Seilstad | Bei Anruf Herzklopfen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Seilstad Bei Anruf Herzklopfen

Roman.
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-96122-187-5
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman.

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-96122-187-5
Verlag: Gerth Medien
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Iowa, 1908: Hannah Gregory besitzt viele Talente - aber Regeln zu befolgen gehört defi nitiv nicht dazu. Und so ahnt sie schon, dass es nicht leicht werden wird, als sie sich als Telefonistin bewirbt. Diese müssen sich nämlich strikt an die Regeln halten. Sie dürfen nicht miteinander plaudern. Keine persönlichen Gespräche mit den Anrufern führen. Und vor allem dürfen sie sich während ihrer Ausbildung nicht mit jungen Männern treffen. Als sich ein guter Freund von Hannah in Schwierigkeiten befindet, ist Hannah gezwungen, den jungen Anwalt Lincoln um Hilfe zu bitten. Und ehe sie sich versieht, ist sie Hals über Kopf in ihn verliebt ... Ein humorvoller Roman über Freundschaft und Vertrauen.

Die Amerikanerin Lorna Seilstad liebt es, historische Liebesromane zu schreiben. Ihre eigene Liebesgeschichte wurde von Gott geschrieben und so lebt sie heute mit ihrem Mann David und den drei gemeinsamen Kindern in Iowa. Die beiden sind in der örtlichen Gemeinde in der Jugendarbeit tätig, wo sie auch Bibelarbeiten leiten.
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11

Charlotte traute ihren Ohren kaum. George Donnelly, der Junge mit dem verträumten Blick, hatte tatsächlich gefragt, ob er sie, das neue Mädchen in der Klasse, nach der Schule nach Hause begleiten dürfe.

Charlotte zwang sich, nicht zu verraten, dass ihr Herz aufgeregt flatterte, und nickte. „Ich denke, das geht in Ordnung.“

Er nahm ihre Bücher und legte sie auf seinen eigenen Stapel. „Du wohnst in der Chestnut Street, nicht wahr?“

Sie nickte. O du meine Güte! Er weiß, wo ich wohne. „Ich … ich muss auf meine kleine Schwester warten.“

„Wirklich? Bist du sicher?“ Er runzelte die Stirn. „Ich muss zum Baseballtraining, aber wenn es sein muss, können wir warten.“

George schien es überhaupt nicht zu gefallen, dass er warten sollte, auch wenn er etwas anderes sagte. Und wenn er beschloss, ohne sie zu gehen? Eine Einladung von jemandem wie George bekam man nicht alle Tage. Außerdem war sie ja nicht Tessas Kindermädchen. Ihre Schwester war alt genug, um selbst auf sich aufzupassen.

Sie neigte nachdenklich den Kopf zur Seite. „Ich schätze, Tessa kommt auch ohne mich zurecht. Sie findet allein nach Hause.“

Ein breites Lächeln überzog sein Gesicht. „Gut. Dann gehen wir.“

Bei dem zehnminütigen Spaziergang ging sie wie auf Wolken. Sie kamen viel zu schnell bei ihr zu Hause an. Charlotte erfuhr, dass George Einzelkind war und keine Ahnung hatte, was er einmal werden wollte. Er lachte ungezwungen und hatte keine Scheu, seine Meinung kundzutun. Und seine grasgrünen Augen? Sie waren umwerfend, und er verstand es ganz genau, sie richtig einzusetzen.

Als sie oben auf der Veranda ankam, drehte sie sich zu George um und wollte ihm ihre Bücher abnehmen. „Danke, dass du mich nach Hause begleitet hast. Das war sehr nett.“

Doch George ließ die Bücher noch nicht los. „Hast du Lust, mir beim Training zuzuschauen?“

„Jetzt? Das geht nicht. Ich muss Essen kochen.“

„Warum sagst du nicht einer deiner Schwestern, dass sie kochen soll?“

Sie lachte. „Tessa kann noch nicht besonders gut kochen und Hannah kann ich nichts vorschreiben. Sie würde nur sagen, dass ich tun soll, was sie mir aufträgt.“

„Sie ist nicht deine Mutter.“

„Nein.“ Charlotte atmete tief aus. „Aber sie fühlt sich für uns verantwortlich, und sie arbeitet hart, damit wir ein Dach über dem Kopf haben. Ich will tun, was ich kann, um sie zu unterstützen.“

