E-Book, Deutsch, Band 2505, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Thurner Perry Rhodan 2505: Der Polyport-Markt
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8453-2504-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Stardust"
E-Book, Deutsch, Band 2505, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2504-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Michael Marcus Thurner ist und bleibt Wiener. Er wurde 1963 in der österreichischen Hauptstadt geboren und wohnt mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Nähe des Stadtzentrums. 'Und dort fühle ich mich pudelwohl', so Thurner über seinen Lebensmittelpunkt. Nach einem Abschluss der Handelsakademie studierte Thurner einige Semester Anglistik, Geographie und Geschichte. Sein Berufsziel war eigentlich Lehrer - er stellte allerdings fest, dass dies nichts für ihn war. 'In beruflicher Hinsicht prägten häufige Wechsel mein Leben', konstatiert er heute. 'Unter anderem war ich als Kellner, Verkäufer in einem Motorradzubehör-Geschäft, Security und als Angestellter in einem Reitstall tätig.' Thurner ist begeisterter Fußballfan und spielt nach eigenen Angaben den 'gnadenlosen Abräumer, vor dem kein Schienbein sicher ist'. Als Fan hält er seit über 40 Jahren dem SK Rapid Wien die Treue. Er liest und liebt Comics, hält Carl Barks für den großartigsten Geschichtenerzähler aller Zeiten und ist leidenschaftlicher Motorradfahrer. Im Alter von 34 Jahren entwickelte er erste schriftstellerische Aktivitäten. 1998 wurde seine Kurzgeschichte 'Tod eines Unsterblichen' beim 'William Voltz Kurzgeschichten-Wettbewerb' auf den dritten Platz gewählt. Sein erster Roman erschien unter dem Titel 'Mit den Augen des Mörders' in der PERRY RHODAN-FanEdition. Recht schnell folgte seine Mitarbeit an der ATLAN-Serie - dann wurden auch andere Verlage auf ihn aufmerksam, und Thurner begann sein Engagement bei den Serien 'Bad Earth' und 'Maddrax'. Hinzu kamen Beiträge zu 'Coco Zamis' und die Mitarbeit bei 'Elfenzeit', der Fantasy-Erfolgsserie von Susan Schwartz. Bei Heyne erschien der eigenständige SF-Roman 'Turils Reise' (2009); demnächst folgt 'Plasmawelt' (2011). 2005 stieg er mit Band 2265, 'Die Krone von Roewis', in die PERRY RHODAN-Serie ein und gehört seitdem zum festen Autorenteam. 'Das freut mich als jahrzehntelanger Fan ganz besonders', so Thurner, der in Wien lange Jahre den PERRY RHODAN-Stammtisch organisiert hatte. Er verfasste mittlerweile zahlreiche Heftromane und Taschenbücher und übernahm zeitweise die Exposé-Redaktion für die ATLAN-Heftserie sowie für PERRY RHODAN- und ATLAN-Taschenbücher.
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1.
Lanzenkaur
»Nie und nimmer schaffen wir's!«, flüsterte Zitterkaib. Er rieb sich über den dürftigen, blaugrau melierten Kinnbart, der keine 20 Zentimeter lang war und noch nicht einmal die sippenüblichen Flechten aufwies. »Aasin und seine Blendbrüder werden uns wieder erwischen. Dann setzt es Hiebe, und das Pressgeld müssen wir außerdem abliefern. Warum lassen wir es nicht gleich bleiben und geben ihnen, was sie verlangen?«
»Halt's Maul und achte gefälligst darauf, dass die Warenkette synchronisiert bleibt!«, fuhr Lanzenkaur seinen Freund an. Er lugte um die Ecke des schäbigen Verwaltungsgebäudes am Ende des Landefeldes. Niemand ließ sich blicken, doch das hatte nichts zu bedeuten. Sie hatten einen langen Weg vor sich, und Aasin mochte überall entlang der Wegstrecke auf sie lauern.
»Aber ...«
»Lass dieses ständige Aber! Sonst eheliche ich deine Schwester doch noch, und du musst für die Mitgift aufkommen.«
Geld war ein Argument, dem sich Zitterkaib niemals entziehen konnte. Also zog der Jüngere die traditionelle Maulsperre herab und verankerte das Gummibändchen an den Seitenhaken. Dieses profunde Mittel, die eigene Geschwätzigkeit zu bremsen, machte sich bei Brautwerbungen, Vertragsanbahnungen oder bei Diskussionen über die aktuellen Schurfball-Ergebnisse bezahlt und hatte schon so manche Keilerei im Keim erstickt. Auch wenn es darum ging, den Warenzug der Sippe in die Sicherheit der Auktionshäuser zu schaffen, bewies das altgediente Ritual-Werkzeug seine Bedeutung.
