Townend | IN DEN HÄNDEN DER NORMANNEN | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Townend IN DEN HÄNDEN DER NORMANNEN


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-765-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-95446-765-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer ist ihr geheimnisvoller Retter? Nächtelang träumt die blutjunge Sächsin Judith von dem attraktiven Fremden, dank dessen Hilfe sie einen grausamen Überfall überlebt hat. Aber kaum sieht sie ihn wieder, könnte sie entsetzter nicht sein: Roland de Mandeville ist ein Normanne - ein Mann, den sie niemals lieben darf!



Carol Townend schreibt packende Romances, die im mittelalterlichen England und Europa spielen. Sie hat Geschichte an der Universität London studiert und liebt Recherchereisen nach Frankreich, Griechenland, Italien und in die Türkei - historische Stätten inspirieren sie. Ihr größter Traum ist, den Grundriss einer mittelalterlichen Stadt zu entdecken, die einzelnen Orte abzuschreiten und sich ihre Heldinnen und Helden dort vorzustellen. Beim Schreiben hat sie einen lateinischen Leitspruch 'Omnia vincit amor', das bedeutet 'Liebe siegt über alles'.

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1. KAPITEL


Beckford, Yorkshire, 1095

Judith stand am Eingang der Hütte und blickte zu der Burg hinauf, die über den einfachen Holzhäusern der Dorfbewohner aufragte wie eine kahle Felsklippe. Es war immer dasselbe. Jedes Mal, wenn Judith im Dorf war, zogen diese bedrohlichen grauen Mauern sie in ihren Bann.

Mit zusammengekniffenen Augen fixierte sie die Festung, als müsse sie ein Rätsel ergründen, ähnlich einem Schriftgelehrten, der versucht, die fremde Sprache auf einem Pergament zu entziffern.

Die schmalen Ausblicke im Turm erschienen Judith wie feindselige Augen, die böse auf sie herabschauten. Eine nicht greifbare Gefahr ging von der Burg aus.

„Judith, wo bist du nur mit deinen Gedanken!“, schalt die alte Kräuterfrau, die humpelnd zur Tür geschlurft kam. „Hast du mir überhaupt zugehört?“

Judith drehte sich mit schuldbewusster Miene zu Aethel um, deren warmherzigem Blick man ansah, dass sie nicht wirklich böse war. „Verzeih, Aethelgyth, du sagtest, dass ich …“

„Dass du deiner Mutter weiterhin diese Kräuter hier geben sollst. Nimm reichlich, und koch sie lange in Wasser auf. Dann seihst du den Tee durch. Viermal am Tag musst du ihn ihr geben, und achte drauf, dass er jedes Mal frisch zubereitet ist.“

Judith zog die Nase kraus. „Arme Mutter! Er schmeckt grässlich, und sie trinkt ihn schon so lange. Meinst du nicht, dass es ihr allmählich besser gehen müsste?“

Aethel zupfte an den Kräutern in dem Korb und überhörte die Frage des Mädchens. „Du kannst den Tee mit Honig süßen“, schlug sie vor, „das nimmt den bitteren Geschmack.“

Judith wollte eine genauere Auskunft von der alten Kräuterfrau, aber sie kam nicht dazu, ihre Frage zu wiederholen, denn ein fernes Geräusch von der Zugbrücke lenkte sie ab.

Aethel stieß einen leichten Seufzer der Erleichterung aus. Sie liebte es nicht, den Leuten schreckliche Wahrheiten zu sagen.

„Oh mein Gott. Aethel, siehst du sie?“, rief Judith aus und fasste die alte Frau am Ärmel. „Die Ritter reiten aus der Burg.“

Aethel bekreuzigte sich. „Gott hab’ Erbarmen“, flüsterte sie, „was haben diese Teufel jetzt vor?“

Judith warf ihre blonden Zöpfe zurück und trat entschlossen vor das Haus.

