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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 217 Seiten

Reihe: Kendzierski-Krimi

Wagner Hochzeitswein

Ein Krimi
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-942291-51-4
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Krimi

E-Book, Deutsch, Band 5, 217 Seiten

Reihe: Kendzierski-Krimi

ISBN: 978-3-942291-51-4
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine Hochzeit auf dem Land ganz im traditionellen Stil mit Hochzeitszug und Hochzeitswein und allem Drum und Dran. Unter den Gästen sind auch Paul Kendzierski, der Bezirkspolizist aus Nieder-Olm, zusammen mit Klara, denn sie ist seit Kindertagen die beste Freundin der Braut Simone. Als aber die Braut entführt wird, verschwindet ein weiterer Hochzeitsgast und bleibt auch in den Tagen darauf unauffindbar. Kendzierski, der Selztal-Schimanski, wird um seine Hilfe gebeten und ermittelt schnell wieder auf eigene Faust, statt der Kripo in Mainz zu vertrauen. Erst in letzter Minute erkennt er, wie all die losen Fäden seiner Ermittlungen zusammenhängen ... Dabei hätte Kendzierski beinahe total übersehen, dass es auf dieser Hochzeit zwei Sorten Hochzeitswein gab: zweimal Riesling feinherb - warum?

Andreas Wagner, Jg. 1974, ist als Winzer Quereinsteiger: Der promovierter Historiker führt das von den Eltern übernommene Weingut seit 2002 zusammen mit seinem Bruder Ulrich. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2006 schreibt er Weinkrimis.
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2.
Ein paar Tage zuvor


Paul, kannst du mir mal kurz helfen?“

Klaras Stimme kam aus dem Bad. Sie war deutlich zu hören, weil die Tür offen stand und er nur wenige Meter entfernt auf dem Sofa saß, in die Wochenendausgabe der Mainzer Zeitung vertieft. Seit mehr als einer halben Stunde ging das schon so, wenn ihn sein Zeitgefühl nicht vollkommen im Stich gelassen hatte. Paul Kendzierski war pünktlich bei Klara gewesen, um sie nicht unnötig warten zu lassen. Sichtlich nervös und angespannt hatte sie ihn in den zurückliegenden Tagen immer wieder darauf hingewiesen: einer der wichtigsten Tage in ihrem bisherigen Leben, von ganz großer Bedeutung für sie. Die Hochzeit ihrer besten Freundin aus Kindergartenzeiten. Für etliche Jahre hatten sie sich durch das Studium aus den Augen verloren und dann wieder neu entdeckt. Erst über das Internet aus Neugier. Was macht sie bloß? Was ist aus ihr geworden? Und wie sieht sie aus? Das zoologische Interesse war geweckt. Wie hat sie sich verändert in all den Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, seit sie von zu Hause weg musste? Der Stress damals in der Schule, der Wechsel in das Internat, Studium und aus den Augen.

Vor einem halben Jahr war Kendzierski beim großen Wiedersehen dabei gewesen. Simone war wieder hierhergezogen, zurück in die alte Heimat. Klara hatte sich zum ersten Treffen nach so langer Zeit nicht alleine getraut. Wenn wir nicht wissen, was wir uns zu erzählen haben, dann brauche ich dich.

Sie hatten ihn nicht gebraucht. Den ganzen Abend nicht, den sie beim alten Grass am offenen Kamin gesessen haben. Er mit den zwei Frauen, die zwanzig Jahre nachzuholen hatten und sich köstlich darüber amüsierten, wie ihm bei der Hitze des knisternden Feuers und den schnellen Geschichten die Augen zufielen. Gegen zehn hatte er sich mit einer ganzen Ladung Notlügen aus dem Staub gemacht. Der harte Arbeitstag, auch morgen wieder. Die Akten, die noch auf dem Schreibtisch warteten und seine Anwesenheit im Büro auch am Samstagvormittag nötig machten. Ärger mit der Sperrung und den Ampeln an einer Landstraße. Und so weiter.

