E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Schirmer Elternleitfaden Autismus
3. überarbeitete Auflage 2020
ISBN: 978-3-432-11284-8
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie Ihr Kind die Welt erlebt. Mit gezielten Therapien wirksam fördern. Schwierige Alltagssituationen meistern.
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-432-11284-8
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die beste Hilfe für Ihr Kind
Viele Eltern mit einem Kind im Autismus-Spektrum sind nach der Diagnose hilflos und suchen nach fundierten Informationen. Sie wollen nicht nur wissen, was sich dahinter verbirgt, sondern auch, wie Sie ihrem Kind wirklich weiterhelfen und gemeinsam den Alltag bewältigen können. Dr. Brita Schirmer verfügt über jahrelange Erfahrung in der Elternberatung und bietet Ihnen eine kompetente Orientierungshilfe an, um die individuell beste Förderung zu finden.
- Sie sind nicht allein: Berichte aus Selbsthilfegruppen, Fallbeispiele und Erfahrungsberichte zeigen Ihnen, was anderen geholfen hat.
- Innenwelt besser verstehen: Lernen Sie die Lebenswelt der Kinder im Autismus-Spektrum kennen.
- Optimale Unterstützung: Finden Sie heraus, welche Therapie am besten geeignet ist, und wie Sie Ihr Kind unterstützen können.
Zielgruppe
Gesundheitsinteressierte
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
Was die Eltern erleben
Aus dem Leben
»Er ist ganz anders als die anderen Kinder«
»›Paul ist aber ganz anders als die anderen Kinder‹. Eher nachdenklich sagte Ullas Mutter das – Pauls Mutter brach beinahe in Tränen aus. Es stimmte, Paul war ganz anders als die anderen Kinder. Wo die als Erstes fröhlich die Erzieherin umarmten, stürmte Paul an den Menschen vorbei in seine Matratzenhöhle. Die anderen gaben sich im Morgenkreis bereitwillig die Hände, Paul zuckte zurück und saß allein da. Die anderen winkten, wenn die Erzieherin ihnen zuwinkte – Paul rührte sich nicht und schaute auf einen Punkt hinter ihrer Schulter.«(1)
»Unser Kind ist anders als andere«. Irgendwann im Laufe der Entwicklung ihres Kindes mit Autismus-Spektrum kommen die Eltern zu dieser Erkenntnis. Sie entsteht schleichend, schrittweise, zieht sich über Wochen, Monate und manchmal auch über Jahre hin. Oftmals können die Eltern diesen Gedanken auch gar nicht konkretisieren.
Das fein aufeinander abgestimmte System zwischen Eltern und Kind kann durch die Behinderung eines Kindes irritiert werden, wenn das Kind nicht in der Lage ist, die von den Eltern erwarteten Signale zu geben. Wenn es sie z. B. nicht anschaut oder wenn es scheinbar am zufriedensten ist, wenn es in Ruhe gelassen wird. Die Eltern werden durch das Verhalten ihres Kindes in einem hohen Maße verunsichert. Diese Verunsicherung ist etwas, was man fühlen, aber eben häufig nicht exakt beschreiben kann.
Aus dem Leben
»Manchmal hatte ich das Gefühl, sie wäre eine Fremde«
»Ich wusste nur, dass etwas nicht in Ordnung war, aber ich wusste nicht, was das war. Manchmal hatte ich das frustrierende, beinahe erschreckende Gefühl, sie wäre eine Fremde. ›Ich mache mir Sorgen ihretwegen‹, platzte ich einmal meiner Schwester Debbi gegenüber heraus. Aber als diese mich nach dem Grund fragte, wusste ich keine Antwort«(2), so schildert Catherine Maurice, Mutter zweier Kinder mit Autismus-Spektrum, diese Empfindungen.
Das Kind verhält sich anders als erwartet
Viele der erwarteten schönen Momente bleiben aus. Ihr Kind reagiert nicht auf Sie, wie es andere Kinder tun und auch seine Entwicklung verläuft anders. Was sind die ersten Anzeichen eines Autismus-Spektrums, die die Eltern beobachten können?
