E-Book, Deutsch, 173 Seiten
Schmidt Wenn der Körper Nein sagt
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-947508-95-2
Verlag: Innenwelt Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vaginismus verstehen und heilen
E-Book, Deutsch, 173 Seiten
ISBN: 978-3-947508-95-2
Verlag: Innenwelt Verlag GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabine Schmidt, Jahrgang 1961, arbeitet mit Biodynamischer Körperpsychotherapie und ist Heilpraktikerin (Psychotherapie). Seit 1990 ist sie in eigener Praxis tätig und hat mittlerweile 31 Jahre Berufserfahrung, davon 16 Jahre als Sexualtherapeutin. Ihre Ausbildung in Biodynamischer Körperpsychotherapie erhielt sie bei Gerda Boyesen und deren Team. Sie absolvierte das von Willem Popelliers entwickelte Training 'Sexual Grounding Therapy (SGT). Zusätzlich wurde sie von Madhuma Obholzer-Jost zur Sexualtherapeutin ausgebildet. Mit ca. 27 Jahren hatte hat sie mit ihrer eigenen Yogapraxis begonnen und dann einige Jahre Gymnastik für Frauen unterrichtet. In den vielen Praxisjahren ist ihr Repertoire an wirksamen Übungen stetig gewachsen. Sie stammen teilweise aus dem Yoga, teilweise hat sie diese in ihren Ausbildungen gelernt und zum Teil sind sie selbst entwickelt. Ihre ganzheitliche Vorgehensweise führt diese Körper-, Atem- und Selbstreflexionsübungen zu einer einzigartigen und hilfreichen Kombination zusammen. Frauen auf ihrem Weg in eine erfüllte Sexualität zu unterstützen ist ihr großes Anliegen. Sie ist Mitglied in den beiden Berufsverbänden: Gesellschaft für Biodynamische Psychologie und Körperpsychotherapie e.V. (www.berufsverband-biodynamik.de) und der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie DGK e.V. (https://koerperpsychotherapie-dgk.de/)
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Vorwort Notburga Fischer
Vorwort der Autorin
Einleitung
Was ist Vaginismus?
Ursachen
Behandlungsmöglichkeiten
Dynamik des Vaginismus
Erfolgsbericht von Antonia, 51, Verlagskauffrau
Anatomie
Die Klitoris
Die Vagina und die Vulva
Der Beckenboden
Erfolgsbericht von Ina, 27, Filmemacherin
Emotionale Aspekte
Ihre Stärken
Dialog mit Ihrem 10-jährigen Ich
Mit Ihrer Freundin sprechen
Mit Ihrer Mutter sprechen
Persönliche Biografie
Ihr Angstbild
Ihre Ambivalenz
Ihre Vulva
Schamgefühle
Raus aus der Komfortzone
Hinweise für Paare
Untersuchungen bei der Frauenärztin
Praxisteil
Selbstmassagen
Übungen und Experimente zur Selbsterforschung
Übungen für den Beckenboden
Körperübungen
Übungen im Stand
Übungen sitzend, auf einem harten Stuhl oder Hocker
Atemübungen
Übungen im Sitzen, auf dem Boden, auf der Yogamatte
Übungen in Rückenlage
Übungen im Vierfüßlerstand
Übungen im Liegen
Übungen in der Bauchlage
Trauma Releasing Exercises (TRE®)
Jelly Fish
Die Beckenschaukel
Das sexuelle Atmen, auch Flötenatmung genannt
Das orgasmische Atmen, auch Beckendotzen genannt
Erfolgsbericht von Sara, 31, Lehrerin
Eindringen üben – Dilatorentraining
Eindringen mit dem Penis üben
Tampon einführen
Selbstbefriedigung
Erfolgsbericht von Anna, 37, Betriebswirtin
Über mich
Hilfreiche Links
Buchtipps
Danke
Einleitung
Bevor ich auf die verschiedenen Aspekte von Vaginismus eingehe, möchte ich kurz erklären, was Vaginismus ist und wie er sich zeigt. (Ab S. 20 gehe ich nochmals genauer auf Symptome und Ursachen ein). Als Vaginismus (oder auch Scheidenkrampf) bezeichnet man eine unwillkürliche, meist schmerzhafte Verkrampfung oder Verspannung der Beckenbodenmuskulatur im unteren Bereich der Vagina, teilweise auch der Oberschenkelmuskeln sowie der Dammmuskulatur. Dadurch erscheint der Scheideneingang eng oder wie verschlossen. Es ist ein nicht unterdrückbarer Reflex, der durch den Versuch einen Finger, ein Tampon oder den Penis einzuführen, ausgelöst wird. Betroffene Frauen sagen: „Es fühlt sich an, als sei die Scheide zu eng“ oder „als ob das Jungfernhäutchen zu dick sei.“
Wenn Sie eine der folgenden Fragen mit „Ja“ beantworten, leiden Sie möglicherweise unter Vaginismus:
.Können Sie keine Tampons verwenden, weil Ihnen beim Einführen unwohl wird oder haben Sie das Gefühl, dass dieser nicht hineinpasst?
