E-Book, Deutsch, Band 1, 362 Seiten
Reihe: Arto Ratamo ermittelt
Soininvaara Finnisches Blut
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8412-0196-6
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kriminalroman
E-Book, Deutsch, Band 1, 362 Seiten
Reihe: Arto Ratamo ermittelt
ISBN: 978-3-8412-0196-6
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Arto Ratamo hat Herz, Erfindergeist und einen untrüglichen Spürsinn.' Passauer Neue Presse.
Bei seinen Forschungen stößt der Wissenschaftler Arto Ratamo auf das tödliche Ebola-Virus. Als es ihm gelingt, ein Gegenmittel zu entwickeln, gerät er ins Visier von Terrorgruppen und Geheimdiensten. Eine blutige Hatz beginnt, bei der seine Frau ums Leben kommt und Ratamo vom Gejagten zum Jäger wird ...
Taavi Soininvaara, geboren 1966, 'zählt zu den derzeit politischsten und internationalsten Krimiautoren' (ECHO). Er studierte Jura und arbeitete als Chefanwalt für bedeutende finnische Unternehmen. 'Finnisches Requiem' wurde als bester finnischer Kriminalroman ausgezeichnet. Im Aufbau Taschenbuch sind seine Kriminalromane um den Ermittler Arto Ratamo 'Finnisches Blut' 'Finnisches Inferno', 'Finnisches Requiem', 'Finnisches Roulette', 'Finnisches Quartett', 'Finnischer Tango', 'Der Finne', 'Finnische Kälte' und 'Das andere Tier' lieferbar sowie mit dem Ermittler Leo Kara 'Schwarz', 'Weiß', 'Rot' und 'Tot'.
Weitere Infos & Material
1;1;6
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5;EPILOG;360
2
Arto Ratamo betrachtete die Langschwanzmakaken, die im Labor hinter einem unzerbrechlichen Plastikfenster in ihren Käfigen herumhüpften. Seine Augen waren aus Mangel an Schlaf gerötet. Es war nachts Viertel zwei, er hatte ein Gegenmittel gegen das Ebola-Killervirus, das die Affen in sich trugen, hergestellt und mußte noch testen, ob es wirkte.
Anfang Mai hatte man auf dem Flughafen Helsinki-Vantaa bemerkt, daß ein Teil der Affen, die der Helsinkier Zoo auf den Philippinen bestellt hatte, krank war. Nachdem die Tierärztin des Zoos die unter Quarantäne gestellten Affen gesehen hatte, informierte sie sofort die EELA, die Nationale Forschungsanstalt für Veterinärmedizin und Lebensmittelprüfung. Die Frau stand regelrecht unter Schock, weil von den fünfzehn bekannten Ebola-Epidemien fünf gerade unter philippinischen Affen gewütet hatten. Außerhalb von Afrika war das Virus sechsmal aufgetreten: Einmal auf den Philippinen, zweimal in Europa und dreimal in den USA. Nach Ansicht der Wissenschaftler lebte das Ebola-Virus in den Trägertieren auf dem afrikanischen Kontinent und auf den Philippinen. Von ihnen wurde es auf den Menschen übertragen und breitete sich über Blut und Körpersekrete schnell aus.
Der Leiter der Virologischen Abteilung der EELA, Eero Manneraho, stellte unverzüglich eine Forschungsgruppe aus Mitarbeitern seiner Einrichtung und Fachleuten der Virologischen Abteilung des Staatlichen Gesundheitsamtes und des Instituts für Virologie der Universität Helsinki zusammen. Diese bestätigte zum Entsetzen der Behörden, daß drei Affen an Ebola erkrankt waren. Das von der Forschungsgruppe gefundene Virus war mit keinem einzigen der bis dahin bekannten vier Untertypen des Ebola identisch. Wahrscheinlich hatte eine geringfügige Änderung im Erbgut von Ebola-Zaire eine neue, die nächste Generation von Ebola-Stamms geschaffen. Sie wurde wie üblich nach dem Fundort benannt. Die Blut- und Zelltests der Forschungsgruppe bewiesen, daß Ebola-Helsinki auf den Menschen übertragen wurde. Es breitete sich nicht auf dem Luftweg aus, war aber dennoch extrem gefährlich. So wie Ebola-Zaire würde es neunzig Prozent der Infizierten töten – auch Menschen.
