Schmidt | Blutiger Ritus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 479 Seiten

Schmidt Blutiger Ritus

Kriminalroman | Ein schockierendes Verbrechen in einer Wuppertaler Kirche
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-834-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman | Ein schockierendes Verbrechen in einer Wuppertaler Kirche

E-Book, Deutsch, 479 Seiten

ISBN: 978-3-98952-834-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Der blutige Mord an einem Geistlichen - ein Sakrileg, das eine kleine Wuppertaler Gemeinde bis ins Mark erschüttert ... Der Küster einer abgelegenen Gemeinde wird tot in seiner eigenen Kirche aufgefunden - ein eiskalter Mord ohne erkennbare Spuren. Die Wuppertaler Kripo-Kommissarin Katrin Kramer steht vor einem Rätsel: Wer sollte dem Geistlichen nach dem Leben trachten? Als das Heiligtum des Gotteshauses geraubt wird und eine weitere Leiche auftaucht, erkennt sie: Hier geht es um mehr als nur einen gewöhnlichen Mord - jemand nimmt Rache an der Kirchengemeinde und schreckt dabei vor nichts zurück! Das anstehende Kirchenjubiläum wird zur Bühne eines tödlichen Spiels, bei dem die Grenzen zwischen Glaube und Wahnsinn verschwimmen. Wird Kramer es schaffen, den blutrünstigen Täter zu schnappen - oder fordert das Fest weitere Opfer ...? Der spannungsgeladene Kriminalroman für alle Fans von Andreas Franz und Horst Eckert.

Andreas Schmidt, geboren 1969 in Wuppertal, begann als Redakteur der Schülerzeitung schon früh mit dem Schreiben. Später arbeitete er als Journalist für zahlreiche Zeitungen und andere Medien, bevor er begann, sich ganz der mörderischen Unterhaltung zu widmen: »Ich liebe den Krimi, weil er so facettenreich ist!« Bei dotbooks veröffentlichte Andreas Schmidt seine Trilogie rund um das Wuppertaler Ermittlerduo Seiler und Göbel (»Todeszug«, »Todeswasser«, »Todesschnitt«; die ersten beiden Bände sind auch als Sammelband erhältlich), den Wuppertal-Krimi »Blutiger Ritus« sowie die Kriminalromane »Der Kopf des Toten« und »Tod mit Meerblick«, die den Leser in den Westerwald und an die Nordsee entführen. Auf für ihn ungewöhnlichen Pfaden wandelt Andreas Schmidt in »Wenn aus Chaos Liebe wird«, einer beschwingten Komödie - und beweist, wie meisterhaft er auch diese Tonart beherrscht.
Schmidt Blutiger Ritus jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Samstag


19.15 Uhr, Kirche Herz Jesu, Elberfeld

Nachdem der letzte Besucher der Samstags-Messe gegangen war, erhob sich Klaus Gerber von seinem Hocker hinter der Orgel. Obwohl er die abendliche Messe sehr liebte, war er heute froh, dass der Gottesdienst zu Ende war. Während des abendlichen Orgelspiels hatte er wieder diesen Schmerz in der Brust verspürt. Das Stechen wurde schlimmer, und er fürchtete, bald nicht mehr an einem Besuch bei Dr. Bespin, seinem Hausarzt, vorbeizukommen. Irgendetwas schien mit seinem Herzen nicht in Ordnung zu sein.

Doch jetzt verwarf er den Gedanken schnell wieder und widmete sich seiner Arbeit. Der Küster schaltete das mächtige Musikinstrument ab. Seine Hände glitten liebevoll über das Holz. Bei der Orgel handelte es sich um ein ganz besonderes Instrument, denn der Kern des Klangwerks stammte aus einer lutherischen Kreuzkirche, während das prächtige Gehäuse aus einer alten Kirche in Holland kam. Eine Orgelbaufirma aus Höxter hatte aus beiden Komponenten dieses beeindruckende Instrument geschaffen, das auf den Wuppertaler Orgeltagen immer wieder Beachtung unter den Musikfreunden fand. Dem Küster war es eine Ehre, auf diesem besonderen Musikinstrument spielen zu dürfen.

Gerber atmete tief durch und warf einen Blick auf die Armbanduhr. Viertel nach sieben. Pünktlich zur Tagesschau würde er zu Hause sein, dachte er zufrieden und verließ seinen Platz an der Orgel.

Pfarrer Tütering, der die Abendmesse gehalten hatte, war recht eilig in die Sakristei verschwunden, um sich umzuziehen. Er hatte noch etwas vor heute Abend. Den Messdienern hatte er mit einem schelmischen Augenzwinkern gestanden, noch ein Date zu haben.

