E-Book, Deutsch, 376 Seiten
Stern Denkfehler und Klimakrise
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-3392-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was helfen kann die Welt zu retten
E-Book, Deutsch, 376 Seiten
ISBN: 978-3-7583-3392-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wieso machen wir nichts? Die von uns in zwei Jahrhunderten eingeleitete Heißzeit ist aktuell die größte existenzielle Bedrohung der Geschichte. Unser Planet braucht weder Menschen noch Tiere. Menschen und Tiere dagegen brauchen unseren Planeten. Obwohl wir das wissen, unternehmen wir beim Anblick des brennenden Hauses nichts. Es gibt viele Bücher über die Klimakrise, doch zu wenige tauchen in die Tiefe, warum wir so handeln, wie wir es tun. Dieses Buch ist eine Reise ins Herz des menschlichen Seins. Es lädt Dich ein auf einen unterhaltsamen Streifzug durch die Erkenntnisse moderner Psychologie. Wer mehr Verständnis für sich und die Klimakatastrophe sucht, der ist hier richtig. Bist Du bereit, Dich selbst zu treffen? »Man muss nicht in allem mit Michelle Stern übereinstimmen, um von diesem Buch zum Nachdenken angeregt zu werden.« (Andreas Eschbach)
Michelle Stern schreibt seit Jahren für die SF-Serie »Perry Rhodan«. Inzwischen sind in der Hauptreihe über sechzig Romane von ihr erschienen. Sie hat zahlreiche weitere Romane für Neben- sowie andere Serien verfasst. Nach dem Abitur hat sie Germanistik, Psychologie und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main studiert. Sie ist fasziniert von den Arbeiten Daniel Kahnemans. Obwohl sie sich als faule Socke ohne Sendungsbewusstsein bezeichnet, die lieber auf der Couch herumhängt, hat sie dieses Projekt mit ihrem Lebenspartner umgesetzt, weil ihr das Thema wichtig ist. Weitere Informationen über die Autorin gibt es auf ihrer Homepage www.michelle-stern.de.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
»Will die Welt retten. Habe bloß das dumme Gefühl, dass
die Welt sich nicht retten lassen will.« Tagebuchnotiz der Autorin, 1993 »So spread your wings and fly – breite Deine Flügel aus
und fliege« Christopher Curtis, Lehrer für Ki-Aikido, Hawaii, 2021 Kapitel 1
Eine Frage, die es in sich hat
»Wo möchtest Du lieber mitmachen: Dabei, mit mir zusammen viele Millionen Menschen und Milliarden Tiere bis zur Jahrhundertmitte zu töten, oder vielen Millionen Menschen und Milliarden Tieren das Leben zu retten?« So gefragt, dürfte die Antwort nicht sonderlich schwierig sein. Die meisten werden sicher antworten, dass sie lieber zusammen mit mir viele Million Menschen und Milliarden Tiere retten als töten wollen. Tatsächlich sind wir alle auf der »dunklen Seite der Macht« unterwegs. Wir – Du und ich – helfen seit vielen Jahrzehnten mit, Hunderttausende bis Millionen Menschen im Jahr weit vor ihrer Zeit in den Sarg oder die Urne zu befördern. Wir denken bloß nicht so gern darüber nach, wenn wir die Heizung aufdrehen, ins Auto steigen, den Baumarkt samt seiner aus China eingeflogenen Produktpalette stürmen, neue Schuhe im Sonderangebot aus zweifelhaften Produktionsketten ergattern oder uns das leckere Steak aus Brasilien auf den Teller hauen, für das wieder ein Stück Regenwald mehr Geschichte ist. Noch weniger nehmen wir wahr, dass wir Schulen, Krankenhäuser und Straßen nutzen. Bauten aus Beton und Stahl, durch deren Bau CO2 in die Atmosphäre kam, wie für das Haus, in dem wir wohnen. Auch jetzt liest Du diesen Text entweder auf Papier oder auf einem Bildschirm. Beides benötigt Ressourcen. Falls Du verwundert fragst, wie ich auf die hohen Todeszahlen komme: Es sterben laut