E-Book, Deutsch, 242 Seiten, E-Book
Reihe: Haufe Fachbuch
Schmetkamp Don't panic - Chancen in Komplexität entdecken
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-648-18672-5
Verlag: Haufe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Welche Denkparameter Unternehmen brauchen, um zukunftsfähig zu sein
E-Book, Deutsch, 242 Seiten, E-Book
Reihe: Haufe Fachbuch
ISBN: 978-3-648-18672-5
Verlag: Haufe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marc Schmetkamp ist Organisationsentwickler, agiler Prozessbegleiter, Transformationsunterstützer und selbsternannter Komplexitäts-Junkie. Dank seiner mehr als zehnjährigen Selbstständigkeit in der agilen Unternehmensberatung und Ausbildung agiler Fachrollen, hat er sich eine umfangreiche Expertise dahingehend aufgebaut, wie Unternehmen und Organisationen im komplexen Umfeld handlungsfähig bleiben und werden. Vor der Gründung der agilen Unternehmensberatung Planetagile war Marc Schmetkamp 16 Jahre im Konzernumfeld beschäftigt und kennt die Schattenseiten starrer Strukturen und unflexibler Prozesslandschaften. Sein Ziel ist es seither, auf die Chancen und Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die sich im Komplexen verbergen.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Bereichsspezifisches Management Management: Führung & Motivation
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Bereichsspezifisches Management Personalwesen, Human Resource Management
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Management Unternehmensführung
Weitere Infos & Material
Vorwort
Als ich noch ein kleiner Junge war, erschien mir die Welt um mich herum recht einfach. Ging es dir genauso? Ich wuchs in einem behüteten Elternhaus auf. Mein Vater war niedergelassener Radiologe, meine Mutter medizinisch-technische Radiologieassistentin. Unser Leben war klar strukturiert. Es gab ein paar wenige Regeln, deren Nichtbefolgung mit logischen und tiefgreifenden Konsequenzen verbunden war, sodass Abweichungen eigentlich nie oder zumindest so gut wie nie vorkamen. Nehmen wir ein Beispiel: Gute Schulnoten brachten mir Taschengeld ein. Es gab sogar eine klar definierte Staffelung. Schlechte Noten hingegen sorgten für Fernsehverbot. Auch diese Sanktion war gestaffelt.
Kausale Verknüpfungen und Regeln wie diese sorgten für ein hohes Maß an Vorhersehbarkeit und Berechenbarkeit. Du kannst dir sicherlich vorstellen – ich bin ein Kind der 1970er Jahre –, dass der Mangel an elektronischen Unterhaltungsmedien einen positiven Einfluss auf meine persönliche Entwicklung hatte, sodass ich bis heute kein Problem damit habe, mich anderweitig zu beschäftigen. Ich leide wenig unter Langeweile, im Gegenteil: Ich genieße sie. Zudem hatte ich viel zu viel Zeit in meiner Jugend und viel zu wenig Taschengeld, sodass ich recht früh damit anfing, Strategien zu entwickeln, wie sich beides miteinander verknüpfen ließe. Unabhängig davon aber war das Leben recht einfach. Denn ich konnte mich zu fast jedem Zeitpunkt auf Regeln verlassen. Kausalitäten bestimmten mein Leben.
Als ich älter wurde, veränderte sich meine Welt. Ich ging zum Gymnasium und durfte mich mit Unmengen neuer Regeln beschäftigen, deren Sinn oder Unsinn ich an vielen Stellen bis heute nicht verstanden habe. Ich lernte auswendig, analysierte Problemstellungen auf der Suche nach Gesetzmäßigkeiten und erlernte die Fähigkeit, auf das Wissen der Welt zurückgreifen zu können, um jede nur erdenkliche Problemstellung zu erfassen und zu lösen. Was dann geschah, war erstaunlich: Je mehr ich lernte und je öfter ich mich mit verschiedensten Herausforderungen beschäftigte, desto leichter fiel es mir, auf das passende Wissen zurückzugreifen. Ich stellte fest, dass es für jedes bekannte Problem eine passgenaue Blaupause zu geben scheint.