Der Küster mochte »seinen« Pfarrer. Schon seit elf Jahren arbeiteten sie zusammen und waren, wie Hans Tütering es immer nannte, so etwas wie ein Dream-Team. Gerber hatte keine Probleme mit der humorvollen und weltoffenen Art des katholischen Geistlichen – im Gegenteil: Tütering hatte bei seinem Amtsantritt frischen Wind in die etwas angestaubte Gemeinde gebracht. Die Gemeindemitglieder mochten ihn.

Gerber zupfte die Gestecke der Blumenschalen zurecht und steckte neue Kerzen in die eisernen Halter, während draußen ein kalter Herbststurm um die dicken Mauern der Kirche fegte. Regen prasselte gegen die kunstvoll verzierten Fenster. Der Küster erschauderte und freute sich auf einen heißen Tee, den er sich zu Hause zubereiten würde. Doch zunächst gab es noch einiges zu tun. Er wollte die Kirche für den morgigen Gottesdienst herrichten.

Gerber durchquerte das Schiff der Kirche. Hohl klangen seine Schritte von der kuppelförmigen Decke zurück. Er liebte diese Stille nach dem Gottesdienst. Zeit, ein paar Gedanken mit Gott auszutauschen. In aller Stille. Der untersetzte Mann mit dem silbrig schimmernden Haarkranz war fast siebzig Jahre alt, aber er fühlte sich mindestens zehn Jahre jünger, und er war sicher, dass er das »dem da oben« zu verdanken hatte. Nach dem Tod seiner Frau Luise vor zwölf Jahren hatte sich der rüstige alte Herr noch einmal ins Arbeitsleben gestürzt. Obwohl es eine Altersgrenze auch für Gemeindemitglieder gab, hatte er seinen Vertrag auch nach dem fünfundsechzigsten Lebensjahr jährlich verlängern lassen. Mit einem nachdenklichen Lächeln auf den schmalen Lippen dachte er an seine Ehe. Relativ spät hatten die beiden noch ein Kind bekommen, doch die Tochter ging längst eigene Wege, und mit der christlichen Lebensweise der Eltern hatte sie nichts zu tun. So war es gekommen, dass der Kontakt zwischen Tochter und Vater fast eingeschlafen war. Sie sahen sich nur wenige Male im Jahr. Obwohl Klaus Gerber nach dem Tod seiner Frau versucht hatte, die Beziehung zwischen Vater und Tochter aufzufrischen, hatte er längst bemerkt, dass die Tochter Wert darauf legte, ein eigenes Leben zu führen. So ging Gerber total in seiner Arbeit als Gemeindeküster auf – mittlerweile seit fast drei Jahrzehnten. An die wohlverdiente Rente verschenkte er keinen Gedanken. Herz Jesu, die Kirchengemeinde Elberfeld, war ihm ans Herz gewachsen.

Vor dem geschmückten Altar bekreuzigte sich Gerber und kniete sich auf eines der dünnen Kissen. Er schloss die Augen, faltete die Hände und war ins Gebet versunken, als hinter ihm die schwere Kirchentür mit einem dumpfen Knall zufiel. Doch Gerber blickte nicht auf. Vermutlich hatte eine der alten Damen, die zur Messe gekommen waren, ihren Regenschirm vergessen, und war nun zurückgekommen, um ihn zu holen. Dann würde sie sicherlich auch wieder verschwinden.

Der süßliche Geruch von Weihrauch hing in der Luft. Durch die gesenkten Augenlider erkannte Gerber das Flackern der Kerzen. Von hinten näherten sich Schritte. Es waren keine klackernden Frauenschuhe. Gerber vermutete weiche, flache Sohlen. Gummisohlen, die jetzt leise quietschten. Gut, dann war es eben ein älterer Herr, der noch einmal zurück zur Kirche gekommen war. Gerber betete weiter.

Die Schritte näherten sich zielstrebig und schnell.

»Sind Sie der Küster?« Eine männliche Stimme.

»Der bin ich«, nickte Gerber und unterbrach das Gebet nun doch. Er stemmte sich in die Höhe. Ein Ächzen kam über seine dünnen Lippen. Die verdammten Knochen wollten schon nicht mehr so wie er, doch davon ließ er sich nicht erschüttern. Während er sich noch einmal bekreuzigte, drehte er sich zu dem Fremden um. Er kannte den Mann nicht aus dem Gottesdienst und nicht aus der Gemeinde. Und ein zufällig vorbeikommender Besucher, der sich das Gotteshaus nur einmal aus Neugier ansehen wollte, trat anders auf. Dieser Mann, Gerber schätzte ihn auf Mitte dreißig, hatte eindeutig andere Absichten. Er schien etwas Bestimmtes im Schilde zu führen. »Was kann ich für Sie ...«

Das »tun« verschluckte Gerber, als er in die brünierte Mündung einer Waffe blickte. Sein Herzschlag setzte einen Moment lang aus. Es dauerte einen Augenblick, bis der alte Mann überhaupt registriert hatte, dass er mit einer Schusswaffe bedroht wurde. Danach wurde ihm innerhalb einer Sekunde erst eiskalt, dann heiß. Winzige Schweißperlen standen auf seiner hohen Stirn. Er machte einen Schritt nach hinten, doch aus der Schusslinie brachte ihn dieser einzige Schritt noch lange nicht.

