Shepherd | The Cage - Gejagt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: The Cage-Serie

Shepherd The Cage - Gejagt

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-19216-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: The Cage-Serie

ISBN: 978-3-641-19216-7
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sind dem Käfig entkommen - aber lang noch nicht frei

Cora und ihre Gefährten dachten eigentlich, sie hätten das Schlimmste überstanden. Doch sie haben ihren einstigen Käfig nur gegen einen Safaripark eingetauscht. Inmitten von Raubtieren müssen sie sich nun in einer gefährlichen Wildnis behaupten. Immer beobachtet von den geheimnisvollen Kindred. Und auch dem Pärchen Nok und Rolf geht es nicht besser: In einer Art von gigantischem Puppenhaus werden sie Tag und Nacht von ihren Entführern überwacht. Während Leon, der einzige, dem die Flucht gelungen ist, verzweifelt nach Verbündeten sucht, muss Cora sich entscheiden: Kann sie ihrem unwirklich schönen Wächter Cassian, der sie verraten hat, noch einmal trauen?

Die packende Fortsetzung des großen Abenteuers.



Megan Shepherd ist in den Bergen von North Carolina aufgewachsen. Die meiste Zeit verbrachte sie bereits als Kind in der Buchhandlung ihrer Eltern. Nach ihrem Studium (Kulturwissenschaften und Sprachen) ging sie für zwei Jahre in den Senegal, wo sie Kinder in Dorfschulen unterrichtete. Dabei entdeckte sie ihr großes Talent zum Geschichtenerzählen. Megan Shepherd lebt mit ihrem Mann auf einer Farm in North Carolina.

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1 – Cora

Sechs Schritte lang, sechs Schritte breit.

Cora musste ihre Zelle schon hundert Mal durchschritten haben. Es gab keine Uhr. Keine Fenster. Sie hatte nicht den blassesten Schimmer, ob sie seit drei oder dreizehn Tagen eingesperrt war – nicht, dass die Zeit auf der Raumstation auf dieselbe Weise wie auf der Erde verstreichen würde. Die einzigen Gegenstände im Raum waren eine steife Plastikdecke, die sich immer kalt anfühlte, eine Toilette, ein Wasserspender zum Trinken und eine grelle Deckenleuchte, die immer brannte.

In der Ecke kauernd, die Beine fest an die Brust gezogen, presste Cora die gespreizte Hand auf das schwarze Fenster in der Wand. Ihre Nägel wirkten auf der glatten Oberfläche sogar noch eingerissener und abgekauter.

Wir haben euch zu eurem eigenen Wohl hergebracht, hatten die Kindred erklärt.

Wir sind eure Retter, hatten sie gesagt.

Sie drückte ihre Finger auf das schwarze Glas, einen nach dem anderen, einen für jeden der fünf Freunde, die sie verloren hatte. Lucky. Leon. Nok. Rolf. Mali. Noch vor wenigen Wochen waren sie Fremde gewesen, alle miteinander gefangen auf einer künstlichen Erde, wo sie wie wilde Tiere hinter Gittern beobachtet wurden. Das Experiment war kläglich gescheitert.

Ebenso wie Coras Fluchtversuch.

Wie dumm, dachte sie, zu glauben, ich könnte ihnen entkommen.

Als sie die Hand vom Fenster nahm, blieb ein feuchter Abdruck ihrer Finger auf dem Glas zurück, bevor auch dieser verschwand.

Fünf graue Flecken gegen die Dunkelheit.

Fünf Sterne gegen einen dunklen Himmel.

Fünf Noten, die der Beginn eines Lieds sein könnten.

Aber nicht so dumm, dachte sie entschlossen, zu glauben, wir wären weniger wert als sie.

Sie schloss die Augen, holte tief Luft und konzentrierte sich auf ihre Sinne. Tief in ihrem Innern konnte sie sich immer noch erinnern, wie es sich angefühlt hatte, ihre telepathische Fähigkeit einzusetzen. Begonnen hatte es mit Schwindelanfällen und einer verschwommenen Sicht, und dann – ja, dort – hatte sie eine Person auf der anderen Seite der Wand gespürt, und schließlich hatte sie sogar Cassians Gedanken lesen können. Allerdings nur ein einziges Mal, obwohl sie es noch des Öfteren vergeblich versucht hatte.

