See | Die rote Klinge | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 471 Seiten

Reihe: Ein Fall für Liu Hulan und David Stark

See Die rote Klinge

Thriller: Ein Fall für Liu Hulan und David Stark 1 | Der Mord an politischen Eliten erschüttert China
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-424-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller: Ein Fall für Liu Hulan und David Stark 1 | Der Mord an politischen Eliten erschüttert China

E-Book, Deutsch, Band 1, 471 Seiten

Reihe: Ein Fall für Liu Hulan und David Stark

ISBN: 978-3-98690-424-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Hochrangige Mordopfer und ein internationales Ermittlerteam: Der packende Thriller »Die rote Klinge« von Lisa See jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn das zerbrechliche Gleichgewicht zwischen zwei Staaten ins Wanken gerät ... Als in Beijing der Sohn des amerikanischen Botschafters und vor der Küste Kaliforniens ein sogenannter »roter Prinz«, der zu den politischen Eliten Chinas gehört, ermordet aufgefunden werden, vermuten die Regierungen der Opfer einen Zusammenhang zwischen den Fällen. Der für ihre ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden bekannten Inspektorin Liu Hulan und dem amerikanischen Staatsanwalt David Stark bleibt nicht viel Zeit, diesen Fall von internationaler Tragweite gemeinsam zu lösen - und so sehen sie sich bald einer brisanten Verschwörung von chinesischer Mafia, Regierungsmitgliedern und skrupellosen Wirtschaftsbossen gegenüber... »Die rote Klinge« wurde mit der »Notable Book«-Auszeichnung der New York Times und einem Platz auf der »Best Books List« der auf der Los Angeles Times ausgezeichnet - Publishers Weekly schrieb: »Komplex und spannend - dieser Debüt-Thriller ist herausragend! See kennt die subtilen und komplexen politischen und sozialen Unterschiede zwischen China und Amerika, lässt dies in die gut ausgearbeiteten Charaktere einfließen - und krönt das Ganze mit einer spannenden Handlung!« Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Thriller »Die rote Klinge« von Lisa See ist der erste Fall für ihr amerikanisch-chinesisches Ermittlerteam Liu Hulan und David Stark. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Lisa See entstammt einer chinesisch-amerikanischen Familie. Sie wurde in Paris geboren und wuchs in Los Angeles in Chinatown auf. Dreizehn Jahre lang arbeitete sie als Journalistin für Publishers Weekly. Später betreute sie als Kuratorin mehrere große Ausstellungen, die sich mit interkulturellen Beziehungen zwischen Amerika und China beschäftigen. Bereits ihr erstes Buch, eine Biographie ihrer Familie, war ein internationaler Bestseller und erhielt die »Notable Book«-Auszeichnung der New York Times. Dieselbe Auszeichnung bekam sie auch für ihren bald darauf folgenden ersten Thriller »Die rote Klinge«. Sie wurde als »National Woman of the Year« ausgezeichnet, erhielt den »Chinese American Museum's History Makers Award« und den »Golden Spike Award« in Kalifornien. Mit ihrem Roman »Der Seidenfächer« gelang ihr ein Weltbestseller, der auch verfilmt wurde. Heute lebt sie in Los Angeles. Die Website der Autorin: https://www.lisasee.com/ Bei dotbooks veröffentlicht Lisa See die historischen Romane »Der Seidenfächer« und »Eine himmlische Liebe«, außerdem »Töchter aus Shanghai« und »Tochter des Glücks« aus ihrer Reihe um »Die Frauen von Shanghai«. Zudem erscheint bei dotbooks auch ihre Thrillerreihe um die Polizistin Liu Hulan und den Staatsanwalt David Stark mit den Bänden »Die rote Klinge«, »Der Feuerdrache« und »Tod am Jangtse«.
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Kapitel 1


