Schubert | Republik der Sündenböcke | Buch | 978-3-932130-30-4 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 207 Seiten, PB, Format (B × H): 1200 mm x 1850 mm, Gewicht: 350 g

Schubert

Republik der Sündenböcke

Eine Reise durch ein (un)politisches Land
Erscheinungsjahr 2013
ISBN: 978-3-932130-30-4
Verlag: Driediger Verlag

Eine Reise durch ein (un)politisches Land

Buch, Deutsch, 207 Seiten, PB, Format (B × H): 1200 mm x 1850 mm, Gewicht: 350 g

ISBN: 978-3-932130-30-4
Verlag: Driediger Verlag


Die deutsche Politik befindet sich in der Krise. Oder ist es eine Krise unserer Zivilgesellschaft? Der Staat nimmt seinen Bürgern immer mehr Verantwortung für ihr eigenes Leben ab und schränkt damit unmerklich Freiheiten ein – im Namen des allgemeinen Wohlstands. Die viel zitierte Politikverdrossenheit der Menschen ist in Wirklichkeit ihr Unvermögen, sich gegen diese „Verstaatlichung des Staates“ zur Wehr zu setzen. Es fehlen Mut und Ansporn, das eigene Leben wieder selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen. Doch genau das ist die Grundvoraussetzung, um unsere Demokratie zu retten.
Das Buch nähert sich Politik und ihren Akteuren in einer spannenden Reportage, deren Ausgangspunkt zahlreiche Gespräche mit Politikern und Experten sind. Abseits der großen Themen setzt es sich mit der Frage auseinander, ob wir in einer unpolitischen Gesellschaft leben. Dabei verliert es nie den Blick auf das Wesentliche – die Menschen, die im Mittelpunkt jedes gesellschaftlichen Handelns stehen.

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„Ich schreibe ein Buch über Politiker“, sage ich an einem Freitagnachmittag zufällig am Telefon zu einem Bekannten.

„Dann musst du unbedingt mit der ehemaligen Freundin meines Sohnes sprechen, die ist bei den Grünen aktiv“, antwortet der prompt.
Später fallen ihm noch ein paar Namen ein, sogar ein Abgeordneter vom europäischen Parlament ist darunter.

In nächster Zeit werde ich während meiner Recherchen immer wieder diesem Phänomen begegnen: Jeder hat einen Nachbarn, einen Sportkameraden oder einen Kollegen, der Politiker ist. Alle wissen sie Geschichten zu erzählen von diesen Volksvertretern, meist sind es unrühmliche Episoden, selten schwingen Lob oder Anerkennung mit. Häufiger werden Witze gerissen über Politiker, viele gehen unter die Gürtellinie.

Ablästern macht Spaß, hält Gruppen zusammen. „Ein Stammtisch zum Beispiel lebt davon, dass dort ordentlich auf den Putz gehauen wird“, meint Norbert Wiersch. Der Kommunikationsberater, Coach und Trainer aus Münster glaubt, dass es zwischen Bürgern und Politikern eine Hassliebe gibt. „Trotz Wahlmöglichkeit ist die Ansicht weit verbreitet, mit der eigenen Stimme eigentlich nichts bewirken zu können“, behauptet er. „Das Risiko, die eigene Unfähigkeit zu erkennen, wenn man selbst in der Politik aktiv ist, wollen die meisten Kritiker indes nicht eingehen.“