Sie starrte zu dem schwarzen Fenster und versuchte erneut, etwas zu erspüren, obwohl ihr Nacken schmerzte, ihre Augen tränten und sie sich mit Schrecken ins Gedächtnis rief, dass solche Fähigkeiten unnatürlich waren. Wenn nicht sogar verrückt. Auf der Erde würde man sie in eine Anstalt einweisen, sollte sie behaupten, Gedanken lesen zu können. Auf der Erde …

Aber womöglich gab es überhaupt keine Erde mehr.

»Mir etwas von Herzen zu wünschen hat nie geholfen«, sang sie leise vor sich hin. Mit Liedtexten hatte sie sich schon immer Sorgen von der Seele geschrieben. In Liedern war sie kein Freak, nur ein Mädchen, weit weg von zu Hause und ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrem struppigen, alten Hund, den sie am allermeisten vermisste. »Wünsche und Hoffnungen und Abschiedsküsse …« Mit schwungvoller Linie fuhr sie mit ihrem Finger über das dunkle Glas und komponierte ihren Liedtext, der sogleich wieder verblasste, sobald die Buchstaben geschrieben waren. »Ich wollte stärker sein, doch stattdessen kamen …«

Ihre Stimme wurde heiser, da ihr jegliche Übung fehlte, aber ihre Finger schrieben weiter:

M-O-N-S-T-E-R.

Die Buchstaben lösten sich auf, bis nichts weiter als Schwärze zu sehen war.

Für eine, vielleicht zwei Sekunden glaubte sie, der Schwindel würde erneut einsetzen. Ihre Sicht verschwamm am Rand ihres Blickfelds. Sie spürte fast, dass sich etwas oder jemand hinter der Wand bewegte, vielleicht sogar mehrere Personen.

Die Wände und der Fußboden begannen zu beben. Das Grollen kroch an ihren Beinen empor und ließ ihr pochendes Herz rasen. Erschrocken sprang sie auf. Die Vibrationen schwollen zu einem Crescendo an, das die gesamte Zelle erfüllte. Die Härchen in ihrem Nacken richteten sich auf, als würde warmer Atem über ihre Haut streichen, und mit der Hand griff sie sich unwillkürlich an den Hals.

Konzentrier dich, ermahnte sie sich. Du kannst spüren, was dort draußen ist. Es ist dir schon einmal gelungen. Du musst es noch einmal schaffen.

Die Deckenlampe strahlte nun so hell, dass Cora blinzeln musste. Licht drang jetzt auch aus der Wand, die in schartige, puzzleförmige Teile zersplitterte und eine Tür freigab. Mehr Licht quoll durch die Öffnung und umschloss Coras Haut wie eine warme Decke. Sie zuckte zusammen und beschattete die Augen.

Schritte.

Dann Stimmen.

Jemand sagte etwas in monotonem Tonfall, das sie nicht verstand. Die Sprache der Kindred. Cora erstarrte, aus Furcht, was ihr Kommen bedeuten könnte. Schließlich durchbrach eine deutlichere Stimme auf Englisch das Licht.

»Steh auf!«

Ein Schatten traf sie.

Vorsichtig öffnete Cora die Lider. Schwarze Augen sahen sie an – keine Pupillen, keine Iris, nur zwei Ovale öliges Schwarz im Gesicht einer Frau, die Haut wie poliertes Kupfer. Tessela. Eine der Wachen unter Cassians Kommando.

Beim Anblick eines bekannten Gesichts keuchte Cora erleichtert auf. »Tessela! Lass mich bitte raus …«

»Du bist für schuldig befunden worden, Regel zwei und Regel drei unserer Anordnung nicht befolgt zu haben«, sagte Tessela mechanisch, als wäre Cora nur ein lästiger Problemfall. »Für schuldig befunden, einen Fluchtversuch aus deinem Gehege unternommen zu haben. Und den Kommandanten angelogen zu haben.«

Cora blinzelte wieder gegen das Licht an. »Das ist nicht die ganze Wahrheit. Und das weißt du.«

Mit erschreckender Kraft packte Tessela sie am Arm und zerrte sie zu sich, dann ließ sie Cora wieder los und wich einen Schritt zurück. Ein weiterer Kindred stand im Türrahmen, gekleidet in eine Uniform, so dunkelblau, dass sie fast schwarz schien, mit den aufwendigsten Knoten, die Cora jemals gesehen hatte und die in zwei identischen Reihen an seinem Oberteil entlangliefen. Als er ins Licht trat, sog Cora scharf die Luft ein. Fian. Noch jemand aus Cassians Team. Bei ihrem ersten Treffen hatte er sie fast erwürgt, auch wenn es nur ein Trick von Cassian gewesen war, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Bei der unliebsamen Erinnerung rieb sie sich unwillkürlich die Kehle.