Seit diesem Abend war Simone fester Bestandteil in Klaras Leben geworden und damit auch irgendwie in seinem. Ein ungewohntes Gefühl für ihn, Klara zu teilen. Das war ganz sicher keine Eifersucht, aber eine Situation, an die er sich erst einmal gewöhnen musste. Es machte keinen Sinn, wenn er mit beiden unterwegs war. Es ging doch immer nur um alte Geschichten, Erlebnisse aus der Schulzeit und Menschen, die er sowieso nicht kannte. Für Klara war das schwer zu verstehen. Was hast du gegen Simone? Nichts, gar nichts! Aber sie ist eben Freundin.

So hatten sie es dann auch gehalten in den letzten Monaten. Sie hatte sich immer mal wieder mit Simone getroffen und nur zaghaft angedeutet, dass er durchaus nicht stören würde.

„Paul!“

Der Ton in Klaras Stimme ließ keine Ausreden mehr zu. Er faltete den Sportteil der Zeitung zusammen und legte ihn neben sich auf das Sofa. Langsam und ein wenig schwermütig erhob er sich aus dem tiefen Polster von Klaras dunkelroter Couch. Mit beiden Händen strich er sich die beigen Hosenbeine glatt. Der Stoff kratzte an seinen Oberschenkeln, so wie er es geahnt hatte. Aber davon hatten sie ja nichts wissen wollen. Klara und der Verkäufer in der Herrenabteilung des Mainzer Bekleidungsgeschäftes waren so beglückt von seinem Anblick gewesen, als er sich aus der Kabine schob, dass er schon in diesem Moment wusste, Widerstand würde an ihrer Entschlossenheit abprallen. Paul, traumhaft! Das helle, feine Leinen steht dir so gut und ist genau richtig für eine Dorfhochzeit.

Gnädige Frau, ich kann Ihnen da nur zustimmen. Der Verkäufer näselte. Und das zarte Azur des Hemdes markiert einen schönen Kontrast. Ich habe da auch schon eine Krawatte im Sinn – einen Moment. Purpurrot mit zarten Nadelstreifen in Altgold. Als Krawatte oder als Fliege, wie es dem Herren gefällt. Dabei sah er weiter nur Klara an. Die hatte zustimmend genickt. Die gesamte Unterhaltung war sowieso vollkommen ohne seine Beteiligung geführt worden. Er hatte die ganze Zeit nur dagestanden vor der stickig engen Umkleidekabine wie eine vergessene Schaufensterpuppe. Ohne Schuhe, halb fertig gemacht.

Sein einziger ernsthafter Versuch der Gegenwehr war mit einem sanften Lächeln beiseitegeschoben worden. Die Hosenbeine zu lang? Darum kümmert sich unsere Schneiderin sofort. Der Verkäufer hatte dabei so langsam und betont durch die Nase gesprochen, als ob er einem Kleinkind gegenüberstand, dem er das Wahlrecht der USA zu erläutern versuchte. Danach hatte er sich umgehend wieder Klara zugewandt, um ihr den Seidenanteil der vorausgewählten Krawatten und Querschleifen zu erläutern.

So stand er nun da. Im hellen Sommeranzug aus feinem Leinenstoff, leicht tailliert. Der aktuelle Schnitt der Saison, voll im Trend und irgendwie doch zeitlos. Das hellblaue Hemd und die rote Krawatte, eine Kombination, die so auch für die nächsten Jahre tauge. Er hatte sofort wieder den näselnden Singsang des durchgestylten Verkäufers im Ohr. Die Sakkos und Hosen der gewählten Marke hätten sogar die nötigen Reserven, um kleine Änderungen vornehmen zu können, die einer sich wandelnden Statur ihres Besitzers Rechnung trügen. Dabei hatte sich der Verkäufer leicht geräuspert und die Augen verschämt in Richtung Fußboden gesenkt.

„Paul, wo bist du denn?“ Klaras Stimme beendete endlich seine wirren Gedanken. Er machte sich auf den Weg in Richtung Badezimmer.

