Schnur | Quartiersforschung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 346 Seiten, Web PDF

Reihe: Quartiersforschung

Schnur Quartiersforschung

Zwischen Theorie und Praxis
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-91032-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark

Zwischen Theorie und Praxis

E-Book, Deutsch, 346 Seiten, Web PDF

Reihe: Quartiersforschung

ISBN: 978-3-531-91032-1
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark



Wohnviertel, Stadtquartiere, Kieze: Für BewohnerInnen sind sie nicht mehr und nicht weniger als die lokale Verankerung in der (Groß)stadt und der globalisierten Welt. In der Wissenschaft gibt es inzwischen vielfältige Diskurse über den lokalen Nahraum, nicht zuletzt im Kontext raumtheoretischer Debatten. Aber auch als strategische Planungskategorie ist das Quartier wichtig – es hat als Meso-Level zwischen Regional-, Stadt- und Individualebene in den letzten Jahren geradezu Karriere gemacht: Stadtentwicklungsprogramme wie "Soziale Stadt" oder "Stadtumbau Ost/West" und auch privatwirtschaftliche Wohnungsmarktakteure konzentrieren sich mehr und mehr auf das Quartier als konzeptionellen Kern. Mit dem Ziel, einen vertieften Dialog anzustoßen, zeigen die AutorInnen dieses ersten Bandes der Reihe „Quartiersforschung“ aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und der Praxis wichtige Themenfelder einer intensivierten Quartiersforschung auf. Das Spektrum der Beiträge reicht von kritisch-raumtheoretischen über kommunale bis hin zu wohnungswirtschaftlich-städtebaulichen Betrachtungen.

Schnur Quartiersforschung jetzt bestellen!

Zielgruppe


Professional/practitioner


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Einführung und Zusammenfassung der Beiträge.- Einführung und Zusammenfassung der Beiträge.- Überblick.- Quartiersforschung im Überblick: Konzepte, Definitionen und aktuelle Perspektiven.- Theoretische Perspektiven auf das Quartier.- Die Metapher vom Raum als soziale Landschaft: Perspektiven zur Überwindung der Dichotomie von Quartierkonzeptionen.- Stadt der Quartiere? Das Place-Konzept und die Idee von urbanen Dörfern.- Lebensstile in der quartiersforschung.- Class, race, gender… neighbourhood? Zur Bedeutung von Quartierseffekten in der europäischen Stadtforschung.- Wo kann sich die „Soziale Stadt“ verorten?.- Prozesse, Steuerung und Governance im Quartierskontext.- Wohl und Weh von Quartiersbudgets: Einblicke in die lokale Umsetzung eines Verfahrens zur partizipativen Fördermittelvergabe.- Das Quartier als revanchistische Stadtpolitik: Verdrängung des Sexgewerbes im Namen eines neoliberalen Konstrukts.- Integration von Zuwanderern im Quartier: Ausgangslage, Herausforderungen und Perspektiven.- Behindern ethnisch geprägte Wohnquartiere die Eingliederung von Migranten?.- Ein neues Image für benachteiligte Quartiere: Neighbourhood Branding als wirksamer Ansatz?.- Von Stadtmarketing, BIDs und ISGs: Neue Governance-Formen in der Quartiers-Ökonomie.- Housing Improvement Districts (HIDs): Ein neues Instrument für die Quartiersentwicklung?.- Quartiere im soziodemographischen Wandel.- Quartiere auf Zeit.- Wohnquartiere im Kontext demographischer und baulicher Alterung.- Entwicklungsperspektiven von alternden Einfamilienhausquartieren.


III Prozesse, Steuerung und Governance im Quartierskontext (S. 147-149)

Wohl und Weh von Quartiersbudgets: Einblicke in die lokale Umsetzung eines Verfahrens zur partizipativen Fördermittelvergabe

Miriam Fritsche

1 Einleitung

Die politikwissenschaftliche Partizipationsforschung hat ihren Ursprung in Studien zum Wählerverhalten (vgl. Kaase 2003: 496f., Schultze 2003, Hoecker 2006: 15ff., Broschek & Schultze 2006): Wahlen galten (und gelten) als wichtigste Art lokaler politischer Beteiligung1, gefolgt von direktdemokratischen Mitwirkungsrechten (Bürgerbegehren und -entscheide). Andere, nicht dem Kanon repräsentativ-demokratischer Interessenartikulationen zuzurechnende lokale Beteiligungsformen wurden in der Politikforschung lange Zeit als „Sache von Minderheiten" (Vetter 2008: 7) angesehen.

