E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Reihe: Star Wars
Segura Star Wars: Poe Dameron - Freier Fall
Neuauflage 2020
ISBN: 978-3-7367-9904-2
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Reihe: Star Wars
ISBN: 978-3-7367-9904-2
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als der hitzköpfige Pilot noch ein hitzköpfiger Teenager war! In diesem mitreißenden Jugendroman lernen wir Poe Dameron, einen der größten Helden der neuen Kino-Episoden, näher kennen.
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4. KAPITEL
Wie erwartet entdeckte L’ulo L’ampar Poe Dameron auf dem Weg zu den Dockbuchten – seine übliche Fluchtroute.
L’ulo brachte seinen Landspeeder rechts neben Poe zum Stillstand, als der junge Mann zu ihm herumwirbelte. Sein Gesichtsausdruck spiegelte Zorn wider, vermischt mit Furcht und Scham, und seine Haltung wirkte steif, als würde ihm jede Bewegung Schmerzen bereiten. Er kam nicht auf den Speeder zu. L’ulo erwartete halb, dass er einfach weiterrennen würde.
Aber das Band zwischen ihnen war stark, sagte er sich. Der Junge würde auf ihn hören.
Er hatte nicht mit Kes gesprochen, trotzdem wusste er, was geschehen war; seine Kollegen aus der Wachstation von Yavin 4 hatten ihn über Poes kleinen Ausflug und die darauf folgende Bruchlandung informiert. L’ulo gestattete sich einen Moment der Trauer um Sharas alternden A-Flügler, aber dieses Gefühl wich schon bald der Erleichterung, dass Poe unverletzt war. Sicherlich hatte Kes seinen Sohn darauf aufmerksam gemacht, wie knapp er dem Tod von der Schippe gesprungen war, aber L’ulo wusste auch, dass Kes’ Stimme für den Jungen zu einer Art statischem Rauschen geworden war. Nun, vielleicht konnte man ja auf einem anderen Kanal zu ihm durchdringen.
„Poe“, rief L’ulo mit klarer, fester Stimme. „Was ist los?“
Poe schüttelte den Kopf, als wüsste er bereits, auf welcher Seite L’ulo stand.
„Nicht du auch noch“, sagte er. Die Worte klangen mehr wie eine Frage als eine Aussage. „Ich hatte genug Vorhaltungen für einen Tag.“
„So ist es nicht, Kleiner. Du kennst mich doch.“ L’ulo bemühte sich, seinen Tonfall ruhig zu halten. „Lass uns reden.“
„Ich will nicht reden. In Ordnung, L’ulo? Ich will es nicht wieder in Ordnung bringen“, entgegnete Poe.
Er wirkte schrecklich aufgewühlt. Seine Augen waren weit, das Hemd klebte ihm verschwitzt an der Brust. Der Junge hatte eine Nahtoderfahrung und vermutlich auch einen epischen Streit mit seinem Vater hinter sich – L’ulo wusste, dass Poe Kes im gleichen Maße liebte und hasste. Er war innerlich zerrissen, eine gequälte Seele, und L’ulo war sich nicht sicher, ob er ihm helfen konnte.
„Red mit mir, Kleiner“, sagte er, wobei er Poe mit einer Geste bedeutete, zu seinem Speeder herüberzukommen. Zögerlich folgte der Junge der Aufforderung, und L’ulo verpasste ihm einen leichten Klaps auf die Wange – ein Zeichen der Freundschaft. „Ich bin nicht irgendein Bauer, weißt du? Ich habe da draußen einiges erlebt.“ Er deutete mit dem Kinn zum nächtlichen Himmel hoch. „Mit deiner Mutter. Mit der Rebellion. Dieser Mond ist dir zu langweilig? Na, dann frag mich mal. Aber …“
Poe wich zurück.