10. Januar
Beihai-Park

Wing Yun hielt die Hand seiner Enkelin fest umfaßt, während er sie mit langsamen, rhythmischen Gleitbewegungen über die gefrorene Weite des Beihai-Sees leitete, der unmittelbar vor den Mauern der Verbotenen Stadt lag. Am gegenüberliegenden Ufer sah Wing Yun die Junior-Eisschnelläufer von Peking ihr intensives Intervall-Training durchführen. Hinter der trainierenden Mannschaft lag, umgeben vom Dunst der Kohlerauchschwaden und in schwere, graue Wolken gehüllt, der Pavillon der Fünf Drachen und der Kleine Westliche Himmel. In der Nähe der Sportler, auf dem Spazierweg, der um den See führte, waren einige alte Leute mit Bambusbesen damit beschäftigt, die wenigen in der Nacht gefallenen Schneeflocken fortzufegen. Das feste, harte Eis unter den Kufen seiner alten Schlittschuhe und die Art, wie sich die Luft bei jedem Atemzug aufblähte und dampfte, ließen Wing Yun vermuten, daß es mindestens 15 °C kalt war und es an diesem Tag auch nicht wesentlich wärmer werden würde.

Wing blieb lieber auf dieser Seite des Sees unweit des Parkeingangs, wo sich die alte Runde Stadt an die ehemalige Festung schmiegte, die einst die Residenz des Mongolenherrschers Kublai Khan geschützt hatte. In unmittelbarer Nähe des Ufers und über eine Fußgängerbrücke erreichbar lag die Jade-Insel. Im Sommer schlenderte Wing Yun am liebsten über ihre überdachte Promenade und rastete in den Pavillons am Wegesrand. Wenn es nicht zu heiß oder zu schwül war, kletterte er dann auf den Hügel mit dem zwiebelförmigen Heiligtum im tibetischen Stil, das 1651 zu Ehren des ersten Besuchs des Dalai Lama erbaut worden war.

Wing Yun blieb mit seiner Enkelin in Hörweite der Lautsprecher. Über die gefrorene Ebene des Sees erklang altmodische Tanzmusik. Hier und da tanzten Paare Tango oder Walzer. Einige steckten kichernd die Köpfe zusammen, andere liefen händchenhaltend über das Eis. Ach, dachte Wing Yun bei diesem Anblick, wie sich die Dinge doch ändern. Als ich jung war, durfte niemand, aber wirklich niemand in der Öffentlichkeit Händchen halten. Selbst jetzt fragte er sich, was die Eltern dieser Paare wohl sagen würden, wenn sie sähen, wie dreist sich ihre Kinder vor ..., nun, vor so vielen Bürgern benehmen. Auf dem See tummelten sich lachend und miteinander scherzend zahlreiche Familien – Mama, Papa, Großeltern, Tanten, Onkel und unzählige Kinder. Sie gaben ein buntes Bild ab, eingemummelt in die altmodisch gefütterten, blauen Jacken oder in ihre farbenfrohen, westlichen Mäntel, Handschuhe und Muffs. Viele der kleineren Kinder, denen es noch schwerfiel, das Gleichgewicht zu halten, hielten sich an Holzstühlen auf Kufen fest. Strahlend ließen es sich die Großeltern gefallen, von ihren Enkeln auf solchen Stühlen umhergeschoben zu werden.

Wing Yun kannte viele der Schlittschuhläufer, obwohl auch heute, wie üblich, einige darunter waren, die sich zum ersten Mal auf das Eis wagten. So wären seine Enkelin und er beinahe von zwei unbekannten Soldaten umgefahren worden. Wing Yun verkniff sich eine Standpauke, als er merkte, daß die beiden vom Lande kamen, möglicherweise aus Südchina, und Schnee und Eis wahrscheinlich zum ersten Mal sahen.

