, ob ich noch lange genug lebe, um beispielsweise ein guter Redner oder ein ernstzunehmender Autor zu werden. Nicht einmal der Zeit traue ich dann mehr, obwohl ich weiß, wie viel sie bewirken kann. Und ich scheue dann die Investitionen, die nötig sind, um voranzukommen, zweifle, ob es sich lohnen wird, so viel Zeit und Geld in meine Ziele zu stecken. Ob das jemals wieder herausguckt? Außerdem komme ich mir dann auf alberne Weise egozentrisch vor und frage mich: Kommt es überhaupt darauf an, was ich einzelner kleiner Trottel im Leben will? Sollte ich nicht viel mehr geben und helfen und mich um andere Menschen sorgen? Bin ich am Ende gar kein sozialer Mensch, sondern ein egoistischer Idiot, das Feindbild der halben Gesellschaft? Dabei weiß ich doch eigentlich genau, wie viel ich gebe und dass ich das nur kann, weil ich zuvor meinen Beitrag zum wirtschaftlichen Wachstum geleistet habe, indem ich selbst wirtschaftlich gewachsen bin. Ich weiß eigentlich, dass nur lebt, was wächst, und habe trotzdem das Gefühl, nicht gründlich genug nachgedacht zu haben bei allem, was ich angefangen habe. Ja, ich weiß, langes Nachdenken führt nicht zu besseren Ergebnissen, sondern nur zu späteren Ergebnissen, aber in diesen dummen Momenten verliere ich die Sicherheit. Ich halte dann meine Visionen für Luftschlösser, finde die Luft, die ich atme, zu dünn und bin zu aller chronischen Unzufriedenheit auch noch unglücklich. Oder auf den Punkt gebracht: Ich bin dann möglicherweise so wie Sie und jeder andere die meiste Zeit über ist. Und das kann ich weder mir noch Ihnen vorwerfen. Es ist nun mal so, Glück verspüren wir nur in ausgewählten Momenten. Trotzdem: Diese Phasen der Gewöhnlichkeit, der Durchschnittlichkeit, der Mittelmäßigkeit sind für mich so schrecklich, dass ich sie immer fluchtartig verlassen will. Denn ich weiß: Immer dann tickt die Uhr, während ich die Chancen verpasse, die mich meinen Zielen und Visionen näher bringen würden. Aber ebenso kenne ich - so wie vermutlich auch Sie - Momente, in denen es anders ist. Momente, in denen ich das Gefühl habe, einigermaßen intelligent zu sein, insbesondere: chancenintelligent zu sein. Ich löse mich dann aus all den fruchtlosen Vergleichen mit anderen Menschen und fühle mich wie ein Glückskind. Ich bin dann ein Glückskind. Drei Sorten von Situationen sind das, bei denen es spürbar vorangeht in mir: in den Momenten zwischen Wachen und Schlafen, wenn ich in der Liebe bin und wenn ich spiele.