»Was ... was haben Sie vor?«, krächzte er und spürte schon wieder diesen verdammten Schmerz in der Brust. Die Pumpe würde ihn doch wohl jetzt nicht im Stich lassen, durchzuckte es ihn. Längst schon hätte er Dr. Bespin einen Besuch abstatten müssen. Ausgerechnet jetzt spürte er diesen Schmerz wieder. Übelkeit lähmte seinen Körper. Seine Augen weiteten sich, und er griff sich ans Herz. »Bitte«, keuchte er. »Helfen Sie mir!«

Doch der Fremde lachte nur. »Ich möchte nicht, dass Sie sich quälen müssen«, spottete er. »Das, was man Tieren ermöglicht, sollte man keinem Menschen vorenthalten. Oder was halten Sie von aktiver Euthanasie? Sie, als gläubiger Katholik?« Mit einem triumphierenden Grinsen auf den Lippen entsicherte er die Pistole. »Das sind Sie doch, oder? Ein gläubiger Katholik?«

Gerber nickte mit panisch aufgerissenen Augen und brachte nur einen kehligen Laut über die Lippen. Der stechende Schmerz in der Herzgegend schien seinen Brustkorb zu zerreißen. Gerber hatte keine Ahnung von Waffen, er wusste nur, dass sie tödlich waren. Und an einen Scherz mit einer Schreckschusspistole, den sich der Fremde hier mit ihm erlaubte, glaubte der sonst so optimistische Gerber nicht. Er fand nicht mehr viel Zeit zum Überlegen. Der Küster fühlte den Schmerz, der nun seinen ganzen Körper zu lähmen schien. Er ging stöhnend in die Knie. Sein Mund war trocken, er versuchte vergeblich zu schlucken. Ihm war, als schnüre sich die Kehle zu.

Seinem Gegenüber schien zu gefallen, was er sah. Mit einem schnellen Satz war der Fremde über ihm. Breitbeinig stand er über seinem Gesicht und zielte mit der Pistole auf den Küster. »Das war es dann also für dich, alter Mann.« Der Fremde kicherte wie im Wahn. Dann deutete er mit dem Kinn auf den festlich geschmückten Altar. »Ich scheiß auf euren scheinheiligen Verein. Das Feiern wird euch schon noch vergehen!« Diese Worte hatte er dem Küster ins Gesicht gespien. Blinde Wut lag in seinen kalten, emotionslosen Augen. Ohne Gerbers Antwort abzuwarten, betätigte er den Abzug und schoss.

Das Letzte, was Klaus Gerber sah, war das Mündungsfeuer der kleinen Pistole. Seltsamerweise, so dachte er im Moment seines Todes, peitschte kein Schuss durch das Kirchenschiff. Es machte nur einmal kurz »Plopp«, dann bäumte sich Gerbers Körper ein letztes Mal auf. Er würde nicht pünktlich zur Tagesschau zu Hause sein heute.

Ohne große Eile ließ der Mann die warme Pistole in der Innentasche seiner Jeansjacke verschwinden. Er blickte auf den toten Küster herab und zog verächtlich die Oberlippe hoch. Sekundenlang stand er einfach da und betrachtete mit einem zufriedenen Grinsen sein Werk. Gerber lag ihm zu Füßen, die Augen im Moment des Todes weit aufgerissen, der Mund stand einen Spaltbreit auf, so, als wollte er im Augenblick des Todes noch um Hilfe rufen.

Ein erhebendes Gefühl beschlich ihn. Ein paar Mal atmete er tief durch. Der Geruch des Weihrauchs begann ihn zu nerven. Diese Kirche hatte etwas Beklemmendes an sich. Das hatte er damals schon so gehasst. Plötzlich wurde er von einer inneren Unruhe getrieben. Er ging neben dem Toten in die Knie und durchsuchte die Taschen seines dunklen Jacketts. In der rechten Jackentasche klimperte es verräterisch. Schon hatte er gefunden, wonach er suchte: den Schlüsselbund. Wie er vermutet hatte, war es ein recht dickes Exemplar. Neben einem Autoschlüssel befanden sich noch knapp zehn weitere Schlüssel an dem Bund. Das braune Ledermäppchen war verschlissen und unansehnlich, doch das sollte ihn nicht weiter stören. Er erhob sich...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.