Wing Yun und Mei Mei hatten in diesem Winter bereits viele Tage gemeinsam im Beihai-Park verbracht. Das Mädchen war ihm eine gute Gefährtin. Sie mochte die Stille und schien häufig genauso in ihre Gedankenwelt versunken zu sein wie er in die seine. Jetzt spürte er, wie ihre behandschuhten Finger in seiner Hand ungeduldig wurden. Sie wollte allein weiterlaufen, aber er zögerte noch, ihre Hand freizugeben.

»Sing mir ein Lied, Mei Mei«, sagte er. »Sing mir das Lied vom Eis.«

Sie schaute zu ihm auf. Ihr Schal war so hoch gebunden, daß er ihn herunterstreifen mußte, um ihre vor Kälte rosa angehauchten Wangen sehen zu können. Sie lächelte ihm zu und begann, ›Neun, neun‹ zu singen, ein Lied, das die neun Phasen des Winters aufzählte und vor den Gefahren dieser Jahreszeit warnte. Wing Yun kannte das Lied seit seiner Kindheit; jeder, der in Nordchina aufgewachsen war, kannte das Lied.

»Eins neun, zwei neun: Hände sind versteckt«, sang sie mit einer Stimme, die ebenso klar wie die Nachmittagsluft war. »Drei neun, vier neun: Das Eis ist fest. Fünf neun, sechs neun: die Weiden sind zu sehn. Sieben neun, es kracht das Eis, acht neun, die Schwalben sind zurück.«

Wing Yun fiel in die letzte Strophe mit ein. »Neun neun und ein ›neun‹ dazu, die Ochsen durchlaufen das Feld im Nu.«

Nachdem die letzten Töne in der eisigen Stille verklungen waren, fragte Wing Yun: »In welchem ›neun‹ sind wir jetzt, Mei Mei?«

»In drei neun, weil das Eis gut ist und wir darauf laufen können.«

»Richtig. Und was passiert bei sieben neun?«

»Großvater!« sagte sie empört. »Ich verspreche dir, daß ich dann nicht aufs Eis gehe. Das sage ich dir jedes Jahr.«

»Ich möchte doch nur, daß du auf dich aufpaßt«, erwiderte er.

»So, meinst du denn, daß du schon alleine laufen kannst?«

Ein schüchternes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihr Großvater sah, wie sie voller Erwartung tief Luft holte. Sie hielten an, und er gab ihre behandschuhte Hand frei. Ihre ersten Gleitschritte waren noch etwas wackelig, doch mit jeder Bewegung wurde sie sicherer.

»Geh nicht so weit in die Mitte«, rief er ihr nach, obwohl er wußte, daß das Eis zu dieser ›drei neun‹-Zeit im Januar auch dort fest war. Gehorsam verlangsamte seine Enkelin die Fahrt und nahm dann Kurs auf eine verlassene Ecke des Sees in Ufernähe. Während Wing Yun ihr folgte, bemerkte er, wie wenig zerkratzt das Eis an dieser Stelle war. Es ist schon merkwürdig, dachte er, wie sehr die Menschen zusammenhocken: Die Rennläufer auf der einen Seite des Sees, die einzelnen Familiengruppen in der Nähe des Haupteingangs und dazwischen niemand.

Kurz bevor Mei Mei die Uferböschung erreichte, verlor sie das Gleichgewicht. Mit wild rudernden Armen versuchte sie noch, ihre Balance wiederzugewinnen, bevor sie schließlich doch auf das Eis stürzte. Sie fiel hart. Wing Yun zögerte. Würde sie weinen? Das kleine Mädchen setzte sich auf, starrte vor sich auf das Eis und stimmte ein schrilles Geschrei an, das die romantische Walzermusik, die vertraulichen Unterhaltungen der jungen Liebespaare und die Scherze der Familien übertönte. Schnell glitt Wing Yun über das Eis zu seiner Enkelin. Als er bei ihr anlangte, hätte er selbst auch schreien mögen. Vor seiner Enkelin lag, eingeschlossen im Eis, ein Mann. Er starrte Wing Yun und Mei Mei aus offenen und blicklosen Augen an. Es war ein weißer Geist, ein fremder Teufel, ein Weißer.

