E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Steiner Die dionysischen Tänze grosser Dichter
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7494-2774-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Und was uns Wilhelm Reichs Vegetotherapie lehren kann
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-7494-2774-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Peter Steiner wurde 1949 geboren. Mit 22 Jahren verstrickte er sich in einen viele Jahre dauernden psychosomatischen Prozess. Diesen löste er aus durch Selbstversuche gemäss der Vegetotherapie Wilhelm Reichs. Er ahnte dabei nicht in was für einen erstaunlichen und aufreibenden Prozess er sich hineinritt. Ein Zurück gab es nicht mehr, er wurde die Geister nicht mehr los, die er geweckt hatte. So trieb er den Prozess voran, indem er chronischen Verspannungen nachspürte und die diesen zugrunde liegenden Ängste zuliess. Dadurch schaufelte er den heute mit moderner Messtechnik problemlos messbaren Bioenergien den Weg frei. Diese krümmten ihn auch mal wie eine Crevette und liessen ihn entsetzt zittern und schlottern. Dies wenige Wochen ausgeübt, schüttelte es ihn darauf über einen Monat mehrmals täglich heftig durch, einem epileptischen Anfall nicht unähnlich. Dabei verlor er allerdings nie sein Bewusstsein, sondern erlebte diesen Reflex meist sehr befreiend, den von Reich so genannten Orgasmusreflex. Die diesen verursachenden Energien erreichten auch die visuellen Hirnareale und liessen ihn strahlende Lichter sehen. Diesen als Initiation zu betrachtenden Erlebnissen folgten schwere Jahre voller Hochs und Tiefs, denn die neu geweckte Energie stiess sich schmerzhaft an kranken Stellen und wühlte die vordem verdrängte, beängstigende Vergangenheit auf. Er versteht sich als einer der auszog das Fürchten zu lernen. Nach und nach entdeckte er, dass unter anderen J.W. Goethe, E.T.A. Hoffmann, Friederich Nietzsche, Franz Kafka und R.M. Rilke, allerdings zum Selbstschutz verkappt, von diesem Prozess erzählen. Heute ist er in Pension. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch verschiedene Handwerksarbeiten.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
Welche Psychologie hilft uns, die hier besprochenen Dichter zu verstehen?
(Homer: Odyssee (Übersetzung Voss/Zeilen 1–5)
Um auszumachen, welche Psychologie uns über den hier behandelten psychosomatischen Prozess Aufschluss zu geben vermag, schauen wir erst mal bei Franz Kafka nach. Er nannte den therapeutischen Teil der Psychoanalyse mal einen hilflosen Irrtum. Und in einem Brief kritisierte er an Franz Werfels Drama «Schweiger»:
Und fährt fort:
(https://deutschunterlagen.files.wordpress.com/2014/12/kafka-upsychoanalyse.pdf)
Da es in Kafkas Werk auch um die Aufarbeitung psychischer Nöte geht, stellt sich die Frage, welche Erfahrungen ihn zu dieser Überzeugung oder Erkenntnis brachten. Diese Frage wurde meines Wissens bisher weder gestellt noch beantwortet – und so erklärt man Kafka beharrlich, trotz seiner Aussagen, beinahe ausschliesslich mittels der Psychoanalyse.
Kafka äusserte sich indes noch verächtlicher über sie. Am 25. Juni 1920 schreibt er in einem Brief an Milena Jesenská von seiner ersten Begegnung mit Otto Gross, einem Schüler Sigmund Freuds:
Otto Gross zog aus Freuds Lehren politische Konsequenzen und versuchte, psychoanalytische Erkenntnisse in die Arbeiterbewegung einzubringen. Freud liess ihn kommentarlos fallen. Wie Gross versuchte dies auch Wilhelm Reich, mit grösserer Zielstrebigkeit und eigenen Forschungen, da er sah, dass schwere psychische Störungen und das damit verursachte Elend – er spricht von einer emotionellen Pest – ein beinahe unausweichliches Schicksal war. Zudem bekam der Nationalsozialismus bald starken Auftrieb, worauf er 1933 sein Buch «Die Massenpsychologie des Faschismus» schrieb. Er wurde auf Freuds Initiative hin aus der Psychoanalytischen Gesellschaft ausgeschlossen.
Sublimierung um der Kultur willen, was Freud fordert, verhindert den hier behandelten Prozess, der erziehungsbedingte, charakterliche Konditionierungen aufbricht. Was in den grossen Dichtungen der Weltliteratur erzählt wird, wäre bei umgesetzter Sublimierung nicht zu erzählen. Dieser Prozess verfolgt das Ziel, das Es vom Diktat des virtuellen Ichs zu befreien und ist einer Sublimierung diametral entgegengesetzt. Durch gelungene Sublimierung wären weder die Ilias noch die Odyssee sowie auch viele andere kostbare Werke nie geschrieben worden. Wir hätten also weit weniger Kultur! Es ist ein Irrglaube, dass der psychisch gesunde Mensch nicht kreativ ist. Zwar würde eine gesunde Menschheit kaum das heutige neurotischrasante Tempo verschiedenster Entwicklungen einschlagen – diese könnten jedoch zu unserem grossen Vorteil besser kontrolliert werden. Glück haben sie uns doch nicht gebracht und Zukunftshoffnungen brocken mehr und mehr weg.
