Terrid | Time Squad 6: Der Zeit-Scout | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 177 Seiten

Reihe: Time Squad

Terrid Time Squad 6: Der Zeit-Scout


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8328-5104-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 6, 177 Seiten

Reihe: Time Squad

ISBN: 978-3-8328-5104-0
Verlag: Bildner Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Time Squad ist eine deutsche Science-Fiction-Serie, die in 21 Heften zwischen 1977 und 1985 erschien. Die Protagonisten der Serie sind die Agenten der Zeitpolizei, die zu verschiedenen Zeitpunkten und an den unterschiedlichsten Orten die Gegner der Menschheit bekämpfen und Veränderungen der Zeitlinie verhindern.

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1.


Als der Bronco seinen Reiter zum sechsten Mal in den Sand gesetzt hatte, hatte Charriba genug. Mühsam stand er auf, klopfte sich den feinen, weißen Staub von den Chaps und hinkte zum Zaun hinüber.

„Das ist kein Pferd“, schimpfte er unterdrückt. „Das ist der böse Geist in der Gestalt eines Pferdes!“

„Schon genug, Charriba?“ fragte He-who-stands-still mit leisem Spott. Indianern gegenüber verwendete der Alte stets die englische Übersetzung seines Namens; es klang interessanter, fand er.

„Ich höre auf“, verkündete Charriba und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ich habe genug Geld verdient, nun muß Schluß sein.“

„Willst du in die große Stadt zurückgehen und die Wissenschaften des Weißen Mannes lernen?“ erkundigte sich der Alte. Früher hatte er die Pferde selbst zugeritten, jetzt war er zu alt dazu. Dafür gehörte ihm das Unternehmen. In den vierzig Jahren, die der Alte in diesem Geschäft verbracht hatte, war er noch nie auf einen besseren Einreiter gestoßen als Charriba. Charriba brach den Tieren nicht den Willen, wie es der Weiße Mann häufig tat; er überzeugte sie davon, daß es für die Pferde besser und angenehmer sei, wenn sie den Kommandos der Reiter gehorchten. Dieses Verfahren erforderte natürlich erheblich mehr Aufwand als das rüde Einbrechen. Seit fast zehn Tagen plagte sich Charriba mit dem Schimmel herum. Eine große Filmgesellschaft hatte unbedingt ein lupenrein weißes Pferd haben wollen – dazu natürlich so lammfromm, daß sich ab und zu sogar der Star des Streifens auf seinen Rücken setzen konnte, ohne dabei Gefahr zu laufen, die 500.000 Dollar-Säbelbeine zu brechen.

„Ich will lernen“, korrigierte Charriba den Alten. „Was ein Indianer können muß, kann ich. Jetzt will ich wissen, was ein Weißer Mann zu wissen hat.“

Der Alte sah nach oben, als wolle er den Himmel um Verzeihung bitten für so viel Anmaßung.

„Willst du mehr wissen als der Große Geist?“ fragte er.

„Wenn möglich, ja“, gab Charriba zurück, während er den Oberkörper unter der Pumpe wusch.

Anschließend trocknete er sich ab und wechselte das Stirnband. Charriba trug in seiner Freizeit niemals das gleiche Stirnband wie bei der Arbeit. „Kann ich mein Geld haben?“

Der Alte wies auf das Pferd.

„Wer soll es zureiten? Ich? Mit meinen müden Gliedern? Soll ich mir das Genick brechen?“

„Brich ihm das Genick“, erwiderte Charriba kalt. „Oder dem Burschen von der Filmgesellschaft. Der Große Geist wird Verständnis dafür haben.“

„Die Jugend taugt nichts mehr“, greinte der Alte. „Zu meiner Zeit...“

„...hast du dich bei den Weißen herumgetrieben, deine Weiber verhökert und dich mit Schnaps vollaufen lassen, Alter! Ich kenne deine Geschichte. Ich kenne dich und deinesgleichen. Sind die Jungen brav und friedlich, jammert ihr, sie hätten keine Unternehmungslust. Sind die Jungen aktiv und temperamentvoll, heißt es, die Jugend kenne weder Zucht noch Sitte. Dein Jammerlied ist uralt, schon Sokrates hat ähnlich geklagt.“

„Einer von unseren Leuten?“ erkundigte sich der Alte hoffnungsvoll.

