E-Book, Deutsch, Band 2290, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 2290: Daellians Kampf
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2289-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2290, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2289-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Michael Marcus Thurner ist und bleibt Wiener. Er wurde 1963 in der österreichischen Hauptstadt geboren und wohnt mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Nähe des Stadtzentrums. 'Und dort fühle ich mich pudelwohl', so Thurner über seinen Lebensmittelpunkt. Nach einem Abschluss der Handelsakademie studierte Thurner einige Semester Anglistik, Geographie und Geschichte. Sein Berufsziel war eigentlich Lehrer - er stellte allerdings fest, dass dies nichts für ihn war. 'In beruflicher Hinsicht prägten häufige Wechsel mein Leben', konstatiert er heute. 'Unter anderem war ich als Kellner, Verkäufer in einem Motorradzubehör-Geschäft, Security und als Angestellter in einem Reitstall tätig.' Thurner ist begeisterter Fußballfan und spielt nach eigenen Angaben den 'gnadenlosen Abräumer, vor dem kein Schienbein sicher ist'. Als Fan hält er seit über 40 Jahren dem SK Rapid Wien die Treue. Er liest und liebt Comics, hält Carl Barks für den großartigsten Geschichtenerzähler aller Zeiten und ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Im Alter von 34 Jahren entwickelte er erste schriftstellerische Aktivitäten. 1998 wurde seine Kurzgeschichte 'Tod eines Unsterblichen' beim 'William Voltz Kurzgeschichten-Wettbewerb' auf den dritten Platz gewählt. Sein erster Roman erschien unter dem Titel 'Mit den Augen des Mörders' in der PERRY RHODAN-FanEdition. Recht schnell folgte seine Mitarbeit an der ATLAN-Serie - dann wurden auch andere Verlage auf ihn aufmerksam, und Thurner begann sein Engagement bei den Serien 'Bad Earth' und 'Maddrax'. Hinzu kamen Beiträge zu 'Coco Zamis' und die Mitarbeit bei 'Elfenzeit', der Fantasy-Erfolgsserie von Susan Schwartz. Bei Heyne erschien der eigenständige SF-Roman 'Turils Reise' (2009); demnächst folgt 'Plasmawelt' (2011). 2005 stieg er mit Band 2265, 'Die Krone von Roewis', in die PERRY RHODAN-Serie ein und gehört seitdem zum festen Autorenteam. 'Das freut mich als jahrzehntelanger Fan ganz besonders', so Thurner, der in Wien lange Jahre den PERRY RHODAN-Stammtisch organisiert hatte. Er verfasste mittlerweile zahlreiche Heftromane und Taschenbücher und übernahm zeitweise die Exposé-Redaktion für die ATLAN-Heftserie sowie für PERRY RHODAN- und ATLAN-Taschenbücher.
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1.
Malcolm S. Daellian erwachte.
Natürlich war es kein Schlaf im herkömmlichen Sinne gewesen, den er erlebt hatte. Vielmehr ein Dahindämmern, ein kurzzeitiges und bewusstes Abstandhalten zur permanenten Überreizung seines Denkens, verursacht durch die vielen Sorgen und Probleme der letzten Zeit.
Alle paar Tage tat er sich selbst diesen Gefallen. Und wenn es nur darum ging, für sich selbst die Illusion einer gewissen Normalität aufrechtzuerhalten.
Es gab kein allmähliches Auftauchen aus der Behaglichkeit geistiger Inaktivität. Der Sarkophag erlaubte es nicht. Er reagierte augenblicklich auf das Wachsein seines Bewohners und verstärkte die Zufuhr bernsteinfarbener Nährflüssigkeit.
Daellians Lebens- und Todesbehälter erhob sich eine Handbreit über den Boden.
»Gerätst du leicht ins Schwitzen, Wasarkun?«, fragte er in die geschäftige Stille des Raumes hinein.
Major DeMool zuckte zusammen, wie Daellian mit einer gewissen Genugtuung über seine optischen Außensensoren registrierte. Er mochte den stocksteifen Offizier nicht besonders.
»Nein!«, entgegnete DeMool – und begann unvermittelt zu transpirieren.
Malcolm Scott Daellian roch und sah es, ja, er konnte es sogar hören! Seine so vielfältig verbesserten und verstärkten Sinne, sie machten ihn zu einem unvergleichlichen Wesen, das einem herkömmlichen Menschen um einiges voraus war.
Und dennoch war er ein Nichts. Ein erbärmlicher Rest Körperlichkeit, eingesperrt in einem sargähnlichen Behältnis.
Daellian ließ die trübseligen Überlegungen hinter sich und widmete sich dem Alltagsgeschäft.
