Slade | Lassiter - Folge 2154 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 2154, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

Slade Lassiter - Folge 2154

Lassiter und der Mann im Dunkeln
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-5121-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Lassiter und der Mann im Dunkeln

E-Book, Deutsch, Band 2154, 64 Seiten

Reihe: Lassiter

ISBN: 978-3-8387-5121-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sahen den rötlichen Schimmer in der dichter werdenden Dämmerung, noch bevor sie die große Biegung des Dogleg erreicht hatten, und der Kapitän der 'Silver Bell' ahnte sofort, was das zu bedeuten hatte.

'Der Holzplatz', murmelte er. 'Verdammt, was ist dort los, Leo?' Er warf seinem Steuermann, der mit den Schultern zuckte, nur einen kurzen Blick zu, dann schaute er durch die großen Fenster des Steuerstandes auf das Vorschiff, wo sich Passagiere an der Reling drängten und ebenfalls auf die riesige rote Glocke starrten, die sich über den Bäumen der Dogleg-Biegung gebildet hatte. 'Halte weiter nach Steuerbord, Leo', sagte Barton Bradley gepresst. 'Das sieht nicht so aus, als ob wir an Logans Pier anlegen und Holz aufnehmen könnten...'

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Leonard Arkin nickte und steuerte die »Silver Bell« nach Steuerbord an den äußersten Rand der Fahrrinne. Im Dogleg, das diesen Namen trug, weil der Flusslauf hier gekrümmt wie ein Hundebein war, war die Strömung des Missouri schneller als gewöhnlich, und es gab einige Untiefen, die ein Steuermann nur ungern im Dunkel der Nacht passierte. Aber sie mussten Holz aufnehmen, sonst würde ihnen nichts anderes übrig bleiben, als irgendwo anzulegen und selbst Holz zu schlagen, mit dem sie den nächsten Holzplatz erreichen konnten.

Bradley hatte die Lippen fest aufeinandergepresst. Dann atmete er tief durch und fragte: »Kommst du allein zurecht, Leo?«

Der Steuermann nickte. »Meinst du, dass …«

Bradley ließ ihn nicht aussprechen. »Wir müssen mit allem rechnen, Leo.«

Er ging zur Tür und verließ das Ruderhaus. Sämtliche Passagiere schienen ihre Kabinen und die Aufenthaltsräume verlassen zu haben und standen jetzt auf den beiden Decks. Jeder starrte zur großen Flussbiegung hinüber, auf die sich die »Silver Bell« langsam zu schob. Der Heckrad-Steamer fuhr mit verringerter Geschwindigkeit.

Rufe hallten über das Schiff. Barton wusste, dass seine Passagiere wahrscheinlich die gleichen Befürchtungen hegten wie er selbst. Er dachte an das Gold, das sich an Bord seines Schiffes befand. Seine »Silver Bell« war seit einem Monat das erste Schiff, das in Fort Benton Gold aus den Fundgebieten in Montana an Bord hatte nehmen können und es nun den Missouri hinab transportierte. Jeder der Passagiere trug die Ausbeute seines Claims bei sich, aber die größte Menge stammte von der Lucky Cuss Mine in Wolf Creek. Er wusste nicht, wie viel es war, aber wenn er an die zwölf Kisten dachte, die von den Männern der Mine zu viert an dicken Holzstangen an Bord gebracht worden waren, wurde ihm ganz schwindlig. Er hatte sich selbst davon überzeugt, dass die Kisten Gold enthielten, als sie im Beisein des Marshals von Fort Benton und eines Versicherungsagenten geöffnet worden waren. Er hatte nicht gefragt, welchen Wert das Gold darstellte, aber er ging davon aus, dass es mehr als eine Million Dollar wert war. Er selbst kassierte eine feste Summe für den Transport. Sie war immens, und sie garantierte ihm ein sorgenfreies Leben, wenn er die Summe dazu rechnete, die ihm der geplante Verkauf der »Silver Bell« einbringen würde.

Das alles sah er jetzt in Gefahr, denn ein dumpfes Gefühl hatte von ihm Besitz ergriffen, dass die »Silver Bell« mitten hinein in ein rabenschwarzes Unheil fuhr.

