Wagner Schlachtfest
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-942291-47-7
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Krimi
E-Book, Deutsch, Band 6, 216 Seiten
Reihe: Kendzierski-Krimi
ISBN: 978-3-942291-47-7
Verlag: TZ-Verlag & Print GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Welcher Winzer schreibt tolle Krimis? Oder andersrum gefragt: Welcher Krimiautor ist auch ein guter Weinmacher? Da gibt' s nur einen - Andreas Wagner aus Essenheim! Dabei ist Andreas Wagner, Jg. 1974, sowohl als Winzer wie auch als Autor Quereinsteiger: Der promovierter Historiker führt das von den Eltern übernommene Weingut, das in Eichelmanns Weinführer und im Gault Millau Weinguide gelistet wird, seit 2002 zusammen mit seinen Brüdern. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Mehr zum Autor unter www.wagner-wein.de
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"Was soll das mit dem Gift hier auf dem Acker?"
Er war jetzt nur noch ein paar Meter von ihm entfernt. Die geschwollenen Adern an seinem Hals konnte er mittlerweile deutlich erkennen. Das war also der Grund für seinen Auftritt.
"Mein Acker, mein Getreide und auch meine Mäuse, die ich vergifte!"
Er ging ihm einen Schritt entgegen und brachte sich breitbeinig mit aufgeblähtem Brustkorb in Position.
"Das ist doch idiotisch. Es gibt so viele Bussarde in diesem Jahr. Über den Herbst holen die noch die meisten Mäuse weg. Besonders jetzt, wo denen die Deckung fehlt auf den geräumten Äckern." Er stand nun direkt vor ihm. Stoßweise atmend, wegen der hundert Meter, die er über seinen Stoppelacker gerannt war. "Jetzt vergiften Sie erst die Mäuse und wahrscheinlich noch einen Teil der Bussarde mit, die die halbtoten Tiere fressen. Dann geht im Laufe des Winters der Rest der Bussarde ein, weil ihnen die Nahrungsreserven fehlen. Und im nächsten Jahr haben wir wieder die gleiche Mäuseplage. Hirnlos ist das!"
"Das ist mein Acker hier, also runter, bevor ich zuschlage."
Er spürte, wie es in seinem Brustkorb hämmerte. Beide Fäuste, die rechte mit dem Löffel und die linke mit dem Eimerchen, ballte er krampfhaft. "Wegen der paar verlausten Kohlköpfe und dem geschossenen Salat brauchst du hier nicht den Dicken zu machen. Das hier ist mein Acker und von dem verschwindest du jetzt augenblicklich. Und wenn du mit deinem rostigen Jeep noch einmal über eines meiner Grundstücke fährst, dann zeige ich dich an!"
Er machte drohend noch einen Schritt auf den anderen zu. Der Steinkamp wich ein Stück zurück. Mehr mit dem Oberkörper, als ob er jetzt schon einen Schlag erwartet hätte. Seine Augen kniff er dabei zusammen. Er war gut zehn Jahre jünger, Mitte vierzig, dürr, aber mit kugeligem Bauch und ohne Muskeln. Hoch aufgeschossen aber ein wenig krumm immer nach vorne gebeugt. Haltung und Statur eines Menschen, der die meiste Zeit seines Lebens auf einem gepolsterten Bürostuhl verbracht hatte, um bei jedem Gang auf die Toilette, den Sitz der zurückgegelten Haare überprüfen zu können. Dieser Gedanke ließ ihn grinsen und auch die Genugtuung, die er wärmend spürte, weil der jetzt nicht mehr weiter wusste. Als Verlierer würde er seinen Acker verlassen. Das was er hier machte, hatte alles seine Ordnung und er hielt sich genau an die Regeln. Die Giftkörner in die Löcher und alles schön zumachen, damit nicht andere Tiere zu Schaden kamen. Er wusste genau, dass der Steinkamp nur darauf wartete, dass er ihm eins überbraten konnte. So waren sie, diese Typen, die keine Ahnung von der Landwirtschaft hatten, aber doch den Mund mehr als voll nahmen. So lange bis sie sich daran einmal verschluckten. Von so einem brauchte er sich nicht erklären zu lassen, wie das alles zu funktionieren hatte.
"Worauf wartest du noch, runter hier, bevor ich mich vergesse!"
Er versuchte ihm drohend noch einen Schritt näher zu kommen. Der Steinkamp zeigte aber keinerlei Anzeichen, zurückweichen zu wollen. Seine Lippen hielt er einen kleinen Moment noch fester zusammengepresst, bevor es in knappen Worten aus ihm herausdrängte.
"Das kann ganz schnell gehen."
"Was?" Er fühlte jetzt das Blut heiß in seinen Kopf schießen. Was wollte der noch? "Was kann ganz schnell gehen?" Er brüllte ihn an.
"Es ist jetzt Herbst." Der Steinkamp sprach leise und ganz langsam. "Die Aussaat hier macht vielleicht schon ein ganz anderer."




