Turano | Eine Dame außer Rand und Band | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Turano Eine Dame außer Rand und Band

Roman.
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-203-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96122-203-2
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Vier Jahre lang hat Felicia Murdock nur ein Ziel verfolgt: Sie wollte die Frau des örtlichen Pfarrers werden. Als dieser sein Herz jedoch an eine andere verschenkt, beschließt Felicia, dass es Zeit ist, einige Veränderungen vorzunehmen. Sie will nicht länger vorgeben, jemand zu sein, der sie nicht ist: langweilig, angepasst, sittsam. Auch Grayson Sumner, lange das schwarze Schaf seiner Familie, will seine Vergangenheit hinter sich lassen. Er will endlich sesshaft und ein Gentleman der New Yorker Gesellschaft werden. Als Freunde ihn bitten, sich um die von Liebeskummer geplagte Felicia Murdock zu kümmern, muss er zu seiner Überraschung feststellen, dass es sich bei dieser um eine alles andere als am Boden zerstörte junge Frau handelt. Zu seinem Leidwesen ist sie überaus abenteuerlustig - und besitzt einen Hang dazu, sich immer wieder in Schwierigkeiten hineinzumanövrieren ...

Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.
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1

New York City, 1881

Miss Felicia Murdock zerfloss in Selbstmitleid.

Normalerweise neigte sie nicht dazu, sich selbst zu bedauern, aber angesichts der traurigen Umstände hatte sie das Gefühl, dass ihr wenigstens eine oder zwei Stunden Selbstmitleid zustanden.

Sie lehnte die Stirn an die kühle Fensterscheibe und beobachtete durch ihr Schlafzimmerfenster den Verkehr, der an dem Haus in der Fifth Avenue vorbeirollte, in dem sie mit ihren Eltern wohnte. Kutschen mit Dienern in Livree bahnten sich mühsam einen Weg zwischen den vielen Lieferwagen hindurch, während gut gekleidete Damen und Herren Arm in Arm den Gehweg entlangschlenderten und diesen schönen Frühlingstag zu genießen schienen. Beim Anblick so vieler fröhlicher Menschen rümpfte sie die Nase, und als eines der Paare auch noch mitten auf dem Gehweg stehen blieb und sich kurz umarmte, wandte Felicia sich abrupt vom Fenster ab, stapfte über den Orientteppich und blieb vor ihrem Bett stehen.

Normalerweise entlockte ihr der Anblick ihres gemütlichen Bettes mit dem blauen Seidenlaken und der kuscheligen elfenbeinfarbenen Quiltdecke ein Lächeln, aber an diesem folgenschweren Tag war ihr nicht nach Lächeln zumute.

Felicia hatte das Gefühl, dass ein wenig Theatralik vonnöten wäre, um weiter in Selbstmitleid baden zu können. Sie drehte sich um, breitete die Arme aus, ließ sich nach hinten fallen und wartete auf den Moment, in dem sie in einem weichen, luxuriösen Kokon aufgefangen und umhüllt würde und ihre so dringend benötigte nächste Runde Selbstmitleid einläuten könnte.

Doch als sie auf dem Bett aufkam, durchbohrte ein stechender Schmerz ihr Gesäß, und alle Gedanken an Selbstmitleid verflogen schlagartig. Sie fuhr hoch, schob den voluminösen Rock des grässlichen rosafarbenen Kleides, der sich um ihre Beine gewickelt hatte, nach unten, rappelte sich auf und erlaubte sich den Luxus, kräftig zu fauchen.

Theatralische Auftritte waren offensichtlich nicht ratsam, wenn man das erforderliche Modeaccessoire dieser Tage trug: die lästige Turnüre, die hinten unter dem Rock einer Dame befestigt war. Mit ungezügeltem Missmut streckte sie die Arme nach hinten und schob das unförmige Teil wieder an seinen Platz zurück.

Sie schleuderte die Schuhe von ihren Füßen und betrachtete erneut das Bett. Da sie auf ihren theatralischen Auftritt nicht verzichten wollte, trat sie ein paar Schritte zurück, schob ihren Rock ein Stück nach oben und nahm Anlauf. Sie sprang ab und landete mit einem dumpfen Aufprall auf der Bettdecke.