Um eine Katastrophe zu verhindern wurden die Sicherheitsmaßnahmen in der EELA bis aufs äußerste verschärft. Affen und Menschen sind biologisch fast identisch, und deshalb werden die meisten Krankheiten zwischen ihnen ohne Schwierigkeiten übertragen. Auch Ebola-Helsinki. Die Gesundheitsbehörden und die Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, daß der Virenfund erst nach dem Ausbruch einer Epidemie veröffentlicht werden sollte oder wenn die Gefahr gebannt war. Man fürchtete, daß Panik ausbrechen und der Alltag empfindlich gestört werden könnte.
Nach Ablauf der Inkubationszeit bestätigte sich, daß nur zwei philippinische Affenjäger infiziert waren. Man hatte die beiden Männer jedoch rechtzeitig isoliert, und so konnte sich Ebola nicht ausbreiten. Eine Katastrophe war durch das rasche Handeln auf dem Flughafen Seutula und in der EELA sowie durch die modernen Verfahren beim Verladen von Flugfracht verhindert worden: Niemand auf den Flughäfen oder in Finnland hatte die Affen berührt.
Der Tiergroßhändler aus Manila, von dem die Affen für den Helsinkier Zoo stammten, hatte die Tiere bei verschiedenen Jägern erworben und jeden Affen in einem eigenen Käfig gehalten. Dadurch hatten sich die meisten Affen nicht angesteckt und konnten als Versuchstiere verwendet werden. Die Forschungsgruppe begann die Arbeit zur Entwicklung eines Gegenmittels für Ebola-Helsinki.
Als die Nachricht schließlich veröffentlicht wurde, verurteilten die Medien in scharfem Ton das Vorgehen der Behörden, die den Fall fast einen Monat lang verheimlicht hatten.
Die hermetisch dichte Stahltür des Kontrollraums schloß sich hinter Ratamo, und er betrat den Versammlungsraum. Der befand sich in der dritten Sicherheitsstufe, in der Krankheiten mit einem hohen Ansteckungsrisiko wie Milzbrand, Fleckfieber und HIV erforscht wurden. Im Versammlungsraum traf man die Vorbereitungen für den Übergang zur vierten Sicherheitsstufe, auch »die Front«, wie sie wegen der Lebensgefahr allenthalben hieß.
Ratamo war überzeugt, daß auch die Gegenmittelversion Nummer fünfhundertsieben nicht wirken würde. Die Forschungsgruppe schuftete schon seit drei Monaten fast vierundzwanzig Stunden am Tag, um ein Mittel gegen Ebola-Helsinki zu finden. Ein Teil der Gruppe betrieb wissenschaftliche Grundlagenarbeit, ein zweiter Teil stand in Kontakt mit anderen Forschern, ein dritter entwickelte neue Gegenmittel, die der vierte testete. Ratamo hatte sich auf die Herstellung von Gegenmitteln konzentriert.
Er war allein im ganzen Haus, und das ärgerte ihn. Wie üblich war er am Morgen viel zu spät gekommen, daraufhin hatte Manneraho ihn zu Überstunden verdonnert. Ratamo wollte das Gegenmittel, das er am Tag entwickelt hatte, noch testen, selbst wenn er dafür die ganze Nacht brauchen sollte. Früh würde er sich dann richtig ausschlafen, egal, was Manneraho dazu sagte.
Ratamos Bewegungen wirkten routiniert. Er rieb sich die Hände mit Talkum ein, zog dünne Gummihandschuhe an und befestigte sie mit Klebeband sorgfältig an dem aseptischen Operationsanzug; mit den Strümpfen verfuhr er an den Hosenbeinen genauso. Dann nahm er vom Kleiderständer den biologischen Raumanzug, auf dessen linkem Arm sein Name stand. Den unter Druck stehenden Chemturion-Anzug trug man beim Umgang mit äußerst gefährlichen und leicht ansteckenden Mikroben. Ratamo schob die Finger in die dicken, mit Dichtungen am Anzug befestigten Gummihandschuhe und zog den hermetischen Reißverschluß zu. Als letztes verband er einen Luftschlauch, der an der Wand hing, mit seinem Anzug, damit der durch die Körperwärme entstandene Dampf abgeleitet werden konnte.
