E-Book, Deutsch, 543 Seiten
Spremann Versicherungen im Umbruch
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-540-26943-4
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Werte schaffen, Risiken managen, Kunden gewinnen
E-Book, Deutsch, 543 Seiten
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-540-26943-4
Verlag: Springer Berlin Heidelberg
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Die Bedeutung von Versicherungen und Einrichtungen kapitalgebundener Altersvorsorge für unsere Gesellschaft ist immens und nimmt weiter zu. Es ist deshalb äußerst wichtig, dass die Institutionen , die die Altersvorsorge tragen, auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis stehen. Zur Zeit ist dies durch die Entwicklung an den Kapitalmärkten, die Deregulierung bei höherem Wettbewerb und den Rückgang des Zinsniveaus bei unverändert hohen Leistungsgarantien nicht der Fall. Die Versicherungen sind in erhebliche Schwierigkeiten geraten und müssen nach Wegen suchen, diese zu überwinden. Hierzu müssen sie sich innerhalb des strategischen Dreiecks (Werte schaffen, Risiken managen und Kunden gewinnen) klar positionieren. Der Schlüssel liegt in einer integrierten Sicht des Versicherungswesens aus der Perspektive moderner Finanzwirtschaft. Das Buch zeigt Versicherungen Wege, die kapitalmarktbasierten Methoden und Instrumente als Chance aufzugreifen und für eine klare Positionierung und eine berechenbare Zukunft zu nutzen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Inhaltsverzeichnis;7
2;Teil I: Einführung;10
2.1;Der Zielkonflikt als strategisches Dreieck --- Klaus Spremann;12
2.2;Peter Gessner –ein Pionier des Versicherungswesens --- Klaus Spremann;26
3;Teil II: Werte schaffen;34
3.1;Versicherungen zu Werten führen --- Burkhard Schwenker;36
3.2;Wertorientierte Steuerungsansätze in Versicherungsunternehmen --- Stefan Rapp, Erik Rederer;58
3.3;Intellektuelles Kapital – ein Modell zum Management immaterieller Werte --- Oliver P. Pfeil;84
4;Teil III: Risiken begrenzen;104
4.1;Risikosteuerung in Lebensversicherungsunternehmen –die Entwicklung der Aufgaben des Verantwortlichen Aktuars seit 1994 --- Markus Faulhaber;106
4.2;Assets und Liabilities managen;124
4.2.1;Asset-Liability-Management – die Versicherung auf dem Weg von der Planungsrechnung zum Risikomanagement --- Hans-Joachim Zwiesler;126
4.2.2;Durationssteuerung als integraler Bestandteil des Asset-Liability-Managements --- Sönke Jost Siemßen;142
4.2.3;Asset-Management und neue aufsichtsrechtliche Standards für die Lebensversicherung --- Marco Brück;170
4.2.4;Protection-Management bei variabler Korrelation --- Pascal Gantenbein, Klaus Spremann;188
4.3;Risiken von Asset-Klassen genauer beurteilen;204
4.3.1;Absolute-Return-Vermögensanlagen auf Basis langfristiger Optionsstrategien --- Gerhard Scheuenstuhl, Klaus Spremann;206
4.3.2;Rendite und Wirtschaftsentwicklung --- Klaus Spremann;234
4.3.3;Aktienmarktrisiko im Wandel der Zeit – Volatilität und unteres Verteilungsende am Beispiel des deutschen Aktienmarktes --- Niklas Wagner;260
4.3.4;Optimale Immobilieninvestments für Versicherungen --- Pascal Gantenbein;278
4.3.5;Hedge Funds – Rendite- und Risikopotenzial für Versicherungsunternehmen --- Hubert Dichtl, Christian Schlenger;306
4.3.6;Kreditbewertung – optionspreistheoretischer versus Rating-basierter Ansatz --- Antje Henne, Peter Reichling;330
4.4;Die Allokation der Risiken muss effizient werden;358
4.4.1;Rückversicherung als Instrument des Financial Engineering --- Dietmar Zietsch;360
4.4.2;Fischer Black und Myron Scholes als Aktuare –Anwendungen der Optionspreistheorie in der Lebensversicherungsmathematik --- Stefan Kassberger, Rüdiger Kiesel;384
4.4.3;Risikobasierte Kapitalallokation in Versicherungsunternehmenunter Verwendung des Co-Semivarianz- Prinzips --- Günter Bamberg, Gregor Dorfleitner, Holger Glaab;408
4.4.4;Ein stochastisches Modell zur Ertragsoptimierung bei Versicherungen --- Claudia Garschhammer, Rudi Zagst;424
5;Teil IV: Kunden gewinnen;452
5.1;Erhöhung der Profitabilität bei Versicherungsunternehmen durch Point-of-Sale-Systeme --- Thomas Eichelmann, Christoph Winter;454
5.2;Open-Architecture und Allfinanz --- Beat Bernet;478
5.3;Die Restschuldversicherung als Bestandteil moderner Finanzdienstleistungspakete im Privatkundengeschäft --- Roland Folz, Jochen Sutor;490
5.4;Ein tief greifender Wandel – die Entwicklung der Lebensversicherungsbranche in den USA --- Werner Bonadurer;504
6;Teil V: Ideengeschichte;520
6.1;Zur Entwicklung des finanz- und risikowirtschaftlichen Denkens --- Klaus Schredelseker;522
7;Autorenverzeichnis;542
2 Ausgangssituation (S. 353-354)
2.1 Ineffizienzen eines traditionellen Risikotransfers
Die Kerngrundlage einer klassischen Versicherung ist der Risikoausgleich in einem Kollektiv. Die jeweilige Versicherungsprämie wird nach dem Äquivalenzmodell berechnet, d.h., sie beruht auf der Schätzung eines Geldbedarfs, der notwendig ist, einzelne Schäden innerhalb eines Kollektivs zu begleichen. In jeder Periode gibt es daher eine liquiditätsmäßige Verzerrung zwischen Versicherungsnehmern, bei denen Geld abfließt, und solchen, die einen Liquiditätsüberschuss haben.
