Schulz | Porträt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

Schulz Porträt


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7578-7589-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 376 Seiten

ISBN: 978-3-7578-7589-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein unerwartet wiedergefundenes Manuskript aus dem Jahr 2011 diente als Entwurf für den 2018 erschienenen Titel: 'Selbstbildnis eines Hautarztes'. Das Unikat enthielt überwiegend Handzeichnungen neben vereinzelten digitalen Kopien eigener Gemälde. Wegen der Komprimierung des Text- und Bildinhalts auf das Wesentliche, macht es Sinn, die Vorläuferversion zu veröffentlichen, im Schlussteil ergänzt durch die seit 2018 bis ins Jahr 2023 stattgefundenen besonderen Ereignisse im Leben des Autors. Auf diese Weise zeichnen die drei Bände 'Selbstbildnis eines Hautarztes', Band I - II, und 'Porträt' ein biographisches Erlebnisbild in chronologischer Abfolge über einen Zeitraum von 83 Jahren.

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Prolog
Trotz fehlender Begabung für einen lockeren und richtigen Umgang mit Zahlen, selbst bei simplen Additions- und Subtraktionsaufgaben – auch heute noch benutze ich beim Kopfrechnen die eigenen zehn Finger als Rechenhilfe – begann ich, über die Anzahl meiner Lebensjahre, die inzwischen mehrere Dezennien umfassen, nachzudenken. Meine Zwillingsschwester Ursula Berta, genannt Ulla und ich Hans Otto, genannt Hans, wurden Gott sei Dank im Jahr 1940, einem Jahr mit durch zwei teilbarer, mathematisch unkomplizierter Zahl, im wendländischen Schreyahn geboren. Na ja, die 19 stört etwas, aber die Null am Ende tröstete mich immer dann, wenn ich bestimmte Ereignisse, die meinen Lebensweg kennzeichnen, in Relation zu diesem Anno setzen musste. Bezüglich der Geburtsjahre meiner Eltern, Vater 1907, Mutter 1911, tat ich mich immer schwer. Für einen Gesprächspartner, der sich exakte numerische Angaben zu bestimmten Geschehnissen im Leben meiner Vorfahren wünschte, musste das mir von der Natur verliehenen Dezimalsystems meiner Finger herhalten. Auch für eine Rekapitulation der jeweiligen Anzahl der Tage eines Monats weist die Anatomie der Hände ein numerisches Pendant auf. Unter Aussparung der Daumen entspricht jeder erhabene Fingerknöchel, beginnend mit dem linken Kleinfinger, einem Zeitraum von 31 Tagen, die Senke zwischen den Knöcheln entspricht 30 Tagen, ausgenommen der Februar mit den wenigsten Tagen, der aber auch im Tal liegt. Was für einen Legastheniker die Wörter, das bedeuten für mich Zahlen. Wenn man mir oder auch ich mir selbst viele Talente abspreche, so meint doch alle Welt, ich sei ein guter Zeichner. Immer dann, wenn ich mich in Gemälden versuchte, äußerten Kritiker, ich würde mit dem Farbpinsel eher zeichnen als malen. Nun beabsichtigte ich, den Beweis zu erbringen, dass mir beides gelingen kann. So vernachlässigte ich in den letzten Jahren den Zeichenstift zu Gunsten des Farbpinsels. Als ich dann aber meine gelebten 70 Dezennien im Geiste Revue passieren ließ und Texte über meine, auf die einzelnen Jahre bezogenen Erinnerungen zu Papier brachte, kam mir die Idee, für die Schriftsätze Illustrationen anzufertigen. Ich griff nun wieder zu Stift oder Feder, um die Beiträge, für die sich keine geeigneten Darstellungen in meiner bereits bestehenden Galerie fanden, mit gezeichneten Bildern zu versehen. In diesem