.Haben Sie Schmerzen bei der gynäkologischen Untersuchung, bzw. ist diese nicht möglich, weil Sie zu große Angst davor haben?
.Ist ein Eindringen des Penis nicht oder nur sehr schwer oder unter Schmerzen möglich?
.Haben Sie Angst vor einer Schwangerschaft und verkrampfen sich?
Schätzungsweise drei bis sieben Prozent der Frauen leiden unter Vaginismus. Da das Thema sehr schambesetzt ist, gibt es eine hohe Dunkelziffer.
Die gute Nachricht ist: Vaginismus ist sehr gut behandelbar, die Erfolgsquote ist hoch, sodass Sie sich auf eine erfüllende Sexualität freuen können. Eine vollständige Heilung kann erreicht werden, unabhängig davon, wie lange die Beschwerden schon bestehen.
Und auch wenn der Weg bis dahin vielleicht etwas holprig sein kann, er lohnt sich. Sie brauchen eine Mischung aus Motivation und Durchhaltevermögen, um gut durch die Frustphasen, die es ganz sicher geben wird, hindurchzukommen. Aber es werden auch immer wieder kleine Fortschritte gelingen, die Hoffnung machen.
Die Beschäftigung mit Vaginismus ist eine echte Herausforderung, der es sich zu stellen gilt, es klappt nicht „einfach so“. Denn der Körper hat sich etwas „Saublödes“ angewöhnt, nämlich zu krampfen, sich eng zu machen oder mit Brennen oder ähnlichen Symptomen zu reagieren, wenn der Penis eindringen möchte oder während der Zeit, wenn er sich in der Vagina bewegt.
Es braucht Zeit, viel Geduld und viel Mut, um dem Körper, dem eigenen Herzen und dem eigenen Kopf klarzumachen, dass es möglich sein wird, ohne diese Beschwerden Sex zu haben, und dass der Körper es wieder verlernen kann. Je mehr Energie und Zeit Sie dieser Herausforderung widmen, desto eher wird Ihr Körper bereit sein, etwas Neues zu lernen. Die Voraussetzung ist, dass Sie konsequent üben.
Im Laufe dieses Prozesses können seelische Schmerzen, Trauer und Wut auftauchen. Viele Frauen haben bisher mit niemandem über ihre Beschwerden gesprochen. Manche empfinden zu viel Scham, sich Unterstützung zu holen. Ohnmachtsgefühle sind vielen ein ständiger Begleiter. „Das klappt ja eh nie“ ist ein typischer Gedanke. Frust und Scham darüber, als Frau nicht „normal“ zu funktionieren, haben sich aufgebaut. Oft besteht die Sorge, dass der Partner sie verlassen wird und nicht bereit ist noch länger auf guten Sex zu verzichten. Oder es besteht keine Partnerschaft, weil sie wissen, dass sie das sogenannte „Normale“ nicht geben können.
Mit all dem werden Sie sich auf Ihrem Weg zu einer erfüllenden Sexualität auseinandersetzen müssen. Sich diesem Prozess zu stellen, wird Sie aber als Person reifen lassen.
Jede Frau ist anders, jede Frau unterscheidet sich in ihrer Geschichte und jede braucht ihr eigenes Tempo. Meiner Erfahrung nach wird leider häufig versprochen, dass eine Verbesserung ganz schnell gehen kann, und wenn dem nicht so ist, erhöht es den Frust und die Ratlosigkeit.
Natürlich macht es einen Unterschied, ob die diversen Übungen, sei es das Beckenbodentraining oder die Dehnung mit den Dilatoren etc. regelmäßig durchgeführt werden. Aber auch die Seele braucht ihre Zeit, um sich umzustellen, also bis die Ängste und der Widerstand weniger werden. Geben Sie sich die Zeit, die sie brauchen. Wenn Sie zwischendurch frustriert aufgeben, können Sie dennoch jederzeit wieder einsteigen und sich wieder neu motivieren. Es lohnt sich auf jeden Fall und Sie können es schaffen.
Auch wenn Sie sich manchmal
überfordert fühlen und keine Lösung sehen
oder Angst haben –
es lohnt sich dranzubleiben.
