E-Book, Deutsch, Band 7, 494 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
Stackpole / Weiß BattleTech Legenden 07 - Coupé
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96331-533-6
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Warrior-Trilogie 3
E-Book, Deutsch, Band 7, 494 Seiten
Reihe: BattleTech Legenden
ISBN: 978-3-96331-533-6
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nachdem sich das Haus Steiner, Herrscher des Lyranischen Commonwealth, mit dem Haus Davion, Herrscher der Vereinigten Sonnen, durch Ehe verbunden hat, ist Bewegung in die politische Landschaft der sog. Nachfolgestaaten des einstigen menschlichen Imperiums gekommen. Truppen werden zusammengezogen, Planeten überfallen, Grenzen willkürlich neu gezogen. Jeder versucht in der allgemeinen Irritation einen Vorteil zu ergattern. Während das Haus Liao mit Intrigen und schlau eingefädelten Einzelaktionen sich Stücke des Kuchens einverleiben will, setzt Haus Kurita auf generalstabsmäßig durchgeführte Aktionen, um mit ihren BattleMech-Eliteeinheiten eine Welt des Commonwealth um die andere zu erobern. ComStar hingegen, das sein Nachrichtenmonopol eifersüchtig hütet und die überkommene Technik mit einem Brimborium aus Mystik und Ritualen umgibt, hält sich wie üblich bedeckt und scheint um Neutralität bemüht. In Wirklichkeit nutzt es die Lage, um mit einer verdeckten Aktion das New Avalon Institut der Wissenschaften auszuschalten, das durch seine Studien vergessener Technologie die Monopolstellung von ComStar erschüttern könnte.
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Prolog
Sitz des Ersten Bereichs ComStars
Hilton Head Island, Nordamerika, Terra
27. Februar 3029
»Ihr seid alle Narren, blinde Narren!« stieß Myndo Waterly hervor. »Hanse Davion wird euch im eigenen Saft braten, wenn ihr noch lange hier herumsitzt und vor euch hinbrütet. Ich verlange, dass wir handeln! Ich verlange ein sofortiges Interdikt!«
Ihr Ausbruch zersplitterte das Eis der unerträglichen Spannung in dem eichenholzgetäfelten Beratungsraum des Ersten Bereichs, aber Primus Julian Tiepolos Miene zeigte keine Bewegung. »Präzentorin Dieron«, ermahnte er sie mit ruhiger Stimme, »du wirst auf derartig kindische Gefühlsdarstellungen verzichten. Du schuldest deinen Mitpräzentoren eine Entschuldigung, denn sie sind weder blind noch Narren. Unsere heutigen Entscheidungen werden wir auf Grund intelligenter, offener Diskussion treffen, und nicht als reflexartige Reaktion auf das Geplärre eines einzelnen, der Himmel drohe uns auf den Kopf zu fallen.«
Myndo starrte in das an einen Geier erinnernde Gesicht ihres Vorgesetzten. Du bist müde, alter Mann, und du zerrst ComStar mit in dein Grab. Das werde ich nicht zulassen. Sie riss ihren Blick von ihm los und neigte ergeben den Kopf. »Ich entschuldige mich, aber Ihr könnt nicht von mir erwarten, leidenschaftslos mit anzusehen, wie Jerome Blakes Lebenstraum verdorrt.«
Sie blickte sich um, fasste jeden einzelnen der Präzentoren mit ihren roten Roben ins Auge. »Wie ihr alle habe ich lange und hart daran gearbeitet, unsere Mission zu erfüllen. ComStar ist die Rettung der Menschheit, und die Worte Blakes sind der Führer auf dem Weg zur Rettung. Hanse Davions Krieg gegen die Konföderation Capella zerstört unsere Arbeit, aber ihr unternehmt nichts, ihn aufzuhalten. Wie ist das zu rechtfertigen?«