Bevor er die dritte Sicherheitsstufe verließ, schraubte er den Luftschlauch ab und öffnete dann die Stahltür zur Luftschleuse, die an »die Front« führte. Dort wurden extrem infektiöse Viren wie Lassa, Hanta und Ebola untersucht. Diese Viren waren tödlich, weil es noch kein Heilmittel dagegen gab. Als sich die Tür geschlossen hatte, wurde er im ultravioletten Licht der engen Luftschleuse unter der Dusche mit Chemikalien besprüht, um Verunreinigungen zu entfernen. Die UV-Strahlung sollte das Erbgut der Viren zerstören und sie sterilisieren.
Einen Augenblick später öffnete sich die Tür zur »Front«, und Ratamo betrat das Labor. Er griff nach einem der an der Decke hängenden Luftschläuche und verband ihn mit seinem Anzug, Geräusche von außen erreichten ihn nun nicht mehr. In seinem Helm rauschte die Luft laut und kitzelte im Ohr. Es dauerte einen Augenblick, bis die Schweißperlen auf seiner Stirn getrocknet waren. Ohne den Luftschlauch glich der Weltraumanzug einer Sauna.
Entschlossen schob Ratamo seine vom Anzug geschützten Füße in die Gummistiefel, die an der Tür standen. Die Affen in ihren Plastikkäfigen wurden nervös, als sie den Mann in seinem Raumanzug erblickten: Einer hämmerte an die Wände seiner Zelle, der zweite bewegte sich unruhig hin und her, und alle drei schrien laut. Sie waren so groß wie kleine Hunde, besaßen einen schlanken Körperbau und lange Gliedmaßen. Ihr Fell war auf dem Rücken cremegelb und auf der Brust weiß. Sie hatten eine hundeartige Schnauze, scharfe Eckzähne, einen langen, gebogenen, peitschenförmigen Schwanz und zierliche, menschenähnliche Hände.
Ratamo entnahm jedem Affen ein Reagenzglas voll Blut. Dann holte er mit der Pipette Ebola-Blut aus dem ersten Röhrchen, tropfte es auf den Objektträger und spritzte Gegenmittel darauf. Seine Hand zitterte leicht, als er die Glasscheibe behutsam unter das Elektronenmikroskop legte. Im Blut wimmelte es von »Würmern«, Ebola-Helsinki-Viren, die an Schnüre erinnerten. Ihm stockte der Atem, als ein Wurm nach dem anderen erstarrte.
Ratamo brüllte wie ein Verrückter, nachdem auch das letzte Virus in dem Bluttropfen gelähmt war. Das Gegenmittel wirkte! Er hatte ein Mittel gegen das Ebola-Virus gefunden. Gegen ein Virus, das auf höllische Weise fast alle Infizierten tötete. Gegen ein Virus, das als unbesiegbar eingestuft war. Ratamo jubelte in seinem Schutzanzug, er schwankte hin und her und hüpfte wie ein Schamane, der Regen beschwor.
Als er sich wieder beruhigt hatte, wurde ihm klar, daß die Arbeit noch nicht vollendet war. Er unterzog die Blutproben einem schnellen ELISA-Test, der endgültig bewies, daß sein Gegenmittel fähig war, Ebola-Helsinki während der Inkubationszeit zu töten. Er führte die Tests auch mit dem Blut der beiden anderen infizierten Affen durch. Dann wählte er aus einem Satz von Instrumenten auf dem Tisch diejenigen aus, die für die Entnahme von Proben erforderlich waren, und trat langsam an den nächstgelegenen Käfig. Er mußte sich vorsehen, damit ihm die Affen den Schutzanzug nicht zerkratzten, trotz des Gegenmittels wollte er sich einem Virusmonster wie dem Ebola nicht aussetzen. Vorsichtig gab er mit einer Injektionsspritze, die an einem langen Stab befestigt war, allen drei Affen Antiserum. In ein paar Stunden würden die Tiere gesund sein.
Ratamo tauchte die Instrumente in das hellgrüne Envirochem-Desinfektionsmittel und spülte damit die Handschuhe seines Raumanzuges so sorgfältig ab, wie es seine Erregung zuließ. Er lief möglichst schnell zu der Tür, die in die Luftschleuse führte, und stieß dabei die Stiefel von den Füßen. Auf dem Boden der Dusche plätscherte das Wasser, während Ratamo unruhig von einem Bein aufs andere trat. Die knapp zehn Minuten unter der Desinfektionsdusche kamen ihm wie eine Ewigkeit vor. Während...




