E-Book, Deutsch, Band 20, 170 Seiten
Reihe: Romantic-Kiss
Wallon Bleib heute Nacht bei mir
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95520-804-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Romantic-Kiss-Roman - Band 20
E-Book, Deutsch, Band 20, 170 Seiten
Reihe: Romantic-Kiss
ISBN: 978-3-95520-804-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Isabelle Wallon, geboren 1957, schreibt seit über 20 Jahren Romane in den unterschiedlichsten Genres. Bei dotbooks veröffentlichte Isabelle Wallon zahlreiche Hot-Romance- und Liebesromane wie »My Hot Cowboy«, »Liebe ist wie Sommerwind« oder »Ein Abenteurer zum Verlieben« - ihre Einzeltitel sind in verschiedenen Sammelbänden erhältlich.
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Kapitel 1
Jennifer Adams hob unwillkürlich den Kopf, als sie Schritte hinter ihrem Schreibtisch vernahm. Sie drehte sich um und blickte ihre Kollegin Sandy an, deren Gesicht vor Aufregung leicht gerötet war.
»Mr. Boone will dich sprechen, Jenny«, sagte Sandy. »Du sollst gleich zu ihm kommen.«
»Ausgerechnet jetzt, wo ich die Entwürfe für Hutchinson durchsehen will«, beklagte sich Jenny und blickte vom Computer auf. »Hat das nicht noch einen Moment Zeit? Ich muss die Entwürfe anschließend ans Fotoatelier mailen. Die warten doch schon dringend darauf.«
»Du kennst doch unseren Chef«, erwiderte Sandy achselzuckend. »Wenn er etwas zu besprechen hat, dann muss das gleich sein. Wenn du ihn nicht verärgern willst, dann geh lieber sofort zu ihm. Sieht ohnehin so aus, als wenn er heute nicht gerade seinen besten Tag hat.«
Wohl oder übel musste Jenny der Aufforderung Boones nachkommen. Seufzend erhob sie sich von ihrem Stuhl, verließ ihr Büro und ging zum Chef der Werbeagentur, dessen »Residenz« – wie Jennys Kollegen Boones Büro scherzhaft bezeichneten – sich zwei Türen weiter befand.
Unwillkürlich erinnerte Jenny sich daran, dass es in der letzten Zeit des Öfteren Meinungsverschiedenheiten mit Douglas Boone gegeben hatte. Ob das diesmal vielleicht wieder der Fall war? Bei einem Mann wie Boone konnte man das nie wissen. Obwohl man von Menschen, die in der Werbebranche arbeiten, normalerweise viel Toleranz erwartet, war Boone das klassische Beispiel für die Ausnahme. Wer nicht nach seiner Pfeife tanzte, dem machte er das auf seine Weise unmissverständlich klar.
Gerade eine gute Werbetexterin wie Jenny hatte schon häufig unangenehme Diskussionen mit Boone gehabt, weil der nämlich ganz eigene Ansichten hatte, die im krassen Gegensatz zu denen Jennys standen.
Deshalb ahnte Jennifer nichts Gutes, als sie anklopfte und Sekunden später das Büro des Werbeagenturleiters betrat. Noch bevor Boone ein einziges Wort gesagt hatte, wusste sie bereits, dass ihr ein unangenehmes Gespräch bevorstand, denn die Art und Weise, wie Douglas Boone Jenny von Kopf bis Fuß musterte, sagte ihr schon eine ganze Menge.
»Nehmen Sie doch Platz, Jenny«, forderte er sie mit einem jovialen Lächeln auf und wies auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch aus massiver Eiche. »Machen Sie es sich bequem, während ich uns zwei Drinks einschenke. Sie möchten doch etwas trinken, oder?«
Wenn Boone es auf die kumpelhafte Tour versuchte, dann standen die Zeichen auf Sturm. Also musste das, was er ihr zu sagen hatte, noch eine Spur unangenehmer sein, als Jenny ursprünglich angenommen hatte.
»Nein danke«, erwiderte sie entschlossen und bemühte sich, nach außen hin weiter ruhig und gelassen zu bleiben, obwohl ihr das in dieser Situation ausgesprochen schwerfiel. »Am besten sagen Sie einfach, was Sie auf dem Herzen haben, Mr. Boone.«
»Nur nicht so hastig, junge Frau«, entgegnete Boone und schaute sekundenlang auf Jennys lange schlanke Beine, die der kurze Jeansrock natürlich seinen Blicken preisgab. »Etwas Zeit müssen Sie schon mitbringen. Oder haben Sie gerade etwas Wichtiges zu tun?«
So wie er das aussprach, konnte man fast den Eindruck haben, als wenn Jenny die ganze Zeit über nur an unwichtigen Dingen arbeitete. Aber das war eben typisch für einen Mann wie Douglas Boone, der wahrscheinlich in seinem ganzen Leben noch nichts von Gleichberechtigung und Emanzipation gehört hatte. Aber dagegen anzukämpfen, war bei Boone vollkommen zwecklos. Deswegen überhörte Jenny seine bissige Ironie.
