E-Book, Deutsch, 296 Seiten
Schmidt Zwölf Mal Roman plus X
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7412-3589-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Kriminalkurzgeschichten
E-Book, Deutsch, 296 Seiten
ISBN: 978-3-7412-3589-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der 1947 in Hessen geborene Roman Schmidt, verheiratet, ist nach 48 Berufsjahren in Rente. Er schrieb zunächst "hobbymäßig" zwei Kriminalromane und anschließend mehrere Mittelaltergeschichten, bevor er sich auf Krimis und Thriller spezialisierte.
Autoren/Hrsg.
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Vom Regen in die Traufe . . . .
Kapitel 1
Immer wieder ging er die Geschäftsbücher durch. Es änderte nichts an der Tatsache, dass er die unterschlagene Geldsumme schwerlich würde zurückzahlen können. Lange Zeit war es ihm viel zu einfach gemacht worden. Er hatte Belege fälschen können, sich selbst anschließend kontrolliert und diese Dokumente dann einfach abgelegt, sich natürlich auch selbst immer wieder begünstigt und große Beträge angewiesen. Ein stattliches Sümmchen war da zusammengekommen in all den Jahren. Er gestand sich ein, ein Betrüger zu sein. Aber ein guter! Niemand war verletzt oder irgendeinem Menschen sonst irgendwie wehgetan worden. Und bis zu diesem Zeitpunkt war auch noch keiner dahinter gekommen.
Normalerweise sicherte ihm sein Job auch ohne diese illegale Einnahmequelle ein sehr gutes und finanziell schönes Leben. Er hätte auf ganz ehrlicher Basis ausgeglichen und ruhig leben können. Als leitender Angestellter der Immobilienfirma konnte er kommen und gehen wann er wollte, Zahlungen anweisen oder verweigern. Er hatte einen tollen Job! Sein hohes Gehalt und die zusätzlichen Prämienzahlungen ließen keinen Wunsch offen. Wäre da nicht dieser kleine, verführerische Teufel in seinem Kopf gewesen, der ihn immer wieder zu solch kriminell riskanten “Dummheiten” verleitet hatte. „Hey, nimm dir, was du willst! Mit Geld kann man alles haben. Und die da oben, die merken doch sowieso nichts,” flüsterte der kleine Mann ihm verheißungsvoll ins Ohr. Bisher hatte noch nie einer den geringsten Verdacht geschöpft. Weder die alte Buchhalterin, die froh war, fünf Jahre vor ihrer Rente noch eine Anstellung gefunden zu haben, noch die anderen Mitarbeiter. Nun, die hatten ja auch keinerlei Einblick in die Einnahmen und wahren Geschäfte ihrer eigenen Firma. Und jetzt, aus heiterem Himmel, wo alles so schön für ihn gelaufen war, da kam die Zentrale plötzlich mit dem Hinweis, es müssten doch wesentlich größere Umsätze geflossen sein. Ausgerechnet jetzt, nach all den Jahren! Misstrauisch hatten sie ihn soeben angerufen und schleimig erklärt, dass man zu seiner “Unterstützung” den jungen Buchhalter und Controller in ihre Filiale schicken würde, dem diese Mindereinnahmen überhaupt erst aufgefallen waren. Der kam gerade von der Uni, und das sind die Ehrgeizigen, die richtig Schlimmen! Sägen sie nicht an deinem Stuhl, so finden sie im Endeffekt doch immer irgendetwas. Das schöne, vertraute Lotterleben würde bald zu Ende sein! Aber er machte sich nichts vor! Mit diesem Anruf war sein bisheriges Leben aus den Angeln gehoben worden.
Wenn dieser Streber anfängt zu suchen, so wird es keine Woche mehr dauern und der Job war weg und er hätte ein saftiges Verfahren am Hals! Das musste er unbedingt zu verhindern wissen. Wenn für ihn im Vorhinein schon klar auf der Hand lag, dass er die unterschlagenen Gelder sowieso nicht mehr zurückgeben konnte und das auch von ihm nicht gewollt war, dann …. ja, was drohte ihm dann? Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn und ein stechender Kopfschmerz waren die Resultate seiner unüberlegten Geldgier. Wenigstens den augenblicklichen, großen Rest des Geldes könnte man der Firma wieder zurückzahlen, als “guter” Wille. Aber auch jetzt siegte sein kleiner, grausam diabolischer Freund im Kopf.
Er ging zum Schrank und nahm einen großen Schluck Whisky, direkt aus der Flasche. Eine Lösung seines Problems durfte nicht dazu führen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Selbst jetzt, in der aussichtslosesten Situation seines Lebens siegte immer noch überhebliche Arroganz. Stumm im Büro sitzend wurden die unmöglichsten Auswege überlegt. Stundenlang kreisten seine Gedanken ohne auch nur die kleinste Lösung seines Problems gefunden zu haben. Es war einfach kein befriedigendes Ergebnis in Sicht. Er versuchte sich krampfhaft wieder auf seine Arbeit zu konzentrieren, jedoch ohne Erfolg. Dann ging er zu seinem Bürofenster, öffnete es, schaute in den benachbarten Park und atmete tief durch. Grübelnd und endlos lange sein Gehirn zermarternd. Dann endlich, Stunden nach dem unheilvollen Anruf auch mit einem vagen, scheinbarem Erfolg. Denn es kam ihm doch noch ein entscheidender, letzter Gedanke. Eine Überlegung, die er in diesem Augenblick wie den berühmten, rettenden Strohhalm empfand. Für ihn war das jetzt die einzig mögliche Idee! Es war jetzt Donnerstagmittag! Feierabend! Seine Galgenfrist ging bis Montagmorgen!
