E-Book, Deutsch, Band 7, 91 Seiten
Reihe: Nylons
Schwarz Nylons - Der Schwan
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95885-083-5
Verlag: Venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotische Phantasien - Band 7
E-Book, Deutsch, Band 7, 91 Seiten
Reihe: Nylons
ISBN: 978-3-95885-083-5
Verlag: Venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Nora Schwarz ist das Pseudonym der Autorin Britta Hasler. Sie wurde 1982 in Heilbronn geboren, studierte in Stuttgart Germanistik und Kunstgeschichte - und verdiente sich in dieser Zeit ihren Lebensunterhalt als Domina. Über die Erfahrungen im Sado-Maso-Studio schrieb sie den Bestseller »Lessons in Lack«, dem erotische Erzählungen und Romane, aber auch ein harter Krimi und historische Kriminalromane folgten. Inzwischen arbeitet Britta Hasler als freie Museumsführerin in modernen Kunstgalerien und als Autorin. Die Autorin im Internet: www.nora-schwarz.de Bei venusbooks erschienen bereits die Romane der erotischen NYLONS-Serie: »NYLONS: Harte Zeiten«, »NYLONS: Mademoiselle hat ein Geheimnis«, »NYLONS: Erziehung eines Diebes«, »NYLONS: Der Schwan«, »NYLONS: Das französische Mädchen« sowie der Dreiteiler »NYLONS: Gewagtes Spiel«, »NYLONS: Verbotenes Spiel« und »NYLONS: Gefährliches Spiel«. Die ersten drei Romane der Reihe sind auch im Sammelband »Dark Temptation - Gefährliches Spiel« erhältlich.
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Kapitel 2
Am nächsten Tag fuhr er mit dem Fahrrad zu der angegebenen Adresse etwas außerhalb von Hamburg, die in einem noblen Viertel mit herrschaftlichen Villen lag. Er fühlte sich mit seiner alten Jeansjacke und den ausgetretenen Turnschuhen etwas fehl am Platz. Hoffentlich interpretierte die schlagfertige Dame das nicht als unseriös. Aber Armin weigerte sich, sich zu verstellen. Bis jetzt war sein Kleidungsstil nie ein Hinderungsgrund für eine Anstellung als Privatpfleger gewesen.
Die angegebene Adresse war eine schlichte, weiße Villa mit hohen Fenstern und schmiedeeisernen Balkonen. Die hohen Bäume schienen das Haus mit ihren Kronen zu beschützen, und Armin ahnte, dass sich auf der Rückseite ein weitläufiger Garten befand.
Er klingelte, und er wappnete sich innerlich bereits gegen die verbitterte, harsche Frau, die er nach dem gestrigen Telefonat erwartete. Der Öffner surrte, und Armin drückte die Tür auf. Er betrat einen hallenartigen Eingangsbereich, von dem schwere Holztüren abgingen. Der Boden war mit schwarzem Marmor ausgelegt, und an der Wand hing ein prachtvoller Spiegel. Niemand war zu sehen.
„Hallo?“, rief er laut in die drückende Stille. Keine Antwort. Nicht einmal Schritte waren auf der geschwungenen Marmortreppe zu hören, die in den ersten Stock führte.
„Hey, Sie sollten nicht einfach jeden in Ihr Haus lassen!“, rief er. Und dann, als sich immer noch niemand meldete: „Mir gefällt Ihre Ming-Vase neben der Treppe übrigens sehr gut!“
Armin näherte sich der einzigen angelehnten Tür. Dahinter sah er einen Salon, eingerichtet mit schweren, aber modernen Möbeln und asiatischen Kunstgegenständen, Vasen, Buddha-Figuren und Holzschnitzereien. Er wollte gerade in den Raum treten und sich einfach auf das Sofa setzen, um nicht wie ein Dienstbote in der Halle zu warten, da hörte er hinter sich auf einmal ein leises Geräusch und fuhr herum. Ein kleiner Adrenalinstoß ließ seine Ohren heiß werden.
In der Halle stand ein Rollstuhl, und darin saß eine Frau. Armin unterdrückte ein überraschtes Geräusch. Er hatte sich einen alten, gebrechlichen Menschen vorgestellt, ein verblassendes Leben, Verbitterung und Schwäche. Und dahinter einen eifrigen Angehörigen mit gezwungenem Lächeln.