Bei Verdachtsmomenten können Screeninginstrumente herangezogen werden. Ein Screening ist so etwas wie eine Filterung. Sie hilft, Klarheit über die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Autismus-Spektrum-Störung zu gewinnen. Die M-CHAT ist ein solches Screeningverfahren. Sie kann im Alter von 24 Monaten eingesetzt werden.
Erfasst werden hier
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die Fähigkeit zum So-tun-als-ob-Spiel,
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die Fähigkeit, auf etwas zu zeigen, um die Eltern auf den Gegenstand aufmerksam zu machen
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die Fähigkeit, der Zeigebewegung der Eltern mit den Augen zu folgen (und nicht nur die zeigende Hand anzusehen).
Für Kinder ab dem Alter von vier Jahren existiert der »Fragebogen zur Sozialen Kommunikation« (FSK) von Bölte und Poustka (2006), ab dem Vorschulalter kann die »Skala zur Erfassung der sozialen Reaktivität« (SRS) von Bölte und Poustka (2008) verwendet werden.
Vom Grundschul- bis zum Jugendalter kann für Heranwachsende die »Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom« (MBAS) von Kamp-Becker und Remschmidt (2005) eingesetzt werden. Für Kinder und Jugendlliche mit Intelligenzminderung ist die »Skala zur Erfassung von Autismus-Spektrum-Störungen bei Minderbegabten« (SEAS-M) von Kraijer und Melchers (2003) geeignet.
Auch hierbei handelt es sich um sogenannte Screeningverfahren, d. h., es wird keine Diagnose gestellt, aber man kann mit ihrer Hilfe herausfiltern, ob ein Diagnoseprozess sinnvollerweise eingeleitet werden sollte. Er kann damit Eltern sicherer machen, ihre Beobachtungen einzuordnen. Ausführliche Literaturangaben finden Sie im Serviceteil.
Frühe Hinweise auf ein Autismus-Spektrum
Bitte prüfen Sie, welche der folgenden Aussagen auf Ihr Kind zutrifft:
| In den ersten sechs Lebensmonaten |
| schreit das Baby »anders« als andere, | ? |
| die Eltern können dieses Schreien kaum interpretieren, | ? |
| oftmals dauert es stundenlang. | ? |
| Das Baby scheint andere Menschen wenig zu brauchen. | ? |
| Es schaut seine Eltern nicht an. | ? |
| Oft hat es keine Freude an Körperkontakt oder verlangt ihn in einem ungewöhnlichen Maße. | ? |
| Häufig wirkt es selbstzufrieden. | ? |
| In der Zeit vom siebten bis zum 12. Lebensmonat |
| kratzt oder schabt das Baby auf Oberflächen, | ? |
| verhält sich extrem ruhig, meldet sich wenig oder | ? |
| schreit oder weint lange und lässt sich nicht beruhigen. | ? |
| Es reagiert nicht auf laute Geräusche und wirkt wie gehörlos. | ? |
| Es ist überempfindlich gegenüber bestimmten Geräuschen (z. B. Staubsauger) und hat Angst vor ihnen. | ? |
| Das Baby beteiligt sich wenig an sozialen Spielen, z. B. hat es kaum Interesse daran, sich zu verstecken. | ? |
| Es versucht nicht, mit seinen Eltern zu kommunizieren und sich mit seinem Spielzeug zu beschäftigen. | ? |
| Es reagiert ungewöhnlich auf Geräusche, auf Ansprache, darauf hochgenommen zu werden, auf Licht oder auf Bilder. | ? |
| Es schaut Personen nicht an, | ? |
| lehnt sich nicht mit dem Kopf an, | ? |
| lächelt oder lacht nicht und wirkt wie ein ›ernstes‹ Kind. | ? |
| Es macht Verhalten von Personen nicht nach, | ? |
| es zieht sich zurück, wenn Mutter oder Vater versuchen, mit ihm keinen Kontakt aufzunehmen. | ? |
| Die Gewöhnung an feste Nahrung bereitet Schwierigkeiten. | ? |
| Es schaukelt oder wiegt sich hin und... |




