E-Book, Deutsch, Band 2, 457 Seiten
Reihe: Rose Hill
Silver Wild Eyes
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7363-2435-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die neue spicy Small Town Romance rund um Single Dads von der Autorin FLAWLESS
E-Book, Deutsch, Band 2, 457 Seiten
Reihe: Rose Hill
ISBN: 978-3-7363-2435-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
SIE KOMMEN AUS VERSCHIEDENEN WELTEN - UND SIND DOCH PERFEKT FÜREINANDER
Eine abgelegene Ranch abseits einer kanadischen Kleinstadt klingt für die ausgebrannte Sängerin Skylar Stone wie der perfekte Ort, um sich vor ihren Fans und der Presse zu verstecken. Hier will sie zurück zu ihrer Musik und sich selbst finden, doch stattdessen trifft sie auf Weston Belmont. Der heiße Single Dad lässt sie eine Geborgenheit spüren, die ihr aus ihrem Celebrity-Leben völlig fremd ist, und seine zwei Kinder schleichen sich schnell in Skylars Herz. Zum ersten Mal in ihrem Leben erfährt sie, was es bedeutet, eine Familie und ein Zuhause zu haben. Doch schon bald holt ihr Ruhm sie wieder ein und bedroht ihr Glück mit West ...
»Elsie Silvers Schreibstil ist eine wahre Offenbarung!« ALI HAZELWOOD
Band 2 der ROSE-HILL-Reihe von TIKTOK-Sensation Elsie Silver
Elsie Silverist eine kanadische Autorin, die mit ihrer Familie bei Vancouver lebt. Sie liebt Kochen, Reisen und Zeit mit ihren Jungs. Elsie schreibt moderne und sexy Small-Town-Liebesgeschichten und liebt einen guten Book-Boyfriend sowie starke Heldinnen, die sie in die Knie zwingen.
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2. Kapitel
SKYLAR
Ich habe eine Schwäche für Hände, und dazu stehe ich.
Eine Schwäche für Männerhände, um genau zu sein. Ich mag es, wie die Sehnen auf dem Handrücken spielen, wenn eine schöne Männerhand eine Gitarre anschlägt. Es gefällt mir, wie eine breite Männerhand die gesamte Länge eines Mikrofongriffs bedeckt. Und ich spüre eine solche Hand gern warm und sanft auf meiner Haut.
Ich kenne viele berühmte Leute. Künstler und Musiker. Hübsche, einflussreiche Männer. Aber noch nie haben mich die Hände eines Mannes so sehr in den Bann geschlagen wie die beiden, die sich eben um das Lenkrad des Trucks vor mir geschlossen haben. Und ich denke an den stählernen Griff um meinen Oberarm, als er mich mit sich auf den Boden gezogen hat.
Daran, wie ich seine Schwielen auf der Haut gespürt habe, als er mir sagte, alles würde gut werden.
Die Tätowierungen auf seinen Fingerknöcheln, die ich wie hypnotisiert angestarrt habe, als er sich über den Bart gestrichen hat.
Ich höre die Stimme meines Vaters in meinem Kopf, der mich vor Männern wie Weston warnt. Er wäre sehr besorgt, wenn ich mich mit einem Typen einlassen würde, der womöglich meinen tadellosen Ruf als Amerikas Liebling beschmutzt.
Seriöse Männer lassen sich kein Tattoo stechen, das sich nicht unter einem Hemd verbergen lässt.
Aber was ist mit heldenhaften Typen? Männern mit staubblondem Haar und so ausgeprägten Muskeln, dass ihr Hemd an den Schultern ein wenig zu eng sitzt?
Weston Belmont hat mich gerade vor einem Grizzlybären gerettet. Beziehungsweise vor mir selbst. Vor meiner eigenen Naivität.
Ein klügeres Mädchen als ich wäre sicherlich vor allem von seiner Tapferkeit fasziniert, von seiner tiefen Stimme oder den knappen, schlagfertigen Sprüchen.
Und ich? Ich folge ihm auf dieser Straße mitten durchs kanadische Nirgendwo und träume von seinen riesigen Händen. Mache mir eine mentale Notiz, dass ich unbedingt auch darüber mit meinem Therapeuten reden muss. Eine solche Vorliebe hat doch bestimmt einen Namen – es muss irgendein Bewältigungsmechanismus sein.
