E-Book, Deutsch, Band 2, 122 Seiten
Reihe: Romantic Kiss
Wallon Der Geliebte aus Texas
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95520-477-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Romantic-Kiss-Roman - Band 2
E-Book, Deutsch, Band 2, 122 Seiten
Reihe: Romantic Kiss
ISBN: 978-3-95520-477-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Isabelle Wallon, geboren 1957, schreibt seit über 20 Jahren Romane in den unterschiedlichsten Genres. Bei dotbooks veröffentlichte Isabelle Wallon zahlreiche Hot-Romance- und Liebesromane wie »My Hot Cowboy«, »Liebe ist wie Sommerwind« oder »Ein Abenteurer zum Verlieben« - ihre Einzeltitel sind in verschiedenen Sammelbänden erhältlich.
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Kapitel 1
Der Mann mit dem Texashut grinste breit, als er sich an der Gepäckausgabe an Brenda Cummings vorbeidrängelte und ihr dabei auf die Füße trat. Ihre Augen funkelten vor Wut, aber das schien ihn überhaupt nicht zu kümmern. Seelenruhig schnappte er sich seinen Koffer vom Band und eilte auf den Ausgang des International Airport von Fort Worth zu.
Brenda brauchte einige Sekunden, um sich wieder zu beruhigen. Da lobte man die sprichwörtliche Höflichkeit der Texaner, und dabei waren sie in Wirklichkeit Rüpel.
Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen, dachte Brenda und nahm ebenfalls ihren Koffer vom Band. Sie warf einen kurzen Blick auf die Armbanduhr und stellte fest, dass es schon auf Mittag zuging. Höchste Zeit, dass sie sich um ein Hotelzimmer kümmerte, bevor sie Frank Connors anrief.
Bei dem Gedanken an ihn war ein Seufzer nicht zu unterdrücken. Frank Connors war ein Bestsellerautor, dessen Romane in der Gunst des Publikums seit gut eineinhalb Jahren ganz oben standen. Man nannte seinen Namen in einem Atemzug mit Louis L’Amour, Gordon D. Shirrefs oder William W. Johnstone. Die Verkaufszahlen dieser Autoren zeigten eindeutig, dass die Leser mochten, was sie schrieben – und das waren Westernromane. Ein Genre, mit Brenda noch nie etwas hatte anfangen können. Und ausgerechnet sie sollte diesen Frank Connors interviewen. Das war jedenfalls die Aufgabe, die ihr Chef Conrad Haskins ihr übertragen hatte. Aber die Kollegin, die dafür eigentlich prädestiniert gewesen wäre, befand sich zurzeit im Urlaub, also musste sie notgedrungen einspringen.
Als sie an einem Buchladen vorbeikam, fiel ihr zufällig ein Werk von Frank Connors ins Auge, das in der Auslage ganz vorn stand. Es trug den Titel »Duell in Sonora« und zeigte auf dem Titelbild einen Showdown zwischen zwei wüst aussehenden Burschen.
Irgendwann muss ich ja mal damit anfangen, dachte Brenda seufzend, und kaufte sich das Buch. Heute Abend wollte sie es lesen, bevor sie Frank Connors anrief. Im Grunde genommen freute sie sich jetzt schon darauf, so schnell wie möglich wieder nach New York zurückzukommen, denn das, was sie bis jetzt von Texas mitbekommen hatte, war wahrhaftig nicht atemberaubend.
***
Beim Verlassen des Flughafengebäudes schlug Brenda brütende Hitze entgegen. In New York herrschten schon sommerliche Temperaturen, aber das war nichts gegen diesen Backofen. Sofort brach ihr der Schweiß aus, während sie sich nach einem Taxi umsah. Aber merkwürdigerweise war keins zu entdecken, wohin sie auch blickte.
Schweren Herzens nahm sie ihren Koffer und machte sich auf den Weg zum Busbahnhof, der sich unglücklicherweise genau auf der anderen Seite der Ankunftshalle befand.
Langsam wurde Brenda wütend. Sie war müde und erschöpft von dem Flug. Es hatte unterwegs etliche Turbulenzen gegeben und deshalb über eine Stunde Verspätung.