Die Übungen sind sorgfältig zusammengestellt. Wichtig ist dabei, je nachdem wo Sie sich mit Ihrem persönlichen Thema befinden, dass Sie sich fordern, aber nicht überfordern. Das ist oft ein schmaler Grat. Erlauben Sie sich langsam zu sein und den Übungsschritt, bei welchem Sie sich gerade befinden, so häufig zu wiederholen, bis Sie sich ganz sicher und entspannt damit fühlen. Gehen Sie erst dann weiter zum nächsten Schritt, zur nächsten Übung. Wenn Sie sich überfordern und denken „das“ müsste jetzt gehen, entsteht Frust. Sollte Sie eine Übung zum jetzigen Zeitpunkt nicht ansprechen, wählen Sie einfach eine andere, es gibt genug Auswahl.
Manchmal entstehen Pausen, sei es Motivationslöcher, Urlaub, viel in der Arbeit oder dass das Leben einen anderweitig fordert. Das ist ja normal. Wichtig ist es, dort wieder einzusteigen, wo es ein angenehmes bzw. relativ stressfreies Gefühl gab.
Die Übungen unterscheiden sich in folgende Kategorien:
.Wahrnehmungsübungen
.Dehn-, Entspannung- und Kräftigungsübungen des Beckenbodens
.Dehnübungen des Beckens, der Rück- und Innenseiten der Oberschenkel
.Energie- und Atemübungen
.Konkrete Übungen, um mit der Vagina Kontakt aufzunehmen und dann sich dem Eindringen langsam anzunähern
.Selbstmassagen
.Emotionale Aufarbeitung
Wenn ein Kinderwunsch besteht, ist einerseits der Druck noch stärker, andererseits kann es die Motivation erhöhen sich drum zu kümmern, weil das Ziel so klar und bedeutsam ist. Schauen Sie auch hier, dass Sie sich nicht zu sehr unter Druck setzen.
Sex hat etwas vom schwimmen lernen. Es gilt sich dem Körper neu anzuvertrauen. Er weiß, wie es geht, ohne dass Sie untergehen. Wie es ist, im Meer zu schwimmen, zu plantschen, sich zu vergnügen. Er kann sich hingeben.
Vaginismus ist eine Reaktion des Körpers, daher ist es mir wichtig über den Körper zu arbeiten. Sei es um Körperspannungen abzubauen oder um einen neuen Zugang zu den Gefühlen zu bekommen. Eine Sexualtherapie, die lediglich auf Sprechen ausgerichtet ist, kann meiner Meinung nach nicht die notwendige Tiefe erreichen, die es braucht, um an die Ursachen, die unbewussten Glaubenssätze oder der vielleicht der verklemmte oder abwertende Umgang mit Sexualität in der Familie zu kommen, die möglicherweise auch zu dem Problem geführt haben. Wie und was wir über Sexualität in unserer Kindheit und Jugend erfahren haben, ist wichtig, um den Ursachen des primären Vaginismus auf die Spur zu kommen.
Meine Generation ist ohne Internet aufgewachsen. Viele von uns haben sich die spannenden Informationen auf völlig anderen Wegen besorgt, als es heute der Fall ist. Für uns gab es damals Dr. Sommer aus der „Bravo“. Er und sein Team waren für ganze Generationen wichtig.
Erinnern Sie sich, woher Sie Ihre Informationen über Sex bekommen haben?
Über das Internet sind unendliche Informationen über Sexualität allen zugänglich. Das ist einerseits gut und kann hilfreich sein, anderseits überfordert es leider auch häufig. Insbesondere Jugendliche oder junge Erwachsene schauen schon sehr früh Pornos, oft bevor sie selbst sexuelle Erfahrungen gemacht haben. Die Männer haben in den Filmen immer große, steife Penisse, die Frauen können und wollen immer, alles geht ganz schnell. Das macht zusätzlichen Druck und hat mit normalem Alltagssex meistens wenig zu tun. Und so entsteht ein falsches, überforderndes und verzerrtes Bild über Sexualität.
Die Aufklärung im Biologieunterricht widmet sich meist nur den anatomischen Fragen, also wo die Eierstöcke liegen und die Gebärmutter etc. Aber selbst relevante anatomische Kenntnisse zum Aufbau des Beckenbodens und seiner Funktionsweise oder der genaue Aufbau der Klitoris werden selten vermittelt. Dieses Wissen ist aber hilfreich, um den eigenen Körper zu verstehen.
Der Einstieg in Sexualität in der Pubertät ist nicht immer...