„Ein Weißer“, sagte Charriba, während er sich das lederne Hemd über den Kopf zog. „Er lebte, bevor noch die Weißen in dieses Land kamen.“

„Wenn sie dort leben konnten“, philosophierte der Alte, „warum sind sie dann hergekommen, um uns zu töten?“

„Frage ihn“, erklärte Charriba und wies in die Höhe. „Oder den Weißen Mann. Eine Antwort wirst du nicht bekommen. Kann ich jetzt mein Geld haben?“

„Ich bin pleite“, jammerte der Alte. „Du weißt, daß ich pleite bin. Die Geschäfte gehen schlecht. Du mußt warten. Wenn du den Schimmel eingeritten hast, werde ich Geld bekommen – vielleicht.“

Charriba zögerte einen Augenblick.

„Ich gebe dir Zeit bis zum nächsten Vollmond. Ich werde dich wissen lassen, wo du das Geld hinschicken kannst. Zahlst du nicht, dann werde ich deinen Skalp dorthin hängen, wo die Weißen Papier haben!“

Die bloße Vorstellung solcher Schande verschlug dem Alten die Sprache. Schweigend sah er zu, wie Charriba sein Pferd bestieg, eine mausgraue zottige Kreatur, aber ungemein wendig und ausdauernd. Schon oft hatte der Alte versucht, Charriba das Pferd abzuluchsen.

Charriba hob grüßend die Hand und sprengte davon.

„Hund von einem Indianer“, keifte der Alte hinter ihm her, sicherheitshalber erst, als Charriba außer Hörweite war. Dann begann der Alte zu grinsen.

„Tausend Halunken deines Schlages, Charriba, und die guten alten Zeiten würden zurückkommen. Wir würden sie schlagen, nicht nur am Little Bighorn. Wir würden den Nachkommen des Cornel Custer die Eingeweide herausreißen und das Bildnis der großen Frau aus Eisen damit schmücken, das am Rande des östlichen Meeres steht. Wir...“

Der Alte unterbrach sich. Er holte die Flasche hervor, die er unter dem Sattel versteckt hatte, auf dem er den ganzen Tag über gehockt hatte. Der scharfe Schnaps, hoffte He-who-stands-still, würde den Träumen von einer ruhmreichen Zukunft die nötige Grundlage verleihen.

„Ruhig, Grauer!“ sagte Charriba leise und klopfte dem Pferd den Hals.

Das Land voraus war karg. Noch waren die furchtbaren Wunden nicht verheilt, die der Weiße Mann dem Land durch jahrhundertlangen, erbarmungslosen Raubbau geschlagen hatte. Wahrscheinlich mußte noch mindestens ein Jahrhundert vergehen, bis das Land wieder so aussah, wie der Weiße Mann es vorgefunden und den Indianern weggenommen hatte.

In der Ferne sah Charriba eine Büffelherde weiden, knapp einhundert Tiere. Es zuckte Charriba in den Fingern, sich dort Fleisch zu beschaffen, aber er beherrschte sich. Erst wenn es wieder mehr als eine Million Büffel im Land der Indianer gab, sollte die Jagd freigegeben werden – so hatte es der Große Rat bestimmt.

Einstweilen durften nur die freilebenden Indianer jagen, jene Männer, Frauen und Kinder, die vollkommen zur Lebensweise ihrer Vorväter zurückgekehrt waren. Noch waren die Abschußquoten zu gering, als daß die roten Männer in den großen Städten ihrem Jagdfieber nachgeben durften.

„Ho!“ trieb Charriba sein Pferd an.