Nur Probleme, die besondere Fähigkeiten benötigten, blieben für mich schwer lösbar. Oder zumindest diejenigen, bei denen Kreativität gefragt war. Ich erinnere mich gut daran, dass wir einmal im Kunstunterricht eine Aufgabe gestellt bekamen, bei der es darum ging, ein Bild im Stil von Vincent van Gogh zu malen. Als begeisterter Fan des Künstlers machte ich mich auch gleich ans Werk. Über Wochen hinweg probierte ich verschiedene Techniken aus, skizzierte alte Fotografien nach und nutzte diverse Materialien, um schließlich ein Segelboot im Hafen von Nizza in Öl auf Holz zu malen, ein Bild, das lange Jahre einen exponierten Platz an der Wand meines Jugendzimmers bekommen sollte. Die Ernüchterung erfolgte dann bei der Notenvergabe. Mein Gemälde sei zwar sehr schön, doch der Pinselschwung entspräche nicht dem, der van Gogh zu eigen war. Durchgefallen!
Als gut geratener Akademikersohn hatte ich mich dazu entschlossen, Rechtswissenschaften zu studieren, und musste bald feststellen, dass die Anzahl an Regeln und Vorschriften exponentiell steigen sollte. Auch hier war Kreativität und Impulsivität wenig gefragt, sondern die Einhaltung des Regelwerkes und dessen Anwendung galt als erste und oberste Prämisse. Das Erstaunliche aber: Auch im Studium fiel es mir, mit zunehmender Beschäftigung mit den deutschen Gesetzen, irgendwann leichter, die komplizierten Inhalte besser zu erfassen. Ich fand schneller passende Lösungen, erlernte den Umgang mit der unübersichtlichen Fülle an Rechtstexten und wäre fast in eine Zukunft als Wirtschaftsjurist gestartet, wenn nicht mein Wunsch nach Veränderung und Kreativität zu groß gewesen wäre.
Im Laufe meines Lebens begegneten mir, vor allem im Übergang vom Teenager zum Erwachsenen, allerdings immer größere Herausforderungen, die ich nicht so leicht lösen konnte. Denn dies waren Probleme, für die es keine festen Regelwerke gab: Die erste Freundin, der erste Job, die erste Wohnung. Nun, es gab natürlich schlaue Ratschläge, wie es gelingen kann, sich der begehrten Person in der Disco zu nähern, oder wie man sich im Vorstellungsgespräch am besten verhalten sollte. Aber all diese Ratschläge waren nur so viel wert, wie die eine Situation, in der sie funktionierten. Sie ließ sich nur leider nicht schematisch reproduzieren, denn die Anzahl an ungeplanten Überraschungen in der realen Situation war zu hoch. Oder: Die Tipps von Freunden und Familie waren mehrdeutig und ließen zu viel Raum für die eigene Interpretation. »Gib dich einfach selbstbewusst! Dann funktioniert das mit dem Job (oder der Freundin) schon.« – Was sollte ich mit solchen Tipps anfangen? Ich begriff, dass es schwierige Momente im Leben gibt, für die keine einfachen Lösungen bereitstanden. Situationen, in denen nur der Sprung ins kalte Wasser hilft. Also ausprobieren und Fehler machen, damit man daraus lernen kann. Ich verstand, dass die Welt an vielen Stellen einfach komplex ist. Und das machte mir oftmals höllische Angst.
Erst fast 15 Jahre später wurde mir klar, dass es im Komplexen keinen Sinn macht, sich der eigenen Angst hinzugeben, sondern dass mutiges Voranschreiten wesentlich zur Lösung beiträgt. Damit wurde mir bewusst, dass Komplexität eine der größten Chancen darstellt, die die Menschheit haben kann. Denn nur durch sie und durch die damit verbundenen Unsicherheiten entstanden und entstehen bis heute die bahnbrechenden Errungenschaften, die unser Leben weiterbringen und häufig angenehmer gestalten.