Kann es sein, dass man durch Daddy-Issues eine Obsession für Hände entwickelt?
Ich schnaube spöttisch und murmle dann in mich hinein: »Himmel, Skylar. Du brauchst wirklich dringend eine Runde people detox.« Und so ist es ja auch.
Zumindest habe ich genau das allen gesagt, um zu erklären, weshalb ich eine Weile abtauche. Vielleicht denken einige, meine Flucht aus Los Angeles wäre in Wirklichkeit eine Flucht vor meinen Problemen. Andere würden es wohl unhöflich finden, unangemeldet in einem Studio aufzutauchen, wenn die eigene Anfrage noch nicht bestätigt wurde.
Ich jedoch nenne es eine Flucht vor der demütigendsten Trennung der Welt.
Ich nenne es Verzweiflung.
Aber ich habe einen Plan. Ich habe ihn geheim gehalten vor meinen Eltern, die zugleich meine Manager sind, und meinem Agenten, der kaum mehr ist als ihre Marionette.
Ich will mein eigenes Album aufnehmen. Und ich werde keiner Menschenseele davon erzählen. Ich will keinen Input. Ich will keine Meinungen dazu hören. Dieses Projekt ist von mir selbst für mich selbst.
Ich sehne mich verzweifelt nach einem Neuanfang. Einem Tapetenwechsel. Will unbedingt dem Würgegriff entkommen, in den sich mein Leben verwandelt hat.
Und Würgegriff meine ich nahezu wortwörtlich.
Denn manchmal wird mir die Kehle so eng, dass ich kein Wort mehr herausbekomme. Wenn man mir ein Mikrofon vor die Nase hält, eine Kamera auf mich richtet oder mich vor ein Publikum stellt, war’s das. Dann kann ich nur noch dümmlich vor mich hinblinzeln und kichern. Mein Mund wird ganz trocken, und ich liefere »eine superpeinliche Bimbo-Imitation« ab, wie es neulich in einer Schlagzeile genannt wurde.
Inzwischen bin ich nicht mal mehr sicher, dass die anderen falschliegen.
Zuletzt hat mir die Sprache gefehlt, als ich nach besagter Trennung unter Tränen das Restaurant verlassen habe und in eine Flutwelle aus Fragen hineingestolpert bin.
»Skylar, was ist los?«
»Skylar, ist zwischen Ihnen und Andrew irgendwas vorgefallen?«
Irgendwas.
Mein erneutes Schnauben hallt durchs stille Auto. Ja, da war irgendwas.
Irgendwas, das ich nicht laut aussprechen will.
Ich war immer stolz auf meine Ehrlichkeit – aber was, wenn alles an mir selbst gelogen ist? Die Welt denkt, sie kennt mich, aber sie wurde eiskalt belogen.
Ich selbst wurde eiskalt belogen.
Mein ganzes Leben steht von einem Moment auf den anderen auf dem Kopf, aber ich kann mit niemandem darüber reden. Die Wahrheit ist einfach zu demütigend.
Ich kann damit auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gehen. Jedenfalls jetzt noch nicht. Die Presse würde mich in der Luft zerreißen. Die Fans würden mich entweder bemitleiden oder verhöhnen – und beides könnte ich nicht ertragen.
Es ist schon seltsam, von so vielen Menschen umgeben zu sein, die behaupten, einen zu lieben, und trotzdem so einsam zu sein.
Also starre ich einfach nur ausdruckslos in die Kameras, während sich meine Lunge mit Beton zu füllen scheint und mir die Kehle zuschwillt. Mir fällt in diesen Momenten nur eins noch schwerer, als die richtigen Worte zu finden, und das ist das Atmen.
Ja, genau – ein Mädchen, das bereits vor Millionen von Menschen aufgetreten ist, das gesungen und getanzt hat und nie um Worte verlegen war, hat auf einmal einen völligen Blackout, sobald jemand eine Kamera auf es richtet.
Ich beiße die Zähne zusammen und wappne mich gegen die mentale Tracht Prügel, die ich gleich auf mich selbst einprasseln lassen werde, aber da gibt mir der Mann mit den schönen Händen in dem Pick-up vor mir ein Zeichen. Gleich darauf biegt er an einem wettergegerbten Holztor auf eine frisch gepflasterte Einfahrt ab, und ich folge ihm.