Zwei Stunden später erschien Liu Hulan auf der Bildfläche. Seit der Entdeckung der Leiche hatte sich die Stimmung auf dem See dramatisch verändert. Sämtliche Schlittschuhläufer mußten das Eis verlassen und wurden in einem der Pavillons am Ufer als Zeugen festgehalten. Polizisten hatten das Areal rund um den Tatort abgeriegelt. Innerhalb dieses Kreises erblickte Hulan ein paar Männer in Zivil, von denen einige nach Spuren suchten, während andere mit einem Mann und einem kleinen Kind sprachen. Genau in der Mitte des Zirkels beugte sich ein Mann über eine dunkle Gestalt, die neben einem Eishaufen lag. So sah es zumindest aus. Liu Hulan seufzte, zog ihren Schal und den Kragen ihres lavendelfarbenen Daunenmantels höher und betrat das Eis.

Liu Hulan schien die Aufregung, die ihre Ankunft unter den Männern verursachte, nicht zu bemerken. Wenn diese Männer den Mut gehabt hätten, auszusprechen, was ihre Aufmerksamkeit so erregte, dann hätten sie womöglich gesagt, Liu Hulan sei zu gutaussehend für diese Art von Job; sie ziehe sich anders an als die meisten Frauen; sie sei eitel und verkehre nicht gerne mit den anderen. Mit diesen Antworten hätten die Männer erfolgreich vom brisanten Thema Sex abgelenkt und wären auf das sichere Thema politische Kritik umgeschwenkt, das sie so gut kannten.

Es wäre ein leichtes gewesen, Liu Hulan aufgrund ihrer äußeren Erscheinung zu kritisieren, wenn sie nicht solch ein Desinteresse für den westlichen Stil, wie er seit einigen Jahren in der Stadt en vogue war, an den Tag gelegt hätte. Sie zog es vor, sich im vorrevolutionären Stil zu kleiden: lange Röcke, die ihre schlanke Figur umschmeichelten, und cremefarbene, bestickte Seidenblusen in einem altmodischen chinesischen Schnitt. Im Winter trug sie Kaschmirpullover, die in Dörfern an der Grenze zur Mongolei hergestellt und in ruhigen Farben wie korallfarben, aquamarin und winterweiß gehalten wurden. Diese Farben brachten ihren Teint zur Geltung, der sämtliche von alters her überlieferten, poetischen Frauenbeschreibungen ins Gedächtnis rief: Ihre Haut leuchtete wie feines Porzellan, war so zart wie Rosenblüten und so weich wie Glückspfirsiche.

Liu Hulan hätte über solche Vergleiche gelacht. Sie machte sich nichts aus ihrer Schönheit. Sie schminkte sich nicht und ließ sich auch keine Dauerwelle in ihr schwarzes Haar machen, das ihr mit seinem einfachen, geraden Schnitt bis knapp über die Schultern ging. Wie ein seidiger Vorhang umrahmte es ihr Gesicht. Ein paar Strähnen standen allerdings immer wild ab, als stünden sie unter Strom. Schon häufiger hatten Männer das Bedürfnis verspürt, diese Strähnen mit der Hand zu glätten, doch keiner ihrer Kollegen hätte es jemals gewagt, Inspektor Liu Hulan auch nur zufällig zu berühren.

Als sie die abgesperrte Fläche erreichte, zeigte sie ihren Ausweis vom Ministerium für Öffentliche Sicherheit vor und wurde durchgelassen. Die wenigen Schritte, die sie noch vom Tatort trennten, nutzte sie, um sich für das zu wappnen, was sie gleich zu sehen bekäme. Obwohl sie seit elf Jahren für das Ministerium für...



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