Der Versicherungsagent war mit an Bord der »Silver Bell«, aber er hielt sich von den anderen Passagieren fern und hatte sich ein Lager auf dem Hauptdeck in der Nähe der Heckluken hergerichtet, unter der sich die Kisten mit dem Gold im Laderaum befanden.

Als er die Stiege vom Promenadendeck hinab zum Kesseldeck hinter sich gebracht hatte, war er sofort von Passagieren umringt.

»Was hat das zu bedeuten, Kapitän?«, fragte ein hagerer Goldgräber erregt.

Barton Bradley antwortete ihm nicht. Sein Blick glitt über die erregten Menschen. Es waren nur wenige Frauen an Bord. Nur eine von ihnen hatte sich aus ihrer Kabine gewagt und stand zwischen den Männern an der Reling. Sie war äußerst attraktiv. Ihre feuerroten Haare schienen mit der roten Glocke über den Baumwipfeln konkurrieren zu wollen. Für eine Frau war sie sehr groß. Er hatte ihren Namen auf der Passagierliste gelesen und wusste, dass sie Maureen Shanahan hieß. Offenbar war sie eine berufsmäßige Spielerin, denn auf der Fahrt von Fort Benton bis hierher hatte sie einigen Männern am Spieltisch bereits ein kleines Vermögen abgenommen.

Bradley sah ihren Blick auf sich gerichtet. Aber sie sagte nichts, obwohl sie sicher wie alle anderen Passagiere Fragen hatte und gern gewusst hätte, was die lohende Feuerglocke zu bedeuten hatte.

Ein Aufschrei ging durch die Menge, als sich der Bug der »Silver Bell« um die Dogleg-Biegung zu schieben begann.

Und dann sahen sie es alle.

Höher als die vierzig Fuß hohen Bäume loderten die Flammen der brennenden Holzstapel in den dunklen Himmel. Die Luft war voll von Funkenflug, der auch die umliegenden Hütten und Häuser in Brand gesetzt hatte. Schatten liefen vor den Flammen hin und her. Auf den breiten Anlegern drängten sich Menschen. Einige von ihnen stiegen in Boote und ruderten sie in die Mitte des Flusses hinaus. Eines der Boote wurde von einem durch die Luft fliegenden brennenden Ast getroffen, und schreiend warfen sich die Männer darin über Bord und tauchten im schnell fließenden Wasser des Stroms unter.

Barton Bradley wollte sich umdrehen, um zurück ins Ruderhaus zu laufen, als er sah, wie die Rothaarige von einem Mann bedrängt wurde. Er hatte sie am Arm gepackt. Sie bemühte sich, sich von ihm loszureißen, als er sie von der Reling wegzuzerren versuchte, dann hatte sie es geschafft und gab ihm eine Ohrfeige. Die anderen Passagiere hatten es nicht bemerkt oder nicht beachtet. Entsetzt schauten sie zu Logans Holzplatz hinüber, der in einem Inferno unterging.

Barton Bradley wusste, wer der Mann war, der die Frau bedrängt hatte. Sein Name war Ed Scanlon, und der Kapitän hatte ihn zusammen mit Simon P. Pendergast in Fort Benton gesehen. Pendergast war der Besitzer der »Lucky Cuss«-Goldmine in Wolf Creek, aus der die zwölf schweren Kisten kamen, die im Bauch der »Silver Bell« lagerten. Was Scanlon mit Pendergast zu tun hatte, war Bradley unbekannt.

Er hastete die Stiege zum Ruderhaus hinauf, riss die Tür auf und war Sekunden später neben Leonard Arkin. Das hagere Gesicht des Steuermanns sah im Widerschein des Feuersturms wie die Fratze des Teufels aus. Er warf seinem Kapitän nur einen kurzen Blick zu, dann konzentrierte er sich wieder auf die Flussströmung.

Bradley brauchte ihm nichts zu sagen. Die »Silver Bell« manövrierte am äußersten rechten Rand der Strömung. Deutlich waren die Strudel der Untiefen im vom Feuersturm erhellten Fluss zu erkennen.

