Ku¿nstlerische Särge und Bestattungskultur in Ghana
Buch, Deutsch, 240 Seiten, Format (B × H): 219 mm x 279 mm, Gewicht: 1378 g
ISBN: 978-3-96900-185-1
Verlag: Kehrer Verlag Heidelberg
Den Tod genauso zelebrieren, wie das Leben. Dieses Credo findet man in der Bestattungskultur der ghanaischen Ethnie Ga-Adangme, in der kreative Särge in Form von Tieren, Fahrzeugen etc. Verwendung finden, die die Vorlieben der Verstorbenen und ihre Träume darstellen. Zusätzlich verwandeln perfekt choreografierte Tänze die Beerdigungen in bunte und energiegeladene Feste. Über 20 Jahre lang hat die promovierte Ethnologin den Beerdigungskult in Ghana erforscht und fotografiert. Erstaunliche, farbgewaltige Bilder zeigen christliche und traditionelle Begräbnisfeiern, skurrile Rauminstallationen und Aufbahrungsarten sowie spektakuläre figu¨rliche Sargmodelltrends. Auch den durch Social Media weltbekannt gewordenen Bestatter und Sargträger Benjamin Aidoo (genannt »Ghana’s Coffin Dancer«) hat Tschumi bei seiner außergewöhnlichen Arbeit begleitet und fotografiert.
Weitere Infos & Material
17 Vorwort
19 Einfu¨hrung
22 Christliche Begräbnisse
82 Traditionelle Bestattungen
106 Coffin Dancers
158 Aufbahrungen
202 Särge
238 Biografien
Als Pioniere der ghanaischen Sargkunst gelten Ataa Oko Addo (1919–2012) aus La und Kane Kwei (1924–1992) aus Teshie. Beide begannen um 1960 in der Region Greater Accra mit der Herstellung figu¨rlicher Särge. Seitdem haben sich diese aber in vielerlei Hinsicht stark verändert, sei es in ihrem Aussehen oder bezu¨glich der Motive, die verwendet werden. Die moderne Sargkunst wurde maßgeblich beeinflusst von einem Lehrling Kane Kweis, dem international bekannten Sargku¨nstler Paa Joe (* 1947). Von 1976 bis 2008 betrieb er eine große Werkstatt in Nungua und bildete zahlreiche Lehrlinge aus. Inzwischen hat er sich zur Ruhe gesetzt und nun sind es wiederum seine Lehrlinge, die als dritte Generation ghanaischer Sargku¨nstler mit immer wieder neuen Modellen von sich reden machen.
Aber nicht nur die Särge haben sich in den letzten Jahren verändert. Auch im Hinblick auf den Umgang mit ihnen, die Zeremonie, hat sich ein Wandel vollzogen. So erfand der Bestatter Benjamin Aidoo vor einigen Jahren den Tanz mit dem Sarg. Inzwischen werden seine Performances bereits von anderen Gruppen kopiert und haben sich zu einem festen Bestandteil der ghanaischen
Bestattungskultur entwickelt. Zudem sorgen innovative Bestattungsunternehmen immer wieder nicht nur mit der Art und Weise, wie sie die Särge präsentieren und zum Friedhof bringen, fu¨r Überraschungen, sondern auch mit außergewöhnlichen Raumdekorationen bei der Aufbahrung.
Seit 2004 verbringe ich jährlich einige Monate in Ghana, wo ich diese Veränderungen beobachte und dokumentiere. Ich habe an zahlreichen christlichen und traditionellen Bestattungen mit figu¨rlichen Särgen teilgenommen und sie mit der Kamera festgehalten. Der vorliegende Bildband stellt einige der herausragendsten Arbeiten von Sargku¨nstlern, Raumgestaltern sowie Bestattern vor und gibt Einblicke in den Wandel dieser außergewöhnliche Bestattungsrituale und ihrer Artefakte – der figu¨rlichen Särge.