Er hatte weit zu reiten. Indiana-City lag hoch im Norden des Landes, dort, wo der harte Winter den Bau von festen Häusern notwendig machte. Die Ranch, auf der Charriba gearbeitet hatte, lag hingegen im äußersten Süden der ehemaligen USA, im Gebiet des früheren Bundesstaates Texas. Natürlich hätte Charriba auch moderne Verkehrsmittel benutzen können. Stündlich flogen Maschinen von einer großen Stadt des Doppelkontinents Amerikas zur anderen; es gab die großen Frachtlinien, die in ihren schweren Lastgleitern Schwergut und Massengüter von den Herstellern zu den Verbrauchern beförderten. Auf diesen Strecken hätte Charriba sogar sein Pferd mitnehmen können.

Soviel Bequemlichkeit war nicht nach Charribas Geschmack. Er wollte die Zeit seiner Reise nutzen. Er wollte feststellen, ob er noch fähig war, ohne moderne Hilfsmittel in seiner angestammten Heimat zu überleben. Vor allem aber wollte er nachdenken.

Charriba hatte eine Entscheidung zu treffen.

Er näherte sich dem dreißigsten Lebensjahr. Es wurde langsam Zeit, das Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Bisher hatte es Charriba verstanden, sich alle Möglichkeiten offenzuhalten. Noch konnte er Mitglied des Großen Rates werden, er konnte sein Studium abschließen, er konnte sich einem Stamm freilebender Indianer anschließen. Bald aber würden bestimmte Chancen unwiderruflich dahin sein.

In den nahen Rocky Mountains berührte die untergehende Sonnen-Scheibe die Spitzen der schneebedeckten Berge. Charriba begann sich nach einem Lager für die Nacht umzusehen. Ziemlich bald hatte er gefunden, was er brachte. Eine windgeschützte Mulde, in der genügend herangewehtes Gestrüpp lag, um ein kleines Feuer anzuzünden. Charriba stieg von seinem Grauen und hobbelte ihn an. Futter für das Pferd gab es in der Nähe in unerschöpflichen Mengen.

Charriba hatte nichts gegen moderne Erfindungen einzuwenden, vor allem dann nicht, wenn diese Erfindungen überaus praktisch waren. Er hätte das trockene Gestrüpp notfalls auch ohne Feuerzeug anstecken können. Er wußte, daß er dazu in der Lage war, daher hatte er keine Hemmungen, ein Gasfeuerzeug zu gebrauchen.

Während die Sonne langsam von den Bergen gefressen wurde, hockte Charriba vor dem leise knisternden Feuer und dachte nach.

Mit vollem Namen hieß er Charriba White Cloud, so jedenfalls stand es in seinem Paß. Er brauchte dieses Papier allerdings nur in den großen Städten, vor allem dort, wo der Weiße Mann herrschte.

Körpergröße 188 cm stand in diesem Paß. Die breiten Schultern mit ihren Muskelpaketen waren darin allerdings nicht vermerkt. Über Charribas Fähigkeit, sich mit der Geschicklichkeit und Gefährlichkeit einer angriffslustigen Raubkatze zu bewegen, war ebenfalls nichts zu lesen. Es stand auch nicht vermerkt, daß Charriba mit Gewehr und Bogen ein meisterlicher Schütze war, mit dem Bogen sogar in doppelter Hinsicht.

Bei freilebenden Indianern hatte er die Jagd und den Kampf mit dem Bogen erlernt, auf eine Art, die Stümper nach kurzer Zeit ausmerzte – er hatte sich seine Nahrung damit verschaffen müssen. Mit modernen Sportbögen, die als Waffe kaum zu vermeiden waren, hatte er sich an der Universität mehrere Medaillen zusammengeschossen. Ebenfalls meisterlich zu handhaben wußte er auch das Messer in seinem Gürtel, ein unterarmlanges Bowieknife.

Vorsichtig legte Charriba Holz nach. Aus alter Gewohnheit saß er so, daß er die Flammen nicht unmittelbar sehen konnte – sie hätten ihn behindert, für...



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