E-Book, Deutsch, Band 43, 262 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
Vandis Dorian Hunter 43 - Diabolo
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-043-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 43, 262 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
ISBN: 978-3-95572-043-8
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Noch immer befindet sich Martin Zamis in der Hand der Dämonen. Die Hinweise verdichten sich, dass er als Faustpfand im Kampf um den Thron der Schwarzen Familie dienen soll. Doch was bezweckt sein Entführer, der geheimnisvolle Isbrant, wirklich? Er scheint Martin nicht schaden zu wollen - und kennt gleichzeitig keine Skrupel, um sein dunkles Ziel zu erreichen ... Der 43. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 190: 'Eine neue Mannschaft' 191: 'Van Vlotens Suche' 192: 'Diabolo'
Autoren/Hrsg.
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2. Kapitel
Zur gleichen Zeit,
über zweitausend Meilen weiter nordwestlich
Die Insel lag zwanzig Kilometer vor dem Golf von Morbihan vor der bretonischen Küste. Sie war nur wenige Quadratkilometer groß und fast in ihrer gesamten Fläche von zerklüfteten Felsen bedeckt. Nur im westlichen Teil fanden sich einige Ölbäume zwischen hohem Schilf, die auf dem sumpfig-feuchten Untergrund nahe dem Wasser gediehen.
Im Zentrum der Insel ragte ein erdiger Hügel aus der kärglichen, von wenigen Buschgruppen durchsetzten Landschaft auf. Er war von einem unterirdischen Korridor durchzogen, dessen brusthoher Eingang sich an der Südseite des Hügels fand. Vor dem Eingang standen drei Gestalten, zwei Männer und eine Frau, die in Schweigen versunken waren. Sie waren erst vor wenigen Sekunden wie aus dem Nichts an diesem Ort aufgetaucht. Die Frau, deren schwarzes, langes Haar im Wind flatterte, blickte sich neugierig um.
»Wir sind am Ziel«, sagte der ältere der beiden Männer mit fisteliger Stimme. Seine Gestalt war hager, und um seinen Körper hatte er eine altmodische, beigefarbene Toga geschlungen. Eine starke magische Ausstrahlung ging von ihm aus. Langsam trat er auf den Eingang der Höhle zu.
»Am Ziel?«, echote die schwarzhaarige Frau, die von einem unbeteiligten Beobachter auf etwa dreißig Jahre geschätzt worden wäre. Dennoch fand sich in ihrem Gebaren eine gewisse Naivität und Verspieltheit wieder, die ganz im Gegensatz zu ihren ernsten, fast edlen Gesichtszügen stand.
Der Alte erklärte feierlich: »Dies ist die Paradiesinsel – der Ort, an dem du deine Ausbildung zum Abschluss bringen wirst, Larissa. Danach wirst du vollkommen sein und wie geschaffen für die Aufgabe, die ich dir zugedacht habe.«
»Welche Aufgabe?«
Er ging nicht darauf ein. »Wir haben keine Zeit zu verlieren. Jong wird hier warten, bis wir zurück sind.«
Der zweite Mann, nicht minder alt und hässlich, aber von einer schwächeren Aura umgeben, nickte gehorsam. Mit unbewegter Miene sah er zu, wie Larissa und Zakum die Höhle betraten.
Larissa rümpfte sofort die Nase über den unheimlichen Gestank, der den Stollen erfüllte. »Pfui Teufel, was haben wir hier zu suchen, Zakum?«
Der Alte lächelte boshaft und deutete mit seinen spinnendürren Fingern nach vorn. »Dort liegt der Schlüssel begraben. Es hat mich Monate der Anstrengung gekostet, diesen Augenblick vorzubereiten.«
Sie gelangten an eine Steintreppe, die über mehrere Stufen in die Tiefe führte. An ihrem Absatz erstreckte sich ein fünfzehn Quadratmeter großer Raum, dessen Wände und Decke aus fugenlos aneinandergereihten Langsteinen bestand. An der Rückwand befand sich ein faustgroßes Loch, das früher, als der Dolmen noch nicht von einem Erdhügel umschlossen war, einmal ein Ausguck gewesen sein mochte. In der Mitte des Raumes stand ein steinerner Tisch, auf dem zwei Leichen aufgebahrt waren. Es gab keine Lichtquelle, und doch war der Raum von einem diffusen Leuchten erfüllt. Larissa trat an den Tisch heran. Eine der Leichen war eine Frau. Der Körper war fast bis zur Unkenntlichkeit verschmort. Der andere Leib war von einem dichten Fell überzogen. Obwohl seine Gliedmaßen menschlich waren, hatte er etwas Wölfisches an sich.