Doch es war gar nicht so einfach, Luft zu holen, da ihr eng geschnürtes Korsett gegen eine so anstrengende Tätigkeit protestierte, aber ihr fester Entschluss, in Selbstmitleid zu zerfließen, zwang sie, in kurzen Stößen einzuatmen, während sie den Kopf auf ihren verschränkten Armen barg. Diese Stellung war alles andere als bequem, aber wenigstens befand sie sich in einer angemessenen Körperhaltung, um so richtig in ihrem Schmerz aufzugehen. Sie schloss die Augen und zwang sich, diesen schrecklichen Tag Revue passieren zu lassen.

Pastor Michael Fraser, der Mann, für den sie über vier Jahre lang heimlich geschwärmt hatte, war jetzt verheiratet.

Leider war nicht sie die Braut gewesen, die er geheiratet hatte.

Diese Ehre war Miss Julia Hampton zuteilgeworden, einer jungen Frau, die Felicia wahrscheinlich hätte gut leiden können, wenn sie sich nicht ausgerechnet den Mann geangelt hätte, für den Felicia seit Jahren schwärmte. Dabei hatte sie lange geglaubt, dass Gott diesen Mann dazu bestimmt hätte, sie zu heiraten.

Augenscheinlich hatte es zwischen ihr und Gott in letzter Zeit ein kleines Missverständnis gegeben. Offen gesagt war sie im Moment sogar ein wenig wütend auf ihn.

Dabei war sie so sicher gewesen, dass Gott heute eingreifen und die Hochzeit mit einem Blitz oder etwas ähnlich Beeindruckendem verhindern würde. Damit wäre ein für alle Mal bewiesen worden, dass sie und nicht Miss Hampton für Pastor Fraser bestimmt war. Aber obwohl sie während der gesamten Trauung die Kirchendecke fest im Blick behalten hatte, war weit und breit kein göttliches Einschreiten zu beobachten gewesen.

Ein starkes Unbehagen zwang sie, die Augen zu öffnen.

Gütiger Himmel! Wenn Gott in ihrem Sinne eingegriffen hätte, wäre Miss Hampton, beziehungsweise Mrs Fraser, am Boden zerstört gewesen. Julias Träume und Hoffnungen wären für immer zerschlagen und … Die Selbstsucht ihrer Wünsche verriet nichts Gutes über Felicias Charakter.

Es war kein Wunder, dass Gott ihre vielen Gebete in Bezug auf Pastor Fraser nicht erhört hatte. Sie war ein jämmerliches Exemplar von einer Frau, die doch tatsächlich von sich selbst behauptete, gottesfürchtig zu sein.

Wie hatte sie sich nur einreden können, dass sie dazu bestimmt wäre, die Frau eines Pfarrers zu werden?

Das war vollkommen lächerlich, anders konnte man es nicht beschreiben. Nachdem sie so viele Jahre auf Pastor Fraser fixiert gewesen war, hatte sie inzwischen das reife Alter von vierundzwanzig Jahren erreicht und musste sich eingestehen, dass sie inzwischen ernsthaft in der Bredouille saß.

Keiner der unverheirateten Männer der New Yorker Gesellschaft interessierte sich für eine Frau, die schon so alt war. Das bedeutete, dass es ihr Los war, für immer eine alte Jungfer zu bleiben.

Sie sah im Geiste vor sich, wie sie in zehn Jahren aussehen würde. Dieses Bild trug jedoch nicht dazu bei, ihre Nerven zu beruhigen, besonders, da sie in diesem Bild ein hässliches, schäbiges Tuch um ihre Schultern geschlungen hatte und sich ein Dutzend Katzen um ihre Beine schmiegten.

Und das, wo sie Katzen nicht leiden konnte. In der Nähe von Katzen musste sie niesen. Außerdem schienen sie sie immer gerade dann plötzlich anzuspringen, wenn sie am wenigsten damit rechnete.

Felicia streckte eine Hand aus, zog ein blaues Samtkissen zu sich heran, drückte es sich ans Gesicht und bemühte sich, alles aus ihren Gedanken zu verbannen, was mit Katzen zu tun hatte. Zu ihrem Kummer tauchten immer mehr Katzen vor ihrem inneren Auge auf, je mehr sie versuchte, sie zu verdrängen. Sie schob das Kissen zur Seite und begann, eine fröhliche Melodie zu pfeifen, die sie von einem der Pferdeknechte gehört hatte. Zum Glück verschwanden die Katzen. An ihrer Stelle sah sie jetzt Matrosen auf krummen Beinen durch den Hafen schlendern.