Der Koffer erschien ihr immer schwerer, als sie die große Ankunftshalle durchquerte, bis sie endlich den Ausgang auf der anderen Seite erreicht hatte.
Der Busbahnhof war gut fünfzig Meter entfernt. Brenda holte noch einmal tief Luft und machte sich mitsamt ihrem schweren Koffer auf den Weg.
Es dauerte etwas, bis sie den richtigen Bus gefunden hatte. Brenda stieg ein, bezahlte den Fahrpreis und ließ sich dann erleichtert auf einen der Sitze fallen. Zum Glück gab es hier Klimaanlage, so dass sie wenigstens für kurze Zeit der brütenden Hitze entfliehen konnte.
Brenda brauchte nicht lange zu warten, bis der Bus endlich abfuhr. Nach einer knappen Viertelstunde ging es los in Richtung Stadtzentrum.
Sie sehnte sich nach einer kalten Dusche und einem Drink. Anschließend wollte sie sich ein wenig die Stadt ansehen, bevor sie mit ihrer Arbeit begann. Eine Tätigkeit, die ihr immer noch ziemliches Kopfzerbrechen bereitete. Es war eine Sache, dass sie noch nie einen Western gelesen hatte – und eine ganz andere, dass sie trotzdem sehr konkrete Vorstellungen besaß, wie ein Autor dieses Genres aussah. Sie rechnete damit, von einem älteren und dicken Texaner empfangen zu werden, der sie mit umgeschnallten Colts begrüßte. Etwas, vor dem man in New York in der Regel sicher war.
***
Nach einer kalten Dusche verließ Brenda wieder das Hotel. Das »Texas Inn« war eine kleine Pension in der Nähe des Einkaufszentrums.
Nachdem Brenda in Jeans und ein ärmelloses T-Shirt geschlüpft war, machte sie sich auf den Weg zu einem kleinen Stadtbummel. Shopping zählte nämlich mit zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Und tatsächlich: Selbst hier, am gefühlten Ende der Welt, konnte eine Frau dabei gute Laune bekommen.
Vergnügt registrierte sie die bewundernden Blicke einiger Männer auf der anderen Straßenseite. Einer von ihnen machte große Augen und stieß einen lauten Pfiff aus. Aber das, was er zu sehen bekam, verdiente wirklich einen längeren Blick. Brenda besaß eine schlanke und zugleich sportlich durchtrainierte Figur. Die langen roten Haare, die ihr bis in den Rücken fielen, umrahmten ein hübsches, ebenmäßiges Gesicht, dessen Augen sehr beeindruckend waren. Brenda Cummings war mit ihren sechsundzwanzig Jahren eine Frau, nach der sich fast jeder Mann umdrehte.
Während sie den Boulevard entlangschlenderte, warf sie einige Blicke in die verschiedenen Schaufenster. Plötzlich konzentrierte sich ihr Interesse auf einen kleinen Laden auf der anderen Seite, in dessen Schaufenster sich ein Kleid von so raffiniertem Schnitt befand, dass Brenda beschloss, es sich aus der Nähe anzusehen. Sie vergewisserte sich kurz, dass die Straße frei war, dann marschierte sie los.
In diesem Augenblick zerriss das schrille Quietschen von Bremsen die Stille. Sekundenbruchteile später schoss ein metallicgrüner Wagen um die Straßenecke, genau auf Brenda zu. Der Fahrer machte überhaupt keine Anstalten, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen.
Für endlose Augenblicke wirkte Brenda wie gelähmt. Doch dann reagierte sie instinktiv. Im letzten Moment machte sie einen gewagten Satz zur Seite und geriet dabei so sehr ins Taumeln, dass sie das Gleichgewicht verlor und sich an einem parkenden Wagen festhalten musste, sonst wäre sie unweigerlich gestürzt.
Fassungslos blickte Brenda dem Wagen nach. Der Mann am Steuer musste wahnsinnig sein! Er hätte sie fast über den Haufen gefahren! Solchen Verrückten sollte man die Fahrerlaubnis entziehen. Die bedeuteten eine Gefahr für die Allgemeinheit.