„Judith!“, schrie Aethel außer sich. „Bist du von Sinnen? Komm von der Straße weg, schnell!“

„Nein, Aethel, ich möchte sie sehen, mit eigenen Augen. Es kann nicht wahr sein, was meine Brüder über diese Ritter erzählen. Erst wenn ich sie selbst gesehen habe, werde ich ihnen glauben.“

„Judith, Judith, du weißt nicht, was du sagst!“ Aethel schüttelte besorgt den Kopf und bewegte sich mühsam vorwärts. Sie musste das Mädchen unbedingt in Sicherheit bringen! „Du bist jetzt fünfzehn. Auf keinen Fall dürfen sie dich entdecken. Komm herein!“

Doch Judith ging furchtlos weiter und blieb mitten auf der Dorfstraße stehen. Mit glühenden Wangen blickte sie zur Burg hinauf. Von der Zugbrücke dröhnte Hufgeklapper. Hintereinander ritten die normannischen Krieger über die Brücke. Jeder hielt eine brennende Fackel in der Hand. Sie lenkten ihre Pferde im Bogen auf den ausgetretenen Pfad, der vom Burghügel hinabführte, und sprengten im Galopp auf das Dorf zu.

Man hörte Laufen, leise Rufe, zuschlagende Türen, dann trat Stille ein.

Judiths Herz setzte einen Schlag lang aus. Es schien beinahe so, als ob Eadwolds Erzählungen wahr wären.

Als die Reiter die Hütten erreichten, war die staubige Dorfstraße wie leer gefegt. Kein Mensch, kein Hund, kein Huhn war mehr zu sehen. Als hätte hier die Pest gewütet, lag das Dorf wie ausgestorben da.

Judiths blaues Kleid flatterte in der warmen Abendbrise. Zehn Augenpaare, die durch die Schlitze in den eisernen Helmen hindurchschauten, bemerkten die Bewegung. Sie erblickten ein schlankes junges Mädchen vor der armseligsten Hütte des Dorfes. Eine rotblonde Haarsträhne hatte sich aus seinem Zopf gelöst und leuchtete im Schein der sinkenden Sonne.

„Hier ist was für uns“, brüllte einer der Reiter. Er zügelte sein Pferd und löste sich aus der Reihe. Der unerschrockene Ausdruck in den Augen des Mädchens war eine Herausforderung, der er nicht widerstehen konnte.

Judith fühlte, wie eine kleine Hand an ihrer zerrte. „Judith“, piepste eine Kinderstimme. „Großmutter ruft nach dir.“

„Ich komme gleich, Leofric. Lauf schon zu“, sagte Judith, ohne den Blick von den Rittern zu wenden.

Einer ritt jetzt direkt auf sie zu. Sie hörte die schweren, dumpfen Hufschläge, sah die feinen Staubwölkchen, die am Boden aufwirbelten. Vom Sattel des Pferdes hing ein blauer Schild mit silbernem Emblem, das die Form eines zunehmenden Mondes hatte.

Judith hob den Kopf und blickte in ein Stahlvisier. Die Fackel in der Hand des Mannes flackerte.

„John!“, rief eine Stimme im Kommandoton, laut, aber etwas schwankend.

Der Ritter, der als einziger aus der Reihe ausgeschert war, hielt widerstrebend sein Pferd an und sah über die Schulter. „Mylord!“ Sein Ton klang dreist und respektlos.

„Zügle deine Lüsternheit noch eine Weile, hörst du?“, befahl Baron Hugo, der Anführer des Normannentrupps. Der Wein hatte seine Zunge schwer gemacht. „Ich dachte, wir wollten uns andere Fische braten. Der da hält sich noch.“

„Mylord.“ John neigte leicht den Kopf als Zeichen widerwilligen Gehorsams. Sein Blick heftete sich noch einmal auf Judith, und seine Augen hinter dem Visier leuchteten auf. Der Mann salutierte, und Judith wusste, dass er wiederkommen würde.

Sporen blitzten auf. Im nächsten Moment waren die Reiter hinter einer Staubwolke verschwunden. Boten der Hölle.

Judith schaute ihnen nach. „Sie durchqueren die Furt“, sagte sie, als sie das Wasser aufspritzen sah. „Wohin sie wohl unterwegs sind?“

Aethel kam an ihrem Stock zur Tür gehumpelt. In ihrem Gesicht standen Sorge und Furcht. „Sie nehmen die Abkürzung durch den Wald“, meinte sie.

Judith hob fragend die Brauen.