»Fragt einfach Cassian …«, setzte sie an, geriet jedoch beim Klang seines Namens ins Stocken. Nein, Cassian würde ihr jetzt nicht mehr helfen. Cassian hatte ihretwegen schon einmal die Regeln gebrochen, als es ihr so schwergefallen war, sich in ihr früheres Gehege einzugewöhnen, doch das war vor ihrem Fluchtversuch gewesen. Bevor sie herausgefunden hatte, dass Cassian der Kommandant war – derjenige, der sie die ganze Zeit über manipuliert hatte.

Licht spiegelte sich auf den scharfen Nadeln und dem glänzenden metallischen Apparat in Fians Hand. Coras Magen zog sich krampfhaft zusammen. Die Kindred behaupteten, nicht mit Menschen zu experimentieren, aber Cora hatte gesehen, wie sie Nadeln in ein totes Mädchen gerammt hatten, um nach Spuren der Evolution zu suchen. Es machte den Anschein, als fürchteten die Kindred nichts mehr, als dass ihre wertvollen Haustiere, die sie ironischerweise zu schützen geschworen hatten, eines Tages klüger als sie selbst werden könnten.

Und das sind wir, dachte Cora laut genug, damit Tessela und Fian es in ihrem Bewusstsein lesen konnten.

Tessela blinzelte nur. »Streck die Arme aus«, befahl sie.

Cora schüttelte den Kopf. »Wo sind Lucky und Mali?«

»Streck die Arme aus.« Tessela machte einen Schritt auf sie zu. »Das ist zu deinem eigenen Wohl.«

Cora duckte sich und rannte hastig zu der Wand, in der sich die Tür geöffnet hatte, doch Fian war schneller. Mit unnachgiebiger Strenge packte er Cora und verdrehte ihr den Arm, bis ihre Hand nach vorne zeigte. Tessela nahm von Fian den Apparat entgegen, der zu summen begann, höchstwahrscheinlich durch Telekinese eingeschaltet.

»Die Flucht war meine Idee, nicht ihre«, beharrte Cora. »Ihr dürft sie nicht bestrafen.«

Tessela kam mit dem Gerät in der Hand auf sie zu. Aus der Nähe glich es den Apparaten, mit denen die Kindred-Frau Serassi, die medizinische Inspektorin, sie damals untersucht hatte, nur dass am Ende dieses Geräts mehrere zentimeterlange Nadeln herausschauten.

»Wir glauben nicht an Bestrafung«, erwiderte Fian mit ausdrucksloser Stimme. »Es ist ein primitives Konzept.«

Wäre ihre Kehle vor Entsetzen nicht wie zugeschnürt, hätte Cora laut aufgelacht. Und als was bezeichneten sie es bitte, jemanden in einer Zelle einzusperren?

Tessela drückte die Nadeln an Coras Haut. Überrascht sog Cora die Luft ein, als sich die Nadeln unvermittelt wie von Geisteshand bewegten und sich nicht fest, sondern in flüssiger Form einen Weg zur Innenseite ihrer Handfläche bahnten. Zu winzig, um schmerzhaft zu sein, fühlte es sich dennoch unangenehm an, als sich die mikroskopischen Würmer in ihre Haut bohrten.

»Bitte«, keuchte sie. »Verratet mir, ob es Lucky und Mali gut geht. Und auch Nok und Rolf. Sind sie immer noch in unserem früheren Gehege? Ist mit Noks Schwangerschaft alles in Ordnung?« Cora biss sich auf die Lippen, als Tessela den Apparat in ihre andere Handfläche presste. »Nun sagt schon!«

Tessela beendete...


Shepherd, Megan
Megan Shepherd ist in den Bergen von North Carolina aufgewachsen. Die meiste Zeit verbrachte sie bereits als Kind in der Buchhandlung ihrer Eltern. Nach ihrem Studium (Kulturwissenschaften und Sprachen) ging sie für zwei Jahre in den Senegal, wo sie Kinder in Dorfschulen unterrichtete. Dabei entdeckte sie ihr großes Talent zum Geschichtenerzählen. Megan Shepherd lebt mit ihrem Mann auf einer Farm in North Carolina.



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