Doch wer ihn da von unten ansah, glich keinem seiner bisherigen Schützlinge. Die Frau war wahrscheinlich erst Mitte 30. Glatte, gepflegte Haut, ein frisches Rot auf den geschwungenen Lippen. Sie trug ein langes, dunkelblaues Kleid aus enganliegender dünner Wolle, das sich an einen erstaunlich gut definierten Körper schmiegte. Doch darunter sah er die Umrisse von kraftlosen, dünnen Beinen.
Sie saß geradezu majestätisch in ihrem Rollstuhl, und der Blick von unten wirkte überhaupt nicht hilflos und bittend. Im Gegenteil. Seltsamerweise fühlte sich Armin unbeholfen, wie er da vor ihr stand, und spürte in sich den Impuls, sich auf die Knie herabzulassen, um der Frau auf gleicher Höhe zu begegnen. Sie war wie eine Katze, die einen mit der ganzen Macht ihrer geheimnisvollen Aufmerksamkeit fixiert.
„Guten Tag“, sagte Armin mit etwas belegter Stimme und streckte der Frau die Hand entgegen. Sie ergriff diese betont langsam und drückte sie nur ganz kurz.
„Armin Strauch“, erwiderte sie und betrachtete ihn von oben bis unten. „Wir haben telefoniert. Da dachten Sie, dass ich die temporäre Pflegekraft bin oder eine überforderte Tochter, nicht?“
Er räusperte sich. „Nun, ich dachte tatsächlich, dass Sie jemand …“
„Was?“
„… dass Sie anders sind.“
„Wie denn? Alt, gebrechlich und launisch?“
Armin lachte leise. „Launisch trifft es ziemlich gut.“
„Tja, ich sehe schon. Aus Ihren bisherigen Beschäftigungsverhältnissen sind Sie wahrscheinlich eine andere Art von Klientel gewohnt. Damit werden Sie bei mir nicht weit kommen.“
Darauf wusste Armin nichts zu erwidern. Er kannte das so gut. Manche Menschen mit körperlichen Einschränkungen versuchten, diese durch herrisches Verhalten zu kompensieren. Hier enttäuschte es ihn jedoch.
Die Frau winkte ihn zu sich und bedeutete ihm, sich herabzubeugen. Als er vor ihr in die Hocke ging, sah er, dass sie hellgrüne Augen hatte. Ihr weich geformter Mund zuckte nun belustigt, konnte aber kaum den strengen Zug kaschieren, der um ihn lag.
„Sie müssen verstehen, dass es für mich sehr amüsant ist, zu beobachten, mit welchen Erwartungen verschiedene Pfleger hierherkommen. Und glauben Sie mir, ich sehe sofort, ob sie meinen Anforderungen gerecht werden. Und die haben nichts mit Herumschieben im Park und Fußpflege zu tun.“
„Sie sind anspruchsvoller?“, fragte Armin.
Statt einer Antwort ergriff die Frau seinen Arm und tastete nach seiner Hand. „Sie haben doch keine Berührungsängste?“
Sie inspizierte seine Hand, betastete seine Finger, als würde sie auf dem Markt Gemüse prüfen, und ließ sie dann wieder fallen. Armin schluckte. So begutachtet zu werden, fühlte sich seltsam an. Am liebsten hätte er sie gefragt, ob sie sich auch sein Gebiss anschauen wollte, wenn sie schon mal dabei war. Aber sie nickte in Richtung der angelehnten Tür.
„Machen Sie sie auf. Wir werden Tee zusammen trinken.“
„Haben Sie auch irgendwas mit Zucker und Kohlensäure?“
Die Frau überging seine Frage. Seine Hände zuckten aus reiner Gewohnheit nach den Griffen des Rollstuhls, doch sie war schneller und schob sich von ihm fort.