Heute unterstütze ich Menschen, Teams, Führungsgremien und ganze Unternehmen dabei, einen Weg zu finden, der sie durch die Höhen und Tiefen komplexer Welten manövrieren kann. Dabei ist mir bewusst, dass es keine Blaupausen geben kann, keine reproduzierbaren Prozesse und keine Ablaufdiagramme, sondern einzig und allein den einen, individuellen Weg, passgenau für jede und jeden von uns. Dabei ist mir immer bewusst, dass der Pfad, den wir beschreiten, heute (vielleicht) der richtige für uns ist, aber morgen wahrscheinlich schon nicht mehr.
Komplexität kann Spaß machen. Und sie kann uns ermutigen, neu zu denken. Wir müssen es nur wollen. Dafür müssen wir die Tatsache akzeptieren, dass Komplexität unausweichlich ist. Es wird kein Leben nach Komplexität geben. Sicher aber eines mit Komplexität.
In diesem Buch habe ich viele bekannte Irrtümer und Missverständnisse aufgearbeitet, die ein Handeln im Komplexen mit sich bringen. Ich möchte sensibilisieren und wachrütteln. Dies ist kein Rezeptbuch oder eine Werkzeugkiste. Das Buch soll ein Appell an all diejenigen sein, die nach wie vor nach einfachen Lösungen suchen oder sich vielleicht sogar wegducken, wenn die Lage allzu komplex und unübersichtlich wird. Nach dem Motto: »Das geht schon vorbei.« Ebenso möchte ich diejenigen ansprechen, die es sich noch immer in der Hängematte bequem machen und sich auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Aber von selbst kommen diese leider nicht zurück. Made in Germany ist zu einem verstaubten Aushängeschild geworden, das keine Wirkung mehr entfaltet, und die industriellen Meilensteine Deutschlands sind längst zu nostalgischen Geschichten in den Museen der Welt geworden. Es ist an der Zeit, sich wirtschaftlich neu auszurichten und vielleicht sogar zu akzeptieren, dass viele der Erfolgsrezepte, aufgrund derer uns ehemalige, sogenannte Entwicklungsländer inzwischen technologisch überlegen sind, tatsächlich wirken.
Machen wir uns nichts vor: Die Zeiten, in denen wir uns dem Irrglauben hingegeben haben, Komplexität existiere nicht oder sei leicht beherrschbar, sind vorbei. Was bleibt, ist die Einsicht, dass komplexe Verhältnisse unausweichlich zu unserem Leben gehören, ob wir wollen oder nicht. Demnach ist es auch nicht sinnvoll, sich dem Irrglauben hinzugeben, dass sich komplexe, unübersichtliche Welten einfach auflösen oder beseitigen lassen. Das wird nicht passieren. Betrachten wir also die Welt, die uns Vieles zu bieten hat, lieber aus der Perspektive, was alles möglich ist, und nehmen wir eine Haltung ein, die im Komplexen die größten Chancen unserer Zeit sieht und Veränderungen willkommen heißt. Nur mit Akzeptanz der Situation und situativ angepassten Lösungsmechanismen kann und wird vieles möglich sein. Denn Veränderung ist kein System, es braucht dich!
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und Diskutieren.
Marc Schmetkamp, Dein Komplexitätsjunkie
Zehn hoch acht – Der Komplexitätspodcast mit Marc Schmetkamp
In unserem Podcast nehmen wir uns die Komplexität der Welt vor. Wir decken Irrtümer auf und betrachten Lösungsansätze, die dir und deinem Unternehmen helfen, mit komplexen Herausforderungen besser oder überhaupt umgehen zu können. Denn Komplexität muss nicht leichter und auch nicht in Teile zerlegt werden!
Podcast-Host Marc Schmetkamp – Geschäftsführer von Planetagile consulting – beschäftigt sich täglich mit den Chancen komplexer Zeiten. Der bekennende Komplexitätsjunkie unterstützt überall dort, wo Herausforderungen den Geschäftsprozess lähmen, und öffnet neue Wege für dich und dein Team.
Jetzt auch im Podcast! Mit interessanten Gästen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft.
Was ist wirklich wichtig?
Sei dabei, hör regelmäßig rein und lass dich überraschen ... Ungeahnte Überraschungen sind ein Hauptmerkmal unserer komplexen Welt. Und genau darin stecken nicht nur Schwierigkeiten, sondern viele gute Chancen. Du hast Fragen, Anregungen, Themenwünsche?
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