Sie stellte fest, wie der Wagen mit einem neuerlichen schrillen Quietschen abbremste und kurz vor der Einfahrt zu einem Supermarkt zum Stehen kam. Sekunden später öffnete sich die Wagentür, und ein Mann in Jeans und einem breitkrempigen Hut stieg aus. Sein Ziel war der Supermarkt, in dem er kurz darauf verschwand.
So einfach kommst du mir nicht davon, dachte Brenda und machte sich sofort auf den Weg zum Supermarkt. Hinter sich vernahm sie die Stimme einer alten Frau, die ihr etwas zurief. Aber sie achtete nicht darauf. Ihre Gedanken beschäftigten sich mit dem rüpelhaften Burschen, der sich um nichts zu kümmern schien. Nun, mit dem würde sie ein Hühnchen rupfen!
***
Brenda brauchte nicht lange zu warten, bis der Straßenrowdy wieder auftauchte. Unter dem Arm trug er eine große braune Tüte. Lässig schlenderte er auf seinen Wagen zu und blieb erstaunt stehen, als ihm Brenda in den Weg trat.
»Mister, sind Sie eigentlich noch ganz bei Trost?«, ereiferte sich Brenda. »Sie hätten mich fast über den Haufen gefahren. Ich hätte gute Lust, Sie anzuzeigen!«
Der Mann nahm die Sonnenbrille ab und schaute Brenda erstaunt und amüsiert zugleich an. Sie blickte in ein sonnengebräuntes, markantes Gesicht. Als sie ihm in die Augen sah, spürte sie eine winzige Spur von Unsicherheit – warum eigentlich?
Es vergingen endlose Sekunden, bis sich der Mann endlich dazu entschloss, den Mund aufzumachen.
»Lady, ich befürchte, ich habe Sie gar nicht gesehen«, erwiderte er zu Brendas Erstaunen. »Es tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe. Aber ich hatte es höllisch eilig, weil ich noch eine Menge erledigen muss …« Er schaute zu der Papiertüte in seinem Arm. »Heute Abend findet bei mir eine große Grillparty statt, und da muss ich einige Vorbereitungen treffen. Wie sieht’s aus – können Sie mir noch mal verzeihen, oder wollen Sie tatsächlich die Polizei rufen?«
Brenda war so verwirrt, dass sie im ersten Augenblick zu keiner Antwort fähig war. Ein Mann wie dieser war ihr noch nie begegnet. Einer, der die Straße von Fort Worth für die Rennstrecke von Indianapolis hielt und dabei noch nicht einmal bemerkte, wie sehr er mit seiner Fahrweise andere Leute gefährdete.
»Lady, weshalb sehen Sie mich so merkwürdig an?«, fragte er mit seiner angenehmen Stimme weiter. »Oder haben Sie noch nie einen Junggesellen beim Einkaufen gesehen? Eine höllische Arbeit, kann ich Ihnen sagen!« Er grinste, bevor er fortfuhr: »Übrigens, wenn Sie nichts dagegen haben, darf ich mich vorstellen – ich heiße Frank Connors.«
Diese Neuigkeit wirkte auf Brenda so, als hätte vor ihren Füßen ein Blitz eingeschlagen. Sie wurde abwechselnd rot und blass und schlug die Augen nieder.
Das durfte doch nicht wahr sein! Dieser Mann sollte der Westernautor Frank Connors sein? Manchmal spielte einem das Schicksal aber wirklich seltsame Streiche.
»Warum sehen Sie mich denn so erstaunt an?« Er blieb hartnäckig. »Haben Sie noch nie einen Texaner beim Einkaufen gesehen, oder was ist los? Sie sind nicht von hier. Habe ich recht?«
Brenda nickte. »Ich heiße Brenda Cummings«, sagte sie. »Ich komme aus New York, vom Writer’s Magazine und …«
Sie brach plötzlich ab, als Frank schallend zu lachen begann.
»Ha, das gibt es doch nicht! Sie sind doch nicht etwa die...