„Nein, kein aber“, blaffte er. „Ich habe die Nase voll davon, mit dir zu diskutieren. Oder mit meinem Vater. Dieser Ort …“
Er breitete die Arme aus und drehte sich im Kreis, wie um zu sagen: Sieh dich doch nur um.
„Hier gibt es nichts für mich, verstehst du? Ich will kein Bauer sein. Ich will nicht wie Papa leben oder die Felder bestellen oder meine Tage mit stiller Introspektion verbringen.“ Poes Finger schlossen sich so fest um die Seitenwand des Speeders, dass seine Knöchel weiß hervortraten. „Ich will sehen, was da draußen ist. Ich will etwas tun. Etwas Bedeutsames. Ich will fliegen, andere Welten sehen, so wie …“
„So wie Shara“, nickte L’ulo. „Ich weiß, Kleiner. Ich weiß.“
Poe blickte auf seine Füße hinab, dann wandte er sich ab und trat nach der Erde. Es war offensichtlich, dass er nicht wusste, was er sonst machen sollte.
„Warum versteht er es nicht, L’ulo?“, fragte er. „Warum lässt er mich nicht einfach gehen?“
„Kannst du es ihm verübeln? Du bist alles, was er hat.“
„Und er ist alles, was ich habe“, seufzte Poe, wobei er sich wieder zu seinem Freund herumdrehte. „Aber was erwartet Papa? Dass ich ewig hierbleiben und mit ihm auf der Veranda herumsitzen werde?“
„Ich bezweifle, dass er so weit vorausgedacht hat“, erwiderte L’ulo. „Aber er will dich beschützen.“
„Er will nicht, dass ich so sterbe wie Mama“, entgegnete Poe. „Im All. Allein.“
„Richtig.“
„Aber das werde ich nicht“, sagte Poe. Seine Stimme zitterte, als wäre er sich da selbst nicht so sicher. „Ich kann fliegen. Sie hat es mir beigebracht. Und du hast auch geholfen. Du weißt, dass ich es kann. Ich bin gut.“
L’ulo nickte. Es stimmte. Der Junge hatte Talent. Natürlich brauchte er noch jede Menge Feinschliff, aber er hatte alles, was einen großartigen Piloten auszeichnete. Alle Elemente waren vorhanden: das Selbstvertrauen, der Wille, die Furchtlosigkeit, die Fähigkeit, komplexe technische Konzepte blitzschnell in die Tat umzusetzen. Alles, was er jetzt noch brauchte, war eine Chance.
Hätte Shara Bey ihm diese Chance gegeben?
L’ulo schaltete die Antriebe des Landspeeders ab und stieg aus.
Die Antwort auf die Frage hallte in seinem Kopf wider, aber er wollte sie nicht hören. Sein Instinkt sagte ihm, dass Poes Sicherheit vorging. Dass er hier auf Yavin 4 bleiben sollte – schließlich war es das, was Kes wollte.
Die echte Antwort war komplizierter, wie ihm klar wurde, während er auf den Jungen zuging, den er liebte wie seinen eigenen Sohn.
„Hat deine Mutter dir je von Endor erzählt, Poe?“, fragte L’ulo. Er setzte sich auf den Boden und bedeutete dem Jungen, ebenfalls Platz zu nehmen. „Über die letzte Raumschlacht?“
„Beim Todesstern?“ Poe kniete sich neben ihn. „Nein, nicht wirklich. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste.“
L’ulo erinnerte sich noch gut an ihren Angriff auf den zweiten Todesstern, an die Freunde, die sie dabei verloren hatten. Daran, wie sie erst alle Hoffnung verloren hatten, nur um dann plötzlich den Sieg davonzutragen. An die euphorische Siegesfeier auf dem Waldmond. All das fühlte sich an, als wäre es erst gestern passiert, gleichzeitig aber auch, als wäre es schon Jahrhunderte her. Sie hatten einen scheinbar unbesiegbaren Riesen in die Knie gezwungen. L’ulo hatte das Gefühl gehabt, als gäbe es nichts, was sie nicht erreichen könnten.