Das Grundstück vor uns liegt vollkommen verborgen hinter einer regelrechten Wand aus smaragdgrünen Kiefern, und ohne nachzudenken lasse ich das Fenster herunter. Frische Landluft strömt in mein Auto und in meine Lunge.
»Zu langsam!«, krächzt Cherry aus ihrem Käfig auf der Rückbank. Dieser Vogel liebt Autofahrten.
»Das ist eine Einfahrt, Cherry. Ich muss langsam fahren, du kleine Rebellin.«
»Zu langsam!«
Kichernd spähe ich nach vorn und versuche herauszufinden, wohin wir fahren. Schiebe die aufkeimende Angst beiseite. Was wäre aus Cherry geworden, wenn mich der Grizzly gefressen hätte? Wäre sie in einem Tierheim gelandet? In einem Zoo? Bei meiner Mutter oder meinem Vater, wo sie garantiert für ein Gedenkspektakel für die Presse ausgeschlachtet worden wäre?
All diese Optionen sind viel zu schrecklich, um darüber nachzudenken, aber ich weiß jetzt schon, dass mich diese Gedanken heute Nacht wach halten werden. So traurig es auch klingt – Cherry, der vorlaute afrikanische Graupapagei, der so gern flucht, ist womöglich meine einzige Freundin auf der ganzen verdammten Welt.
Die Einfahrt vollführt diverse Schlenker zwischen den Bäumen entlang. Der seltsam beruhigende Duft nach Erde und Kiefernnadeln weht durchs Fenster. Ich atme tief durch und fühle mich gleich ein bisschen besser.
Also atme ich weiter.
Drei Sekunden lang einatmen.
Drei Sekunden lang ausatmen.
Gleißend hell schießt mir das Bild durch den Kopf, wie Westons himmelblaue Augen sich in meine bohren, während wir gemeinsam auf dem Asphalt liegen und atmen. Ich hatte in diesem Moment solche Angst, dass ich am liebsten die Augen geschlossen hätte, bis alles vorbei war, aber ich konnte einfach nicht wegsehen.
Sein Blick hat mich vollkommen gefangen. Aber das hat mich eigenartigerweise sehr beruhigt.
»Zu langsam!«, schimpft Cherry wieder und reißt mich aus meinen Gedanken. Die Bäume weichen zurück, und beim Anblick der vor mir liegenden Landschaft bekomme ich beinahe einen Schreck.
Die E-Mails von Ford haben mich darauf vorbereitet, dass mich eine malerische Umgebung erwartet, aber das hier ist beinahe surreal.
Das Grundstück befindet sich an einem sanften Hang. Geradeaus sehe ich das Hauptgebäude mit seiner umlaufenden Veranda und einem freistehenden Kupferbriefkasten, passend zum Kupferdach. Das Haus ist mit altem Holz verschalt, das beinahe aussieht wie wiederverwertetes altes Scheunenholz, aber trotzdem hat es in all seiner Schroffheit etwas eigenartig Erhabenes an sich.
Es ist umgeben von Bäumen, Felsen und tödlich steilen Klippen, gekrönt von einem azurblauen Himmel. Kein Smog, kein Dreck – nur reines, ungefiltertes Blau. Genau wie Westons Augen.
Aber was mich wirklich vollends verzaubert, ist der Blick auf den dahinterliegenden See. Er ist geradezu atemberaubend, die Oberfläche so spiegelglatt, als könnte man einfach darübergehen. Oder Schlittschuh darauf laufen – was ich nur leider nicht kann. Das Wasser ist dunkelblau, aber wo die Sonne darauffällt, schimmert es blaugrün.
Ich parke meinen Wagen neben dem großen Pick-up und lehne mich in meinem Sitz zurück, um die Umgebung auf mich wirken zu lassen.
Es kommt mir absolut einzigartig vor. Nicht steril poliert, nirgends leuchten mir pompöse weiße Säulen entgegen. Keine Springbrunnen und keine Bediensteten weit und breit. Tatsächlich sehe ich, so weit das Auge reicht, keinen einzigen Menschen. Bei dieser Erkenntnis entspanne ich mich unwillkürlich.
Bis Weston Belmont aus dem Nichts auftaucht und...