»Achtung, Leo!«, zischte Bradley, aber der Steuermann hatte das im Strom treibende Floß schon gesehen und brüllte in das Sprachrohr, das ihn mit dem Maschinisten im Bauch des Schiffes verband: »Volle Kraft zurück, Elton!«

Sekunden später begann die »Silver Bell« zu vibrieren und sich zu schütteln, als würde eine Riesenfaust an ihr zerren. Doch immer noch wurde das Schiff auf das Floß zugetrieben, auf dem sich fast zwei Dutzend Männer drängten. Sie gestikulierten wie verrückt, und einige machten sich schon bereit, in den Fluss zu springen, um der Kollision zu entgehen.

Die »Silver Bell« verlor abrupt an Fahrt. Leo Arkin kurbelte am Steuerrad. Langsam schob sich der Dampfer nur um Yardbreite am Floß vorbei. Das Gebrüll der Männer übertönte sogar den brausenden Lärm des Feuers.

Irgendwo in den Flammen an Land explodierte etwas mit einem mörderischen Krachen. Barton Bradley sah, wie das brennende Dach eines Hauses in den feuerroten Himmel flog, als hätte eine Kanone es abgeschossen. Er stieß einen kehligen Laut aus, als es in Richtung Fluss durch die Luft taumelte. Funken wehten in einer Lohe auf das Schiff zu und schienen die »Silver Bell« verschlingen zu wollen.

Die Passagiere an der Backbordreling rannten schreiend auseinander. Die Kleidung einiger Männer fing Feuer.

Der Kapitän riss die Backbordtür des Steuerhauses auf und brüllte: »Löscht sofort alle Flammen! Erstickt sie mit eurer Kleidung!« Er sah, dass er seinen Männern, die sich auf den Decks befanden, keine Befehle zu geben brauchte. Überall tauchten sie mit Eimern auf, die sie an Stricken in den Fluss hinab ließen und mit dem Wasser die kleinen Brände löschten.

Leonard Arkin hatte die »Silver Bell« instinktiv wieder nach Steuerbord gelenkt. Das Floß schrammte an der Bordwand entlang. Stricke flogen vom Hauptdeck hinüber, und die ersten Männer kletterten schon vom Floß aufs Schiff.

Der Kapitän atmete auf, als er sah, dass nirgendwo auf dem Schiff noch Flammen zuckten. Die Passagiere hatten sich gegenseitig geholfen, und die Männer, deren Kleidung Feuer gefangen hatte, waren offenbar nicht verletzt. Er hastete zur Steuerbordseite hinüber und sah, wie die letzten Männer vom Floß aufs Schiff geholt wurden. Das große Floß trieb ab.

Der Steuermann hatte bereits Befehl gegeben, die Maschine zu stoppen. Er schaute Barton Bradley fragend an, als dieser quer durch das Steuerhaus wieder zur Backbordseite hinüber ging.

»Wir fahren weiter, Leo«, sagte Bradley gepresst. »Dort drüben können wir nicht helfen. Das müssen diejenigen, die dem Feuersturm entgangen sind, schon selbst tun.«

»Aber wir brauchen Holz, Käpt’n«, sagte Arkin krächzend.

»Wir werden irgendwo anlegen und selbst etwas schlagen müssen, Leo. Fahr langsam, damit wir in der Dunkelheit nicht irgendwo auflaufen. Ich will sehen, was mit den Leuten ist, die wir an Bord genommen haben. Vielleicht weiß einer von ihnen, wo wir am besten Holz aufnehmen können.«

Er öffnete die Tür zur Steuerbordseite und zuckte zusammen, als er unten auf dem Hauptdeck Schüsse hörte. Dann war es wieder still, und er glaubte, unter sich einen Schatten über die Reling des Hauptdecks fliegen zu sehen. Dann klatschte ein Körper ins Wasser. Weitere folgten. Ein erstickter Laut klang auf, dann brüllte eine Stimme: »Verhaltet euch ruhig, dann passiert euch nichts!«

Auch unter ihm auf dem Kesseldeck wurden jetzt Befehle gerufen. Als er sich vorbeugte, sah er, wie Männer aus ihren Kabinen getrieben wurden. Einer, der sich gegen die Angreifer wehrte, wurde niedergeschlagen und über die Reling geworfen. Klatschend landete er im Wasser.

Barton Bradley hörte...



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