Für jeden von uns hat die Welt eine gewisse Logik. Das Fatale: „Diese Logik ist eine ganz individuelle, wir legen uns die Welt so zurecht, wie wir sie für unser Selbstbild brauchen“, weiß der Psychologe. Dazu vereinfachen wir oft Sachverhalte, ordnen sie in ein globales Gut-Schlecht-Schema ein und ersetzen mangelnde Detailkenntnisse durch Vorurteile, persönliche Meinungen und besserwisserische Parolen. Alles in allem eine explosive Mischung für politische Diskussionen und Politikerschelte – ergänzt und aufgeladen durch eine Berichterstattung in den Medien, die nicht selten mit negativen emotionalen Gefühlen spielt. „Pauschale Urteile befreien“, sagt Norbert Wiersch und verweist auf die wiederkehrenden „Expertengespräche“ zum Fußballwochenende. Jeder sei der bessere Trainer und würde selbst die meisten Tore schießen. „Auch hier mehr einhellige Kritik als kollektives Anerkennen von Leistung“, konstatiert der Kommunikationsprofi. „Und ganz ehrlich“, ergänzt er mit einem verschmitzten Lächeln, „lobende Stammtische sind einfach langweilig.“
Politiker scheinen eine Art kollektives Störgefühl auszulösen, weil sie ständig alle möglichen, sich eigentlich widersprechenden Ansichten vertreten und Entscheidungen treffen müssen. Psychologen bezeichnen einen solchen Konflikt als einen Zustand „kognitiver Dissonanz“. Gleichzeitig sind Volksvertreter immer und überall präsent: in Talkshows genauso wie in der heimischen Kneipe und sogar der eigenen Familie. Sie buhlen, so könnte man meinen, jederzeit um Bekanntheit, Anerkennung und Zuneigung.

Doch das ist der vorurteilsbeladene Blick von außen. Sind Politiker wirklich geltungssüchtige Egomanen, die keine Meinungen neben der eigenen gelten lassen? Sind sie Selbstdarsteller, die das Publikum brauchen und dem Volk deshalb nach dem Mund reden, um es noch im selben Atemzug opportunistisch zu betrügen? Denken sie stets nur an ihre eigenen Vorteile und den Schaden, den sie dem politischen Gegner zufügen?

Nicht nach Ansicht von Heinz Riesenhuber. Der promovierte Chemiker und Honorarprofessor an der Universität Frankfurt ist mit seinen 78 Jahren Alterspräsident des 17. Deutschen Bundestages. „Jeder Mensch ist so stark wie die Idee, die er vertritt“, erklärt der ehemalige Bundesforschungsminister. Das Markenzeichen des CDU-Mannes ist die auffällige Fliege. Seit mehr als 50 Jahren ist er inzwischen aktiv in der Politik, davon 37 Jahre im Bundestag – doch aufhören möchte er noch nicht. „Ich kandidiere in meinem Wahlkreis auch für die nächste Legislaturperiode“, bestätigt er, „und die Chancen stehen gut, dass ich wieder gewinne.“

Eigentlich wollte Heinz Riesenhuber nur acht Jahre seines Lebens als Mitglied des Bundestages verbringen. „Mein Ziel war es, in dieser Zeit zu verstehen, warum Politik anders als Wirtschaft funktioniert.“ Seine Kollegen aus der Industrie, in der er insgesamt 16 Jahre als Geschäftsführer tätig war, hätten ihn damals für komplett verrückt gehalten. „Aber ich wollte unbedingt die Insider-Sicht.“

Das alles anders kam, lag an Helmut Kohl. Der Kanzler holte den Wissenschaftler 1982 in sein Kabinett und dort blieb Heinz Riesenhuber über zehn Jahre, avancierte zu einem der bekanntesten Minister – nicht zuletzt wegen seines markanten Aussehens und der stets präsenten Fliege. „Eine faszinierende Zeit“, resümiert er. „Es gab einige Jahre, in denen es in allen Bereichen voranging.“

Den schlechten Ruf von Politikern führt der erfahrene Abgeordnete weniger auf persönliche Defizite seiner Kolleginnen und Kollegen zurück als vielmehr auf strikte Trennungslinien in der Gesellschaft. „Wirtschaft, Wissenschaft und Politik funktionieren in sich jeweils gut, aber der Austausch zwischen den einzelnen Bereichen ist bei uns leider nicht selbstverständlich.“ Nach einigem Nachdenken fügt Heinz Riesenhuber schließlich hinzu: „Daher werden Politiker, so scheint es mir, oft negativ beurteilt.“



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