Hochrechnungen, die ich persönlich für zu tief gegriffen halte, derzeit weltweit etwa 300.000 Menschen im Jahr an den Folgen der Nutzung von fossilen Brennstoffen, Tendenz steigend. Es könnten in wenigen Jahren Millionen werden, falls es nicht jetzt schon Millionen sind. Es gibt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO der Vereinten Nationen von 2014 nach der allein sieben Millionen Menschen im Jahr an den Folgen von Luftverschmutzung sterben. Ich kenne Fernsehbilder von chinesischen Städten, da ist keine Sonne zu erblicken vor lauter Smog. Dieser Smog besteht auch aus Treibhausgasen. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte im Hafengebiet von Neapel unterwegs gewesen zu sein, der weiß, was ich meine. Getreu nach dem Motto: »Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast«, sind die verstorbenen Menschen der WHO-Studie offensichtlich nicht in die mir bekannten Schätzungen eingerechnet. Sie sind ja deutlich höher. Das heißt, es wird penibel getrennt zwischen den Menschen, die aufgrund der Nutzung von fossilen Stoffen, etwa Abgasen durch Autos und Industrie, früher das Zeitliche segnen, und denen, die wegen der Klimaveränderungen unmittelbar sterben. Konkret heißt das: Hunderttausende oder mehr Menschen verdursten, verhungern oder sterben an den Folgen von Mangelernährung, weil es auch und gerade in finanzschwachen Ländern wie etwa Indien zu Dürren kommt. Sie ertrinken, weil es mehr Hochwasser gibt wie im Sudan, in Bangladesch oder im Ahrtal. Sie verbrennen beziehungsweise ersticken, da sich Brände ausbreiten, wie in Australien, Griechenland und Kanada. Sie sterben am Hitzschlag oder an Kreislauferkrankungen, da es heißer ist, wie in Syrien, aber auch in Ländern wie Deutschland und Österreich. Und sie fallen vermehrt auftretenden Naturkatastrophen wie Orkanen zum Opfer. Extremwetter kann durch die klimabedingt instabilen, sich abschwächenden Jetstreams entstehen. Jetstreams sind dynamische Starkwindfelder der oberen Atmosphäre. Ein weiterer Faktor sind die aufgeheizten Meere, die zu Stürmen führen. Was für die Menschen gilt, gilt für die Tiere umso mehr. Das Artensterben ist bekannt. Es gibt Schildkrötenarten, bei denen die Temperatur darüber entscheidet, ob sie männlich oder weiblich werden. Ist das Ei vor dem Schlüpfen dauerhaft zu warm, kommt nur ein Geschlecht herausgekrabbelt. Und wann war die Frontscheibe das letzte Mal von oben bis unten mit Insekten beklebt, nachdem Du von der Autobahn gekommen bist? Das ist lange her, oder? Fünfundsiebzig Prozent der Insekten sind hierzulande schon weg. Klimawandel, oder besser ausgedrückt, die Klimakatastrophe, haben wir, weil wir fossiles Öl und Gas benutzen. Im Winter soll es schön kuschelig warm sein, wenn der Weihnachtsmann den Rauschebart in den Schornstein steckt. Wir fahren Auto mit Benzin oder Diesel, also mit fossilen Brennstoffen. So weit, so bekannt. Natürlich hat die Industrie einen großen Anteil, zum Beispiel die Beton- und Stahlindustrie, die Tourismusbranche, die Textilindustrie, die Landwirtschaft und so fort. Aber: Würde es diese Industrie in dieser Form geben, wenn wir sie nicht brauchen würden? Warum eigentlich ist die Industrie in Deutschland nicht schon spätestens in den 90er Jahren gezwungen worden, jedes bisschen fossiles CO2 auf der Stelle und sofort auszugleichen? Zum Beispiel durch das Pflanzen von Bäumen oder andere Maßnahmen wie die Anlage von zusätzlichen Mooren, Algenbecken oder Algenfarmen im Meer? Weshalb gibt es keine Steuer, die entsprechend hoch genug ist, um für schädliche Produkte einen echten Ausgleich zu schaffen? Ist die Politik dafür allein verantwortlich? Auch wir sind ein Teil des Problems. So viel zu den schlechten Nachrichten. Die guten Nachrichten ergeben sich logisch daraus: Wenn wir ein Teil des Problems sind, dann sind wir auch ein Teil der Lösung! Nun könnten wir sagen: »Ich kann doch nichts dafür. Da machen ja alle mit. Niemand ist doch wirklich klimaneutral oder übernimmt echte Verantwortung.