Neuere Untersuchungen lokaler partizipativer Ansätze (vgl. Haus 2002, Haus u.a. 2005, Geis 2005, Greiffenhagen & Neller 2005, Vetter 2008) zeugen von einem wachsenden Forschungsinteresse für dialogische Beteiligungsformen, wie sie seit der im Westdeutschland der 1970er Jahre einsetzenden „partizipatorischen Revolution" auch auf der lokalen Ebene entstanden (vgl. Selle 2000: 69ff.). Sie weisen nicht nur darauf hin, dass das Ausmaß von Beteiligung zuzunehmen scheint. Vielmehr betonen einige Forschungsbeiträge unter der Überschrift „kooperative Demokratie" (vgl. Bogumil 2002, Holtkamp u.a. 2006) auch eine qualitative Veränderung im Verhältnis zwischen Bürgern und Kommunen. Als Formen kooperativer Demokratie gelten: „die neuen nicht gesetzlich vorgeschriebenen, sondern freiwilligen, dialogisch orientierten und auf kooperative Problemlösungen angelegten Verfahren der Bürger- und Verbändebeteiligung an der Politikformulierung und an der Politikumsetzung" (Bogumil 2002: 152).

In diesem Kontext wird u.a. die Erweiterung der Auftraggeberrolle der Bürger um dialogisch ausgerichtete Formen der Beteiligung an Planungs- und Entscheidungsprozessen konstatiert. Dabei kann es sich um punktuelle Varianten – wie Planungszellen oder -werkstätten handeln –, es können aber auch dauerhafte kooperative Zusammenschlüsse – wie Seniorenbeiräte, kriminalpräventive Räte oder Stadtteilausschüsse – entstehen. Sowohl Einzelpersonen als auch Vertreter von Organisationen sind in diesen neuen Arrangements, die eine Erweiterung der traditionellen, repräsentativen Partizipationsformen anstreben, beteiligt.

Dieser Beitrag stellt die Untersuchung eines innovativen Beteiligungsverfahrens, wie es derzeit im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt" (kurz: „Soziale Stadt") in Berlin etabliert wird, in den Mittelpunkt. In den dortigen Quartiersmanagementgebieten findet seit 2006 die Vergabe von Fördermitteln in partizipativen Verfahren statt. Solche neuen Formen der Bürgerbeteiligung an und in der Quartiersentwicklung stellen den Versuch einer Erweiterung der traditionellen (repräsentativen) Partizipationsformen dar und sind nicht zuletzt einzuordnen in den Kontext aktueller Debatten um Chancen und Grenzen von Bürgerhaushalten und entsprechende lokalpolitische Experimente.

Mitentscheidungsverfahren dieser Art werden Potenziale in den Bereichen „Bewohneraktivierung", „Dezentralisierung von Verantwortung", „kostenbewusste Mittelverwendung" und „Demokratiestärkung" zugeschrieben – wobei genaue Untersuchungen ihrer konkreten Umsetzung noch ausstehen. Der vorliegende Artikel will eine erste, empirisch fundierte Bewertung eines partizipativen Vergabeverfahrens anhand der Analyse des Quartiersrats in dem Berliner Großwohnsiedlungsgebiet Marzahn-Nordwest liefern. In diesem Quartiersmanagementgebiet der „ersten Stunde" wirkt seit April 2006 ein neues Gremium, der Quartiersrat, bestehend aus Bewohnern und anderen, auf der Quartiersebene relevanten Akteuren, bei der Entscheidung über die Vergabe der Fördermittel mit. Zunächst soll jedoch anhand wesentlicher Befunde verschiedener Programmevaluierungen der Stellenwert von Bewohnerbeteiligung innerhalb der Umsetzung der „Sozialen Stadt" kurz skizziert werden.


Dr. Olaf Schnur ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Stadt- und Sozialgeographie, Quartiersentwicklung in Großstädten und soziale Stadtentwicklung.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.