Dies ist das Wesen der Versicherung und auch versicherungstheoretisch erklärbar, weil schließlich auch diejenigen Versicherungsnehmer mit entsprechend negativer Zahlungsstrombilanz in der Periode eine Leistung erhalten haben, nämlich die abstrakte Zusage einer Deckung. Dieses theoretisch durchaus zweckmäßige Modell stößt jedoch in der heutigen Zeit mehr und mehr an seine Grenzen. In der aktuellen Diskussion um wertorientierte Steuerungsansätze, bei denen die liquiden Zahlungsströme wieder in den Vordergrund gerückt sind4, gepaart mit einem mehr „egoistischen" Anspruchsdenken weg von der solidarischen Haltung, sind Versicherungsnehmer mit subjektiv empfundener mehrperiodischer negativer Zahlungsstrombilanz immer weniger bereit, die so genannten „schlechten Risiken" zu „subventionieren". Die Folgen liegen auf der Hand: die Tendenz zur Selbstversicherung und das Austreten der so genannten „guten Risiken" aus dem Kollektiv führen zu einer Spirale der negativen Risikoauslese („adverse selection"), also theoretisch bis zum Kollaps des Systems.
Eine weitere Folge des Verlustes eines solidargemeinschaftlich empfundenen Kollektivansatzes ist die Zunahme des so genannten subjektiven Risikos („moral hazard") bei der Versicherungsnahme. Infolge der Versicherung sinkt der Anreiz zur Schadenverhütung bzw. Schadenminderung. Man kann es auch vice versa formulieren: Man schließt eine Versicherung ab, damit man sich die Aufwendungen für Verhütungsmaßnahmen spart. An dieser Stelle soll nicht auf das damit verbundene Problem des kriminellen Versicherungsbetrugs eingegangen werden, der von der oben beschriebenen Problematik losgelöst schon seit Bestehen des Versicherungsgedankens immanent ist. Vielmehr geht es hierbei um den Prozess des Verschwindens des oben dargestellten solidargemeinschaftlichen Gedankens mit dem Effekt, dass auch hier das Versicherungskollektiv in vielfältiger Weise belastet wird. Bei der Absicherung immer größerer Werte, insbesondere für institutionelle Versicherungsnehmer, tritt in der heutigen Zeit zunehmend das Problem des Kreditrisikos auf.
Durch Insolvenzen im Finanzdienstleistungssektor erschüttert, kann man sich als „Gläubiger" durchaus die Frage stellen, ob im Leistungsfall in der Zukunft der Versicherer noch in der Lage sein wird, seinen Verpflichtungen im vollen Umfange nachzukommen. Die Diskussion um die besondere Bedeutung von Unternehmensratings ist ein direkter Ausfluss dieser Entwicklung. Man könnte sich in diesem Zusammenhang durchaus Verfahren vorstellen, wie ein Risikotransfer gestaltet sein muss, damit dieses Kreditrisiko vermindert oder sogar eliminiert wird.
Eine Befragung durch die Unternehmensberatung McKinsey &, Co. hat ergeben, dass die Risk-Manager der 500 größten amerikanischen Unternehmen der Meinung sind, vier von fünf evidenten Risiken seien traditionell unversicherbar. Speziell in den Segmenten „High Severity Risks", „High Frequency Risks", „Deckung von Finanzrisiken" sowie „Bilanzschutz" herrscht ein weitgehender Deckungsnotstand vor, d.h., diese Risiken sind traditionell nicht versicherbar. Schließlich sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Kapitalmärkte eine breite Palette von Instrumenten zur Absicherung von Finanzmarktrisiken entwickelt wurde.9 Sicherlich ist es denkbar, dass auch für die Absicherung von allgemeinen Risiken die diesbezüglichen Entwicklungen genutzt werden können. Die Übersicht in Abbildung 1 zeigt zusammenfassend die einzelnen Ansatzpunkte der zunehmenden Ineffizienz streng traditioneller (Rück-)Versicherungslösungen. Im Weiteren soll auf die möglichen Modifikationen zur Überwindung dieser Problematiken eingegangen werden, bevor der Einsatz von speziellen Finanzmarktprodukten näher analysiert wird.