« »Was kann ich denn schon tun?« Vor allem, weil die Politik als Ganzes seit Jahrzehnten darin versagt, das Thema ernsthaft anzugehen. Obwohl es ihre Aufgabe wäre und die wissenschaftlich basierte sowie zutiefst logische Lösung vom Klima-Expertenrat seit Jahren auf der politischen Ebene bekannt ist. Alles, was Klima- und Umwelt schädigt, was Allgemeingut zerstört, Menschen tötet und zu einem extrem vorzeitigen Ende der menschlichen Art führen kann, gehört eingepreist und auf Dauer durch steigende Preise erst stark reduziert, dann abgeschafft oder voll ausgeglichen! Für unvermeidlich anfallendes »Klimagift« in der Phase der Umstellung muss es einen echten Ausgleich geben, der entsprechend aus den Mehreinnahmen durch höhere Preise finanziert wird! Im Fall Klima ist das ein echter CO2-Ausgleich zum Beispiel durch zusätzliche Moore oder Algen, die ihm Meer versenkt oder im Boden vergraben werden. Lebens- und damit Allgemeingutförderndes sollte belohnt oder begünstigt werden, damit es von der Bevölkerung angenommen wird. Todbringendes ist »schlecht«. Lebenbringendes oder Lebenerhaltendes ist »gut«. Und zwar nicht in einem abstrakten, moralischen Sinn, sondern konkret für uns Tiere namens Menschen. Weil wir im Großen und Ganzen lieber atmen und herumlaufen, als tot und starr mit für immer geschlossenen Augen im Sarg herumzuliegen. Der Klima-Expertinnenrat in Deutschland predigt seit Jahren die entsprechend hohe Einpreisung von fossilem CO2. Und das bei einer gleichzeitigen Entlastung der finanzschwachen Menschen, damit sich alle die Weltrettung leisten können. Schon 1998 hat ein grüner Politiker diese Lösung vorgeschlagen. Was für CO2 gilt, sollte für alle anderen Treibhausgase wie etwa Methan gelten. Leider ist bisher keine große Partei so sozial oder christlich gewesen, das Thema ernsthaft anzugehen und auf der Höhe der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse dranzubleiben. Wirtschaftliche Deals und Lobbyismus sowie andere Probleme sind stets drängender als die Erhaltung der menschlichen Art. Ein falsches Wirtschaftsverständnis blockiert die Rettung von Millionen Menschenleben. Wir werden von der Politik gezwungen, zuzuschauen, wie sich die Zukunft unserer Kinder und Nachkommen traurig winkend verabschiedet. Es bleibt ein Gefühl von Ohnmacht. Wie in etlichen Bereichen weicht hier die öffentliche Meinung von der veröffentlichten ab. Viele von uns hätten gern einen konsequenteren Schutz – und bekommen ein ums andere Mal ein bis zwei deftige Watschen namens behaupteter »Realität« und vorgeblich »unmöglicher Machbarkeit« um die Ohren gehauen. Um es klar zu sagen: Falsche Informationen und irreführende Weltvorstellungen! Lobbyisten kippen sinnvolle Gesetzesentwürfe. Schon in den 90ern hat mir mein Wirtschaftskunde-Lehrer gesagt: »Wenn Du mal Bundeskanzlerin werden willst, musst Du Jura studieren.« Unser Staat scheint seit Jahrzehnten überwiegend von Juristen gelenkt zu werden, von denen sich viele offenbar nicht um die Folgen ihres Handelns kümmern. Geld, Macht und Jobs großer Konzerne korrumpieren Politiker. Nachdem es 1998 82,2 Prozent Wahlbeteiligte gab, sank die Zahl der Wähler für gute zehn Jahre...