„Nach der Schlacht, nachdem wir gewonnen hatten“, sagte er, wobei er seine Worte vorsichtig abwog; er wusste, welche Wirkung sie haben könnten. „Da hat deine Mutter regelrecht gestrahlt. Sie war … so lebendig. Und dein Vater auch. Er war müde, aber er war auch erleichtert und froh und gespannt auf die Zukunft. Wir wussten, dass es noch viel Arbeit für uns gab. Das Imperium war noch nicht gänzlich besiegt. Aber wir hatten dem Monster den Schädel abgeschlagen, und jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Körper zu zucken aufhörte.
Ich wusste – das heißt, wir alle wussten –, dass sich deine Mutter und dein Vater früher oder später zur Ruhe setzen würden“, fuhr L’ulo fort. „Wir wussten, dass sie dich an einem sicheren Ort großziehen wollten. Sie wollten dich nicht nur zwischen ihren Missionen sehen oder, schlimmer noch, … überhaupt nicht.“
Poe wirkte wie hypnotisiert. Er hing L’ulo förmlich an den Lippen.
„Unsere Arbeit war unglaublich riskant, Poe“, erklärte der Duros. „Es bestand immer die Möglichkeit, dass wir nicht von einer Operation zurückkehrten. Dass dort, wo gerade noch unser Schiff war, plötzlich nur noch Staub durchs All wehen würde. Deine Eltern wussten das.“
„Also wollten sie nicht länger mit der Gefahr leben?“, fragte Poe in beinahe flehentlichem Tonfall. „Willst du mir das damit sagen?“
L’ulo hob die Hand. Lass mich ausreden, sagte die Geste.
„Sie wollten für dich da sein. Das war wichtiger als alles andere – ihre Abenteuerlust, ihr Pflichtgefühl, ihr eigenes Leben“, erklärte er. „Aber als ich deine Mutter in einem ruhigen Moment zwischen all dem Chaos und den Feierlichkeiten fragte: ‚Wie wird es sich wohl anfühlen, nicht mehr da draußen zu sein, Shara? Nicht mehr zwischen den Sternen zu fliegen und jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben?‘, da drehte sie sich herum und starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren.“
„W-was hat sie gesagt?“
„Sie sagte: ‚Ich werde immer da draußen sein, L’ulo. Ich werde immer zwischen den Sternen sein – und fliegen.‘“ L’ulo ließ die Worte genau abgemessen über seine Zunge rollen. Er wusste, dass Poe im Moment besonders verletzlich war, und alles, was er gerade sagte, könnte mehr schaden als nützen, sollte der Junge es falsch verstehen. Aber er hatte das Gefühl, dass er es Shara schuldig war und dass sie dasselbe getan hätte, wäre sie jetzt hier. „Sie kannte das Risiko, und sie wusste, welchen Preis sie womöglich zahlen würde, wenn sie ignorierte, was sie durch harte Arbeit aufgebaut hatte – ihre Familie, ihr Leben –, nur um Abenteuern und Nervenkitzel hinterherzujagen.“
„Versuch nicht, diplomatisch zu sein, L’ulo“, forderte Poe mit einem Kopfschütteln. „Das ist nicht dein Stil. Abgesehen von meinem Vater gibt es niemanden, der meine Mutter besser kannte als du. Hör auf, um den heißen Brei herumzureden. Ich will die Wahrheit wissen.“
„Ich weiß nicht, was …“
„Doch, das weißt du“, entgegnete Poe. Er starrte L’ulo an, ohne zu blinzeln. Es war offensichtlich, dass er nicht nachgeben würde. „Du weißt genau, was meine Mutter tun würde, und Kes weiß es auch. Sie wollte Abenteuer. Sie wollte den Nervenkitzel. Sie war eine Heldin, die keinem Risiko und keinem Kampf aus dem...