»Zwei einstmals bedeutende Gestalten der Schwarzen Familie.« Zakums Stimme hallte schaurig von den Innenwänden der Kammer wider. »Der Dämon auf deiner Seite der Bahre ist der Erzdämon Luguri, der ehemalige Herrscher der Schwarzen Familie. Er verlor sein Leben im Kampf gegen die Vampirin Rebecca. Die Frau an seiner Seite ist Angelina. Sie war Luguris Mätresse und fand den Tod im Kampf gegen den Schemen Nathaniel – deinen Vater.« Er fasste Larissa bei diesen Worten ins Auge und verzog enttäuscht das Gesicht, als sie keine Anzeichen einer Regung zeigte.
Larissa fuhr mit den Fingern sanft über das verkohlte Antlitz Angelinas. Insgeheim fühlte sie mehr als nur bloße Wut. Nicht wegen ihres Vaters, den sie nie kennengelernt hatte, sondern weil mit seinem Tod die letzte Verbindung zur Schemenwelt, zu ihrem Zuhause, abgerissen war. Von Nathaniel hätte sie erfahren können, warum sie sich in der Welt der Menschen genauso wie unter den Dämonen heimatlos fühlte.
Sie hielt inne, als sie mit den Fingern über den Mund des Leichnams strich. »Dieser Körper ist nicht tot.«
Zakum rieb sich die Hände. »Sehr gut. Du hast mich nicht enttäuscht, Larissa. Unter Jongs Fittichen hast du es zu einer großen Magierin gebracht. Du wirst eine großartige Fürstin der Finsternis werden.«
Sie blickte auf. »Ist es das, was du mit mir vorhast? Ich soll das Oberhaupt aller Dämonen werden?«
Er nickte. »Nun, bis dahin sind noch einige Schwierigkeiten zu meistern. Zwei davon liegen vor dir. Du wirst die magische Energie dieser Körper in dich aufnehmen und damit noch stärker werden.«
Larissa gab sich unbeeindruckt. Es machte sie nicht froh, von Zakum für eine solche Aufgabe auserwählt zu sein. Er war der Lordkanzler der Schwarzen Familie und zur Zeit ihre wichtigste Persönlichkeit. Warum machte er sich nicht selbst zum Fürsten?
Er musste einen Hintergedanken verfolgen, wenn er ihr den Posten zuschanzen wollte.
»Es ist nicht mehr viel Magie in diesen Körpern«, stellte sie vorwurfsvoll fest. »Bist du sicher, dass es mir helfen kann, ihre Kräfte in mich aufzunehmen?«
»Gewiss. Ihre Geister bergen das Wissen vieler Jahre. Du wirst es übernehmen und von da an mehr über die Schwarze Familie wissen als jeder andere Dämon.«
Außer dir natürlich, fügte sie in Gedanken hinzu.
»Ich werde dich jetzt allein lassen. Sieh es als deine letzte Prüfung an. Du bist ein Schemen, denke immer daran.«
»Du weißt über unsere Rasse Bescheid?«, fragte sie überrascht.
