E-Book, Deutsch, Band 333, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
Schwarz Maddrax 333
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8387-2158-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Zentrum der Gewalten
E-Book, Deutsch, Band 333, 64 Seiten
Reihe: Maddrax
ISBN: 978-3-8387-2158-3
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Matt und Xij sind vom Regen in die Traufe geraten; sprich: aus dem Dorf der Verzerrten in die Gewalt der Metallos. Nun warten sie in einem Verlies auf die Rückkehr des mysteriösen 'Großen Herrn'. Doch es kommt anders: Die vom Sog des Tores Entstellten finden an der Absturzstelle der Raumfähre einen weiteren 'Metallo' in einem Schlammloch. Noch wissen sie nicht, dass er Miki Takeo heißt und ein Android ist. Und dass er bald zu ihrem Anführer aufsteigen wird...
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Nach diesen Worten bewegte Faultier seinen kleinen schnabelartigen Mund noch für einige Augenblicke lautlos, während sich Kurzbein stöhnend wieder aufrappelte und nach seinem blutenden Kopf tastete. Faultier focht das nicht weiter an. Abrupt drehte er sich um. „Schnell“, befahl er. „Beide nich weit.“
Dann setzte der Anführer seine massige Gestalt wieder in Bewegung. Um seine dünnen Beine schlotterte etwas, das einmal eine Armeehose gewesen war, jetzt aber hauptsächlich aus Fetzen bestand. Wie die anderen auch, trug er einen Köcher auf dem Rücken, in dem rotgrün gefiederte Pfeile steckten. Den dazugehörigen Bogen hatte er sich über Brust und Rücken gespannt. „Weiter, alle! Weiter! Weiter!“, befahl er gebetsmühlenartig, weil ihm die anderen nur noch zögerlich folgten, was ihm durchaus nicht entging. Aber sie folgten ihm schließlich doch, den kleinen Fluss entlang, der sich durch das Unterholz schlängelte. Daran entlang mussten auch die beiden Fliehenden, der große blonde Maddrax und die schmale blonde Xij, gegangen sein.
Faultier, dessen überlange Arme fast bis zum Boden reichten, zog seine Machete hinter sich her. „Beide sterben“, murmelte er. Dabei zuckte es in seinem langen asymmetrischen Gesicht, und gleich darauf wurden seine Augen feucht. „Oder machen Teddy ganz.“
Faultier verstand nicht, warum die Fremden geflohen waren und den Teddybär zerstört hatten. Seine Leute hatten sie doch vor dem Jaguar gerettet. Zudem hatte er sie an den herrlichen Spielen teilhaben lassen, die Teddy ihnen befahl. Befohlen hatte. Denn der böse Maddrax hatte ihn zertreten, weil er nicht mehr spielen wollte. Dabei waren Xij und Maddrax gute Spieler gewesen. Sehr gute Spieler sogar. Das musste der böse Maddrax büßen.1)
Nachdem der Schock über die Freveltat abgeklungen war, hatte sich Faultier mit den besten Kriegern des Stammes an die Verfolgung gemacht. Es war nicht schwierig, denn sie hatten jede Menge Spuren hinterlassen. Sie schienen es nicht gewöhnt zu sein, sich im Dschungel zu bewegen. Deswegen war Faultier zuversichtlich, den Vorsprung der beiden bald aufgeholt zu haben.
Der Trupp erreichte eine feuchte Uferstelle. Kurzbein, der sich mit einigen anderen an Faultier vorbeigeschoben hatte, fand hier die nächsten Fußabdrücke. Sie führten plötzlich weg vom Fluss, den steilen, bewaldeten Hügel empor, der sich zu ihrer Rechten erhob.
In der Ferne brüllte ein Jaguar. Die Indios zuckten zusammen. Nachts war ihnen der grausame Jäger des Dschungels überlegen. Aber noch war es nicht so weit. Eben erst brach die Dämmerung herein.
Faultier kämpfte sich wieder an die Spitze durch, indem er einige Spieler rüde beiseite stieß. „Weiter! Sind nich weit“, sagte er.
