Bekenntnisse von Legenden in der deutsch-jüdischen Publizistik
Buch, Deutsch, 716 Seiten, Format (B × H): 178 mm x 245 mm, Gewicht: 1318 g
ISBN: 978-3-86962-747-2
Verlag: Herbert von Halem Verlag
Die Geschichte der deutschsprachigen Publizistik war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Abenteuergeschichte mit vielen Geheimnissen. Sie wird in diesem Buch aus der Perspektive von ›Medienlegenden‹ erzählt, die in Memoiren ihr Leben in jener Zeit beschrieben haben. Viele von ihnen hatten jüdische Wurzeln; schon bald nach Hitlers Machtergreifung mussten sie emigrieren. Publizist:innen mit ›Arier-Nachweis‹ konnten hingegen während des ›Dritten Reichs‹ weiter publizistisch aktiv bleiben. Ihre Bekenntnisse und Geständnisse führen zu Erkenntnissen über die Themen ›Schuld‹ und ›Vergessen‹, die uns im Moment wieder besonders stark beschäftigen müssen.
Intensiv ›beim Wort genommen‹ werden in dieser Studie insgesamt 36 deutsche Medienlegenden, darunter Alfred Kerr, Theodor Wolff, Curt Riess, Hans Habe und Georg Stefan Troller sowie Gabriele Tergit, Stéphane Roussel und Hilde Spiel – alle mit jüdischen Wurzeln. Zu den Deutschen, die Diener des Systems gewesen waren und nach dem Krieg, als sie (weiter) zur Medienprominenz gehörten, wenig selbstkritisch oder sogar lügnerisch mit ihrer Vergangenheit umgingen, zählen Friedrich Sieburg, Karl Korn, Walter Henkels, Henri Nannen, Fritz Sänger, Margret Boveri und Elisabeth Noelle. Auch die Nebenrollen sind in diesem Buch über ›Medienlegenden‹ prominent besetzt – mit Personen der Zeitgeschichte aus Politik, Kunst und Wissenschaft wie Rathenau und Stresemann, Brecht, Kafka, Schönberg und Furtwängler sowie Röntgen, Cassirer und Adorno.
Zielgruppe
Das Buch richtet sich an Forscher und Studierende, die sich mit Themen der Journalismusforschung und insbesondere dem Milieu und den Mentalitäten im Bereich der deutschsprachigen Publizistik und ihrer Geschichte beschäftigen. Und an Pädagogen, die vermitteln wollen, was geschieht, wenn man in der Demokratie das geschriebene und gesprochene Wort nicht vor dem Einfluss autoritärer Kräfte schützt. Im Grunde gehen die hier rekonstruierten und präsentierten Lebensbeschreibungen aber alle an, die – gerade aus aktuellem Anlass – nicht vergessen wollen, was, ausgehend von Deutschland, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschehen ist.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
I. ›Mein Leben‹: Erinnertes und Erdichtetes
II. Jüdische Wurzeln: Verfolgung und Vertreibung
Alfred Kerr – Der verhasste Kritiker und Sprach-Künstler
Friedrich Stampfer und Theodor Wolff – Zwei politische Journalisten und ihre Emigration
Stefan Großmann – Der Romantiker aus dem Branntweinladen
Willy Haas – Ein wirklicher Freund der literarischen Welt
Gabriele Tergit und Immanuel Birnbaum – Ein Jahrgang und zweimal Max Weber
Hans Sahl – Allrounder, dichtender Moralist und Fluchthelfer im Exil
Stéphane Roussel – Dauergast im Frühschoppen: die ›Grande Dame‹
Curt Riess – Der Sportreporter und Goebbels-Biograf
Hans Habe – Achtzehn Zeitungen und sechs Ehefrauen
Hilde Spiel – Eine moderne Frau und sensible Essayistin
Henry R. Cassirer – Aus der Odenwald-Idylle in die weite Welt
Marcel Reich-Ranicki – Das Publikum (und sich selbst) im Blick
Georg Stefan Troller – Der Flaneur und seine ›Menschenfresser-Interviews‹
Gerhard Löwenthal und Ralph Giordano – Ein Rechtsausleger und ein Linksausleger
III. ›Zweite Schuld‹: Verschweigen und Verdrängen
Fritz Sänger – Der mutige Mitschreiber und sein Loch im Lebenslauf
Friedrich Sieburg – Der eitle ›Richard Tauber des Journalismus‹
Karl Silex, Paul Scheffer und Rudolf Kircher – Drei Chefredakteure und der ›graubraune Widerstand‹
Margret Boveri – ›Innere Emigration‹, Bewusstsein – und die Wirklichkeit
Karl Korn – Garten und Feld – und die Tarnung ›zwischen den Zeilen‹
H. H. Stuckenschmidt – ›Zum Hören geboren‹: ein Lobbyist der Neutöner
Sebastian Haffner – Der Beginn der Nazi-Ära – Anmerkungen aus dem Exil
Axel Eggebrecht – Ein Agnostiker und sein gesunder Menschenverstand
Walter Henkels und Henri Nannen – Vom PK-Kriegsberichter zur ›Medienlegende‹
Elisabeth Noelle und Helene Rahms – Frauen im ›Trojanischen Pferd‹ des Dr. Goebbels
Hans-Georg v. Studnitz und Ursula v. Kardorff – Adel verpflichtet – aber nicht in jedem Fall und überall
Erich Kuby – Deutsche Patrioten und der Mann, der alles aufschrieb
Felix v. Eckardt und Günter Diehl – Auf ›krummen Wegen‹ zu Schlüsselrollen in Bonn
IV. Erträge des ›unerforschten Rests‹. Ein Nachwort von Ulrich Pätzold
Literatur
Personenregister