Er öffnete den Safe und entnahm die Einzahlungen der Kunden. Genüsslich wog er mit einer Hand die zahlreichen Geldbündel. Normalerweise wurde das Geld jedes Wochenende von ihm persönlich zur Bank gebracht. Doch nun nicht mehr! In seinen Augen glitzerte das Eurozeichen und sein Entschluss stand fest. Er würde sich mit aller Kraft seinem scheinbar unvermeidlichen finanziellen Absturz widersetzen. Nie mehr würde er auf den erreichten Luxus der letzten Jahre verzichtet. Ein schönes Sümmchen lag da im Safe. Insgesamt € 78.000,--Die Hälfte davon verschwand in seine Tasche. Der Rest wanderte zurück in den Geschäftstresor. Die Gelder waren Anzahlungen auf Wohnungen und Häuser von Kunden und akribisch registriert. Ihn störte das nicht mehr. Seine Idee war, das Geld in einer Spielbank zu verdoppeln und danach dann den gewonnenen Gesamtbetrag zurückzulegen. Aber was heißt schon verdoppeln? Verdreifachen! Vervierfachen! Seine Augen hatten wieder diesen, vom Teufel verklärten, geldgierigen Blick. Er dachte einfach und blöd zugleich, denn die unterschlagenen Gelder waren zum Teil schon seit ein oder zwei Jahren verschwunden. Und was war mit den gefälschten Belegen? Was würde es bringen, wenn plötzlich aus dem Nichts wieder Geld da wäre, und vor allen Dingen, wie sollte das glaubhaft erklärt werden. Die falschen Papiere und Belege könnte man sowieso nicht mehr aus den Akten nehmen. Er war verblendet, seine Idee im Vorhinein zum Scheitern verurteilt. Er hatte schon öfter dieses Kasino besucht. Und das nicht nur um einen entspannten Feierabend zu genießen.
Bis jetzt hatte es immer mit Verlusten geendet, aber er hatte beim letzten Besuch einen interessanten Spieler kennen gelernt, der ihm ein “todsicheres System” verkauft hatte. Gar nicht mal so teuer. Für 5.ooo,oo € gehörten ihm jetzt Aufzeichnungen, die einen wahren Geldsegen bringen, und ihn in kürzester Zeit zum Millionär machten. Damit könnte er die durchgebrachte Summe locker wieder herbeischaffen. Ein Deal mit der Staatsanwaltschaft, eine kleine Strafe und sie würden auf eine Anklage verzichten, so kindisch und naiv dachte er tatsächlich in diesem Augenblick. Nachdem sein Computer abgemeldet war, zog er sein Jackett an und nahm seine Aktentasche. Nun verschloss er seine Bürotür und ging ins Vorzimmer. „Frau Schneider? Ich bin außer Haus! Ich habe noch Kundentermine! Wenn noch etwas sein sollte, ich bin morgen im Laufe des Vormittages wieder hier. Bis morgen früh!” rief er freundlich seiner Sekretärin zu. „Tschüss Herr Schuster, angenehmen Abend!“ Schnell verließ er das Geschäftsgebäude, ging direkt zum Parkplatz, fuhr nach Hause, duschte, zog sich um und machte sich in der Mikrowelle zwei mit Käse überbackene Toastscheiben. Anschließend studierte er ausführlich den dicken, handgeschriebenen, teuren Zettelblock des anderen Spielers und machte sich bei einer Tasse Kaffee erste wichtige, Geld bringende Notizen. Danach verstaute er das Geld und den Block in seiner Jackentasche. Er verließ mit sehr hohen Erwartungen das Haus. Während der Fahrt zur Spielbank waren seine Gedanken unwillkürlich wieder bei der finanziellen Situation. Er war trotz allem froh, sich das Haus und den Wagen nicht gekauft zu haben. Die Miete und den geleasten Wagen konnte er großzügig als Unkosten absetzen.
Nur seine persönliche Kleidung, die teuren Uhren und seine goldenen Ringe gehörten ihm. Der letzte Kontoauszug zeigte auf seinem geheimen Zweitkonto die stolze Gesamtsumme von 230.000,-- Euro. Das waren ungefähr zehn Prozent von der unterschlagenen Summe. Sein üppiger Lebenswandel, Fernreisen und exklusiven, anspruchsvollen Damen, das alles hatte seinen Preis. Das sollte, ja musste einfach auch so bleiben. Er stammte aus einer armen Arbeiterfamilie und hatte schon als Kind immer den Hang zu Höherem gehabt. Seinen alten Freunden gegenüber war er in den letzten Jahren extrem überheblich und arrogant geworden. Kurz gesagt, er hatte alles vergessen und verdrängt: Seine Herkunft, die mangelhafte Schulbildung, sein verarmtes Elternhaus und das einfache Heimatdorf. Wenn Sch … Mist wird, will er gefahren werden!
Kapitel 2
Nach einer halben Stunde betrat er das pompöse Foyer des Kasinos, zeigte seine Klubkarte und betrat den ersten großen Saal. Er ignorierte die kleinen Spieltische, an denen Karten verteilt wurden. Das ganz große Geld musste her! Zeit dafür war nur dieses, sehr knapp bemessene einzige Wochenende. Es musste sich jetzt auch schnell lohnen. Es kam also nur der große Roulette-Saal infrage. Sein routinierter Blick hatte schnell einen freien...