Er zuckte die Achseln und hielt ihr die Bücher hin. „So wie ich es sehe, erwartet sie, dass du in der Küche den Platz deiner Mutter einnimmst. Wie eine bezahlte Küchenhilfe. Ich schätze, ich hatte mir mehr erhofft. Man sieht sich.“

„Morgen in der Schule?“

„Klar.“

„Mach’s gut.“ Sie winkte ihm nach, als er sich abwandte. Seine Schultern hingen herab, und er sah so deprimiert aus, dass ihr schwer ums Herz wurde. Vielleicht hatte er recht. Ihre Schwester erwartete viel zu viel von ihr. Hannah hatte neulich kein Problem damit gehabt, sie allein zu lassen, um Lincoln Cole aufzusuchen. Und warum sollten für Charlotte andere Regeln gelten? Sollte sie nicht auch die Gelegenheit nutzen, den Nachmittag mit einem Jungen zu verbringen?

„George, warte! Ich bringe nur kurz meine Sachen ins Haus. Ich komme mit.“

Rauchschwaden drangen aus der Küche. Hannah warf ihre Bücher auf den Boden und rannte in die Küche, wo Tessa gerade eine verkohlte Pfanne aus dem Backofen holte. Die jüngste Gregory-Schwester schob die Ofentür mit der Schuhspitze zu und stellte die Pfanne in die Spüle. Sie pumpte Wasser auf den verkohlten Inhalt. Mit einem lauten Zischen stieg noch mehr Rauch auf.

„Was ist passiert? Wo ist Charlotte?“

Tessa wischte sich die Hände an einer mit Mehl bestäubten Schürze ab. „Keine Ahnung! Sie hat mir einen Zettel auf den Tisch gelegt, dass ich das Essen kochen soll.“

„Du?“

Tessa schob das Kinn vor. „Ich kann kochen!“

Die Überreste von etwas, das wohl einmal Waffeln hätten werden sollen, glitten als klebriger, schwarzer Klumpen aus der Pfanne. Aber Hannah beschloss, die ernsthaften Zweifel, die sie an den Kochkünsten ihrer jüngsten Schwester hatte, im Moment nicht zu äußern. „Ich habe damit gemeint, warum Charlotte nicht das Essen kocht. Ist sie krank?“

„Keine Ahnung.“

„Hast du Charlotte denn nach der Schule nicht gesehen?!“

„Nein, sie hat nicht auf mich gewartet. Hier ist der Zettel, den sie mir hingelegt hat.“ Tessa nahm einen Zettel vom Tisch und warf ihn Hannah zu. „Wenn du mich jetzt bitte entschuldigst. Ich muss den Eintopf umrühren, bevor ihn das gleiche traurige Schicksal ereilt wie die Waffeln.“

Hannah las den Zettel. Es sah Charlotte gar nicht ähnlich, ihren Pflichten nicht nachzukommen. Während Hannah sich mit Regeln schwertat, war Charlotte diejenige, die Regeln einhielt. Sie verschwand nicht ohne triftigen Grund. Irgendetwas musste passiert sein.

„Tessa, hör zu. Ich gehe Charlotte suchen. Falls sie in der Zwischenzeit zurückkommt –“ Die Haustür wurde schwungvoll aufgerissen und Hannah fiel ein Stein vom Herz. Danke, Herr, dass du sie nach Hause bringst. „Charlotte?“

Ihre mittlere Schwester kam mit einem breiten Lächeln ins Haus getanzt. Sie ging geradewegs in die Küche und schenkte sich ein Glas Milch ein.

Hannah runzelte die Stirn. Charlotte machte nicht einmal eine Bemerkung zu dem beißenden Rauch, der immer noch in der Luft hing. „Wo warst du, und warum hast du Tessa gesagt, dass sie das Essen zubereiten soll?“

„Ich war mit einem Freund unterwegs.“ Charlotte nahm einen Keks aus der Dose, die auf der Arbeitsplatte stand. „Außerdem verstehe ich nicht, warum es meine Aufgabe sein sollte, jeden Tag zu kochen. Es ist nur fair, wenn wir die Verantwortung für das Essen unter uns aufteilen.“

„Das mag schon sein, aber du kannst die Abmachungen nicht einfach aus einer Laune heraus ändern, und du kannst Tessa nicht unbeaufsichtigt kochen lassen. So weit ist sie noch nicht.“

„Und wo warst du nach der Schule?“ Tessa deutete mit einem Löffel, von dem Soße tropfte, auf ihre Schwester.