Ein leichtes Unbehagen in seinem Magen signalisierte ihm, dass auch dort nicht die rechte Begeisterung für das aufkam, was ihn heute bis tief in die Nacht erwartete. Dabei war sein Magen sicher der, der heute noch am ehesten auf seine Kosten kommen sollte. Vielleicht waren seine Laute mehr eine Vorfreude auf die zu erwartenden meterlangen Essenstafeln, die zu jeder ordentlichen Hochzeit dazugehörten. Und das ganz besonders, wenn es sich um eine richtige Dorfhochzeit handelte, wie ihm Klara mit leuchtenden Augen berichtet hatte: das Sammeln im Hof der Braut. Gemeinsam wartete man bei einem Glas Wein, bis sie erschien und man ihr applaudieren konnte. Danach im langen Zug durchs Dorf zur Kirche, paarweise schreitend hinter Braut und Bräutigam. Die Straßen gesäumt von staunenden Zuschauern. Ausschließlich Frauen, in jedem Alter. Bewundernde Blicke für die Braut, ein wenig Neid wäre in manchem Gesicht abzulesen. Die vielen Menschen später bei der Feier in der großen Festscheune der Waldgaststätte, das war sein Problem. Die Enge, die Blicke und die blöden Kommentare, die er mittlerweile mitsprechen konnte, und das sogar im richtigen Tonfall des Dialekts. Was macht donn de Verdelsbutze hier? Iss was passiert? Wo der iss, passiert meistens erst ebbes! Also, hall dich fern! Das ungute Gefühl in seiner Magengegend verstärkte sich bei dem Gedanken an das, was dann noch kommen würde. Klaras großer Auftritt, der auch irgendwie seiner war. Sofort nachdem sie ihm mit strahlenden Augen von der bevorstehenden Hochzeit erzählt hatte. Ein fast verklärtes Lächeln für einen Moment, das ihm Angst gemacht hatte. Und dann die Planungen. Paul, wir müssen da unbedingt etwas machen. Er hatte dabei an ein schönes Geschenk gedacht und sich noch irgendwie sicher gefühlt. Klara kannte ihre Freundin und würde schon für das Nötige sorgen. Zur Not gab es ja immer noch die praktischen Geschenketische bei einem großen Kaufhaus, die zur Versorgung der Ideenlosen bereitgehalten wurden. Eine praktische Einrichtung, wie er fand. Klara hatte aber an ganz andere Dinge gedacht und immer war von „wir“ die Rede. Wir müssen da etwas machen, Paul. Als sie den Satz vielsagend mehrmals wiederholte, dämmerte ihm ganz sachte schon, dass auch er damit gemeint war. Ein Beitrag, Paul. Etwas für die lustige Abendgestaltung. Es ist schließlich die Freundin, die ich am längsten kenne. Seinen Widerstand hatte sie mit einer kurzen Bewegung und einem einzigen Satz hinweggefegt. Du kannst mich doch nicht im Stich lassen! Und wir als ihre alten Freunde können uns da auf gar keinen Fall verstecken. Es kommen ja ansonsten fast nur Leute, die sie vom Studium kennt. Da müssen wir die Fahne der Eingeborenen hochhalten. Klara hatte ihn dabei auffordernd angesehen, so als ob sie einen ersten schnellen Vorschlag von ihm erwartete. In seinem Kopf rasten sofort die wildesten Bilder. Er mit Mikrofon auf der Bühne, in schiefen Tönen singend, schlechte Reime zu verschwommenen Dias, die Klara auf ein notdürftig an der Wand befestigtes Betttuch projizierte. Er als Moderator für die humorvolle Zwischeneinlage. 300 Augen auf ihn gerichtet. Das Standardrepertoire: Wie gut kennt sie ihn und umgekehrt. Behaarte, nackte Männerbeine, die sie mit verbundenen Augen abtasten musste. Spitze Schreie aus dem Publikum. Angstschweiß war ihm auf die Stirn getreten, eisig kalt, und sicher war er auch gleichzeitig blass geworden. Klara hatte das aber nicht davon abgehalten, ihn weiterhin miteinzubeziehen in ihre Planungen. Ihm war jetzt schon schlecht bei dem Gedanken an das, was ihn nach dem Abendessen und vor der Hochzeitstorte erwartete.

„Paul! So kommen wir ganz...


Andreas Wagner, Jg. 1974, ist als Winzer Quereinsteiger: Der promovierter Historiker führt das von den Eltern übernommene Weingut seit 2002 zusammen mit seinem Bruder Ulrich. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2006 schreibt er Weinkrimis.



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