Buch, Deutsch, Band 14, 156 Seiten, Paperback, Format (B × H): 151 mm x 209 mm, Gewicht: 324 g
Buch, Deutsch, Band 14, 156 Seiten, Paperback, Format (B × H): 151 mm x 209 mm, Gewicht: 324 g
Reihe: Weltliteratur für junge Leser
ISBN: 978-3-86397-020-8
Verlag: Bertuch Verlag GmbH
Schon als Schüler lehnte sich der intelligente Brecht gegen die scheinheilige bürgerliche Gesellschaft auf. Mit neuen frechen Tönen revolutionierte er die Theaterbühne. Nicht romantisch verträumt, sondern aufrüttelnd gesellschafts-kritisch, nicht an Einzelschicksale geheftet, sondern auf die Konflikte der Welt gerichtet, wollte er im Theater dem Zuschauer die Augen öffnen und zum eigenen Denken motivieren. „Ändere die Welt, sie braucht es!“, so Brecht.
1933 floh er vor den Nationalsozialisten ins ausländische Exil, von wo aus er trotz schwieriger Umstände weiterhin schriftstellerisch tätig war und Gesell-schaftskritik übte.
Ganz in diesem Sinne bietet das Buch keine vorgefertigten Antworten. Es versteht sich als Grundlage zu Reflexion und Diskussion und eignet sich auch als Unterrichtsmaterial. Neben biografischen Informationen enthält es Gedichte, Briefausschnitte, Zitate und Bilder sowie Ausschnitte aus Brechts Stücken.
Auf der beiliegenden CD stellen verschiedene Brecht-Interpreten dessen Songs, Gedichte und Texte vor. Auch Brecht selbst ist zu hören.
Zielgruppe
Lehrer und Schüler; Abiturienten
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
'Wer kennt wen?'
Annäherung an den Dichter Bertolt Brecht
Kennst du Bertolt Brecht? Natürlich kennst du ihn, denn
du hast die 'Moritat von Mackie Messer': 'Und der
Haifisch, der hat Zähne …' auf YouTube oder in einem
Livekonzert schon gehört. Der Song stammt aus Brechts
'Dreigroschenoper', dem ersten deutschen Musical, und
er ist der erste Song auf der beiliegenden cd.
In diesem Buch kannst du Bertolt Brecht näher kennen
lernen. Es schlägt einen Bogen von den Anfängen
des Dichters mit seinem 'Baal' – einem Stück über einen
anarchisch lebenden und liebenden Schriftsteller – bis
hin zu den letzten Texten, entstanden in der ddr, in die
Brecht nach 15 Jahren Exil kam. Die Auswahl war schwierig
genug bei einem so umfangreichen Werk. In den verschiedenen
Texten zeigt sich der freche, der einfühlsame, der politische Dichter, der
Stückeschreiber, Erzähler und Lyriker. Brecht schrieb allein 2 300 Gedichte, obwohl
er in der Schule Gedichte nicht so gern hatte. Damit man Gedichte mag, so Brecht,
sei es am besten, wenn man 'sie singt'. Sie 'müssen aber danach geschrieben sein',
wofür als Beweis die beiliegende cd dienen kann z.?B. mit dem 'Alabama-Song' der
'Doors', den vertonten Gedichten von der Liebe oder dem von einem Schüler erfundenen
Rap zum 'Wasserverkäufer', einem Text aus 'Der gute Mensch von Sezuan'.
Im Buch erfährst du auch etwas aus dem Leben des Dichters, der ein liebevoller
Vater war, gut mit Freunden umgehen konnte, oft ein Leben lang. Er war ein Team-
Worker, lange bevor das Wort in unsere Sprache kam. Zu seinen Mitarbeitern zählten
immer kluge, junge Frauen, woraus sich auch Liebes-Beziehungen entwickelten.
Manche Leute meinen, Brechts Texte seien zu politisch, andere, sie seien zu
lehrhaft.
Am besten ist es, du lässt solche 'Vorurteile draußen' und liest und entdeckst
deinen Brecht. Du darfst ihm auch widersprechen, denn Widerspruch ist bei Brecht
gefragt. Ihm selbst war sein Werk, seine neue Art zu dichten, das Wichtigste. So
wollte er, dass seine Stücke auf dem Theater aufgeführt werden und seine Gedichte
in den Schullesebüchern zu finden sind. Beides ist ihm gelungen, denn er ist aktuell
der meist gespielte deutschsprachige Autor in der Welt.
Als Ziel für seine Dichtkunst gab Brecht an:
'Ich möchte gern eine Kunst machen, die die tiefsten und wichtigsten Dinge
berührt und tausend Jahre geht: Sie soll nicht so ernst sein.'
B.?B., als der er sich eingangs im Gedicht vorstellt, hieß eigentlich Eugen Berthold
Friedrich Brecht, geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg, gestorben am 14. August
1956 in Berlin (Ost / DDR). Seine Vornamen fand er für eine Dichterexistenz
nicht recht passend. So zeichnete er bereits ab 1916 seine Texte mit Bert Brecht,
nannte sich später Bertolt Brecht und wurde von seinen Freunden, auch vom eigenen
Sohn Stefan, mit 'Bidi' angesprochen.
Er leistete es sich, weit voraus schauend, sogar nur unter dem Signet B.?B. (siehe
Eingangsgedicht) oder 'b.?b.' seine Texte zu ›firmieren‹, und dieserart mit seiner Literatur,
als vom Dichter Bertolt Brecht stammend, erkannt zu werden.