»Natürlich. Aber es ist jetzt nicht an der Zeit, darüber zu sprechen. Ich gebe dir eine halbe Stunde. Jong wird draußen am Eingang auf dich warten.«
Als seine Schritte verhallt waren, blickte Larissa in das wölfische Gesicht des Erzdämons. Hoffentlich färbt deine Dummheit nicht auf mich ab, dachte sie sarkastisch. Gerüchten zufolge war Luguri nicht gerade mit Intelligenz gesegnet gewesen. Er hatte sich trotz seiner enormen Macht nicht lange auf dem Thron halten können. Von Jong hatte sie alles über die damaligen Machtkämpfe erfahren. Und Zakum hoffte allen Ernstes, dass er sie mit der Aussicht auf noch mehr Macht gefügig machen konnte. Er kann sich sein pathetisches Geschwätz sparen. Das funktioniert vielleicht bei einem Dämon, nicht aber bei einem Schemen.
Sie wollte nur eines: zurück in die Heimat ihrer Vorfahren. Nur deshalb würde sie Zakums Willen erfüllen.
Als Dorian wieder zu Bewusstsein kam, hatte er entsetzliche Kopfschmerzen. Man hatte ihn mit den Händen an die Lehne eines rustikalen Holzstuhls gefesselt. Direkt vor sich erblickte er einen Schreibtisch, auf dem eine grelle Lampe stand, die ihm ins Gesicht leuchtete. Geblendet kniff er die Augen zusammen.
Es herrschte Totenstille. Er versuchte, einen Teil der Umgebung zu erkennen, aber der Rest des Zimmers war in tiefe Finsternis gehüllt. Nicht einmal ein Fenster war zu sehen.
Der Schimmelgeruch und die feuchte Luft verrieten, dass er sich noch immer in van Vlotens Villa befand.
»Name?«
Die Stimme schnitt wie eine Schere durch die erdrückende Stille. Jemand saß hinter dem Schreibtisch und beobachtete ihn. Vorsichtig prüfte der Dämonenkiller den Sitz seiner Fesseln. Sie waren fest angezogen, aber die Riemen waren dehnbar. Mit etwas Glück würde es ihm vielleicht gelingen, sich zu befreien.
»Ihr Name!«, wiederholte die Stimme.
Der Schlag kam aus dem Nichts. Die Faust traf Dorians Schläfe, genau an der Stelle, die noch immer schmerzhaft pulsierte. Er fühlte die Erschütterung wie eine Erdbebenwelle durch seinen Kopf rollen.
»Dorian Hunter.« Langsam fuhr er sich mit der Zunge über die spröden Lippen. Er sehnte sich nach einem Glas Bourbon und einer Zigarette.
»Was haben Sie in der Villa gesucht?«
Er schloss die Augen. »Den Besitzer natürlich. Allerdings wüsste ich nicht, was Sie …«
»Wir stellen hier die Fragen«, antwortete der Mann, der neben Dorian stand, und beugte sich so weit vor, dass man seine schwarze Uniform sehen und seinen schlechten Atem riechen konnte. Die Männer waren Polizisten. Zumindest dem Anschein nach. Es war aber ebenso möglich, dass sie der Schwarzen Familie angehörten.
»Was wollten Sie von van Vloten?«
»Van Vloten? Wer ist das?«
»Der Mann, der hier wohnt. Er nennt sich Krascu, aber das ist nicht sein richtiger Name.«
»Davon wusste ich nichts. Er ist ein Bekannter von mir. Ich wollte ihn besuchen, einen Spaziergang unternehmen … nichts Besonderes.«
Der Polizist lächelte kalt. »Ein Spaziergang. Mit einem Querschnittsgelähmten.« Er zog ein Foto aus seiner Jackentasche und hielt es ins Licht. Darauf abgebildet war ein alter Mann mit einer Halbglatze, der sich auf einen Gehstock stützte. Sein Haar war schlohweiß und sein Gesicht von Falten durchzogen. Die Proportionen seines Körpers erschienen seltsam verschoben, aber das konnte auch an der schlechten Qualität der Aufnahme liegen. »Kennen Sie diesen Mann?«
Dorian schüttelte den Kopf.
»Das ist Elia Radescu. Er wurde gestern Vormittag auf den Stufen seines Hauses von einem Unbekannten erstochen. Er war gehbehindert. Und er sah ziemlich … seltsam aus.« Er steckte das Foto ein. »Wie ein Krüppel eben«, setzte er verächtlich...