Ulthan Everson, der große, blonde Präzentor Tharkad, der Myndo in dem schwach beleuchteten Raum gegenüberstand, war es, der die Herausforderung in ihren Worten annahm. »Deine Vision der Zukunft teilen wir nicht, Präzentorin Dieron. Du hast schon so häufig ›Wolf‹ geschrien, dass deine Warnungen keine Wirkung mehr haben. Du deutest auf Schatten und gaukelst uns reelle Bedrohungen vor. Hanse Davions Krieg widerspricht den Worten Blakes keineswegs. Er erfüllt sie.«
Myndo warf ihr goldenes Haar nach hinten. »Blake spricht von Kriegen, die zur Zersplitterung der Nachfolgerstaaten führen. Danach, und nicht vorher, werde ComStar sich erheben, und die Menschheit zum wahren Höhepunkt ihrer Entwicklung führen. Hanse Davions Krieg hat die Hälfte der Konföderation Capella vereinnahmt. Er zersplittert nicht. Er einigt!«
»Pavel Ridzik hat aus der Kommunalität Tikonov eine eigene Nation gebildet«, erwiderte ein zierlicher, schwarzhaariger Mann. »Das ist nicht Vereinigung, sondern Balkanisierung, Myndo.«
»Ha!« Myndo starrte ihn an. »Du wirst diesen Marionettenstaat doch nicht etwa ernst nehmen? Bitte halt uns nicht mit so etwas unnötig auf, Präzentor Sian. Hanse Davion gestattet Ridzik den Anschein der Unabhängigkeit, aber wir wissen alle, dass der Prinz seinen engen Vertrauten Ardan Sortek als Wachhund Ridziks abgestellt hat.« Sie lächelte grausam. »Du hättest allerdings recht, wenn du Maximilian Liao als Beispiel eines Herrschers anführtest, der für die Zersplitterung arbeitet. Nur beschränkt er sich darauf, sein eigenes Reich in bequeme Häppchen zu zerschlagen, an denen Hanse Davion sich satt fressen kann.«
Huthrin Vandel lachte. »Vielleicht hofft er, dass sie dem Prinzen im Halse steckenbleiben.«
Der Primus wies ihn stumm zurecht. »Myndo hat recht. Liaos Anstrengungen, Davions Ansturm aufzuhalten, waren ineffektiv. Wir dürfen nicht vergessen, dass Hanse Davion sich seinen Spitznamen der ›Fuchs‹ sehr wohl verdient hat. Niemand unter uns hat vorausgesehen, dass er sich die Gefolgschaft der Northwind Highlanders mit deren Heimatwelt Northwind erkaufen würde. Die Highlanders kehrten auf die Welt ihrer Vorfahren zurück und stoppten damit den Kurita-Angriff auf den terranischen Korridor. Das war ein hervorragender Schachzug des Prinzen.«
Die Intervention des Primus zu ihren Gunsten brachte Myndo einen Augenblick aus dem Konzept. Sieht er die Bedrohung jetzt endlich auch, oder will er nur seine Autorität unterstreichen? Sie studierte Tiepolos Gesicht, aber die dunklen Augen und der emotionslose Gesichtsausdruck des alten Mannes ließen keinerlei Rückschlüsse auf seine Gedanken zu.
Myndo wandte sich wieder den anderen Präzentoren zu. »Wenn ich mich recht erinnere, Präzentor Sian, hast du bei unserer letzten Debatte über dieses Thema vorgebracht, Liaos Gegenschlag im Januar werde Davions Nachschubbasen vernichten und den Truppenvormarsch an der Tikonov-Front aufhalten. Aber Liaos Einheiten flogen geradewegs in einen großangelegten Hinterhalt Davions. Die Offensivkapazität der Capellaner ist damit praktisch gleich Null, und ihre Verteidigungsanstrengungen kann man nur noch als blutleer bezeichnen.«
Präzentor Sian schüttelte den Kopf. »Erlaube mir, darauf hinzuweisen, dass sich Hanse Davions Truppen seit dem Überfall nicht bewegt haben, Präzentorin Dieron. Wir erwarten seine nächste Angriffswelle frühestens im Mai. Du wirst dich auch erinnern, dass nicht alle Liao-Angriffe zurückgeschlagen wurden. Die Vierten Tau Ceti-Ranger haben Axton überfallen und konnten nach erfolgtem Angriff auch wieder entkommen. Dieser Schlag hinter seine Linien hat dem Prinzen sicherlich die Süße des Sieges vergällt.«
