E-Book, Deutsch, Band 03, 368 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 180 mm
Reihe: Navy-SEALS-Serie
Tyler Navy SEALS - Verdächtig
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8025-8590-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 03, 368 Seiten, Format (B × H): 124 mm x 180 mm
Reihe: Navy-SEALS-Serie
ISBN: 978-3-8025-8590-6
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Navy SEAL Chris Waldron ist schon öfter aus brenzligen Situationen entkommen. Doch als er einen entführten Botschafter und dessen Frau retten soll, geht einiges schief und ein FBI-Agent verliert sein Leben. Chris wird für den Tod des Mannes verantwortlich gemacht. Und die Ermittlungen gegen ihn leitet ausgerechnet seine Ex-Geliebte, die attraktive Jamie Michaels. Schon bald kochen die Gefühle zwischen den beiden wieder hoch. Doch durch ihre Nachforschungen gerät Jamie ins Fadenkreuz eines unbekannten Feindes.
Weitere Infos & Material
1
So I may be tainted in my truth
When I claim I’m bullet-proof
But every half-assed assault
Has been a death by default
– Abby Ahmad, »Tri-Me«
Chief Petty Officer Chris Waldron wusste, dass er furchtbar aussehen musste, aber in seinem Inneren sah es noch viel schlimmer aus.
Er wusste nicht, wie lange er schon so dagelegen hatte, am Bett festgeschnallt und den Blick zur vergipsten Decke gerichtet. Von den Medikamenten war er wie in einen Nebel eingehüllt, während sein Körper heilte und sein Geist wie betäubt war.
Sein Bewusstsein kam und ging – in erster Linie, weil die Ärzte ihn immer wieder weckten, was ihm allmählich wirklich verdammt auf den Keks ging.
Er war seit acht Jahren ein SEAL, lange genug, um zu wissen, dass es einem im Grunde nicht viel nützte, sich zu beklagen. Aber in seinem Kopf … Mann, da tobte vielleicht ein Gewitter. Oder auch zwei.
Irgendjemand hatte ihm die Stöpsel seines iPods in die Ohren gesteckt, und bis die Batterie leer geworden war, hatte er halbwegs zufrieden AC/DCs Back in Black-Album als Dauerschleife gehört.
Seine eigene Stimme weckte ihn, als er lautstark den Refrain von CCRs »Green River« mitsang. Die Krankenschwester starrte ihn an, als sei er verrückt, und normalerweise hätte er jetzt einen Spruch gebracht wie: Hey, Süße, sei ein bisschen verrückt mit mir, du brauchst dich bloß zu mir zu legen.
Aber heute nicht. Denn obwohl sie hübsch war und freundliche Augen hatte, spürte er tief in sich, dass sein Geist möglicherweise sehr viel langsamer heilen würde als sein Körper, wenn er nicht endlich anfing, sich mit dem auseinanderzusetzen, was geschehen war. Sex war nicht die Lösung für dieses Problem.
Trotzdem konnte die Schwester den Blick nicht von seinen Augen wenden, was an deren unterschiedlicher Farbe lag. Er war solche Blicke gewöhnt und hatte darüber die Nadel vergessen, die sie eigentlich in seinen Infusionsschlauch stecken sollte.
Er war zwar langsamer als sonst, aber immer noch verdammt schnell. Die Schwester rief nach dem Doktor, aber es war schon zu spät. Chris hatte sich den Katheter aus dem Arm gerissen und hielt den Infusionsständer wie eine Waffe, nachdem man ihm seine richtigen abgenommen hatte.
»Mein Junge, es ist alles in Ordnung … Sie befinden sich auf der Krankenstation eines Militärstützpunktes in Dschibuti. Die Schwester wollte Ihnen Ihre Schmerzmittel geben, aber wir können gern zuerst darüber reden.« Der Arzt sprach langsam, während Chris ihn anstarrte und ihm glauben wollte, während sein Körper jedoch noch immer wie auf Autopilot lief. In einer Art Kampf-oder-Flucht-Reaktion hielt seine Hand den Infusionsständer umklammert, und da eine Flucht nicht zur Debatte stand, würde er eben jedem, der sich ihm näherte, den verdammten Ständer überbraten.