Im Salon stand auf einem groben Holztisch ein chinesisches Teeservice aus jadegrünem Porzellan. Auf einer Anrichte daneben dampfte ein Samowar. Armin erwartete, dass sogleich ein Dienstmädchen hereineilen und ihnen den Tee servieren würde. Aber die Frau schob ihren Rollstuhl an die Anrichte und bereitete ihn selbst zu. Mit einem weiteren Nicken bedeutete sie Armin, sich zu setzen. Sein erster Impuls gebot ihm, ihr zu helfen, aber er ahnte, dass sie das nicht zulassen würde. Also sah er dabei zu, wie sie mit langen, gepflegten Händen Tee aus einer Dose in eine Kanne gab und sie unter den heißen Wasserstrahl des Samowars stellte. Die Bewegungen ihrer Finger waren elegant und grazil.
Ohne ihn anzusehen, sagte sie: „Es besteht Hoffnung für mich, Herr Strauch. Ich bin noch nicht verloren.“
Armin nickte und betrachtete ihr Profil. Die Frau trug die Haare wie auf einer alten Fotografie im Nacken zu einer anmutigen Rolle gedreht. Ihr Gesicht war scharf gezeichnet, und er sah darin den erlittenen Schmerz. Aber auch eine unglaubliche Willenskraft.
Sie fuhr fort: „Ich weiß auch nicht, wie ich auf die Idee kam, bei meinem verrückten Bruder aufs Motorrad zu steigen. Dabei hasse ich hohe Geschwindigkeiten …“
Ihr Ausdruck wurde nachdenklich. „Ich hätte auch tot sein können. Das ist jetzt zwei Jahre her. Zwei Jahre und sechs Operationen. Und nun …“
Armins Hals wurde ein wenig eng. „Und Ihr Bruder?“
„Der fährt schon wieder Rallyes.“ Sie lächelte knapp.
Dann nahm sie das Teesieb aus der Kanne und legte den Deckel darauf.
„Wären Sie so freundlich?“ Sie rollte zurück, und Armin sprang auf. Er nahm die Kanne von der Anrichte und trug sie zum Tisch. Er wollte ihr einschenken, aber sie nahm ihm die Kanne aus der Hand. Ihre grünen Augen streiften Armin über dem ebenso grünen Strahl des Tees, den sie in seine Tasse goss. „Nun bin ich bereit, die Erfahrung einjähriger Kinder nachholen zu dürfen und wieder laufen zu lernen.“
Armin griff nach seiner Teetasse. „Das ist wunderbar. Sie sind sicher voller Tatendrang.“
Sie lehnte sich zurück und fixierte ihn. „Sind Sie der Richtige für so einen Neubeginn?“
Armin spürte, dass die Frau ihre Lage nicht weiter vor ihm ausbreiten würde. Jetzt war er an der Reihe. „Ich bin examinierter Physiotherapeut und arbeite seit fünf Jahren in der Privatpflege.“
Sie nickte. „Das sagten Sie schon.“
„Tja, ich habe zehn Jahre nichts anderes getan, als Menschen wie Ihnen das Laufen wieder beizubringen. In verschiedenen renommierten Reha-Kliniken.“
„Und waren Sie darin erfolgreich?“
Armin runzelte die Brauen und trank einen Schluck Tee. Er schmeckte anders als alles, was er bisher getrunken hatte. Doch zu seiner Überraschung gefiel ihm der grasige Geschmack.
„Ich habe eine Gegenfrage für Sie: Sie wissen, dass zu einer erfolgreichen Therapie zwei gehören?“
Die Frau machte ein leicht verächtliches Gesicht. „Jaja, ich kenne diese Geschichten, dass Menschen, die vor so einer Aufgabe stehen, sich unbewusst dagegen sträuben, weil sie es insgeheim genießen, hilflos zu sein. Aber so jemand bin ich nicht.“
„Das hatte ich auch nicht vermutet.“ Er lächelte ihr offen ins Gesicht, aber sie blieb verschlossen wie eine Auster.
„Ich habe einen sehr starken Anreiz, so bald wie möglich wieder auf meinen Beinen zu stehen“, sagte sie. „Und ich will, dass mein persönlicher Therapeut mir diesen Anreiz immer wieder vor Augen führt!“
Sie sprach betont ruhig und selbstbewusst, aber Armin spürte die Dringlichkeit hinter ihren Worten.
„Sie wollen gewiss wieder anfangen zu arbeiten“, vermutete er.
„Ich muss nicht laufen können, um zu arbeiten“, erwiderte sie mit provozierender Leichtigkeit. „Ich will...