Das war nicht viel besser, da sie von Matrosen keine Ahnung hatte, aber Hauptsache, die Katzen waren fort.

„Was pfeifst du denn da?“

Felicia kniff die Lippen fest zusammen, riskierte einen Blick und sah zu ihrem großen Kummer, dass ihre Mutter entschlossenen Schrittes auf sie zukam. Sie drückte die Augen zu und begann, wie sie hoffte, glaubwürdig zu schnarchen.

„Ich weiß, dass du wach bist.“

„Ich bin nicht wach.“

Ein Schmunzeln war Ruth Murdocks einzige Antwort. Dann fühlte Felicia, wie sich die Matratze senkte und dann noch einige Male kräftig schaukelte, während ihre Mutter versuchte, es sich bequem zu machen. Offenbar war sie zu einem gemütlichen Plauderstündchen aufgelegt.

„Es war eine schöne Hochzeit, nicht wahr?“

Das Letzte, worüber sie sich jetzt unterhalten wollte, war die Hochzeit. Die Enttäuschung war noch zu frisch, aber ihre Mutter konnte ja nicht ahnen, dass ihre Tochter heute einen schmerzlichen Tiefschlag erlitten hatte. Felicia hatte nie irgendjemandem gestanden, dass sie Pastor Fraser sehr schätzte.

„Ich fand, Miss Hampton sah sehr hübsch aus.“

Felicia zwang sich, die Augen aufzuschlagen, und schob sich umständlich vom Bett hoch. Sie schüttelte ihr Kleid aus und setzte ein, wie sie hoffte, glaubwürdiges Lächeln auf. „Ja, das stimmt.“

„Du hast auch sehr hübsch ausgesehen.“ Ruths Augen begannen zu leuchten. „Mir ist aufgefallen, dass dir Mister Zayne Beckett viel Aufmerksamkeit geschenkt hat.“

Felicia schaute an ihrer Mutter vorbei und betrachtete sich in dem Spiegel, der neben dem Eingang zu ihrem Ankleidezimmer stand.

„Hübsch“ war wohl kaum das Wort, mit dem sie ihr Aussehen beschreiben würde.

Ihre hellblonden Haare waren straff aus dem Gesicht gekämmt und der strenge Nackenknoten zog ihre tiefblauen Augen mit den langen Wimpern in den Augenwinkeln unnatürlich nach oben. Sie hatte hohe Wangenknochen, und ihre Nase war zierlich, aber ihr Gesicht sah angespannt und blass aus, und sie ähnelte mehr einer Vierzigjährigen als einer vierundzwanzigjährigen jungen Frau. Ihr Blick wanderte über ihre viel zu vollen Lippen und blieb an ihrem Kleid hängen, das so monströs war, dass es die weiblichen Rundungen völlig verbarg, die sie sehr wohl besaß. Sie verzog das Gesicht, als die Sonne ausgerechnet in diesem Moment durch das Fenster schien und den rosa Tüllstoff, den sie trug, grell aufleuchten ließ.

„Hast du vor, Zayne bald wiederzutreffen?“, fragte Ruth.

Felicia wandte den Blick von ihrem abstoßenden Spiegelbild ab. „Mutter, also wirklich! Zayne hat mir nur aus einem einzigen Grund viel Aufmerksamkeit geschenkt: weil ich ihn versehentlich über die Kirchenbank geschubst habe, nachdem du mich mit ein wenig zu viel Enthusiasmus in seine Richtung geschoben hattest. Da Zayne ein Gentleman ist, hatte er Sorge, dass ich in Verlegenheit geraten könnte, weil er so plötzlich abgetaucht war.“

Sie atmete hörbar aus. „Außerdem vergisst du die lästige kleine Tatsache, dass er als Bräutigam...


Jen Turano steht für humorvolle Geschichten mit skurrilen Charakteren und spannenden Verwicklungen. In den USA hat sie sich damit bereits einen Namen gemacht. Sie lebt mit ihrer Familie in Denver, Colorado.



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