E-Book, Deutsch, Band 4, 228 Seiten
Reihe: Texas Ranger
Wallon Texas Ranger 04: Kampf ohne Gnade
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-95719-364-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 228 Seiten
Reihe: Texas Ranger
ISBN: 978-3-95719-364-3
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Alfred Wallon geb. 1957, ist ein vielseitiger Autor, bis heute über 200 Romane in verschiedenen Genres veröffentlicht hat. Er schrieb Serien wie RIO CONCHO, DIE FORTS AM BOZEMAN TRAIL und TEXAS RANGER für den BLITZ-Verlag und beteiligt sich auch an RED ROCK RANCH und LOBO. Ab Sommer 2023 werden seine Romane exklusiv im BLITZ-Verlag veröffentlicht. Die Serie CIVIL WAR CHRONICLES wird mit einer Neuauflage als eBook und Taschenbuch abgeschlossen, inklusive drei neuen Romanen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2: Allein in der Wildnis
12. September 1835
Im Lager der McLellan-Familie unweit des San Gabriel River
Am Nachmittag gegen 15:30 Uhr
Emma McLellan nahm eine Decke und hüllte ihren zehnjährigen Sohn darin ein, weil er zu frieren begann, trotz des kleinen Feuers, das sie vor einer halben Stunde angezündet hatte, um wenigstens etwas Wärme abzubekommen. Es ging auf den Herbst zu, und seit zwei Tagen hatte sich das Wetter deutlich verschlechtert. Die letzten vierundzwanzig Stunden hatte es bis auf wenige Unterbrechungen ununterbrochen geregnet, und der Boden war feucht und kalt geworden.
„Mir ist kalt, Mutter“, sagte der kleine Paul und war dankbar dafür, dass er jetzt wenigstens eine Decke bekam. Emma McLellan nahm den Jungen in die Arme und drückte ihn an sich, während sie ihm durch das dichte rotblonde Haar strich.
„Es wird bald besser werden, Paul“, versuchte sie ihn zu beruhigen. „Dein Vater und Mike kommen sicher bald von der Jagd zurück, und dann wird es heute Abend etwas Gutes zu essen geben. Und bald werden wir auch ein Dach über den Kopf haben. Dein Vater macht alles, damit wir uns hier wohlfühlen können, mein Junge.“
Sie bemerkte, wie intensiv er sie bei diesen Worten anschaute und darüber nachzudenken schien. Mike war ein stiller, meistens in sich gekehrter Junge, der nicht viel sagte. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Mike hatte er mehr von seiner Mutter geerbt. Deshalb war es ihm besonders schwergefallen, als sich die McLellan-Familie dazu entschlossen hatte, ihre ursprüngliche Heimat Louisiana zu verlassen und nach Texas zu kommen. Eine wochenlange und zermürbende Reise lag hinter ihnen, bis sie schließlich den Ort erreicht hatten, wo sie sich niederlassen wollten.
Tom McLellan war ein Farmer, der am besten einschätzen konnte, welches Land zum Ackerbau geeignet war, und deshalb hatten sich Emma und ihre beiden Söhne darauf verlassen, dass das Familienoberhaupt auch diesmal richtig entschieden hatte. Aber die letzten beiden Tage waren alles andere als optimistisch gewesen. Zum einen hatte ihnen das regnerische Wetter einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht, und zum anderen hatten sie feststellen müssen, dass ihre Vorräte aufgrund der Witterung Schaden genommen hatten und man einiges davon nicht mehr genießen konnte. Also war Tom McLellan nichts anderes übrig geblieben, als mit Mike auf die Jagd zu gehen und für frisches Fleisch zu sorgen.
Emma McLellan machte sich mittlerweile Sorgen um ihren Mann und Mike. Es waren schon mehrere Stunden vergangen, seit sie die beiden Pferde genommen hatten und in Richtung Westen geritten waren. Emma und Paul hofften seitdem auf eine baldige Rückkehr, denn in der Abgeschiedenheit dieser Wildnis kam natürlich der Gedanke auf, was aus ihnen wurde, wenn ihrem Mann und Mike womöglich etwas zugestoßen war.