»Ich denke, dass jeder hier ins Schwitzen kommt«, sagte er knarrend, »vor allem wegen der Hitze, hier in der Korona der Sonne Dyon, mit nahezu einhunderttausend Grad Kelvin ringsum. Aber man kann auch vor Furcht schwitzen. Nicht wahr, Wasarkun?«
Daellian lachte, modulierte dabei seine Stimmlage. Heraus kam ein Gekrächze, das der Zentralebesatzung des Schiffs durch Mark und Bein gehen musste.
Und tatsächlich – sie wandten sich kurz ab, als ob er dadurch ihre Reaktion nicht erkennen könne: Am Nackenansatz von Major A. A. Cordable, dem Stellvertretenden Chefingenieur, bildete sich eine prächtige Gänsehaut, während sich die raue Körperoberfläche seines Kollegen Szam-Soon in Falten legte. Typisch für Swoons, denen es graute.
Einzig Oberstleutnant Dooram, der Posbi und Leiter der Logistikabteilung, drehte sich interessiert in die Richtung von Daellians Sarg. Seitdem die kleine Entsatzflotte aus der Milchstraße hier in der Großen Magellanschen Wolke eingetroffen war, stand er vermehrt im Einsatz und vollbrachte bemerkenswerte Leistungen – soweit man dies bei einem Roboter mit Bioplasma-Komponente beurteilen konnte. Und nebenbei nutzte er jene Zeit, die er in der Zentrale verbrachte, um ihn, den Mann im Sarg, zu beobachten. Sah oder suchte er Ähnlichkeiten?
»Wie sieht es aus?«, fragte Daellian. »Irgendwelche Anzeichen, dass uns Gon-Os Truppen ausgemacht haben?«
Wasarkun DeMool verneinte. »Wir stehen so tief wie möglich im Ortungsschatten Dyons. In der letzten halben Stunde, während du ... geruht ... hast, sind uns ein paar Flares ganz schön auf die Pelle gerückt.«
»Das ist eine äußerst unpräzise Ausdrucksweise, Wasarkun! Ich bitte um einen genauen Bericht.«
Der Olympgeborene schlug in einer lächerlichen militärischen Reaktion die Hacken zusammen. Der Mann gehörte zwar zum Führungspersonal der RICHARD BURTON und war während der Ruhephase Ranjif Prageshs sogar nomineller Kommandant, doch den Drill seiner früheren Armeetage hatte er sich nie abgewöhnen können.
»Die Belastung der Schirme lag kurzfristig bei 98,4 Prozent, gefolgt von einer ganzen Serie kleinerer Flares, massiver magnetischer Energiezuführungen sowie harter Röntgenstrahlung ...«
»Das klingt doch schon viel besser«, unterbrach Daellian zufrieden. »Mit anderen Worten: nichts Neues unter der Sonne. Gibt es anderweitig Berichtenswertes? Habt ihr der Morsebotschaft von Myles Kantor Neues entnehmen können? Eine versteckte Botschaft vielleicht?«
Wasarkun schnaubte beleidigt. »Wir hätten dich in einem solchen Fall selbstverständlich aufgeweckt!«
»Selbstverständlich«, echote Daellian und konzentrierte seine Wahrnehmung auf die vielfältigen Anzeigen. Holo-Matrizes in allen Größen und Formen, zwei- oder dreidimensional, stimulierten seine audiovisuellen Sensoren, zudem war er dank seiner High-Tech-Ausrüstung in gewissem Sinne direkt mit der RICHARD BURTON verbunden. Er filterte alles Wesentliche heraus, was das Schiff an Informationen hochspülte. Nur jenen bio-positronischen Großrechnern, die sich um die Aufrechterhaltung der Schutzschirme kümmerten, blieb er fern. Aus gutem Grund schreckte er davor zurück, die Messwerte aus der Sonnenkorona direkt an sein Gehirn weiterleiten zu lassen. Für manche Dinge war der menschliche Geist einfach nicht geschaffen – zumindest nicht seiner.
Umso mehr bewunderte er die Leistungen der Emotionauten unter ihren SERT-Hauben. Im speziellen Falle die der Venusgeborenen Lei Kun-Schmitt. Die riesige Frau, fett wie eine mongronidische Dattelqualle, hielt das Schiff mit einer Leichtigkeit im unmittelbaren Umfeld der Sonne fest, als würde sie ein Steak mit einer Zange am Holzkohlenfeuer grillen.
Emissionssignal!, spürte er plötzlich einen Hinweis aus der Ortungsabteilung, und eine Zehntelsekunde später schallte bereits der Alarm durch die Zentrale.
Rasch zog Daellian seine Außensensoren aus den Schnittstellen mit dem Schiff zurück. Einen längeren Kontakt mit der irrwitzigen Häufung an Impulsen, die in einem Notfall durch die Biopositronik der RICHARD BURTON hallten, vermied er nach wie vor.