»Ich bereite gerade die Entwürfe für Hutchinson auf, Mr. Boone«, antwortete Jenny leicht gereizt. »Aber an den Texten möchte ich noch einiges ändern und …«
»Ach ja, die Sache mit Hutchinson«, unterbrach Boone sie und lehnte sich genüsslich zurück. »Gut, dass Sie das erwähnen, denn genau das ist es, worüber ich mit Ihnen reden wollte.«
»So?«, hakte Jenny sofort ein. »Gibt es vielleicht Neuigkeiten in dieser Sache?«
»So könnte man das auch ausdrücken, Jenny, bitte nehmen Sie nicht persönlich, was ich Ihnen jetzt sagen muss. Aber es ist ganz einfach so, dass Sie vielleicht … Ich meine … Ich meine, dass Don Matlock die Hutchinson-Sache übernehmen sollte. Sie wissen, dass er vor vier Wochen eine gute Arbeit abgeliefert hat. Und da von Hutchinsons Auftrag auch für uns eine Menge abhängt, halte ich es für ratsam, wenn Sie mit Don zusammen an diesem Projekt weiterarbeiten.«
Nun war es heraus – das, was Jenny eigentlich schon seit Tagen befürchtet hatte. Boone traute einer Frau nicht zu, dass sie wichtige Aufgaben übernehmen konnte. Die eigentlichen Entscheidungen in dieser Agentur wurden immer nur von Männern getroffen. Und das, obwohl Jenny gerade in diesem Fall so erstklassige Vorarbeit geleistet hatte. Die Entwürfe waren praktisch schon fertig, und nun kam so etwas dazwischen.
»Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Jenny«, versuchte es Boone erneut in kameradschaftlichem Ton. »Wenn es nicht gerade Hutchinson wäre, müssten wir uns beide jetzt nicht darüber unterhalten. Aber Hutchinson ist nun unser größter und wichtigster Kunde, den wir mit allen Mitteln zufriedenstellen müssen. Selbstverständlich weiß ich zu schätzen, was Sie bisher in dieser Sache geleistet haben. Da aber Don Matlock wieder genesen ist, sollten Sie ihn in Ihre Arbeit miteinbeziehen. Sie wissen doch, in dieser Agentur wird Teamgeist über alles geschätzt.«
Boones Worte waren natürlich der blanke Hohn für Jenny. Und dass er noch die Frechheit besaß, ihr das mit einem wohlwollenden Grinsen zu sagen – das brachte sie erst recht auf die Palme. Es war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, ihr ausgerechnet diesen arroganten Matlock vor die Nase zu setzen. Einen Mann, der noch vollkommen antiquierte Texte konzipierte und im Grunde genommen neuen Ideen gegenüber alles andere als aufgeschlossen war. Dass so einer wie Matlock in Boones Agentur natürlich Karriere machen konnte, lag auf der Hand, weil Boone nämlich ein Spießer war, der immer noch nicht begriffen hatte, dass man in der Werbebranche mit ganz anderen Mitteln arbeiten musste, um Erfolg zu haben. Dass es Boone aber dennoch schaffte, seine zahlenden Kunden mit nichtssagenden Werbetexten abzuspeisen, war ihr bisher ein Rätsel.
»Mr. Boone, mit einem Mann wie Matlock kann ich nicht zusammenarbeiten«, verteidigte sich Jenny. Zu Recht, weil sie sich natürlich übergangen fühlte. »Wir sind in Sachen Werbetexte so verschieden wie Hund und Katze, wenn Sie verstehen, was ich damit sagen will. So kommen wir ganz bestimmt auf keinen gemeinsamen Nenner.«
»Wenn Sie sich bemühen und etwas guten Willen zeigen, dann ist das ganz bestimmt der Fall«, erwiderte Boone leicht verärgert, da er Einwände jeglicher Art wie die Pest haste. »Und wenn wir schon beim Thema sind«, fuhr er dann gereizt fort, »dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Ihre Art von Texten des Öfteren zu aggressiv ist. Jenny, Sie sollten Ihr Temperament besser zügeln. Oder haben Sie vergessen, wie empfindlich Hutchinson reagieren kann?«
»Mr. Boone, ich glaube, es hat keinen Zweck mehr, darüber zu reden«, antwortete Jenny aufgebracht. »Was mich betrifft – ich bin nach wie vor nicht bereit, mit Matlock zusammenzuarbeiten. Das gibt sowieso das reinste Chaos, und das wissen Sie auch.«
»Dann bleibt mir nach Lage der Dinge wohl nichts anderes übrig, als Don allein mit der Aufgabe zu betreuen, Jenny«, erklärte Boone achselzuckend. »Es ist Ihre Schuld, wenn Sie die angebotene Chance nicht nützen wollen. Übergeben Sie Don heute Mittag die Hutchinson-Dateien. Sie können sich in der Zwischenzeit mit der Konzipierung von Texten für Barnes & Co. befassen …«
»Barnes & Co.!«, stöhnte Jenny. »Meinen Sie wirklich, dass mich so etwas Simples noch reizt, Mr. Boone?«
»Sie müssen ja nicht, Jenny. Wenn Sie sich bereit erklären, Matlocks Ratschläge zu befolgen, können Sie weiterhin an der Hutchinson-Kampagne arbeiten.«
»Aber nicht mit Matlock!«, stieß Jenny hervor und strich sich eine widerspenstige Strähne ihrer langen blonden Mähne aus der Stirn. Wenn Blicke hätten töten können, dann wäre Boone sicherlich vom Stuhl gefallen. Aber so war Jenny machtlos gegen den Willen ihres Chefs. Dieses Gespräch war wieder einmal ein Beweis dafür, dass sie sich zusehends in dieser Werbeagentur einfach nicht mehr wohl fühlte. Im Vergleich zu den Möglichkeiten, die einer talentierten Werbetexterin wie Jenny in New York geboten wurden, war Chicago dagegen die reinste Provinz.
Sie erhob sich, kehrte ihrem Chef den Rücken und verließ das Büro.
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