„Warum tragen Baron Hugos Männer Fackeln?“, wollte Leofric wissen.

Judith wurde bleich. Ein Schauer überlief sie.

„Für dich ist er Baron de Mandeville, kleiner Leo“, belehrte Aethel ihren Enkel.

Leofric hob einen Stock vom Boden auf und peitschte ihn durch die trockenen Blätter, die der Wind vom Wald herübergeweht hatte. „Ja, Großmutter“, erwiderte er beleidigt, „Baron de Mandeville. Aber warum hatten sie Fackeln? Es ist doch noch hell. Die Vesperglocken haben noch nicht geläutet.“

Judith stand wie erstarrt da. Ihr war plötzlich eiskalt. Sie sah Aethel ängstlich an.

Die wurde mit einem Mal ungeduldig. Sie riss ihrem Enkelsohn den Stock aus der Hand und sah ihn streng an. „Warum beschäftigst du dich nicht mit etwas Nützlichem? Du könntest zum Beispiel deiner Großmutter helfen und die Kräuterbüschel zum Trocknen aufhängen.“ Sie wies mit dem Stock in die Hütte. „Du weißt, wie es gemacht wird.“

„Oh Großmutter!“, jammerte Leo und brachte damit zum Ausdruck, dass diese Mädchenarbeit unter seiner Würde war.

„Hinein mit dir!“ Die alte Frau gab dem Jungen einen liebevollen Klaps und wollte ihm in die Hütte folgen.

„Aethel …“ Judiths Stimme klang verzweifelt.

Die Alte blieb wie versteinert stehen.

„Du … du glaubst doch nicht, dass sie jetzt zu unserer Hütte reiten werden?“

Schwerfällig drehte Aethel sich um. Sie schwieg. Traurig und müde blickte sie drein.

Judith wich einen Schritt zurück. „Nein!“, sagte sie leise, und dann noch einmal, laut und verzweifelt: „Nein! Nicht meine Mutter! Nicht mein Vater! Nein!“

Aethel seufzte. „Es ist ein Wunder, mein Kind, dass es nicht schon viel früher passiert ist.“

„Nein, das lasse ich nicht zu!“, schrie Judith. Sie stürzte auf die alte Frau zu und umklammerte ihre Arme. „Ich brauche ein Pferd“, stieß das Mädchen hervor. „Schnell ein Pferd. Sag mir, wo ich eins bekomme.“

„Aber Judith, du kannst doch nicht …“

Sie schüttelte Aethel an den Schultern. „Ich kann, und ich muss ein Pferd haben! Nun sag schon, Aethel, wo …“

„Bei Smithy, dem Hufschmied. Sicher beschlägt er gerade einen Gaul.“

„Danke, Aethel!“ Judith wirbelte herum und hastete die Dorfstraße hinunter.

Seufzend blickte ihr die Alte nach. Noch nie hatte sie so sorgenvoll und traurig ausgesehen. Sie lehnte sich müde gegen den Türrahmen und dachte, dass sie mit ihrem langen Leben bestraft und nicht gesegnet sei. Es war ein Fluch, dass sie diese Zeit erleben musste.

Die Leute kamen vorsichtig aus ihren Häusern, und der Dorfplatz belebte sich allmählich wieder. Hühner scharrten nach Futter, zwei Schweine machten sich grunzend über eine Ladung Äpfel her, die aus einem Korb gefallen war, und ein Mädchen versuchte, die Tiere schimpfend mit einem Stock zu vertreiben.

Judith nahm von alledem nichts wahr. Sie hörte weder die lauter werdenden Stimmen der Leute noch das rhythmische Schlagen der Dreschflegel. Ihre Sinne waren nur auf ein Geräusch konzentriert, und diesem Geräusch folgte sie. Die gleichmäßigen Hammerschläge dröhnten im selben Rhythmus wie ihr rascher Herzschlag. Sie lief schneller.

Die Heiligen waren auf ihrer Seite. Wie sie gehofft hatte, stand vor der Schmiede ein Pferd angebunden, eine schlanke, junge Stute, die unruhig auf der Stelle trat und darauf wartete, losgaloppieren zu können.

Judith löste die Riemen von dem...



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