Oben auf dem Hügel angelangt, hörten sie plötzlich Lärm. Faultier hob den Arm. Doch anstatt hinter ihm stehen zu bleiben, bildeten die Indios eine Linie.
Vor ihnen fiel der Berghang fast genauso steil ab, wie er angestiegen war. Auf der ungefähren Hälfte war eine größere Fläche plattgedrückt, die Bäume einfach umgeknickt, als hätte ein Riese seinen Fuß dort aufgesetzt. Vor einem umgestürzten Baum standen die Verfolgten: Maddrax und Xij. Grund zur Freude gab es dennoch nicht, denn sie waren von Metallmännern umringt! Es waren weit mehr als Faultiers Leute und ihnen ohnehin überlegen. Enttäuscht schnaubte er.
„Falschvogel is Chef“, flüsterte Kurzbein. Er drückte ein großes Blatt auf seine Kopfwunde und zeigte auf einen Roboter mit Geiermaske, aus dessen Sehschlitzen unheimliches blaues Licht strahlte. Es hüllte den Kopf von Maddrax ein.
„Chef“, wiederholte Faultier, schlug sich erneut die Krallen gegen die Brust und hob drohend die Machete.
„Falschvogel gefährlich“, sagte Kurzbein störrisch und wandte sich dabei von Faultier ab.
In diesem Moment erklang ein schnell anschwellendes Brausen am dunkel werdenden Himmel. Die verzerrten Indios wussten, was ein Gewitter war und wie es klang, aber so etwas hatten sie noch nie gehört. Sie duckten sich und starrten entgeistert zum Horizont, wo ein fliegendes Etwas auftauchte – kein Vogel, sondern auch aus Metall. Es rauschte über sie und den Dschungel hinweg und verschwand schließlich am anderen Horizont. Das Heulen wurde leiser und ebbte schließlich ganz ab.
Kurz darauf setzten sich die Eisenmänner mit ihren Gefangenen in Bewegung und verschwanden seitwärts zwischen den Bäumen.
Faultier ließ eine kurze Zeitspanne vergehen, dann stieg er behände den Hügel hinunter. Dort, wo die Stählernen ihnen die Beute weggeschnappt hatten, blieb er stehen und schaute sich um. Kurzbein und die anderen traten hinter ihm zwischen die umgestürzten Bäume.
„Maddrax holen. Dann töten“, sagte Faultier und blickte den vom letzten Regen noch feuchten Hang hinunter, an dessen Fuß sich ein großes Schlammloch erstreckte.
„Nein!“, widersprach Kurzbein und starrte Faultier feindselig an. „Eisenmänner gefährlich. Falschvogel gefährlich, ja, ja. Tötet uns!“
„Chef“, zischte Faultier fast schon verzweifelt und präsentierte sein Gebiss, um etwas mehr Eindruck zu schinden. „Maddrax holen. Hat Teddy kaputtgemacht!“ Er hob die Machete zum Schlag.
Der Angriff kam nicht von Kurzbeins Seite. Ein Indio, dessen linkes Auge grotesk in die Länge gezogen war, sprang Faultier an und rempelte ihn weg. Der Anführer ließ die Machete fallen, versuchte sich zu halten, geriet aber auf dem feuchten Untergrund ins Rutschen. Auf dem Bauch sauste er nach unten. Und tauchte mit einem gurgelnden Schrei in das Schlammloch ein. Meterhoch spritzte der Dreck, während die Indios oben lachten.
„Spielen“, grunzte Kurzbein glücklich. „Spielen.“
„Nich spielen. Teddy kaputt“, wies ihn Großauge zurecht.
„Teddy kaputt“, erwiderte Kurzbein zerknirscht. „Gehen heim.“
„Chef nich mehr Chef. Teddy weg, Chef blöde“, radebrechte Großauge im Brustton der Überzeugung.