Vandel fuhr sich mit den Fingern durch das schwarze Haar. »Als Präzentor von New Avalon kann ich bestätigen, dass der Hof über diesen unerwarteten Angriff gar nicht erfreut war. Die Vierten Tau Ceti-Ranger konnten einen NAIW-Ausbildungskader überwältigen.«
Der Primus blickte zu Präzentor Sian. »Hat dein Stab auf der Liao-Zentralwelt inzwischen die Bedeutung der Botschaft ermitteln können, die von den Rangern vor ihrem Abflug von Axton nach Sian geschickt wurde? ›Go Fish‹ ist eine, wenn auch ökonomische, so doch ausgesprochen seltsame Mitteilung für eine militärische Operation.«
Auch Myndo konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
Vilius Tejh wartete, bis das allgemeine Kichern verstummt war, bevor er die Frage des Primus beantwortete. »Die Botschaft war an Justin Xiang gerichtet. Aus dem wenigen, was wir bisher zusammentragen konnten, ergibt sich die Vermutung, dass Xiang nach einem Labor des New Avalon-Institut der Wissenschaften fahndet, von dem er glaubt, es könne den Schlüssel zu einer neuen BattleMechgeneration liefern ...«
Präzentor New Avalen unterbrach. »Dabei dürfte es sich um den Laborkomplex auf Bethel handeln. Eine sehr kleine Anlage, aber mit ausgesucht guten Köpfen besetzt.«
Myndo schaute zum Primus. »Unsere ROM-Agenten haben ihn nicht infiltriert?«
Der Primus gab keine Antwort. Statt dessen gab er Präzentor Sian ein fast unmerkliches Zeichen weiterzusprechen.
»Xiang hat mit Hilfe der Vierten Tau Ceti Ranger einen Schlag gegen Bethel vorbereitet. Die Botschaft von Axton war unserer Ansicht nach die Mitteilung, dass die Anlage dort nicht gefunden wurde. Der Überfall auf Bethel soll unter Xiangs persönlicher Führung erfolgen.«
Ulthan Everson sah sich zum Präzentor New Avalon um. »Auf welche Verteidigungsmaßnahmen wird Xiangs Unternehmen stoßen?«
Vandel zuckte die Achseln. »Davion hält seine Truppen ständig in Bewegung. Wenn der Angriff vor Ende April stattfindet, treffen die Capellaner auf eine Kompanie der Davion Light Guards. Falls Xiang mit seiner üblichen Findigkeit aufwartet, werden seine Leute mit Sicherheit den Sieg davontragen.«
Myndo schüttelte den Kopf. »Ich fasse es nicht. Ich fasse es nicht, wie hier über eine völlig unbedeutende Einzelheit dieses Krieges langatmig salbadert wird. Das Lyranische Commonwealth hat seine Grenze zum Draconis-Kombinat verschoben, und Wolfs Dragoner halten ganz allein die Draconier vom Gebiet der Vereinigten Sonnen fern. Haus Marik befindet sich noch immer im Krieg mit den von Davion unterstützten Separatistenbewegungen im Innern seines Staatsgebietes, und Hanse Davion verleibt sich die Konföderation Capella ein. Was kann dieser eine Vorstoß Justin Xiangs da ausrichten? Er ist nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein!«
Der Primus lächelte kalt. »Präzentorin Dieron, fühlst du dich wohl? Wie oft hast du uns vorgebetet, Hanse Davion sei die Inkarnation des Bösen, weil er versucht, die im Laufe der letzten drei Jahrhunderte verlorengegangenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wiederzuentdecken? Ich hätte angenommen, du würdest diesen Schlag gegen eine NAIW-Anlage begrüßen?«
»Ich. würde Xiangs Anstrengungen begrüßen, wenn sie sich gegen das NAIW direkt richteten«, gab Myndo wütend zurück. Versuch nicht, mich mit meinen eigenen Worten zu erdrosseln!
»Außerdem lenkt uns diese ganze Diskussion nur von meiner ursprünglichen Forderung ab. Ich verlange, dass wir Haus Davion sofort unter ein Interdikt stellen! Wenn wir seine gesamte Kommunikation stilllegen, behindern wir nicht nur ihre militärischen Vorstöße, wir treffen auch die Vereinigten Sonnen selbst. Das Volk der Vereinigten Sonnen wird...