»Chris, hören Sie auf mich, Mann … Legen Sie das Ding weg, bevor Sie jemanden damit verletzen.«
Er erkannte die Stimme seines Commanding Officers, träge und zäh wie Sirup. Das hieß, Officer Saint war anscheinend so müde, wie Chris sich selbst fühlte.
»Keine Medikamente mehr«, sagte Chris zu dem Arzt, ohne seine Behelfswaffe loszulassen.
Der Doktor warf Saint einen Blick zu. Der CO sagte: »Wenn er Medikamente braucht, wird er danach fragen.« Der Doc gab nach, wies auf Chris’ Arm, der stark blutete, und Chris ließ widerstrebend den Metallständer los.
»Tut mir leid, Ma’am«, entschuldigte er sich bei der Schwester, als sie ihm den Arm verband.
»Sie haben eine tolle Stimme, Chief«, sagte sie lächelnd. Saint verdrehte die Augen, denn für gewöhnlich reichte eine solche Bemerkung, um Chris ein Ein-Mann-Konzert veranstalten zu lassen. Aber obgleich er die Musik im Kopf noch hörte, sagte er diesmal nur: »Danke.«
Als er mit Saint allein war, blieb Chris zunächst auf der Bettkante sitzen und versuchte, sein Gleichgewicht wiederzufinden. Er blickte auf seine nackten Füße hinab und verspürte plötzlich den Drang, sich das Krankenhaushemd vom Leib zu reißen. Was er prompt auch tat. Er warf es zu Boden und fragte: »Wie lange bin ich schon hier?«
»Seit vierundzwanzig Stunden. Sie haben es aus eigener Kraft bis in den Hubschrauber geschafft.«
Daran erinnerte er sich nur bruchstückhaft. Die einzelnen Eindrücke waren zwar da, verschwammen aber an den Rändern und verschmolzen zu einem größeren, sich langsam bewegenden Bild, als versuche er, etwas unter Wasser zu fokussieren.
Cam. Das Gesicht seines Teamkameraden war das Letzte, woran er sich erinnerte, bevor er sich der Sicherheit der Bewusstlosigkeit ergeben hatte. »Wo ist Cam?«
»Bereits in Deutschland. Er hat Sie hier noch besucht, bevor er aufgebrochen ist.«
»Daran erinnere ich mich. Dachte, es sei eine Halluzination gewesen.«
»Sie werden selbst um 0500 nach Deutschland gebracht. Dort wird man Sie durchchecken, bevor es nach Hause geht.«
Chris verschaffte sich einen Überblick über die zahlreichen Prellungen und Quetschungen seines Körpers – ein paar Nähte hier und da, aber nichts Größeres. Sein Kopf allerdings war eine andere Sache. Unter der nachlassenden Wirkung der Betäubungsmittel verspürte er ein unleugbares, schmerzhaftes Pochen. »Gehirnerschütterung?«
Saint nickte. »Keine Brüche. Sie sind ziemlich angeschlagen, aber es hätte Sie verdammt viel schlimmer erwischen können. Man hat Sie hierbehalten, um ein paar Tests durchzuführen.«
Chris schloss für einen Moment die Augen und sprach ein kurzes Dankesgebet zu seiner Mutter, die sicher ihre schützende Hand über ihn gehalten hatte. »Wissen Jake und Nick Bescheid?«
»Ich hatte alle Mühe, ihnen auszureden, auf der Stelle herzukommen. Sie rufen zu jeder vollen Stunde an. Ihrem Vater wollten sie nichts sagen, aber …«
»Er weiß es.« Sein Dad wusste immer, wenn etwas schiefging. Es war so gut wie unmöglich, vor einem Vater, der das zweite Gesicht hatte, etwas geheim zu halten. Seine Brüder mussten es auf konventionellerem Wege erfahren haben und drehten zweifellos am Rad. Was er ebenso getan hätte, wäre einer von ihnen an seiner Stelle gewesen.
