Voosen | Winterflüstern | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 356 Seiten

Reihe: Sommerflüstern

Voosen Winterflüstern

Gefühlvoller Liebesroman
1. Auflage, Digital Original 2016
ISBN: 978-3-646-60273-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Gefühlvoller Liebesroman

E-Book, Deutsch, Band 2, 356 Seiten

Reihe: Sommerflüstern

ISBN: 978-3-646-60273-9
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



**Ein wunderbar romantisch-verzwickter Winterroman** Auch wenn Kasie mit Nachnamen Clark heißt und gerne Nerd-Brillen trägt, ist sie von einem Dasein als Supergirl noch meilenweit entfernt. Stattdessen hilft sie Menschen auf eine andere Weise: Sie sammelt Lebensgeschichten und bietet im Gegenzug ihren Rat an. Dabei bräuchte sie eigentlich selbst einen, als sie plötzlich in eine neue Stadt ziehen und bei der Familie ihrer Cousinen Lucy und Taylor wohnen muss. Schon bei ihrer Ankunft dort wird ihr die tragischste Lebensgeschichte ihrer Sammlung erzählt - von Constantin, dem seltsam anziehenden Jungen, der am Bahnhof sitzt und auf einen Zug wartet, den er nicht bezahlen kann. Aber auch guter Rat ist teuer... //Alle Bände der packenden Romantik-Reihe: -- Sommerflüstern -- Herbstflüstern -- Winterflüstern -- Frühlingsflüstern// Alle Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden und haben ein abgeschlossenes Ende.

Tanja Voosen wurde 1989 in Köln geboren und lebt heute in der Nähe der Eifel. Während ihres Abiturs begann sie sich zum ersten mal mit dem Schreiben von Geschichten zu befassen und kurze Zeit später auch zu publizieren. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, den Weg nach Hogwarts zu suchen, weil die Realität so schlecht ohne echte Magie auskommt, steckt sie ihre Nase in gute Bücher und treibt sich in der Welt der Blogger herum.
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*1*


Tagebucheintrag #23

Woody Allen hat einmal gesagt, dass man hundert Jahre leben kann, wenn man all die Dinge aufgibt, die einen erst dazu bringen überhaupt so lange leben zu wollen. Im Grunde bedeutet das nur, dass man zwei Möglichkeiten hat. Entweder man lebt sein Leben in vollen Zügen und riskiert dabei etwas zu verlieren oder aber man ist am Leben und bleibt es aus lauter Vorsicht auch länger als andere. Weise Worte.

Mein Dad war einer dieser Menschen, die sich nie Gedanken über das machten, was weit vor ihnen lag. Er sagte immer, dass man sich nicht allzu sehr den Kopf über Dinge zerbrechen sollte, welche die Zukunft betrafen. Aber was sollte ich denn anderes tun, wenn ich Stunden in einem stickigen Zugabteil verbrachte und mit meinen Gedanken auf engstem Raum eingesperrt worden war? Freiwillig saß ich jedenfalls nicht in diesem Zug, der mich zu meiner Tante und meinem Onkel bringen würde. Da meine Mom mich allerdings vor die Wahl gestellt hatte, den Rest meines Junior-Year entweder an einer neuen Schule in der Nähe meiner Verwandten zu verbringen oder an einer Privatschule, die nun wirklich einem Gefängnis für Teenager gleichkam, hatte ich mich für Ersteres entschieden. Besser bei den Reagans als in einer Irrenanstalt – so stellte ich mir nämlich eine Privatschule vor und das lag nicht nur daran, dass ich die Serie Gossip Girl ein paar Mal zu oft gesehen hatte. Regeln, Schuluniformen und mehr Regeln. Da würde jemand wie ich nicht hinpassen. Den Rest meines Junior-Year an einer neuen Schule zu verbringen war aber auch nicht viel angenehmer. So einen Schwachsinn konnte sich auch nur Mom ausdenken! Ich war eine absolut Fremde dort, ganz im Gegensatz zu den anderen Schülern, die fast drei Jahre ihres Lebens Zeit gehabt hatten, um Freundschaften zu schließen und mit den Lehrern klarzukommen. Sie hätte mich gleich in ein Becken voller Haifische werfen können. Es war zudem ewig her, dass ich meine Tante und meinen Onkel gesehen hatte, ganz zu schweigen von meinen Cousinen. Angesichts der Tatsache, dass ich von der Existenz meiner restlichen Verwandten so gut wie gar nichts wusste, waren die Reagans aber die beste Option für mich gewesen. Vielleicht würden sie mich sogar verstehen. Verstehen, warum ich so wütend war und keine Lust hatte einen auf heile Familie zu machen, während meine eigene zusammenbrach – ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte. Schließlich hatte man mich verbannt.