„Tessa! Pass auf, was du machst.“ Charlotte deutete auf den Fleck auf dem Fußboden.

Hannah wischte den Fleck weg. „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Ich wollte dich schon suchen.“

„Ach, du meine Güte, Hannah! Ich war einen einzigen Nachmittag mit einem Freund unterwegs. Ich habe nichts verbrochen und ich habe das Haus nicht abgefackelt.“ Sie schnupperte. „Aber hier riecht es, als hätte Tessa versucht, es niederzubrennen.“

„Charlotte, was ist nur in dich gefahren? Wer ist dieser Freund?“

Wieder überzog ein strahlendes Lächeln Charlottes Gesicht und ihre Wangen röteten sich. „Der schönste Junge in meiner Klasse. Er heißt George Donnelly. Er hat mich gebeten, ihm beim Baseballtraining zuzusehen. Es tut mir leid, Hannah. Ich weiß, dass es falsch war, aber das, was er sagte, klang so logisch, und er sah so traurig aus, als ich sagte, dass ich nicht mitkommen könne …“

„Du hast also einen Zettel auf den Tisch gelegt und bist trotzdem gegangen, obwohl du wusstest, dass wir uns Sorgen machen?“

Charlotte lächelte sie schwach an. „Wenn du seine verträumten Augen gesehen hättest, würdest du mich verstehen.“

Hannah verschränkte die Arme. „Tu das nie wieder, Charlotte. Es ist nicht in Ordnung, dass du uns unnötig Sorgen bereitest. Jetzt hilf Tessa, das Essen fertig zu machen. Ich muss für eine Prüfung lernen.“

Charlotte nahm ihre Schürze vom Haken hinter der Tür und band sie sich um. „Das, was du tust, ist immer wichtiger als unsere Angelegenheiten, oder?“

„Hat George das etwa auch gesagt?!“ Hannah schüttelte ungläubig den Kopf. Das war nicht die Charlotte, die heute Morgen das Haus verlassen hatte. Hannah hegte den Verdacht, dass sie diesen George nicht mögen würde. „Ja, meine Arbeit ist wichtig. Wenn ich die Prüfung nicht bestehe, haben wir nichts zu essen, oder hast du das vergessen?“

Hannah bekam keine Antwort. Sie hörte ihre Schwester nur etwas murmeln. Was hätten ihre Mutter und ihr Vater wegen dieses Jungen getan? Ihre Mutter hätte Charlotte wahrscheinlich Zeit gelassen, selbst zu erkennen, welchen Charakter dieser Junge hatte, aber ihr Vater hätte ihn wahrscheinlich mit der Schrotflinte fortgejagt. Hannah schmunzelte. Zum ersten Mal in ihrem Leben gefiel ihr die Denkweise ihres Vaters.

12

„Num-mer bit-te.“ Hannah stand vor dem Spiegel und beobachtete ihre Lippen, während sie die Worte sagte, die sie bei der Arbeit als Telefonistin so oft wiederholen würde.

„Ich verstehe nicht, warum du dir Sorgen machst.“ Rosie legte die Hände auf das aufgeschlagene Buch vor sich. „Du siehst aus, als hättest du dein Leben lang nichts anderes gemacht, als Telefonate zu verbinden.“

Hannah lächelte. Die erste Woche am Übungsklappenschrank hatte Spaß gemacht. Einige Mädchen waren ziemlich nervös geworden, als sie sich alle Einzelheiten merken sollten, aber Hannah fiel das Lernen viel leichter, als sie erwartet hatte. Trotzdem bot ihr der Samstag die perfekte Gelegenheit, um zu üben.

„Mrs Reuff hat gesagt, dass ich an meiner Aussprache arbeiten muss.“ Sie schaute wieder in den Spiegel. „Was meinst du? Sind die Vokale offen genug, wenn ich bit-te sage?“

Tessa drehte sich auf dem Sofa zu ihnen um. „Würdet ihr beide bit-te still sein? Ich...


Die Amerikanerin Lorna Seilstad liebt es, historische Liebesromane zu schreiben. Ihre eigene Liebesgeschichte wurde von Gott geschrieben und so lebt sie heute mit ihrem Mann David und den drei gemeinsamen Kindern in Iowa. Die beiden sind in der örtlichen Gemeinde in der Jugendarbeit tätig, wo sie auch Bibelarbeiten leiten.



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