»Also los dann!«, flüsterte Lanzenkaur und winkte seinen Begleitern, ihm zu folgen. Sie passierten die Absperrung, die das Raumlandefeld von der Warenlager-Peripherie trennte, und überquerten das freie Terrain, so rasch es ging. Aasin und seine Blendbrüder würden in diesem Moment informiert werden, dass sie auf dem Weg waren.
Zitterkaib und seine Cousins behielten die beladenen Schwebekoffer im Schlepptau, während Lanzenkaur tunlichst darauf achtete, dass die Route eingehalten wurde. Ein gutes Dutzend Diversoren umschwebte den kleinen Trupp, stets bereit, ihrer Aufgabe nachzugehen. Sie überquerten die Dritte Peripherie-Straße, schlängelten sich entlang der wartenden Bodentaxis durch das Nadelöhr der Zollpresse, das um diese Zeit insbesondere von Tagestouristen umringt wurde. Die Angehörigen einer schwer bewaffneten Hopken-Wachttruppe schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit; sie gehörten zu jenen Söldnern, die direkt dem Marktleiter unterstellt waren und nichts mit Aasin zu tun hatten.
Als sie die Zollbarrikaden hinter sich gelassen hatten und die Hallen vor ihnen auftauchten, wagte es Lanzenkaur erstmals durchzuatmen. So weit, so gut. Im Schatten eines Informationsstandes schöpften sie tief Atem. Nahe dieses stark frequentierten Eingangsbereichs, der zum beliebten Vergnügungsbereich für Tagestouristen gehörte, fielen sie trotz der Kisten, die sie mit sich schleppten, kaum auf.
Lanzenkaur kontrollierte die Anzeigen seiner Individual-Orter. Keine Anzeichen von Gefahr; doch das hatte nichts zu bedeuten. Die Deflektoren der Hopken waren wesentlich leistungsfähiger als ihre eigenen Geräte.
»So weit sind wir schon lange nicht mehr gekommen«, nuschelte Zitterkaib, der seine Maulsperre ein wenig gelöst hatte. »Diesmal schaffen wir's. Ganz sicher.«
Seine Stimmung schwankte zwischen grenzenlosem Pessimismus und überschwänglichem Enthusiasmus. Darin ähnelte er den meisten ihrer Sippe.
»Wir haben erst die Hälfte des Weges hinter uns«, mahnte er zur Vorsicht. »Bleibt aufmerksam. Überprüft nochmals die Warenkette und seid bereit, die Diversoren einzusetzen.«
Die Cousins nickten. Sie waren die besten Mitglieder seiner Crew. Sie gehorchten seinen Anweisungen fast immer. Die fünf Wagokos kontrollierten den Synchronkurs ihrer Kisten und zogen dann ihre Maulsperren wieder fest.
Erlebten sie an diesem Tag ein Wunder? Würden sie es endlich schaffen, unbeschadet zur Abladestelle zu gelangen? Lanzenkaur betete das Ende ihrer Demütigungen herbei. Seit langer Zeit litten sie unter den Repressionen, die ihnen Aasin und seine Landsleute auferlegten.
Geduldig wartete er ab, bis die Marketender der Mittagsschicht mit müden Schritten an ihnen vorbeimarschierten. Alle wurden von maschinellen Börsenmotzern umschwebt, die sich bemühten, erste Geschäfte anzubahnen und die Müdigkeit der Arbeiter auszunützen.
»Jetzt!«, gab Lanzenkaur das Zeichen zum Aufbruch.
Das Volk Lanzenkaurs war klein, kaum halb so groß wie die meisten Händler, die den Chinoiz und deren genetischen Verwandten zuzuordnen waren. Niemand achtete sonderlich auf sie. Wagokos waren häufig auf dem Marktgebiet anzutreffen, und sie galten als besonders umgänglich.
Solange sie im Schutz der Menge mittrieben, waren sie vor den Übergriffen durch die Hopken sicher. Das Geschrei, Gezeter, Gerülpse und Geklapper sowie ein monotones Datengesurr der schwebenden Börsenmotzer begleitete sie.
Ein Diversor sank zu Boden; Lanzenkaur zertrat ihn, bevor er Fehlfunktionen zeigte und Aufmerksamkeit auf sie lenkte. Die Geräte waren von minderer Qualität, wie Lanzenkaur verärgert feststellte. Die Bokazuu hatten ihnen wieder einmal Schrott angedreht.
Nur noch wenige hundert Meter. Er vermochte vor Nervosität kaum noch Wangen, Lefzen und Kinnbart unter Kontrolle zu halten. Seine Mimik arbeitete unkontrolliert, und die Pigmentflecken entlang der kräftig behaarten Gesichtsmaske, auf die er so stolz war, verschwanden unter einer dicken Schicht Schämhaare.
Ein Aufschrei erklang, grollend und wütend.