Zusammenhang entstand das vorliegende Werk. Der textliche Rahmen bezieht sich auf das älteste Familienmitglied, dessen Zuneigung und Liebe ich noch als Kind erfahren durfte: meine Urgroßmutter Dorothea Katharina Elisabeth Schorling, geborene Schulz. Bei der von uns innig geliebten wendländischen Urgroßmutter mütterlicherseits erscheinen die Zahlen bezogen auf ihr Lebensalter in Relation zu den Urenkeln besonders spannend. Ihr liebenswertes Auftreten gegenüber jedermann und eine von uns Kindern tief empfundene Geborgenheit, die sie vermittelte, ist auch heute noch, 65 Jahre nach ihrem sanften Tod, in meiner Erinnerung präsent. Ohne auch nur die geringsten Anflüge äußerer Zeichen einer Agonie verstarb sie am 18. April 1947, an ihrem 71. Hochzeitstag, im 92. Lebensjahr, sitzend im Ohrensessel bei völliger geistiger Klarheit und Intaktheit aller Sinne. Eine nicht mehr therapierbare Herzinsuffizienz, sprich Altersschwäche, begleitet von krankmachenden Wassereinlagerungen, so genannten Ödemen, hatte sie dahingerafft. Ulla und ich näherten uns damals dem siebten Geburtstag. Wie Mutter berichtete, fand sich im Gesicht der soeben Verblichenen der Schimmer eines milden zufriedenen Lächelns. Als emsige Wendlandbäuerin mit Leib und Seele war Urgroßmutter ein Leben lang mit zahlreichen Aufgaben auf dem Bauernhof betraut: Erzieherin von drei Töchtern und einem Sohn, Köchin, Gärtnerin, Weberin, Schneiderin, Melkerin, Heilkundige und anderes mehr. Auf ihrer Scholle im wendländischen Rundlingsdorf Schreyahn hatte sie Ehemann, zwei Töchter sowie die Schwiegertochter und zwei Enkel, die als Soldaten im Krieg gefallen waren, überlebt. Heute stellt sich mir die Frage, wie viele Jahre bewussten oder über Augenzeugen berichteten Erlebens könnte ein Mensch erfahren. In meinem Fall ermittelte ich 156 Jahre. Wenn ich nun noch indirekte Augenzeugenberichte einbeziehe, z.B. die Kontakte meiner Urgroßmutter zu deren Eltern, komme ich auf rund 240 Jahre, also eine Zeit, in der Wolfgang Amadeus Mozart lebte (1756 – 1791). Wie setzt sich nun dieser unerwartet lange Zeitraum zusammen? Mit meinen heute 71 Lebensjahren bin ich ohne Einschränkungen in der Lage, mir erlebte Situationen zu vergegenwärtigen, die ich als dreieinhalb- bzw. vierjähriger Knabe erfahren habe, z.B. Begebenheiten auf dem Bauernhof in Schreyahn oder einprägsame Kriegsgeschehnisse sowohl während unseres Aufenthaltes im Dorf als auch in Hamburg-Neuhof, wo Vater seit 1939 als Pfarrer eine Kirchengemeinde betreute. Berichte über frühkindliche Zeiträume vor der Entwicklung eines eigenen Bewusstseins lieferten die Eltern zur Genüge. Geschehnisse ab etwa 1890 beschrieben unsere Großeltern. Die ältesten Mitteilungen aber erfuhr ich als fünf- bzw. sechsjähriger durch die Urgroßmutter Dorothea Katharina Elisabeth Schorling, geborene Schulz. Sie wurde am 6. September 1855 im wendländischen Rundlingsdorf Güstritz auf dem Hof Nr.3 geboren. Der Vater Johann Christoph Schulz verstarb knapp sechs Monate nach ihrer Geburt im Alter von nur 42 Jahren. Georg, ihr um 16 Jahre älterer Bruder, übernahm wenig später den von Ackerbau, Tierzucht und Flachsanbau zur Leinenverarbeitung unterhaltenen landwirtschaftlichen Betrieb, tatkräftig unterstützt von seiner Mutter Katharina Elisabeth Schulz, geborene Wilke. Katharina Elisabeth (1818 – 1879) teilte nun meiner Urgroßmutter die wichtigsten Begebenheiten