Worum aber handelt es sich bei dem hier aufgerollten Prozess? - einem Prozess, von dem rund um die Welt berichtet wird. Dazu zwei Zitate von Nietzsche:
(Friedrich Nietzsche/Das Feuerzeichen/Goldman/Klassiker 7511/S. 211)
Ich weiss aus Erfahrung, dass Nietzsches Übermensch vor allem wegen Vorurteilen nicht verstanden wird. Die Kundalini, um die es sich hier handelt, ist der Literaturwissenschaft eine Chimäre, die sie abschätzig ins Esoterische scheuchen. Das nächste Zitat macht verständlicher, was Nietzsche mit der Schlange meint:
(Friedrich Nietzsche/Morgenröte/S. 455)
Es geht bei dieser Schlange also darum, seine Konditionierung aufzubrechen und zu seinem ererbten, natürlichen Kern zu finden. Das Symbol der Schlange hat sich Nietzsche in Indien entlehnt, die Kundalini des klassischen Yoga, was vor ihm schon E.T.A. Hoffmann und Goethe taten. Nach indischen Vorstellungen schläft sie unerweckt zusammengerollt im Steiss, steigt nach ihrem Erwachen den Wirbelsäulenkanal hoch und breitet sich im ganzen Körper aus. Oft erlebt man dabei wunderbare Lichterscheinungen – passend dazu bemerkt Nietzsche: «Meine Seele ist selber diese Flamme.»
Wenn ich von der Kundalini spreche, meine ich damit eine heute messbare, elektrische Bioenergie, die energetisch verstandene Libido. Diese Bioenergie ist selbstverständlich von chemischen Reaktionen begleitet, ohne dass Ursache und Wirkung auszumachen sind. Unsere Gefühle, und damit auch unser Denken, sind teils Folge davon, ob diese Energie infolge chronischer Muskelverspannungen und möglicher Bindegewebeverhärtungen gestaut ist oder aber frei fliesst, was beides unseren Charakter ausmacht.
Wir haben von unserer Libido eine allzu armselige Vorstellung. Ihre Gefühlsdimension stellt man sich nur annähernd richtig vor, wenn vieles, das heute als esoterisch oder religiöse Erfahrung verworfen wird, allerdings auf natürliche Ursachen zurückzuführen ist, zu unserem ordinären Verständnis hinzuaddiert wird. In diesem Sinn stehen verzückte Gläubige, aber auch mancher Psychotiker, wie abstrus ihre Vorstellungen sein mögen, woran es ja auch Religionen nie fehlt, ihrer Libido meist näher als der Homo normalis.
Dass eine Schlange als Symbol unserer Libido-Energie benutzt wird, ist nicht zufällig, macht sie doch in unwillkürlichen Reflexen schlangenähnlich tanzen, löst den von Wilhelm Reich gelehrten Orgasmusreflex aus. Sie macht auch rhythmisch Lachen oder Schluchzen, was bei noch nicht verdorbenen Kindern und Naturvölkern zu beobachten ist. Diese Reflexe sind auch bei Tänzen von Naturvölkern zu sehen!
«Die können tanzen, wir aber haben denken gelernt», sagte mir mal eine Intellektuelle, als wir Lambada-Tänzern zuschauten. Aber vielleicht lernen wir ja erst richtig denken, wenn der Orgasmusreflex zugelassen werden kann, also keine neurotischen Störungen unsere körperlichen und geistigen Bewegungen behindern.
Die Libido – oder Sexualenergie – wird durch unwillkürliche Bewegungen abgeführt. Sind diese natürlichen Reflexe jedoch durch chronische Verspannungen verhindert, wird sich die Energie stauen und psychische Störungen aufrechterhalten.
(Wer mehr über Kundalini erfahren will, dem empfehle ich folgenden Artikel im Internet:
http://www.horusmedia.de/1996-kundalini/kundalini.php.)
Nach meiner Kenntnis war es C. G. Jung, der als erster Psychologe von der Kundalini sprach. Ich las also Jungs Buch «Die Psychologie des Kundalini-Yoga», worin ein Vortrag über dieses Thema aufgezeichnet ist. Jung war der Ansicht, dass diese Energie in Indien von oben nach unten, im eher materiell orientierten Westen jedoch von unten nach oben fliesst. Darauf brachte eine Frau den richtigen Einwand, dass sich die Kundalini immer zuerst von oben nach unten und darauf von unten nach oben bewegt. Jung unterbrach sie autoritär.
Wie ich später genauer ausarbeiten werde, vor allem anhand eines Tagebucheintrags von Franz Kafka, ist es notwendig, diese eingebüssten Energien und Gefühle dadurch zu wecken, dass zuerst an der chronisch verspannten oder erschlafften Gesichtsmuskulatur gearbeitet wird. Dies wird fortgesetzt, Verspannungen zersetzend, indem man sich von oben nach unten vorarbeitet. Erreicht man den genitalen und analen Bereich, nachdem Bauchspannungen aufgelöst worden sind, wird der Tanz, oder Orgasmusreflex, freigesetzt. Darauf kann die vordem gestaute Libido, oder Kundalini, durch das Rückenmark nach oben fliessen und sich im ganzen Körper ausbreiten. Dies ist ein äusserst strapaziöser Heilungsprozess, der ein Jahrzehnt und länger dauern kann und selten gut endet, was bei einigen der hier besprochenen Dichtern nachzulesen ist.
Jung, der mutmasslich ein sehr vergeistigter Herr war, sofern es sich nicht um braune Schergen und Wotans Kriegsherrschaft handelte, hat die Bedeutung des körperlichen Hatha-Yoga mit all seinen teils seltsamen Verrenkungen wohl ausser Acht gelassen. Es bezweckt nicht nur eine körperliche Ertüchtigung für spätere Strapazen, welche die sich ausbreitende Energie verursachen wird, diese Übungen lockern auch chronische Verspannungen, wodurch...