Das Gedicht 'Vom armen B.?B.' schrieb er als Vierundzwanzigjähriger, reflektierte
die gelebten Jahre von den Anfängen her und über ein Ende hinaus – und
schloss die Nachkommenden gleich mit ein. Das Gedicht erfasst ein aktuell diskutiertes
Weltszenarium, wenn er schreibt:
Wir sind gesessen ein leichtes Geschlechte
In Häusern, die für unzerstörbare galten
(So haben wir gebaut die langen Gehäuse des Eilands Manhattan
Und die dünnen Antennen, die das Atlantische Meer unterhalten).
[…]
Wir wissen, daß wir Vorläufige sind
Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes.
Nennenswert aber soll bleiben das Werk des Bertolt Brecht. Es soll tausend Jahre
dauern und die 'tiefsten und wichtigsten Dinge' der Menschen berühren (Brecht
1976, 195). Brecht beginnt früh mit dem Schreiben und veröffentlicht mit 16 Jahren
sein 'erstes abgeschlossenes Stück, das ›Drama in 1 Act‹ ›Die Bibel‹' in der Schülerzeitschrift
'Die Ernte', Januar 1914 (vgl. Hecht 1997, 30).
Dieses heute noch spannend zu lesende Stück beschreibt eine fiktive Episode aus
dem Freiheitskampf der Niederlande gegen die spanisch-katholischen Truppen im 16.
Jahrhundert. Das ›Drama‹ wurde 2013, fast 100 Jahre nach seiner Entstehung, in der
Barfüßer-Kirche in Augsburg uraufgeführt, in der Brecht getauft und konfirmiert
worden war.
Der große Schritt in Richtung des Überdauerns seiner Werke gelingt Brecht 1928.
Er betritt die Berliner Bühne mit dem provokanten Stück 'Die Dreigroschenoper',
und die literarische Welt nimmt das zur Kenntnis, wenn Brecht von der Bühne herunterrufen
lässt:
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muß es möglich sein auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden.
Diesem 'ersten Musical' auf einer deutschen
Bühne gingen Stücke voraus, wie
'Baal' (1919) 'Trommeln in der Nacht'
(1922) und 'Mann ist Mann' (1926), die
heute noch gespielt werden. Seinen ersten
Gedichtband 'Hauspostille' veröffentlichte
Brecht 1927 als Sonderdruck.
Ein Stückeschreiber, ein Lyriker, ein Erzähler
von Romanen und Kurzgeschichten
und ein maßgeblicher Veränderer des Theaters
im 20. Jahrhundert, gültig bis in die Gegenwart
hinein.
Brecht bekennt sich sehr früh dazu, ein
Klassiker werden zu wollen, und er wird es.
Aus heutiger Sicht betrachtet, ist Brechts 'Dreigroschenoper' (über 80 Jahre alt),
eines der bekanntesten und meist gespielten Brecht-Stücke auf der Welt.
Bei You Tube hat allein der 'Moritatensong' über den berühmten 'Mackie Messer
', in einer Aufnahme, auf der Brecht selbst singt, 599.478 Aufrufe (gefunden am
14.06.2012).
Den Wunsch, dass seine Kunst 'tausend Jahre' gehen sollte, teilt sich der Dichter
Brecht mit anderen Dichtern.
Auf 'Wirkung in die Ferne' hofften Goethe, Schiller, Heine, Büchner, um nur
einige zu nennen, denen das bisher gelang. Sie sind uns mit ihren Werken vertraut
und nah, werden gesprochen, gesungen, gespielt, auch adaptiert in vielfältiger Form:
Filme zu Goethes 'Die Leiden des jungen Werther', eine Comic-Novelle von horus
zum Leben des jungen Schiller (2005).
Gelungen ist eine solche mehr als 'tausend Jahre' währende Wirkung von Kunst
den Dichtern der alten chinesischen Kultur und denen der griechischen Antike. Letztere
überdauerten inzwischen mehr als zweitausend Jahre.
Brecht las die Dichter der Antike bereits als Gymnasiast im Original. Einzelne
ihrer Tragödien, z.?B. die des Sophokles ('Antigone') oder Euripides ('Medea', 'Elektra
' u.?a.) nutzte er als Anregung für eigene Texte bzw. für Bearbeitungen ('Antigone
', uraufgeführt 1947 in Chur, Schweiz). Im 'Buch der Wendungen' schrieb Brecht
im 'chinesischen Stil' über Verhaltenslehren. Eine Adaption zu Euripides‘ Tragödie
'Medea' (431 v. Chr.) ist Brechts Gedicht 'Die Medea von Lodz', in dem er sich auf
den griechischen Dichter und auf dessen Geschichte über 'Medea', die Fremde und
Kindsmörderin, direkt bezieht, wenn es im Gedicht heißt:
[…]
Wie es mit ihr gegangen
Erzählt der Euripides
Seine mächtigen Chöre singen
Von einem vergilbten Prozeß.
Nur der Wind geht noch über die Trümmer
Der ungastlichen Stadt
Und Staub sind die Stein, mit denen
Sie die Fremde gesteinigt hat.
Da hören wir mit einem
Mal jetzt die Rede gehn
Es würden in unseren Städten
Von neuem Medeen gesehn.
Zwischen Tram und Auto und Hochbahn Wird das alte Geschrei geschrien 1934 In unserer Stadt Berlin.
Mit den alten Themen greift der Dichter die neuen Probleme seiner Zeit in seinen
Texten auf, denn 'der Kunstverstand der Alten [gemeint sind die 'Lehrgedichte' der
'Römer'] entwickelt sich an den großen Inhalten' (brecht 1969, 24).
Liest man das Gedicht 'Medea von Lodz' genau, ist es nicht nur für 1934 gültig,
sondern reicht bis ins Heute hinein.