»Ein Raumschiff!«, meldete Shabor Melli mit einer Gemütsruhe, die man ihm nicht zutraute. Der sonst so quecksilbrige Terra-Springer-Mischling reagierte in Momenten wie diesen wie ausgewechselt.
»Ein Parr-Jäger?«, fragte DeMool.
»Nein«, antwortete Shabor. »Die energetische Kennung ist unbekannt. Der Richtungsvektor weist ebenfalls auf anderes hin. Das Schiff entflieht soeben der Anziehungskraft des einzigen Planeten des Systems, allerdings mit lächerlichen Beschleunigungswerten. 14 Kilometer pro Sekundenquadrat – da pinkle ich ja schneller ...«
»Ich will so rasch wie möglich eine Auswertung der Ortungsergebnisse!«, befahl Daellian und ließ den Rotalarm aufheben.
Die Anspannung legte sich ein wenig; die Nervenkostüme aller, auch jene der Entscheidungsträger der kleinen Flotte, waren in den letzten Tagen mehreren schweren Belastungsprüfungen unterworfen gewesen. Vorderhand war Daellian daran gelegen, die Situation um ihrer aller willen nicht allzu dramatisch wirken zu lassen.
Ein rasch aufbereitetes Nachrichtenbündel wurde über den Bord-Interkom ausgesendet, um die mehr als siebentausend Frauen und Männer der Besatzung über den Stand der Dinge zu unterrichten – und zu beruhigen.
»Es handelt sich um einen mehr oder weniger stromlinienförmigen Raketentyp«, sagte Shabor nach geraumer Zeit. »Ungefähr 130 Meter lang, maximal 50 Meter breit. Definitiv kein Suchschiff unserer Lieblings-Gottheit.«
»Welche Daten existieren über den Dyon-Planeten, von dem aus die Rakete hochgestiegen ist?«
»Wenige. Wir wissen lediglich, dass dort keine hochenergetischen Prozesse ablaufen. Mehr war während unserer Annäherung und der Eintauchphase in die Sonne aus Zeitmangel nicht festzustellen ...«
»Wenn dort also vernunftbegabtes Leben existiert, dann hatte es nicht die technischen Möglichkeiten und Voraussetzungen, dieses Schiff in den Raum zu schicken? Sehe ich das richtig?«
»Simpel ausgedrückt: womöglich.« Shabors Blick in den Ortungstank wurde plötzlich starr. »Moment! Hier ... ja.« Shabor richtete den Blick auf Daellian. Um seine Lippen spielte ein kleines Lächeln, als er ein paar Bilder auf das Hauptholo der Zentrale projizierte.
»Die Mühle ist ja nur Schrott!«, entfuhr es Wasarkun.
Shabor nickte. »Das Ding gab nicht viel her. Vor wenigen Sekunden ist sein Antrieb endgültig ... verreckt. Die Rakete treibt nunmehr ohne energetische Tätigkeit durch den Raum.«
»Verreckt?« Daellian ließ das Wort voller Abscheu erklingen.
»In diesem speziellen Fall: ja«, entgegnete Shabor Melli gelassen. »Sie gab einen letzten kräftigen Stotterer von sich und schaltete dann ab. So etwas kann man durchaus verrecken nennen.«
»Nein!«, antwortete Daellian streng. »Achte gefälligst auf deine Sprache, Shabor!«
Shabors Grinsen verblasste. Ob ihm aufging, weshalb der Wissenschaftler so hart gegen die leichtfertig gebrauchten Worte reagierte? Nein, wahrscheinlich nicht. Er hatte diese Gedanken niemals gehabt, niemals die geflüsterten Kommentare der Mediker gehört ... Lasst ihn verrecken, es ist ja kaum noch etwas von ihm übrig ... Nein, das konnte niemand verstehen.
»Die RICHARD BURTON untersucht dieses Schiff!«, befahl Daellian kurz entschlossen. »Der Rest der Flotte verbleibt währenddessen im Ortungsschatten der Sonne.«
»Was erhoffst du dir davon?«, fragte Wasarkun DeMool. Vorsichtig wie eh und je, wenn es um die Abwägung der Risikomomente ging. »Es handelt sich wohl um ein urzeitliches Wrack, das irgendeine Zivilisation auf dem Sprung ins Weltall hochgeschossen hat.«
»Das passt nicht zu den Auswertungen der Sensoren. Auf dem Planeten gibt es nichts, was die Worte ›moderne Zivilisation‹ irgendwie rechtfertigt. Die Rakete ist zwar von dort gestartet – muss aber ursprünglich einen anderen Herkunftsort...