In den Ansiedlungen, an denen sie auf ihrem Weg vorbeigekommen waren, hatte man sie ausdrücklich davor gewarnt, zu weit abseits der größeren Orte zu siedeln, weil die Gefahr durch marodierende Tonkawa- und Waco-Indianer sehr real war. Erst vor wenigen Tagen war etwas geschehen, was sehr schnell die Runde in der ganzen Region gemacht hatte: Ein Trupp Texas Ranger hatte sich mit einigen Waco-Indianern einen blutigen Kampf geliefert, und es hatte mehrere Tote gegeben. Ein Zeichen dafür, dass sich der Konflikt zwischen den verschiedenen Indianerstämmen und den texanischen Siedlern immer mehr auszuweiten begann. Ganz zu schweigen von der Bedrohung durch mexikanische Soldaten, die die Siedler ebenfalls drangsalierten und teilweise sogar schon von ihren Farmen vertrieben hatten.
Trotzdem hatte sich Emmas Mann Tom von nichts und niemandem davon abhalten lassen, seinem Traum zu folgen. Dieser Traum hatte jetzt erst einmal ein Ende in einem hügeligen Landschaftsabschnitt in der Nähe des San Gabriel River gefunden, aber wenn man alles mit einem sehr realistischen Blick betrachtete, dann war dieser Ort, der ihr neues Zuhause werden sollte, eher ein Wagnis als eine Verheißung.
Tom hatte geschuftet und in den letzten Tagen alles versucht, was trotz des heftigen Regens noch möglich war. Aber mehr als ein Stück Land zu roden und von Baumstümpfen zu befreien, hatte er nicht geschafft. So hatte die Familie die meiste Zeit im Planwagen verbringen müssen, in dem sich ihre gesamten Habseligkeiten befanden, die sie aus Louisiana mitgenommen hatten. Es waren keine großen Besitztümer, nur einige zweckmäßige Möbel, Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände, die ihnen den Neustart erleichtern sollten.
Emmas Gedanken brachen ab, als sie hörte, dass ein Hustenreiz Paul überkam. Sie fuhr erschrocken zusammen, als ihr bewusst wurde, dass eine fiebrige Erkältung oder gar eine sich anbahnende Lungenentzündung hier draußen den Tod bedeuten konnte.
„Ich bin müde, Mutter“, sagte Paul und schaute sie fragend an. „Und ich habe Kopfschmerzen.“
„Am besten ruhst du dich aus“, erwiderte sie sofort. „Komm, wir gehen rüber zum Wagen, und dann legst du dich mal ein oder zwei Stunden hin. Ich mache dir einen Tee und bringe ihn dir gleich. Was hältst du davon?“
Paul gab ihr mit einem kurzen Lächeln zu verstehen, dass er das für eine sehr gute Idee hielt, und erhob sich vom Feuer. Zusammen mit seiner Mutter ging er hinüber zum Planwagen, hinter dem ihre Kuh Bessy mit einem langen Strick angebunden war und friedlich graste. Bessy war ein ganz wichtiger Teil ihres zukünftigen Lebens. Sie würde die Familie mit frischer Milch versorgen, und das war wichtig hier draußen in der Wildnis. Tom hatte vor, nach der ersten Ernte im nächsten Jahr einen Teil des Ertrages zu verkaufen und dann eine weitere Kuh und einen Stier anzuschaffen, um so den Bestand zu vergrößern. All dies stand jedoch noch in weiter Ferne. Zunächst mussten sie erst einmal den Winter in diesem rauen Land überstehen, bevor sie weitere Pläne schmieden konnten, und dafür benötigten sie ein stabiles und wetterfestes Haus.