Ich spürte, wie der Zug an Geschwindigkeit verlor, und seufzte. Es brachte ja doch nichts. Langsam erhob ich mich und griff zuerst nach meiner blauen Stoffjacke, die ich mit meinem Koffer in der Gepäckablage verstaut hatte. Ich zog sie an und hängte mir meine Handtasche um. Dann wuchtete ich den Koffer herunter und öffnete die Abteiltür, um auf den Flur hinaus zu treten. Der Zug legte eine abrupte Bremsung ein und ich fiel der Nase lang hin. Dabei verabschiedete sich meine Brille und schlitterte ein Stück über den dreckigen Boden des Gangs. Wie ein blinder Maulwurf tastete ich danach und hatte Glück sie überhaupt noch zu finden, ehe ich aussteigen musste. Die Brille hatte ich einmal zusammen mit Dad ausgesucht. Er war ebenfalls Brillenträger und meinte immer, wenn man schon so ein Ding tragen musste, sollte es wenigstens cool sein. Deshalb war das Gestell meiner Brille auch von einem kräftigen Azurblau und fiel ziemlich auf. Aber ich mochte die Farbe sehr gerne. Nachdem ich mich aufgerappelt hatte und die Brille wieder saß, erhaschte ich einen Blick auf mein Spiegelbild in der Scheibe. Der Zug rauschte gerade durch einen Tunnel und aufgrund der Dunkelheit draußen zeichnete sich mein Spiegelbild umso deutlicher ab. Meine schulterlangen blonden Haare standen in sämtliche Richtungen ab – wirklich - das war nicht nur so eine Redewendung! Es sah aus, als habe ich versucht Antennen aus einzelnen Strähnen zu drehen und irgendetwas zu empfangen. Genervt versuchte ich meine Haare mit den Fingern durchzukämmen, aber das funktionierte nur bedingt. Ich würde wirklich einen super Eindruck machen!

Ich war nicht nur todmüde und erschöpft von der stundenlangen Reise (was man mir eindeutig ansah), sondern meine Haare schienen auch noch lauthals Mode? Nein, danke! zu schreien. Vielleicht hätte ich doch besser das Kleid anziehen sollen, das Mom jedes Mal, wenn ich es trug, mit einem euphorischen Wundervoll! kommentierte. Ausgewaschene Jeans mit Löchern an den Knien und die alte Bluse, die mir zwei Nummern zu groß war, würde niemand mit wundervoll! quittieren. Ach, was dachte ich da eigentlich? Das war meine Familie. Familie sah einen doch in den Lebenslagen, die man vor anderen geheim hielt. Wenn sie mich in diesem Aufzug nicht mögen würden, dann würden auch andere Klamotten nichts daran ändern. Sekunde Mal – was war denn, wenn sie mich alle hassten? Wenn ich für sie ein Eindringling in ihr geordnetes Leben war? Hatte meine Mom mir nicht erzählt, dass meine Cousinen sogar beide einen Freund hatten? Soweit ich wusste, war Lucy in meinem Alter und deshalb auch im Junior-Year. Sie engagierte sich in einem Club für die Veranstaltungen der Highschool und war deshalb sicher total beliebt. Taylor war ein Jahr älter als wir beide und hatte in irgendeinem Freizeitpark oder so einen Job. Das klang, als wären die beiden absolute Super-Teenies mit der Lizenz zum Eltern-stolz-machen.

An meiner alten Schule hatte ich ganz gute Noten gehabt und war sogar bei der Schülerzeitung dabei gewesen, aber ich bezweifelte, dass ich mitten im Schuljahr irgendwo Anschluss fand. O Gott! Ich würde die Reagan-Cousine sein, die Taylor und Lucy an der Backe klebte. Wahrscheinlich würden sie sich nur aus Mitleid mit mir abgeben. Denk nach, Kasie! Wann hast du die beiden zuletzt gesehen? Keinen Schimmer. Wirklich nicht.