»Sind Sie wach genug, um mir ein paar Fragen zu beantworten?«, fragte Saint.
Es war eigentlich keine Frage, denn Saint hatte sich bereits einen Stuhl herangezogen. Der Geduldsfaden seines Vorgesetzten war bemerkenswert strapazierfähig, aber Chris konnte erkennen, dass er gerade dünner wurde.
Der Gedanke an das bevorstehende Gespräch begeisterte ihn gar nicht, er dachte an Jake und Nick und wünschte, seine Brüder wären jetzt bei ihm. Er fragte sich, ob er das Gespräch durchhalten würde, ohne sich übergeben zu müssen.
Es kam nicht alle Tage vor, dass man einem Menschen erzählen musste, wie sein bester Freund gestorben war. Das Band zwischen den Mitgliedern ihres Teams war stark, daran gab es keinen Zweifel angesichts all dessen, was sie zusammen durchgemacht hatten. Dies war nun der erste Riss in diesem Band. »Ja, ich bin wach genug.«
»Was ist das Letzte, woran Sie sich im Zusammenhang mit Mark erinnern? Was hat er zu Ihnen gesagt?« Saint sah ihn mit festem Blick an, suchte nach einer Antwort, noch bevor Chris zu sprechen begann.
»Er hat mir gesagt, dass er reingehen würde, trotz Josiahs Befehl. Er hat gesagt, ich solle zurückbleiben. Ich habe versucht, es ihm auszureden, aber er hat sich auf seinen höheren Dienstgrad berufen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er reinging. Alles andere habe ich noch vor Augen … ich weiß nur noch, dass Marks Hand auf meiner Schulter lag, und dann …«
Und dann hatte sich Josiah mit ihnen gestritten. Er war der FBI-Agent in der Joint Task Force, dem gemischten Kampfverband, und zugleich der Leiter der Operation. Josiah war wütend über Marks eigenmächtigen Vorstoß, obwohl Josiah den Befehl gegeben hatte, sich zurückzuhalten. Chris und Cam bestanden darauf, in die Botschaft vorzudringen – die bereits unter schwerem Beschuss stand –, aber sie lagen auf der Suche nach den Geiseln mindestens fünfzehn Minuten hinter Mark zurück. Drinnen herrschte Chaos. Sie hörten beide, wie Mark am Ende des Ganges schrie, konnten aber nicht so weit vorstoßen, ohne den Botschafter in noch größere Gefahr zu bringen.
»Wir haben entschieden, den Botschafter und seine Frau herauszuholen und dann zurückzugehen, um Mark zu helfen«, sagte Chris. »Alles geschah gleichzeitig, und wir hatten nur einen Sekundenbruchteil Zeit, um unsere Entscheidung zu treffen.«
»Stellen Sie Ihre Entscheidung nicht infrage.«
Chris nickte und schluckte schwer. »Ich hatte das Gebäude gerade verlassen, Cam war vielleicht sechs oder sieben Meter vor mir, der Botschafter, seine Frau und ihre Kinder dicht hinter ihm. Ich habe ihnen den Rücken gedeckt.«
»Waren Sie allein?«
Chris überlegte angestrengt. »Nein, Josiah war bei mir.«
Chris und Josiah gaben den anderen Rückendeckung, und Chris war gerade im Begriff, umzukehren und nach Mark zu sehen, als eine Explosion das Gebäude erschütterte. Chris wurde weggeschleudert und wachte vielleicht eine halbe Stunde später wieder mit einem Klingeln im Ohr auf. Dann hielt er nach Josiah und nach Mark Ausschau.
»Und dann haben sie...