Erschrocken warf sich Lanzenkaur gleich seinen Kameraden hinter eine Mülltonne in Deckung, aus deren Öffnung es nach verwesendem Fleisch stank. Es kam Unordnung in die Warenkette, deren Flugbahn sie in aller Eile neu programmieren mussten; die Koffer stießen aneinander, ließen sich kaum noch kontrollieren.
Die Händler, in deren Tross sie sich bewegt hatten, reagierten nicht auf das Gebrüll. Sie folgten weiter ihrem Weg, stumpf und wenig interessiert an dem, was rings um sie vorging.
Vorsichtig lugte Lanzenkaur aus seiner Deckung – und atmete erleichtert durch.
Ein betrunkener chinoizischer Tagesgast lag unweit von ihnen im Halbdunkel eines Schrotthaufens und protestierte lautstark gegen die unsanfte Behandlung durch zwei andere seines Volkes, die den offenbar verloren Gegangenen zurück zu ihrem Schiff transportieren wollten. Er trug jene koritonfarbige Plakette, die ihn als Besucher der vergangenen Nachtschicht kennzeichnete.
Schnapsdrossler sorgten für zusätzliches Durcheinander: Sie umflatterten den Betrunkenen und redeten ihm ins Gewissen. Manche bearbeiteten ihn nachhaltig mit religiösen Entzugsliedern, andere schimpften und drohten ihm mit Qualen, die ihn die Götter seiner Wahl nach seinem Tod erleiden lassen würden.
Der Chinoiz grinste dümmlich und hieb unkontrolliert durch die Luft, ohne den Schnapsdrosslern etwas anhaben zu können.
»Alles in Ordnung!« Lanzenkaur winkte seinen Begleitern, aus der Deckung hervorzukriechen und dem Zug der Händler zu folgen. Noch war nichts verloren, ihnen blieb ausreichend Zeit, die Abladestelle zu erreichen.
Der Trubel rings um sie nahm weiter zu. Karrenschleicher boten Teile ihrer stetig nachwachsenden Gehglieder an, die in Rösthöfen für wenig Geld gebraten und nach eigenem Geschmack gewürzt werden konnten. Ein einzeln auftretender Gehtnichtmehr bot Wetten zu unverschämten Quoten auf die kommenden Schurfball-Spiele an, während ein Staffigen-Ballett die Sinne unbedarfter Tagestouristen verwirrte und mithilfe geschickt verborgener Magnetimpulsschneidern den Staunenden kleine Beträge von den Konten klaute. Die Händler begannen nun, da sie ihre Stände erreichten, lautstark gegeneinander anzuschreien.
Das unübersichtliche Geschehen kam Lanzenkaur zugute. Die wenigen Hopken-Wachorgane, die sich im Gedränge blicken ließen, hatten alle Hände voll zu tun, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Auf dem Markt herrschte seit Jahr und Tag Hochbetrieb. Die Handelsstation besaß einen guten Ruf. Der Marktleiter galt als Mann des Ausgleichs: Er bevorzugte niemanden, er behandelte Gäste, Händler, Bewohner und Touristen der Station gleichermaßen ungerecht.
Noch immer zeigte sich keine Spur von Aasin und seinen Spießgesellen.
»Los, weiter!«, spornte Lanzenkaur seine Leute einmal mehr an. »Bleibt in Bewegung!«
Das Ziel, jene rosarot lackierten Baracken, in denen ihre Waren gewogen, vermessen und in den Umlauf gebracht werden würden, befand sich bereits in Sichtweite. Sie mussten nur noch eine großteils brachliegende Ebene überqueren, auf der wenige Häufchen Schutt und Dreck abgeladen worden waren. Dort lebte der Abschaum der Station; Süchtige, Spieler, Ausgestoßene, Krüppel. Ihre Behausungen, die dieses Wort gar nicht verdienten, boten kaum Deckung.
Lanzenkaur blickte auf seine Uhr. »Ihr wisst, worauf es ankommt. Sobald ich das Signal gebe, aktiviert ihr die Diversoren, schickt die Kisten auf den Weg und lauft, so rasch ihr könnt. Verstanden?«
Die Wakogos pressten ihre Zungen als Zeichen ihres Einverständnisses zwischen den Maulsperren hervor.
Lanzenkaur zählte den Countdown herab. Gleich musste es geschehen. Gleich, gleich ...
Das Geschwader der Barbassen startete mit einer lange Rauchwolke, die es hinter den schlanken Schiffseinheiten herzog. Sie verhielten sich so, wie es Lanzenkaur erhofft hatte. Die spießchenähnlichen Raumer, mehr als zwanzig an der Zahl, zogen über ihre Köpfe hinweg. Der Boden zitterte unter seinen Beinen, der Lärm war unerträglich.
Einmal mehr bewiesen die Fischköpfe, wie wenig sie sich um die Gepflogenheiten auf dem Marktgelände...