Bei all dem Gedankenwirrwarr hätte ich es fast versäumt, auch tatsächlich an meiner Station auszusteigen. Ich hievte den Koffer auf den Bahnsteig und holte erst mal tief Luft. Hier war ja nicht sonderlich viel los. Stirnrunzelnd hielt ich nach meinen Verwandten Ausschau. Also entweder hatte ich sie wirklich verflucht lange nicht mehr gesehen und erkannte sie daher nirgends oder aber sie waren nicht hier. Bevor ich Panik schieben konnte, dass man mich vielleicht vergessen hatte, zog ich mein Handy aus meiner Jackentasche. Im Zug hatte ich null Empfang gehabt und jetzt, da er langsam wieder zurückkehrte, bestätigte sich meine flüchtige Vermutung. Onkel Frank hatte mehrmals versucht mich anzurufen und schließlich eine SMS geschickt. Darin stand, dass ich mich etwas gedulden müsste, weil gerade ziemlich viel Verkehr herrschte und die Reagans nicht durchkamen – keine Ahnung, wer kam, um mich abzuholen. Mom hatte es sicher vor meiner Abreise erwähnt, aber ich hatte nur mit halbem Ohr zugehört.

Weil ich nicht recht wusste, was ich jetzt tun sollte und mich etwas verloren fühlte, sah ich mich unruhig um. Ich entdeckte eine Bank, etwas weiter hinten am Gleis, auf der nur ein Junge saß. Also zog ich meinen Koffer hinter mir her, damit ich neben ihm Platz nehmen konnte. Der würde mich sicher nicht überfallen und ich fühlte mich in Gesellschaft von Menschen – ob fremd oder nicht – doch irgendwie wohler. Das war seit einer Weile eine meiner seltsamen Macken geworden. Aber ich hatte oft einfach das Gefühl, dass man in Gegenwart anderer Menschen klarer denken konnte. Ich war dann immer etwas ruhiger und entspannter. Bei den meisten Leuten war genau das Gegenteil der Fall, aber ich war da eben anders. Vielleicht hing das auch mit meinem ganz persönlichen Hobby zusammen. Bei dem Gedanken an das alte Tagebuch, das ich seit neuestem mit mir herumschleppte, wurde mir ganz eng ums Herz. Um zu überprüfen, dass ich es auf der Reise auch nicht verloren hatte, fischte ich es aus meinem Rucksack und starrte es an. Es war keines dieser modernen Dinger mit Schloss oder Pappdeckel, sondern in Leder gebunden, mit weichem Einband und einem Lesebändchen aus roter Samtschnur. Es war gar nicht lange her, da hatte es meinem Dad gehört. Dann hatte er es mir gegeben. Es kam mir vor, als wäre es Ewigkeiten her, dass ich Dad das letzte Mal gesehen hatte. Meine Finger begannen leicht zu zittern und ich atmete mehrmals tief durch, ehe ich mich noch in etwas hineinsteigerte, das meine Gefühle überhaupt nicht wert war.

»Du schreibst doch nicht an einem öffentlichen Bahnhof in dein Tagebuch, oder?«, fragte eine Stimme, dicht neben mir. Ich drehte den Kopf nach links. Mein Sitznachbar hatte gesprochen und sah mich neugierig an. Er schien in meinem Alter zu sein. Sein Haar war ein Durcheinander aus dunklen Locken und er trug eine Brille, die fast die exakt gleiche Farbe wie meine hatte – was für ein verrückter Zufall! Sein Gesicht war offen und freundlich, weshalb ich ihn interessierter musterte. Kurz fiel mein Blick auf seine Schuhe. Es waren verschiedenfarbige Converse, was ihn mir gleich sympathisch machte. Es sollte mehr Menschen geben, die ihrem eigenen Stil folgten. Der Junge sah auch gar nicht aus, als hätte er groß darauf geachtet, was er anzog. Trotz der kühlen Luft trug er nur ein zerknittertes Hemd, in dem er schlaksig wirkte, weil es ihm nicht richtig passte. Seltsamerweise erkannte ich in ihm ein kleines Stück von mir selbst wieder. Ein bisschen chaotisch eben. Ich schenkte ihm ein Lächeln, ehe ich antwortete.

»Das ist ein besonderes Tagebuch«, erklärte ich. »Ich schreibe dort nicht nur meine eigenen Erlebnisse nieder, sondern Geschichten anderer Menschen, die mich bewegen. Eine eigene Sammlung an Wahrheiten sozusagen.«

Er runzelte die Stirn und hob eine Augenbraue.

»Was genau für Geschichten denn?«

»Alles Mögliche«, meinte ich aufgeschlossen. »Im Gegenzug für eine Geschichte...



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