Faultier drehte sich derweil verzweifelt im Schlammloch, bis er schließlich Halt fand. „Eisenmann“, keuchte er zwischen den Hustern, mit denen er die konsumierte Schlammbrühe wieder ausspie. Er stand bis zu den Knien in der braunen Brühe und wedelte mit den Armen. „Eisenmann!“ Unverhohlene Panik lag in seiner Stimme. Er machte einen Schritt nach vorne und sank bis zur Brust ein.
Mit Ruderbewegungen seiner Arme kämpfte er sich zum Ufer vor und stieg schließlich an Land. „Eisenmann!“, schrie er fast kläglich und versuchte sich den schlammigen Hang hochzuarbeiten. Dabei schaute er immer wieder nach hinten.
„Hä?“, machte Großauge und starrte Kurzbein an. „Wo Eisenmann?“
„Chef blöde“, sagte Kurzbein debil grinsend. „Nich mehr Chef. Ich jetzt Chef.“
„Ich jetzt Chef“, erwiderte Großauge drohend.
Im Schlammloch, dessen Wellengang sich gerade beruhigte, stiegen plötzlich Blasen auf. Es blubberte, als sie an der Oberfläche zerplatzten. Die Indios erstarrten. In der nun immer rascher fortschreitenden Dämmerung schob sich etwas hinter den Blasen her aus dem Schlamm, wurde immer größer. Ein metallener Schädel, von dem das Brackwasser in Strömen lief, und ein gewaltiger Oberkörper wuchsen in die Höhe. Der Stahlmensch wirkte noch bedrohlicher als seine Genossen.
„Schießt!“, brüllte Kurzbein.
Eine halbe Stunde zuvor
Langsam tauchte Miki Takeos elektronisches Bewusstsein aus dem Daten-Nirwana auf. Zuerst rief der Android die Protokoll-Routine, eine Art Blackbox, ab. Er erkannte, dass sein internes Reparaturprogramm schon vor Stunden plötzlich und unvermittelt angelaufen war, nach einem Impuls, der von außen gekommen und es reaktiviert hatte.
Das Schadensprotokoll zeigte an, dass relativ schwere Beschädigungen, vor allem in der Elektronik, zu beheben waren. Den Außensensoren zufolge befand er sich unter Wasser in einer schlammigen Brühe– die Analyse ergab ein Boden-Wasser-Algen-Gemisch, durchsetzt mit organischen Kleinorganismen –, die ihn vollständig umgab. Da Takeo momentan in relativer Sicherheit und keiner akuten Gefahr ausgesetzt war, ließ er seine restlichen Systeme inaktiv, um den Reparatur-Nanobots schnellere Erfolge zu ermöglichen. Derart angeschlagen wäre er ohnehin keine große Hilfe gewesen – für wen auch immer.
Was mit Matthew Drax und Xij geschehen war, entzog sich seiner Kenntnis. Der Logik nach hatten sie ihn aber noch in diesem Schlammloch versenken können, bevor sie sich zurückzogen; ansonsten hätte er an Bord des Shuttles erwachen müssen. Es war also ratsam, sich vorerst nicht zu rühren.
Die Schäden, die offenbar von einem EMP2) verursacht worden waren, schienen nicht so schwerwiegend, als dass das Reparaturprogramm sie nicht würde beheben können. Vom Diagnose-Check las er eine in Aussicht gestellte 99-prozentige Schadensbehebung ab. In rund vierzehn Minuten würde er wieder hergestellt sein.
Doch was war während seiner Inaktivität geschehen? Er ging das Protokoll durch. Die letzte Aufzeichnung vor seinem Blackout besagte, dass während des Fluges sämtliche elektrischen Systeme im Mondshuttle ausgefallen waren – auch seine eigenen.
Wie lange Takeo schon in dem Sumpfloch lag, konnte er der Protokoll-Routine aufgrund des Komplettausfalls nicht entnehmen. Sie setzte erst mit dem neuerlichen Impuls ein, dessen Signatur er nicht identifizieren konnte, die aber offenbar den EMP gespiegelt hatte.
Dieser Impuls hat meine Reparatursysteme reaktiviert, dachte Takeo. Aber warum hat...