mit, wie sie von deren Eltern und Großeltern (ab etwa 1750) berichtet worden waren. Urgroßmutter konnte sich beispielsweise gut an den Besuch des blinden hannoverschen Königs Georg V. erinnern, der in Begleitung seines Sohnes, dem Kronprinzen Ernst August (1845 – 1923) und einem großen berittenen Gefolge vom 9. bis zum 17. Juli 1865 das zum Königreich Hannover gehörende Wendland in seiner königlichen Karosse bereiste. Am 14. Juli feierte man in Anwesenheit des Königs den Güstritzer Bauerntag. Dorothea Katharina Elisabeth, damals sieben Wochen vor ihrem zehnten Geburtstag, erlebte den Empfang des Königs und dessen Gefolge hautnah. Ich war sechs Jahre alt, als sie mir voller Begeisterung von diesem Ereignis erzählte und schilderte, wie ihr damals 26-jähriger Bruder Georg auf der Tenne mit vier weiteren Männern und vier Frauen an Spinnrad und Haspel den hohen Herrschaften die Verarbeitung von Flachsfasern demonstrierte. Das Originalfoto, das Georg am Spinnrad inmitten seiner Helfer zeigt, existiert noch heute im Archiv des Wendlandes. In aller Ausführlichkeit berichtete Urgroßmutter auch über ihren Hochzeitstag am 18. April 1876. Teile der von ihr als Braut getragenen wendländischen Tracht kramte sie aus einer Holztruhe hervor als sie in unserer Gegenwart über ihre Erinnerungen an diesen Tag sprach. Aus dem Munde unserer Urgroßeltern väterlicherseits konnte ich vergleichbare Geschichten nicht mehr erfahren, da sie bereits das Zeitliche gesegnet hatten als ich auf die Welt kam. Auch den Großvater väterlicherseits durfte ich leider nicht mehr erleben. Kontakte zur Mutter meines Vaters gab es sehr viel seltener als zu den Familienmitgliedern in Schreyahn. So wurde meine frühkindliche Entwicklungsphase im Wesentlichen durch zwei Orte und deren Einflusssphären geprägt, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Einerseits durch das idyllische Dorf Schreyahn, meinem Geburtsort, andrerseits durch das Schiffswerftmilieu und die Industrielandschaft Hamburg-Neuhofs, wo Vater als Pfarrer wirkte. Ein schon in frühester Kindheit gewecktes Interesse an bildenden Künsten zog sich wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben. Dem Griff zu Feder, Zeichenstift und Farbpinsel konnte ich lebenslang nicht widerstehen. Mein innerer Drang, unter Zuhilfenahme dieser Werkzeuge auf einem Blatt Papier und später auf der Leinwand etwas bildnerisch darzustellen, was mich beschäftigte bzw. was ich vor Augen hatte, veranlasste mich, die vorliegende, mit eigenen Zeichnungen und Gemälden versehene Chronologie meines Lebens als „Selbstbildnis eines Hautarztes“ zu betiteln. Und die mir nicht leicht gefallene Auseinandersetzung sowohl mit „krummen“ als auch mit „geraden“ Jahreszahlen wollte ich bewältigen, indem ich diese Zahlen in chronologischer Abfolge, trotz eines gewissen unangenehmen „Beigeschmacks“, den einzelnen Kapiteln voranstellte. Hier muss ich im Nachhinein meinem Klassenlehrer recht geben, der mich im Jahr 1960 als Abiturienten des Lüchower Gymnasiums charakterisierte wie folgt: „Hans Schulz ist ein innerlich veranlagter Typ, Spätentwickler und recht gut begabt. Er ist in der Lage, selbständig geistig zu arbeiten und zeigt dabei eine besondere Stetigkeit und Zähigkeit. Seine Beobachtungsgabe ist gut entwickelt, der Verstand tritt bei ihm – gegenüber dem Gefühl – stärker...



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