Emma half ihrem jüngsten Sohn, in den Wagen zu steigen. Dort streckte er sich sofort aus und deckte sich zu. Sie lächelte Paul noch einmal zu und wartete ab, bis er die Augen schloss. Nur wenige Sekunden später hörte sie seine gleichmäßigen und ruhigen Atemzüge. Paul schlief bereits, das war ein gutes Zeichen. Im Schlaf konnte man sich erholen und auch neue Kraft schöpfen, das hatte ihre Großmutter immer gesagt und damit auch recht behalten. Denn immerhin war sie fast neunzig Jahre alt geworden.
Sie ging zurück zu der Stelle, wo das Feuer brannte, während die Sonne allmählich gen Westen sank. Der Wind frischte jetzt auf, und Emma setzte sich deshalb noch etwas näher ans Feuer. Sie hatte Wasser in einen Kessel gefüllt und diesen auf einem Eisengestell über dem Feuer platziert. Langsam begann das Wasser zu kochen, und sie stellte zwei Blechbecher bereit, in die sie getrocknete Teeblätter gegeben hatte. Ein wenig Luxus aus der Zeit in Louisiana, der aber bald zur Neige gehen würde. Darüber wollte sich Emma McLellan jetzt nicht den Kopf zerbrechen, denn nun ging es erst einmal darum, dass Paul etwas Heißes zu trinken bekam und sich hoffentlich bald wieder besser fühlte.
Sie goss heißes Wasser aus dem Kessel auf die Teeblätter und ließ alles ziehen. Als sich der aromatische Duft immer stärker auszubreiten begann, nahm sie beide Becher und ging wieder hinüber zum Planwagen.
„Paul, der Tee ist fertig!“, rief sie. „Wach auf!“
Der Junge erwachte, rieb sich im ersten Moment verwundert die Augen, weil er wohl geträumt hatte. Dann sah er seine Mutter, erhob sich vom Lager und sah, wie sie ihm den Becher reichen wollte. Paul nahm ihn dankbar entgegen, trank einen Schluck und lächelte zufrieden.
Dieses Lächeln war jedoch nur von kurzer Dauer, denn Paul wurde auf einmal ganz bleich im Gesicht und ließ vor Schreck den Becher mit dem Tee fallen. Die Flüssigkeit ergoss sich über die Hose des Jungen, aber der nahm diese Hitze gar nicht wahr, sondern schaute immer wieder auf etwas, was sich hinter seiner Mutter befand und das ihn offensichtlich sehr erschreckte.
Emma McLellan drehte sich daraufhin um und stieß einen Schrei aus, als sie die beiden Indianer sah, die ganz plötzlich aufgetaucht waren. Einer von ihnen ging zur Feuerstelle, während der andere sich mit einem triumphierenden Grinsen der Mutter und ihrem Jungen näherte.
„Geh weg!“, schrie ihn Emma an und goss dem Indianer den Tee ins Gesicht. Der schüttelte kurz den Kopf, als ihn die Flüssigkeit traf, und holte stattdessen mit der rechten Hand zu einem Schlag aus, der Emma am Kopf traf und sie ins Wanken brachte.
Sie hörte die ängstliche Stimme ihres Jungen, während sie zu Boden ging und sich rasch wieder zu erheben versuchte. Inzwischen war der Indianer zum Wagen gegangen, packte Paul und zog den sich heftig wehrenden und schreienden Jungen herunter. Das interessierte den Indianer aber gar nicht. Stattdessen versetzte er Paul eine schallende Ohrfeige, die den hilflosen Jungen sofort verstummen ließ.
Das Gesicht des Indianers, der Paul gepackt hatte, war mit schwarzer und gelber Farbe bemalt und sah für Emma aus wie die Inkarnation eines Dämons, der direkt aus der Hölle gekommen war, um ihr und Paul Leid zuzufügen. Das durfte sie niemals zulassen. Sie musste Paul beschützen, auch wenn sie dabei ihr Leben aufs Spiel setzte.
Allerdings hatte sie dabei nicht mehr auf den zweiten Indianer geachtet. Er stand nicht mehr beim Feuer, sondern auf einmal hinter ihr. Er griff zu, bekam ihren Haarschopf zu fassen und riss sie nach hinten. Emma spürte den ziehenden Schmerz und versuchte sich zu wehren, so...




